Erneuter Grossschneefall – verbreitet grosse, im Westen sehr grosse Lawinengefahr
Wetter ¶
Am Samstag fiel zunächst im Süden, in der Nacht auf Sonntag dann auch im Norden Schnee oberhalb von etwa 1000 m. In Summe fielen nördlich einer Linie Rhone-Rhein 15 bis 25 cm, südlich davon verbreitet 5 bis 15 cm Schnee. Am Sonntag war es recht sonnig. In der Höhe und im Süden blies allerdings starker Nordwind, welcher Neu- und Altschnee verfrachtete.
Von Sonntagabend bis Mittwochmorgen brachte eine markante Nordwestlage ergiebige Schneefälle (vgl. Abbildung 1). Am Montag lag der Schwerpunkt des Schneefalls noch im Westen und im Wallis, am Dienstag dehnte er sich auch in den Osten aus. In der Nacht auf Mittwoch fiel im Osten noch etwas Schnee. Die Schneefallgrenze stieg zu Beginn des Ereignisses im Westen und am Alpennordhang vorübergehend über 1500 m und sank dann verbreitet unter 1000 m ab.
Mit starkem bis stürmischem West- bis Nordwestwind griff der Niederschlag bis ins nördliche Tessin, nach Mittelbünden und ins Engadin über. Nach Süden hin waren die Mengen deutlich kleiner. Der teils stürmische Wind verfrachtete den Neuschnee intensiv (Abbildung 2).
Schneedecke und Schneelage ¶
Nachdem in der letzten Berichtsperiode vom Dienstag, 10. bis zum Freitag, 13. Februar im westlichsten und nördlichen Unterwallis bereits 100 bis 150 cm Schnee gefallen waren, kam in dieser Berichtspieriode nochmal etwas mehr als ein Meter Schnee hinzu. Daraus resultierten am nördlichen Alpenkamm Neuschneesummen von rund 200 cm, im westlichsten und nördlichen Wallis sogar bis über 250 cm (vgl. Abbildung 3).
Für die neuschneereichsten Gebiete im Westen hat dieses Niederschlagsereignis über 8 Tage eine Wiederkehrdauer von 5 bis 13 Jahren. D.h. ein solcher Schneefall kommt statistisch alle 5 bis 13 Jahre einmal vor.
All dieser Neuschnee überlagerte nun eine Altschneedecke, welche oft kantig aufgebaute und schwache Schichten beinhaltete. Nördlich einer Linie Rhone-Rhein waren diese Schichten nicht ganz so ausgeprägt wie südlich davon. Aber die Zusatzlast des gesamten Neuschnees war so gross, dass man mit spontanen Lawinen, die auch in tiefen Schichten der Schneedecke anreissen, rechnen musste. Südlich einer Linie Rhone-Rhein waren die Schwachschichten in der Altschneedecke noch immer sehr ausgeprägt und wenig überdeckt. Teils war die ganze Schneedeckenbasis kantig aufbauend umgewandelt und schwach. In diesen Gebieten war davon auszugehen, dass auch die etwas weniger Neuschnee viele spontane Lawinen verursachen würde.
Mit diesem Schneefall wurde die bisherige Schneearmut dieses Winters zumindest im Westen gelindert. Kurz nach dem Schneefall lagen die Schneehöhen im Westen teils stark über dem Durchschnitt, im Osten und im Süden dominierten aber noch immer über weite Gebiete die Gelb- und Rottöne, welche für unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Schneehöhen stehen (vgl. Abbildung 4).
Lawinen ¶
Am Sonntag, 15.02., und damit bereits vor dem Grossschneefall dieser Berichtsperiode, gingen mehrere spontane Lawinen ab, darunter vereinzelt auch sehr grosse (vgl. Abbildung 5 und weitere in der Bildgalerie). Zwar war am Vortag wenig Neuschnee gefallen, und der Nordwind verfrachtete am Sonntag zusätzlich etwas Schnee, doch dies allein erklärt die spontanen Abgänge nicht. Die Hauptursache dieser Lawinen dürfte vor allem die sehr instabile Altschneedecke gewesen sein.
Mit dem vielen Neuschnee, dem Sturm und der schwachen Schneedecke waren für Montag und Dienstag viele spontane Lawinen vorprogrammiert. In den Hauptniederschlagsgebieten im nördlichen und westlichsten Wallis wurden viele davon sehr gross (vgl. Abbildung 6). Im westlichsten und nördlichen Unterwallis wurden sogar einzelne extrem grosse Lawinen gemeldet.
