Wochenbericht 07. - 13. Februar 2020

Triebschnee auf Saharakruste und inneralpines Altschneeproblem

Mit sonnigen Tagen nahm die Lawinengefahr nach der Sturmperiode der vergangenen Wochenberichtsperiode rasch ab. Inneralpin und teils auch in anderen Gebieten wurden aber vermehrt Lawinen tief im Altschnee ausgelöst. Zum Wochenstart brachte das Sturmtief «Sabine» vor allem viel Wind, später auch Neuschnee und damit verbunden einen Anstieg der Lawinengefahr.

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Grosser Aletschgletscher (VS) im Tigerkleid: Die Kruste, welche vom Saharastaub bräunlich gefärbt wurde, war sehr markant. Nur in den Mulden, wo neuer Schnee lag, wurde sie weiss überdeckt (Foto: H. Lauber, 09.02.2020).
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Eine frische Schneebrettlawine ging am Samstag 08.02. nahe der Ducanfurgga (2664 m, Davos, GR) an einem Osthang ab. Es ist unklar, ob sie von Personen oberhalb fernausgelöst wurde oder spontan abging (Foto: SLF/S. Ziegler).
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Diese Lawine brach beim Blauberg, nahe vom Furkapass auf ca. 2700 m, tief im grobkörnigen kohäsionslosen Altschnee an. Sie wurde von Tourengänger fernausgelöst (siehe Abb. 3 / Foto 4 im Bericht) ohne jegliche Wummgeräusche als Vorwarnung (Foto: zvg, 09.02.2020).
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Eine sehr grosse Lawine ging nördlich vom Rätschahorn unterhalb der Plattenflue (2471 m, Luzein, GR) ab und überdeckte die als «Chamerestäge» bekannte Abfahrt. Die Ablagerung war mehr als frauhoch (Foto: M. Guerrier, 08.02.2020).
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Mit dem guten Wetter kamen die Lawinen der letzten Tage zum Vorschein. Da diese Schneebrettlawine bei Cartans (2785 m, SE, Bergün Filisur, GR) nicht überschneit wurde, ist sie wahrscheinlich nach Ende der Niederschlagsperiode zwischen Donnerstag, 06.02 und Samstag, 08.02. abgegangen (Foto: SLF/S. Mayer, 09.02.2020).
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Am Samstag 08.02. wurde im Bulletin verbreitet Gefahrenstufe 2 (mässig) angegeben. Dieser Snowboarder hat am Culmet auf 2700 m (Albula/Alvra, GR) trotzdem ein heikler Punkt erwischt und löste eine Lawine im Hang unterhalb aus. Er wurde glücklicherweise nicht erfasst (Foto: zvg).
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Morgenstimmung auf dem Sentisch Horn (Davos, GR): Trotz knapp unterdurchschnittlicher Schneehöhe sah es anständig winterlich aus. Am vergangenen Wochenende gab es bei schönem Wetter verbreitet günstige Bedingungen für Skitouren (Foto: SLF/E. Hafner, 08.02.2020).
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Wie zum Beispiel hier bei der Abfahrt vom Girenspitz (2367 m, Luzein, GR; Foto: P. Diener, 07.02.2020).
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Auch steilere Touren waren möglich, wie hier im Berner Oberland die Abfahrt von der Bütlassa (3192 m, Reichenbach im Kandertal, BE; Foto: M. Gilgien, 09.02.2020).
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Am Montag, 10.02. und Dienstag, 11.02. fegte Sturmtief «Sabine» über die Schweiz. Hier nördlich der Pointe de la Plaine Morte (2926 m, Lenk, VS) wurden dabei nicht nur Schnee, sondern auch Kieselsteine verfrachtet (Foto: V. Bettler, 12.02.2020).
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Doppelte Windfahnen bei der Talstation des Skigebiets Pischa, im Hintergrund am Chiselgrat (2545 m, Davos, GR) wurde Schnee verfrachtet (Foto: S. Mayer, 12.02.2020).
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Gian, Giachen und Nachwuchs genossen die Aussicht vom Gmeinboden (2467m, Davos, GR) im Skigebiet Parsenn, ganz zur Freude der staunenden Skifahrer (Foto: SLF/M. Marty, 07.02.2020).

