AvaBlog 26. - 29. August 2023

Nach der Hitze kam der Regen – und in der Höhe der Schnee

Die Niederschläge waren massiv, aber es war warm. Grosse Schneemengen fielen damit nur im Hochgebirge.

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Winter auf der Diavolezza, 2978 m, mit 10 bis 20 cm Neuschnee. Doch wie viel Neuschnee fiel wohl auf den Gipfeln des Berninagebietes (Quelle: www.corvatsch-diavolezza.ch, 29.08.2023, 12:00 Uhr)?
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Auf dem Berninapass, 2307 m, blieb es hingegen grün (Quelle: www.bergfex.ch).
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Ein winterliches Erwachen gab es für die Hüttenkatze auf der Planurahütte im Tödigebiet, 2947 m (Quelle: Instagram, planurahuette.ch, 29.08.2023).
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Ob der Schnee wohl auf dieser Baustelle willkommen war (Skihütte Stand, 2450 m, Quelle: titlis.ch, 29.08.2023)?
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Oder auf der Sonnenterasse am Sustenpass (Quelle: sustenpass.ch)?
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Es grüsst der Schneemann von der Badushütte, Maighelsgebiet, GR (Fotoquelle: N. Levy, 29.08.2023).

Eins vorweg: Rekordverdächtig waren bei diesem Ereignis vor allem die Niederschlagsmengen in flüssiger Form, nicht die Schneemengen. So fielen vom Samstag, 26. bis Dienstag, 29. August in Teilen des Tessins und Mittelbündens über 200 mm Niederschlag (siehe dazu auch Blog MeteoSchweiz). Mit einem eindrücklichen Temperatursturz sank die Nullgradgrenze von über 5000 m um 3000 m ab und lag am Dienstag bei 2000 bis 2500 m; die Schneefallgrenze sank von über 3000 m gegen 2000 m ab, in Südbünden lag sie aber lange deutlich höher (Abbildung 1).

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Abbildung 1-a: Vom 22. bis 24. August noch auf rekordhohen Werten von gegen 5800 m, sank die Nullgradgrenze ab dem 25. August kontinuierlich ab, am 29. August bis gegen die 2000 m Mark
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Abbildung 1-b: Die Schneefallgrenze sank vom Samstag, 26. bis am Dienstag, 29. August ebenfalls deutlich ab. Gut zu sehen ist, dass sie in Südbünden (sGR, orange) deutlich höher lag.

Im Hochgebirge über 1 m Neuschnee

Die Verifizierung der gefallenen Neuschneemengen gestaltete sich sehr schwierig: Die lokalen Abweichungen sind bei so grossen Niederschlagsmengen beträchtlich und die Schneefallgrenze lag lange sehr hoch und war zudem regional sehr unterschiedlich. Weitere Schwierigkeiten waren: (1) die IMIS-Stationen, welche die Schneehöhe messen liegen fast ausschliesslich in einem Höhenband von 2200 bis 2800 m und sind damit meist zu tief, (2) höher oben sind kaum Stationen verfügbar, (3) hoch gelegene Webcams (Bsp. Gornergrat, Jungfraujoch, Mittellegihütte, Titlis, Diavolezza) sind oft vereist, aber auch sonst ist die Neuschneeabschätzung aufgrund der Bilder sehr schwierig.

Die beste Abschätzung liefert das INCA-Modell, ein Produkt von MeteoSchweiz, welches die Neuschneehöhen aus Radar- und Stationsdaten berechnet (vgl. Abbildung 2).

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Abbildung 2-a: 24-Stunden-Neuschneemengen bis 27. August, 9.00 Uhr berechnet aus Radar- und Stationsdaten mit dem INCA-Modell (Quelle: MeteoSchweiz). Schnee fiel nur auf den höchsten Bergen.
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Abbildung 2-b: 24-Stunden-Neuschneemengen bis 28. August, 9.00 Uhr. Mit der sinkenden Schneefallgrenze wurde deutlich flächiger Neuschnee modelliert, der Schwerpunkt lag immer noch im Westen.
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Abbildung 2-c: 24-Stunden-Neuschneemengen bis 29. August, 9.00 Uhr. In dieser Periode wurde vor am meisten Neuschnee im Osten modelliert, im Westen hatte der Niederschlag nachgelassen.

Die IMIS-Station ELA 2 (Tschitta, 2725 m) in Mittelbünden (Bergün) zeigte am 29. August allerdings eine Schneehöhe von 51 cm und eine 3-Tages-Neuschneesumme von 71 cm. Dies lässt vermuten, dass die Neuschneesummen im Osten vom INCA eher etwas unterschätzt wurden. Dafür scheinen die Werte im Westen eher etwas hoch verglichen mit dem Eindruck, der sich von den Webcams ergibt.

Abgeschätzt aus allen verfügbaren Informationen dürften verbreitet 50 bis 80 cm Neuschnee oberhalb von rund 3000 m, bzw. im Berninagebiet oberhalb von etwa 3500 m gefallen sein. Markant war aber sicherlich auch die Höhenzunahme der Neuschneemengen, so dürften die Neuschneemengen oberhalb von 4000 m deutlich über einem Meter liegen. Dies zum Beispiel im MonteRosa oder Aletschgebiet.

Lawinengefahr und Lawinen

Am Sonntag, 27. August erschien ein Lawinenbulletin (Textbulletin). Darin wurde vor trockenen Schneebrettlawinen im Neu- und Triebschnee im Hochgebirge gewarnt. Der Schnee fiel verbreitet auf aperen Boden.

Die Lawinengefahr dürfte in den kommenden Tagen rasch abnehmen. Dennoch sollte vor allem an Nordflanken im Hochgebirge eine vorsichtige Beurteilung der Verhältnisse gemacht werden. Ebenfalls sollten exponierte Stellen, wo bereits ein kleiner Rutsch zum Absturz führen kann, vorsichtig beurteilt werden. Vor allem an Grashängen oder aus Felsplatten sind Gleitschneerutsche zu erwarten.

 

Über Lawinenabgänge war bis Redaktionsschluss nichts bekannt.

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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