Auch im südlichen Wallis, wo über 8 Tage 100 bis 200 cm Neuschnee auf eine sehr schwache Schneedecke fielen, wurden einige sehr grosse spontane Lawinen beobachtet. Einzelne Tallawinen wurden auch am zentralen und östlichen Alpennordhang und im Bedrettotal beobachtet (vgl. Abbildung 7).
Auch in den Gebieten, wo deutlich weniger Schnee fiel, gingen zahlreiche spontane Lawinen ab, vor allem in Graubünden. Die Lawinen waren hier oft mittelgross bis gross, vereinzelte aber auch sehr gross (Abbildung 8).
Auch nach dem Ende des Niederschlags blieb die Schneedecke weiterhin sehr schwach. Es wurden am Mittwoch, 18.02. erneut zahlreiche Wummgeräusche (Setzungsgeräusche in der Schneedecke) registriert. Lawinen konnten sehr leicht und auch aus Distanz ausgelöst werden (Abbildung 9).
Mit dem Ende der Niederschläge nahm die Aktivität von spontanen Lawinen am Mittwoch deutlich ab. Es gab nur noch vereinzelt spontane Lawinen, sie konnten aber in den Hauptniederschlagsgebieten aufgrund der grossen Anrissmächtigkeit und der grossflächigen Bruchausbreitung in den schwachen Altschneeschichten noch immer sehr gross werden. (vgl. Abbildung 10 und 11).
Lawinengefahr ¶
Für Sonntag, 15. Februar wurde verbreitet vor erheblicher Lawinengefahr gewarnt. Aufgrund der vielen spontanen, teils sehr grossen Lawinen wurde die Gefahr im Goms und in Teilen Graubündens im Nachhinein als gross (Stufe 4) eingestuft. Danach wurde für drei Tage verbreitet vor grosser, am Dienstag, 17. Februar im westlichsten und nördlichen Wallis verbreitet vor sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5) gewarnt. Die betreffenden Gebiete wurden erst am Dienstagmorgen, 17. Februar auf die Gefahrenstufe 5 hochgestuft. Der Grund dafür war, dass die bis zum Abend erwarteten Neuschneemengen schon am Morgen erreicht waren und der Schneefall und Sturm tagsüber weiter anhielten. Aufgrund der Lawinenmeldungen, die bis Redaktionsschluss dieses Berichtes vorlagen, wurde die Gefahrenstufe 5 in den Gebieten Monthey-Val d’Illiez, Emosson und Conthey-Fully erreicht, allerdings wohl bereits während der Nacht und nicht erst am Tag. Aus diesen Gebieten wurden einige sehr grosse und einzelne extrem grosse Lawinen gemeldet. Auch im übrigen Wallis wurde aufgrund der grossen Anzahl grosser und sehr grosser Lawinen der obere Bereich der Gefahrenstufe 4 verbreitet erreicht.
Auch am zentralen und östlichen Alpennordhang und in Graubünden wurde die grosse Lawinengefahr (Stufe 4) mit zahlreichen spontanen Lawinen verbreitet bestätigt. Vor allem in Graubünden bezog sich die Gefährdung aber vor allem auf alpines Schneesportgelände.
Lawinenunfälle und Sachschäden ¶
Bis zum Redaktionsschluss wurden bereits einige Sachschäden bekannt. Dabei handelte es sich vor allem um Waldschäden. Zwischen Herbriggen und Randa wurde am Dienstag, 17. Februar ein Zug von einer Staublawine erfasst. Dabei wurde die Fahrleitung beschädigt. Personen kamen keine zu Schaden. Meldungen über Gebäudeschäden gingen bis zum Redaktionsschluss noch keine ein. Eine abschliessende Bilanz der Sachschäden kann aber erst nach dem Winter gezogen werden und erscheint im Winterbericht, der Ende Jahr publiziert wird.
Abseits der gesicherten Verkehrswege forderten Lawinenunfälle in den letzen Tagen vier Todesopfer. Nach Redaktionsschluss des letzten Avablogs wurde noch ein tödlicher Lawinenunfall am Pizzo Centrale (Airolo TI) vom Freitag, 13. Februar gemeldet. Dabei kamen zwei Personen auf einer Skitour ums Leben.
Ein weiterer Unfall mit Todesfolge ereignete sich am Sonntag, 15. Februar am Schwarzhorn (Davos GR), ein dritter am Dienstag, 17. Februar am Piz Martegnas (Savognin, GR). Die Unfälle ereigneten sich ausserhalb der gesicherten Pisten. In beiden Fällen verlor jeweils eine Person ihr Leben.