Neue Datenerfassung für Lawinenforschung

Im Vallée de la Sionne (Arbaz, VS) modernisiert das SLF sein einzigartiges Lawinentestgelände mit einem neuen Datenerfassungssystem. Es liefert selbst unter extremen Bedingungen präzise Messdaten von Lawinen.

  • Technologie-Update: 2025 ersetzte das SLF das 20 Jahre alte Datenerfassungssystem im Lawinen-Freiluftlabor Vallée de la Sionne.
  • Erster Härtetest bestanden: Die neue, robuste Anlage trotzte der Witterung und erfasste im ersten Winter die Daten von über 60 Lawinen.
  • Effiziente Datenfabrik: Das System startet binnen zwei Sekunden vollautomatisch und liefert pro Lawine ca. 2 Terabyte Forschungsdaten.

Vallée de la Sionne, Gemeinde Arbaz (VS), Herbst 2025. Jens Kaufmann, technischer Mitarbeiter am SLF, kauert in einer kleinen Kaverne zwischen etlichen elektronischen Geräten und Kabeln. Diese sind mit 185 Sensoren verbunden, welche auf einem 20 Meter hohen Mast, einem Keil und einer Betonwand verteilt sind. «Die Sensoren an diesen Hindernissen messen verschiedene Parameter von Lawinen, die hier runterkommen. Dort unten im Bunker kommen alle Daten zusammen und werden gespeichert», sagt Kaufmann und zeigt auf einen grauen Betonbau an der Talsohle. Seit 1998 untersuchen Forschende in diesem weltweit einzigartigen Freiluftlabor die Bewegungen von Lawinen, um ihre Dynamik besser zu verstehen und Modelle zu entwickeln.

Zuverlässig in die Zukunft

Doch die bisherige Technik zur Datenerfassung ist in die Jahre gekommen. «Nach 20 Jahren steigt das Risiko vor Ausfällen und damit von Datenverlusten,» sagt Jens Kaufmann. Gemeinsam mit seinem Team der Gruppe Versuchsanlagen tauschte er das Datenerfassungssystem im Herbst 2025 aus. Die Anforderungen sind hoch: Die Infrastruktur muss extremen Witterungsbedingungen standhalten – Schnee, Kälte und Sturm inklusive. Gleichzeitig muss sie mit den unterschiedlichen Sensortechnologien kompatibel sein: von Messungen der seismischen Wellen über die Fliesshöhen und des Schneedrucks bis hin zu den Geschwindigkeiten, Beschleunigungen und Kamerabildern.

Bewährung im ersten Winter

Zwei Jahre hat das Team die Erneuerung geplant, getestet und vorbereitet, davon insgesamt acht Wochen vor Ort, teils bei anspruchsvollen Wetterbedingungen. «Gegen Ende der Arbeiten im Oktober 2025 sind wir fast eingeschneit worden», erzählt Kaufmann. «Aber wir konnten alles rechtzeitig fertigstellen, um im Winter die ersten Daten mit dem neuen Datensystem zu sammeln.» Die Arbeiten im Gelände erfordern nebst Effizienz auch Flexibilität: Nicht alles liess sich nach Plan umsetzen, einiges musste spontan angepasst werden. Doch der Einsatz hat sich gelohnt und das neue System hat sich im ersten Winter bewährt und die Daten von über 60 Lawinen, darunter einige sehr grosse Staublawinen. «Ein Sensor funktioniert nicht,» sagt Jens Kaufmann, «angesichts der Komplexität des Systems ist das aber vernachlässigbar, wir ersetzen ihn im Sommer.»

Wie funktioniert das Datenerfassungssystem im Vallée de la Sionne?

Sensoren ganz oben am Hang nehmen kleinste Bewegungen durch seismische Wellen wahr und starten ab einem vordefinierten Wert das Messsystem – innert zwei Sekunden sind die zahlreichen Sensoren, Scheinwerfer und Kameras einsatzbereit. Anschliessend zeichnen Radare die Fliesshöhen und -geschwindigkeiten auf, Kraftsensoren messen die Drücke an den drei Hindernissen (Mast, Keil und Betonwand). Dazu kommen Luftdruck, Temperatur und die Schneedichte. Die Daten werden auf Servern im Bunker gespeichert und direkt ans SLF übertragen. Pro Ereignis fallen etwa 2 Terabyte Daten an, die sofort für die Forschenden für Auswertungen verfügbar sind.

Impressionen vom Lawinentestgelände

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Das Lawinentestgelände im Vallée de la Sionne am 13. Februar 2026 (Lawinenabgänge gut erkennbar, in der Bildmitte der Mast) … (Foto: Automatische Kamera / SLF)
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… und am 13. Juni 2026. (Foto: Automatische Kamera / SLF)
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Umbauarbeiten an der Hauptkaverne und dem 20 Meter hohen Mast. (Foto: Jens Kaufmann / SLF)
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Michael Hohl, Leiter der Gruppe Versuchsanlagen, beim Installieren von Messgeräten am hängenden Seil. (Foto: Jens Kaufmann / SLF)
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Michael Hohl und Urs Flütsch von der Gruppe Versuchsanlagen bei Arbeiten am 20 Meter hohen Mast. (Foto: Roman Oester / SLF)
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Einbau eines Luftdrucksensors im 20 Meter hohen Mast. (Foto: Michael Hohl / SLF)
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Die letzten Arbeiten an der Kaverne A musste die Gruppe Versuchsanlagen bei Schneefall ausführen. (Foto: Jens Kaufmann / SLF)
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Michael Hohl prüft mittels händischen Tests, ob die neuen Datenerfassungssysteme die Signale der Sensoren registrieren. (Foto: Cristina Pérez Guillén / SLF)
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Seismische Signale einer Staublawine. Blau: Registrierung bei Kaverne A; rot: Registrierung bei Kaverne B. (Grafik: SLF)
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Im Innern der Lawine: Hochgeschwindigkeitsaufnahmen einer Lawine am 20 Meter hohen Mast, Geschwindigkeit rund sieben Mal verlangsamt. (Video: Ivan Calic / SLF)
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Dank der Hochgeschwindigkeitsaufnahmen können die Forschenden mithilfe eines Computermodells einzelne Partikel erfassen und analysieren, in welche Richtungen sie sich bewegen. (Animation: Ivan Calic / SLF)

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