Schnee, Wetter, Lawinen

Freitag, 07.02. bis Sonntag, 09.02.: Abnahme der Lawinengefahr, allerdings vor allem inneralpin vermehrte Lawinen im schwachen Altschnee

Von Freitag, 07.02. bis Sonntag, 09.02. war es abgesehen von einigen hohen Wolkenfeldern meist sonnig. Auf 2000 m war es mit 0 bis +4 Grad im Norden und etwa 0 Grad im Süden recht mild. Der Wind blies mehrheitlich schwach bis mässig.

Bei diesem ruhigen Wetter nahm die Lawinengefahr ab. Die Verbindung des Triebschnees zur darunterliegenden Kruste war günstig und der Triebschnee setzte sich rasch. Es wurden kaum mehr Lawinenauslösungen im Triebschnee beobachtet. Im Nachhinein beurteilt hätte die Lawinengefahr schon am Freitag als mässig (Stufe 2) beurteilt werden können.

Entgegen der Beruhigung des Triebschneeproblems gab es aber ab Freitag wieder Meldungen von teils grossen Lawinen, die im Altschnee anbrachen. Typisch für Altschneelawinen, waren die Gefahrenstellen kaum erkennbar, nicht sehr zahlreich aber von gefährlicher Grösse. Einmal mehr wurde eindrücklich klar, dass Altschneelawinen sehr gefährlich sein können. Glücklicherweise wurde niemand schlimmer verletzt (Abbildungen 2 und 3).

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Abb. 3 / Foto 1: Diese Lawine auf der Lauchernalp (VS) wurde im viel befahrenen Gelände am Freitag, 07.02. ausgelöst. Es wurde niemand erfasst (Foto: zvg, 07.02.2020).
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Abb. 3 / Foto 2: Diese grosse Lawine am Baslersch Chopf (GR) wurde am Freitag, 07.02. von einem Skifahrer ausgelöst. Er wurde mitgerissen aber glücklicherweise nur leicht verletzt (Foto: SLF/E. Hafner, 08.02.2020)
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Abb. 3 / Foto 3: Lawinenauslösung am Rinerhorn (GR) am Samstag, 08.02. Die Lawine brach in eher oberflächennahen Schichten an, riss dann aber bis in bodennahe Altschneeschichten durch. Es wurde niemand erfasst (Foto: zvg, 08.02.2020).
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Abb. 3 / Foto 4: Ebenfalls im Altschnee wurde diese Lawine am Blauberg beim Furkapass (UR) fernausgelöst. Drei Personen wurden leicht mitgerissen, blieben aber unverletzt (Foto: zvg, 09.02.2020).

Diese Lawinen brachen meist in den Schichten an, die sich in der langen Trockenperiode im Januar an der Schneeoberfläche gebildet hatten. Diese Schwachschicht war inzwischen überdeckt von verschieden Triebschneeschichten und der markanten Kruste, welche sich in der letzten Wochenberichtsperiode mit dem Regen gebildet hatte (Abbildungen 4 und 5). Am heikelsten waren Höhenlagen von etwa 2500 bis 3000 m. Unterhalb von etwa 2500 m war die Regenkruste mehrere Zentimeter dick und recht stabil, so dass in diesen Höhenlagen keine Brüche im Altschnee gemeldet wurden, obwohl auch dort unterhalb der Kruste schwache Schichten vorhanden waren.

Montag, 10.02. bis Mittwoch, 12.02.: Sturmtief «Sabine» bringt erst viel Wind, später auch noch Schnee

In der Nacht auf Montag, 10.02. erreichte das Sturmtief «Sabine» die Alpen.  Das vorherrschende Element am Montag, 10.02. und Dienstag, 11.02. war der Wind, welcher vor allem im Westen und Norden oft stürmisch blies und sowohl den Neuschnee als auch den Altschnee verfrachtete (Abbildung 6). Das Tessin war vor den stärksten Winden abgeschattet, dort blies der Westwind zeitweise mässig.

