AvaBlog 8. - 15. April 2026

Weitere Durchfeuchtung der Schneedecke

Mit «Waschküchenwetter» und Regen schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke in hohen Lagen voran. An Nordhängen von 2000 bis auf rund 2500 m, teils bis 2800 m gingen vermehrt nasse Lawine nieder, und sie wurden auch als nasse Schneebrettlawinen durch Personen ausgelöst. Mit dem Niederschlag im Süden bei hoher Schneefallgrenze stieg die Aktivität von spontanen nassen Lawinen an. An Nordhängen rissen die Lawinen oft die ganze Schneedecke mit und wurden teils gross bis sehr gross. 

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Diese sehr grosse, etwa 450 m breite nasse Schneebrettlawine ging spontan ab und riss die gesamte Schneedecke an diesem Nordhang auf 2100 m mit sich (Realp, UR) (Foto: J. Alajuuma, 13.04.2026).
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«Waschküchenwetter». Da die Wolkendecke die Abstrahlung verhinderte und die Luftfeuchtigkeit hoch war, drang die Schmelzwasser in die Schneedecke ein und feuchtete auch die tieferen Schwachschichten an. Diese Nassschneelawine löste sich spontan am Westhang des Majinghorns (Leukerbad, VS) auf rund 2300 m (Foto: J. Schmalfuss, 14.04.2026)
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Kleine Lockerschneelawinen an den Ost-, Süd- und Westhängen des Tochuhorns (2661 m, Simplon). Auf diesem wenig exponierten Gelände scheinen sie kaum gefährlich zu sein, könnten aber in ihrer Sturzbahn eine nasse Schneebrettlawine im Altschnee auslösen (Foto: V. Bettler, 14.04.2026).
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Auf rund 2200 m Höhe im Binntal (VS) waren zwischen einer Schneedecke, die gerade erst feucht wurde, und einer Überlastung durch feuchten Neuschnee die Kriterien für spontane Lawinen im bodennahen Altschnee mehr als erfüllt (Foto: S. Briv, 14.04.2026).
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Grosse Gleitschneelawinen auf Kalksteinplatten unterhalb der Dent Favre (2917 m, Leytron, VS). Die Neigung der grossen Platte in der Mitte beträgt «nur» etwa 25° (Foto: J.P. Wagnières, 09.04.2026).
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Ästhetische nasse Lockerschneelawine am Nordwesthang des Gassenhoren (2617 m, Iseltwald, BE) (Foto: Roundshot, 12.04.2026).
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Am Südosthang des Sandhubels (Davos, GR), auf rund 2500 m, handelte es sich nicht um eine Lawine, sondern um eine Setzung der Schneedecke, die sich nach einem Wumm-Geräusch zeigte. Der Riss hat sich bis ins flache Gelände ausgebreitet. Die Setzung erreichte stellenweise eine Höhe von 20 cm, verursacht durch den Kollaps einer mächtigen, vermutlich bodennahen Schwachschicht (Foto: SLF/M. Haugeneder, 10.04.2026).
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Am Nordosthang des Pazolastocks (2739 m, Andermatt, UR) löste sich diese grosse Schneebrettlawine spontan in der bodennahen Schwachschicht aus. Es ist unklar, ob die tiefer gelegene Schwachschicht bereits angefeuchtet und dadurch störanfällig war oder ob nur der oberflächennahe Schnee feucht war und sich dadurch die mechanische Eigenschaft des Schneebretts so veränderte, dass es auf der noch trockenen Schwachschicht abgehen konnte, oder auch beides zum Lawinenabgang führte (Foto: N. Lévy, 08.04.26).
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Im Val Cavagnolo (Bedretto, TI) sind mehrere Lawinen spontan abgegangen. Während sich die Lawine im Vordergrund offenbar in den bodennahen Schwachschichten gelöst hat, scheinen die anderen eher im Neuschnee oder in den oberflächennahen Schwachschichten angebrochen zu sein und daher nicht ganz so gross wurden (Foto: M. Giudici, 14.04.2026).
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Bruch auf allen Ebenen am Nordosthang des Bonistock auf rund 2100 m (Kerns, OW). Am Fusse jedes Felsbandes wurde durch die Lawine eine neue Schneebrettlawine ausgelöst, dies jeweils im bodennahen, schwachen Altschnee (Foto: S. Leitner, 15.04.2026).
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Eine weitere sehr grosse, nasse Schneebrettlawine, die am Nordosthang des Staldehore (Saanen, BE) in den letzten Tagen auf rund 2200 m spontan abging, und teils die gesamte feuchte Altschneedecke mitriss (Foto: T. Ryter, 15.04.2026).

