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Nasse Lawinen

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Im Lawinenbulletin werden die beiden Ausprägungen „Nasse Lawinen“ und „Nasse Lawinen im Tagesverlauf“ unterschieden und als Benennung dieses Lawinenproblems verwendet.

Was?

Merkmale

Das Problem entsteht durch eine zunehmende Schwächung der Schneedecke durch Wassereintrag, entweder durch Schmelze oder Regen.

Zu erwartende Lawinen

  • Nasse Schneebrettlawinen
  • Nasse Lockerschneelawinen
  • Meist spontane Auslösungen

Wo?

Verbreitung

Wenn die Sonneneinstrahlung die Hauptursache der Schmelze ist, hängt die Verbreitung vor allem von der Exposition ab. Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmen die Verbreitung nach Höhenlage. Wenn Regen die Ursache des Wassereintrags ist, sind alle Expositionen betroffen.

Position der Schwachschicht in der Schneedecke

Irgendwo in der Schneedecke.

Warum?

Auslösemechanismen

Nasse Schneebrettlawinen:

  • Schwächung und Bruch ehemaliger Schwachschichten in der Schneedecke oder Anreissen auf Schichtgrenzen, an denen sich das Wasser staut.

  • Regen ist zudem eine Zusatzbelastung der Schneedecke.

Nasse Lockerschneelawinen:

  • Verlust von Bindungen zwischen den Schneekristallen

Wann?

Dauer

  • Stunden bis Tage

  • Rascher Stabilitätsverlust möglich

  • Besonders kritisch ist das erste Eindringen von Wasser tiefer in die Schneedecke, sobald die Schneedecke 0 °C‐isotherm ist

  • Die Wahrscheinlichkeit spontaner Lawinenabgänge nimmt im Tagesverlauf (abhängig von der Exposition) zu (ausser, wenn Regen die Hauptursache des Problems ist).

Wie gehe ich damit um?

Problemerkennung im Gelände

Das Nassschneeproblem ist meist einfach zu erkennen. Beginnender Regen, Bildung von Schneeballen oder Schneerollen, kleine nasse Schneebrett‐ oder Lockerschneelawinen kündigen oft hohe Aktivität von Nassschneelawinen an. Tiefes Einsinken in die Schneedecke ist ebenfalls ein Zeichen zunehmender Durchfeuchtung.

Verhaltensempfehlung

Entsteht in einer kalten, klaren Nacht eine tragfähige Kruste, sind die Bedingungen am Morgen meist günstig. Nach warmen, bedeckten Nächten tritt das Problem oft bereits am Morgen auf. Bei Regen auf eine trockene Schneedecke tritt das Problem meist unmittelbar auf. Gutes Timing und eine gute Tourenplanung sind entscheidend. Lawinenauslaufbereiche beachten.

Unfallbeispiel

Fründenhütte, Kandersteg (BE), 6. Juni 2010