Abschied von der Antarktis

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Anja Mödl ist Doktorandin in der Gruppe Schneeprozesse am SLF. Sie verbringt eineinhalb Monate auf der italienischen Station Mario Zucchelli in der Antarktis. Zusammen mit ihrer finnischen Kollegin Roberta Pirazzini möchten sie die Eigenschaften von der Oberflächenstreuschicht bestimmen. Im Logbuch-Blog berichtet sie über ihre Arbeit und ihren Aufenthalt in der Antarktis. Teil 4.

Wie schnell diese letzten 2 Monate doch vergangen sind. Jetzt bin ich, mit etwas Verspätung, wieder sicher in Davos angekommen. Doch alles der Reihe nach, denn auch in den letzten Wochen auf der Station war noch so einiges los.

Der erste Schritt vor der Abreise bestand darin, die fest installierten Wetterstationen auf dem Eisschelf abzubauen. Überwintern konnten sie dort nicht, und außerdem brauchen wir das Equipment bald wieder in Europa. Also sind wir ein letztes Mal mit dem Helikopter zu unserem Messfeld geflogen. Vor Ort haben wir die Instrumente von den Stationen demontiert, sorgfältig in Boxen verpackt und für den Rücktransport vorbereitet. Die Metallkonstruktionen selbst wurden als Ganzes per Seilwinde unter dem Helikopter zurück zur Station geflogen, wo wir sie anschließend auseinandergebaut haben.

Danach begann der eigentlich stressige Teil: Alles musste wieder in Transportboxen verpackt und für den Versand vorbereitet werden, möglichst genauso wie auf der Hinreise. Zum Glück hatten wir für jede Box eine Packliste erstellt. So wussten wir genau, was wohin gehört, und konnten sicher sein, nichts zu vergessen. Trotzdem war ich anfangs überwältigt von dem riesigen Berg an Equipment, der vor uns lag. Kaum vorstellbar, dass wir das alles innerhalb von drei Tagen schaffen sollten. Das war nämlich die Deadline, um die Fracht in die Container zu verladen, die anschließend per Schiff nach Christchurch und weiter nach Italien transportiert werden. Umso überraschter war ich, als nach nur einem Tag alle Boxen gefüllt waren. Einen weiteren Tag benötigten wir noch, um alles sorgfältig zu etikettieren, damit auch wirklich jede Kiste wieder ihren Weg zu uns zurückfindet. Als schließlich alles rechtzeitig geschafft war, war ich sehr erleichtert und wir beschlossen uns einen freien Tag zu gönnen.

Schon am darauffolgenden Tag ist das Schiff, der italienische Eisbrecher RV Laura Bassi, angekommen. Der Eisbrecher nahm nicht nur die Container mit unserem Equipment an Bord, sondern brachte auch Lebensmittel und Treibstoff für die Station. Entsprechend dauerte das Entladen und Beladen mehrere Tage. Am zweiten Tag zog jedoch ein Sturm auf, sodass die Arbeiten vorübergehend unterbrochen werden mussten. Der Sturm hatte außerdem zur Folge, dass wir nicht zurück nach Neuseeland fliegen konnten und unsere Abreise wurde zunächst um fünf Tage nach hinten verlegt.

Als sich das Wetter besserte und die Verladearbeiten fortgesetzt werden konnten, bekamen wir sogar die Gelegenheit, das Schiff zu besichtigen. Das war ein großartiges Erlebnis zum Abschluss der Expedition! Ich war das erste Mal auf einem Forschungsschiff, und sehr beeindruckt, wie alles auf so engem Raum Platz findet. Entgegen meiner Erwartungen fühlte man sich jedoch keinswegs beengt auf dem Schiff. Trotzdem bin ich froh, meine erste Antarktis-Expedition auf einer Forschungsstation und nicht auf einem Schiff verbracht zu haben. In Bezug auf Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten stelle ich mir das Leben an Bord doch deutlich herausfordernder vor.

Schließlich war alles verladen, und das Schiff legte wieder ab. Eigentlich hätten nun auch wir zurück nach Neuseeland fliegen sollen. Doch am Abend vor unserer geplanten Abreise erhielten wir die Nachricht, dass der Flug von McMurdo nach Christchurch gecancelt wurde – den Grund erfuhren wir leider nicht.  Also wurde unser Rückflug um weitere vier Tage verschoben. Um die Wartezeit zu füllen, begannen wir deshalb, erste Daten auszuwerten und Arbeiten zu erledigen, die ursprünglich erst für die Zeit nach unserer Rückkehr geplant waren. An unserem vorletzten Tag mussten wir jedoch unser Büro räumen. Die Fenster wurden verbarrikadiert und die Heizung abgestellt – die Station wurde bereits auf den Winter vorbereitet.

Als es am Morgen unseres neuen Abflugtags zunächst wieder hieß: „Wir können vorerst nicht fliegen, der Wind ist zu stark“, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Neben mir und Roberta warteten 40 weitere Personen auf ihre Abreise. Doch um halb vier nachmittags waren die Bedingungen endlich flugtauglich, und wir verließen nach 54 Tagen wieder die Mario-Zucchelli-Station. In McMurdo erreichten wir unseren Anschlussflug gerade noch rechtzeitig. Kurz vor Mitternacht landeten wir schließlich wieder in Christchurch.

Der erste Moment nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug war überwältigend. Nach zwei Monaten ununterbrochener Helligkeit war es plötzlich wieder Nacht. Noch intensiver jedoch war der Geruch nach Pflanzen und Natur, das war einfach unbeschreiblich.

Und damit geht ein einzigartiges Abenteuer zu Ende. In diesen zwei Monaten habe ich unglaublich viel erlebt, gelernt und erfahren. Ich bin unendlich dankbar für diese besondere Möglichkeit – und für all die Erinnerungen, die bleiben.

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