Wetter

Es war mit milden Temperaturen, teils bedeckten Nächten und Regen bis in hohe Lagen typisches Aprilwetter. Die Nullgradgrenze (Abbildung 1) lag zunächst bei 3000 bis 3500 m. Sie sank ab dem 12. April auf 2200 bis 2500 m, bevor es am 15. April wieder wärmer wurde.

In der Nacht auf Sonntag, 12. April regnete es im Jura und in den Voralpen bis in die Gipfellagen. Im Jura fielen 20 bis 30 mm, an den Voralpen rund 10 mm Niederschlag. Am Sonntagabend setzte im Süden Niederschlag ein, der bis Dienstagmorgen, 14. April anhielt. Die Niederschläge waren aber deutlich weniger intensiv und ergiebig als prognostiziert. Gleichzeitig war Saharastaub in der Atmosphäre (Blog MeteoSchweiz), der nicht zuletzt auch im Norden für zeitweise recht trübes Wetter sorgte. Die Schneefallgrenze lag bei 2000 bis 2200 m. Oberhalb von rund 2500 m fielen am Oberwalliser Alpenhauptkamm vom Monte Rosa bis ins Simplon Gebiet sowie im nordwestlichen Tessin 40 bis 60 cm, am übrigen westlichen Alpenhauptkamm, im übrigen Gotthardgebiet und vom Lukmanier bis zum Bernina Pass lokal 10 bis 30 cm Schnee, sonst wenige Zentimeter (Abbildung 2). Der Südostwind blies in der Höhe meist mässig. Er verfrachtete im Süden den Neuschnee und im Norden lokal den lockeren Altschnee an Nordhängen.



 

Schneedecke

Während am Osterwochenende die oberflächennahen Schichten an Nordhängen in hohen Lagen angefeuchtet und damit störanfällig wurden, waren es in dieser Berichtsperiode zunehmend auch die tiefer in der Schneedecke liegenden, schwachen Altschneeschichten, die erstmals feucht wurden. Dies vor allem in einem Höhenband von 2000 und 2500 m. An den übrigen Hangexpositionen war die Schneedecke zuvor bereits bis in Höhenlagen gegen 3000 m durchfeuchtet (Abbildung 3).

 

Im Jura und in den Voralpen aperte die bereits nasse und nur noch an Nordhängen teils geschlossene Schneedecke mit dem Regen weitgehend aus.

 

Lawinengefahr und Lawinenaktivität

Mit der fortschreitenden Durchfeuchtung bei hohen Temperaturen, reduzierter Abstrahlung und Regen waren nasse Lawinen die Hauptgefahr. Die Gefahr stieg jeweils bereits in den Vormittagsstunden rasch an, meist verbreitet auf die Stufe 3 (erheblich) und mit Regen war sie auch den ganzen Tag erhöht. Einerseits gingen spontane Nass- und Gleitschneelawinen ab, andererseits wurden auch nasse Schneebrettlawinen durch Personen ausgelöst oder fernausgelöst (Abbildung 4). Dies besonders in den inneralpinen Gebieten, wo auch Wummgeräusche und Risse mit teils enormen Setzungen (vgl. Bildstrecke) in der nassen Schneedecke beobachtet wurden. Bei Brüchen in tiefen Schwachschichten der Schneedecke wurde die ganze Schneedecke mitgerissen. Diese «tiefen Altschneeschichten» sind also auch jetzt im Frühjahr mit der Durchfeuchtung der Schneedecke entscheidend für die Lawinengefahr.

Mit den Niederschlägen im Süden stieg zudem die Gefahr von trockenen Lawinen in der Höhe an. Die prognostizierte Gefahrenstufe 4 (gross) für trockene Lawinen wurde am Montag, 13.04. allerdings nicht erreicht, und im Morgenbulletin um 8 Uhr auf erheblich zurückgestuft. Gebietsweise wurde aber im Gotthardgebiet die Gefahrenstufe 4 (gross) für nasse Lawinen erreicht, wo sich vermehrt sehr grosse nasse Lawinen lösten (Abbildung 4).

Einen Überblick über die nasse Lawinenaktivität gibt Abbildung 6, mit der Verteilung nach Hangexpositionen und Höhenlagen. Die meisten nassen Lawinen gingen an Nordhängen oberhalb von 2000 m nieder.

Lawinenunfälle

In dieser Berichtsperiode wurden 16 Lawinen gemeldet, die durch Personen ausgelöst wurden. Dabei wurden 10 Personen erfasst. Am 11. April wurde eine Person beim Wandern im Gebiet Alpgschwänd (Hergiswil NW) von einer Gleitschneelawine ganz verschüttet und verletzt (vgl. Unfalltabelle). 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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