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Gefahrenstellen

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Meistens werden im Lawinenbulletin für jedes Gefahrengebiet zusätzlich zur Gefahrenstufe auch die Geländeteile beschrieben, wo die Gefahr besonders ausgeprägt ist. Beispiel: „Die Gefahrenstellen befinden sich vor allem an Hängen der Expositionen West über Nord bis Südost oberhalb von rund 2000 m“.

In der Tourenpraxis hat sich eingebürgert, in Hängen, die nicht alle diese Kriterien erfüllen, die Gefahr um eine Stufe tiefer anzunehmen. Diese Faustregel hat sich mehrheitlich bewährt, hat aber wie jede Regel ihre Ausnahmen. Sie kann zur Planung einer Tour eingesetzt werden, ersetzt aber nicht die Beurteilung im Gelände. Bei der Erstellung des Lawinenbulletins wird diese Faustregel nicht berücksichtigt.
Die meisten tödlichen Lawinenunfälle ereignen sich in Hängen, die sowohl bezüglich Neigung, als auch bezüglich Exposition und Höhenlage den im aktuellen Lawinenbulletin erwähnten Kriterien entsprechen. Dies unabhängig von der Gefahrenstufe, die am Unfalltag herrscht.

 

Hangexposition

Ein Nordhang fällt nach Norden ab. Stehen wir auf einem Berggipfel und blicken nach Norden (mittags mit der Sonne im Rücken), so liegt der Nordhang direkt vor und unter uns. Im Hochwinter erhalten steile Nordhänge keine direkte Sonneneinstrahlung. Ein Südhang fällt nach Süden ab und bekommt auch im Hochwinter regelmässig Sonne.

Meistens werden die besonders betroffenen Hangexpositionen im Lawinenbulletin angegeben und wenn möglich auch grafisch dargestellt.

 

Grenzbereiche

Die Verhältnisse ändern kontinuierlich und nicht sprunghaft von einer Exposition zur anderen. Deshalb sind auch die Ränder des schwarz eingefärbten Bereichs keine klar definierten Grenzen, sondern beschreiben Grenzbereiche, die weder klar dem günstigen noch klar dem ungünstigen Bereich zugeordnet werden können.

 

Höhenlage

Angaben über die besonders betroffenen Höhenlagen erfolgen üblicherweise in Schritten von 200 m. Für trockene Lawinen wird meist die Meereshöhe angegeben, oberhalb der vermehrt Gefahrenstellen vorhanden sind. Bei nassen Lawinen wird meist die Meereshöhe erwähnt unterhalb welcher sie vorwiegend auftreten. Formulierungen mit Höhenbereichen, wie „zwischen 2500 m und 3000 m“, werden nur selten verwendet.

Definierte Höhenlagen

tiefe Lagen: unterhalb von etwa 1000 m

mittlere Lagen: zwischen etwa 1000 m und 2000 m

hohe Lagen: zwischen etwa 2000 m und 3000 m

Hochgebirge: oberhalb von etwa 3000 m

Auch die Waldgrenze wird als Referenz verwendet. Gemeint ist der Übergangsbereich vom windberuhigten Waldbestand zum offenen, windbeeinflussten, alpinen Gelände. Die Waldgrenze liegt am Übergang von mittleren zu hohen Lagen. Im zentralen Wallis und im Engadin liegt sie bei etwa 2200 m, inneralpin bei etwa 2000 m und in den Voralpen bei etwa 1800 m.

 

Grenzbereich

 

Die Verhältnisse ändern kontinuierlich, nicht sprungartig von einem Höhenbereich zum nächsten. Deshalb ist die angegebene Höhe nicht eine klar definierte Grenze, sondern beschreibt einen Grenzbereich, der weder klar dem günstigen noch klar dem ungünstigen Bereich zugeordnet werden kann.

 

Hangneigung

Die meisten Skifahrerlawinen ereignen sich in Hängen, die an ihrer steilsten Stelle 35 bis 40° steil sind.