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Abb. 6 / Bild 1: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.
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Abb. 6 / Bild 2: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.
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Abb. 6 / Bild 3: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.
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Abb. 6 / Bild 4: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.
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Abb. 6 / Bild 5: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.
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Abb. 6 / Bild 6: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.
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Abb. 6 / Bild 7: Verfrachtungsindex an den IMIS-Stationen berechnet mit dem Schneedeckenmodel SNOWPACK vom angegebenen Tag um 17 Uhr bis zum Vortag um 17 Uhr (24h Werte). In dieser Darstellung ist der Verfrachtungsindex für jede Station auf ihren eigenen Maximalwert normiert. Dunkle Punkte bedeuten, dass der Verfrachtungsindex so gross ist, wie noch (fast) nie an dieser Station.

Mit dem Sturm setzte auch Niederschlag ein. Am Montag war der Schwerpunkt des Niederschlags vor allem im Westen, wobei die Schneefallgrenze von rund 2500 m auf etwa 1800 sank und damit deutlich höher lag als erwartet. Erst am Dienstag sank die Schneefallgrenze in tiefe Lagen. Die Neuschneemengen blieben am Montag und Dienstag vorerst unter den Erwartungen, weshalb im Lawinenbulletin am Morgen teils Anpassungen vorgenommen werden mussten. So wurde zum Beispiel die am Abend des 10.02. prognostizierte Stufe 4 (gross) für das westliche Unterwallis am Morgen des 11.02. auf Stufe 3 (erheblich) korrigiert, weil sowohl die gefallenen als auch die prognostizierten Neuschneemengen deutlich geringer waren als zuvor angenommen (Abbildung 7).

Am Mittwoch, 12.02. verlagerte sich der Schwerpunkt des Niederschlags nach Osten. In der Summe fielen vom Montag bis Mittwoch gebietsweise im Unterwallis und am östlichen Alpennordhang 40 bis 60 cm Schnee oberhalb von etwa 2400 m im Westen und oberhalb von etwa 1800 m im Osten. In vielen Gebieten, zum Beispiel am westlichen Alpennordhang oder in Südbünden, fiel nur sehr wenig oder gar kein Schnee (Abbildung 8).

Donnerstag, 13.02.: Erneut aufkommender Südwestwind und Föhn im Norden

Nachdem der Wind am Mittwoch etwas nachgelassen hatte, wurde er am Donnerstag wieder stärker, wieder aus Südwest. In der Höhe blies er vor allem ganz im Westen, am nördlichen Alpenkamm, gebietsweise aber auch am Alpenhauptkamm stark. In den Alpentälern des Nordens kam starker Föhn auf. Vor allem in Kamm- und Passlagen wurde der meist noch lockere Neuschnee, der am Wochenanfang gefallen war, verfrachtet (Abbildung 9).

Lawinenunfälle

In dieser Berichtsperiode ereigneten sich drei Lawinenunfälle, wobei vier Personen erfasst wurden, siehe Karte und Tabelle der aktuellen Lawinenunfälle. Alle Personen kamen unverletzt oder mit leichten Verletzungen davon.

Die bisher drei Lawinenopfer lagen deutlich unter dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre (Abbildung 10). Die Anzahl erfasster Personen lag mit 78 erfassten Personen aber nur leicht unter dem Durchschnitt (Abbildung 11). Das deutete darauf hin, dass viele Lawinen glimpflich ausgingen und diese aber trotzdem fleissig dem Lawinenwarndienst des SLF gemeldet wurden – vielen Dank.

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns noch die traurige Nachricht, dass es am Donnerstag, 13.02. am Simplon (VS) einen Lawinenunfall mit zwei Todesopfern gab. Diese Opfer waren in den hier erwähnten Statistiken noch nicht erfasst. Details zu diesem Unfall waren noch keine bekannt.

 

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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