Die Angabe der Hangneigungsklasse im Lawinenbulletin bedeutet, dass vermehrt Hänge betroffen sind, welche mindestens diese Neigung aufweisen. Es ist naturbedingt, dass nicht von den exakten Werten (z.B. steiler als 35°) ausgegangen werden kann, sondern dass diese als Richtwerte gelten und Übergangsbereiche beachtet werden müssen. Wird keine Neigung angegeben, so ist generell von Steilhängen, also Hängen ab etwa 30° Neigung, auszugehen.

Definierte Hangneigungen

extremes Steilgelände

Besonders ungünstig z.B. bezüglich Neigung, Geländeform, Kammnähe oder Bodenbeschaffenheit. Im Lawinenbulletin meist im Zusammenhang mit der Gefahrenstufe 1 (gering) verwendet.
extrem steilsteiler als 40°43% der tödlichen Skifahrerlawinen
sehr steilsteiler als 35°82% der tödlichen Skifahrerlawinen im langjährigen Mittel
steilsteiler als 30°97% der tödlichen Skifahrerlawinen
mässig steilweniger als 30°3% der tödlichen Skifahrerlawinen
 

Schatten- und Sonnenhänge

Schattenhänge“ sind im Hochwinter bei tiefem Sonnenstand weiter verbreitet als im Frühjahr mit höherem Sonnenstand. Je nach Abschattung durch den Nahhorizont kommen sie in allen Expositionen, und nicht nur an Nordhängen vor. Setzung und Verfestigung schreiten hier üblicherweise nur langsam voran. Umgekehrt sind „stark besonnte Hänge“ oder „Sonnenhänge“ im Frühling häufiger als im Hochwinter. An Sonnenhängen setzt und verfestigt sich der Schnee meist schneller.

Triebschneehänge

„Windexponierte Hänge“ liegen im Luv (auf der dem Wind zugekehrten Seite). Der Schnee wird dort meist weggeblasen. „Windschattenhänge“ liegen im Lee (auf der dem Wind abgekehrten Seite). Der im Luv weggeblasene Schnee wird hier als "Triebschneeansammlung" wieder abgelagert. Oft weisen diese Leehänge ein Mehrfaches der mittleren Schneehöhe auf und werden deshalb auch als „Triebschneehänge“ bezeichnet. Luv- und Leehänge sind nicht nur im Gipfelbereich, sondern auch in kammfernen Hanglagen zu finden. Die Windrichtung kann dort, durch das Gelände abgelenkt, deutlich von der ungestörten Hauptwindrichtung abweichen.

Geländeform

Besonders im Zusammenhang mit Triebschnee werden manchmal die besonders betroffenen Geländeformen näher bezeichnet:

  • Rinnen und Mulden, also konkave Hangformen
  • Kammlagen, also v.a. Hänge in Grat- und Gipfelnähe.
  • Hänge hinter Geländekanten. Diese sind oft auch kammfern.
  • Felswandfüsse. Diese werden oft besonders tief mit Triebschnee beladen.

Werden die hauptsächlich betroffenen Geländeformen eingeschränkt, so sind die Gefahrenstellen meistens eher räumlich begrenzt und zudem relativ gut lokalisierbar - zumindest bei guter Sicht von erfahrenen Personen.

Bezüglich der Verbreitung der Gefahrenstellen lässt sich folgende Reihenfolge ableiten:

  • (sehr) steile Hänge: Gefahrenstellen sind an allen (sehr) steilen Hängen der angegebenen Exposition und Höhenlage zu erwarten. Nebst Kammlagen, Rinnen und Mulden sind auch plane, kammferne Hänge betroffen.
  • Triebschneehänge: Gefahrenstellen sind vor allem an denjenigen Steilhängen der angegebenen Exposition und Höhenlage zu erwarten, wo der (frische) Triebschnee liegt. Dazu gehören auch Rinnen und Mulden die mit Triebschnee gefüllt sind.
  • Rinnen und Mulden/Kammlagen: Die Gefahrenstellen liegen vermehrt in Rinnen und Mulden/Kammlagen der angegebenen Exposition und Höhenlage.