AvaBlog 30. März - 2. April 2026

Viel Neuschnee und Wind, im Norden grosse Lawinengefahr

In einer weiteren Nordstaulage fiel Ende März im Norden gegen ein Meter Schnee. Die Lawinengefahr stieg auf Stufe 4 (gross). Am 31. März gingen in den Hauptniederschlagsgebieten im Norden einige spontane Lawinen nieder, die teils bis in die Täler und ins Grüne vorstiessen. 

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Ablagerung einer sehr grossen Lawine, die sich am 31. März im Gebiet Schlafegg löste und ihren Weg durch die Sturmigerrus bis ins Tal bei Ännetrösligen (548 m, Glarus, GL) fand (Foto: U. Aerne, 31.03.2026).
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Mit der grossen Zusatzlast des Neuschnees brachen auch am Alpennordhang Lawinen teils in tieferen Schichten der Schenedecke an. Links im Nebel ist der Anriss einer leicht eingeschneiten, weiteren Schneebrettlawine zu sehen. Die Lawinen brachen während bzw. nach dem Schneefall am Nordosthang des Schwarzhoren (2927 m, Grindelwald, BE) vermutlich spontan an (Foto: E. Braun-Elwert, 01.04.2026).
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Auch in Liechtenstein waren der Neu- und Triebschnee auslösefreudig. Teilweise wurden auch tiefere Schichten der Schneedecke mitgerissen. Die Lawine wurde durch eine Sprengung auf 2000m am Silberhorn künstlich ausgelöst (Foto: F. Degen, 28.03.26).
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Viel klarer als solche 1m tiefen Risse können Gefahrenzeichen nicht werden. Zwar ist das Bild schon ein paar Tage alt, aber allemal eindrücklich. Die Risse wurden an einem Nordosthang auf 2400 m am Blashorn im Obergoms (VS) beobachet (Foto: L. Lämmler, 28.03.26).
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Grosse Lawine auf etwa 2250 m Höhe, fernausgelöst an einem Osthang in der Nähe von Tiefenbach (Realp, UR). Glücklicherweise kam niemand zu Schaden (Foto: R. Lenzser, 01.04.2026).
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«Immerhin an einer Windstation ist es Windstill» Am Weissfluhgipfel (2800m, Davos, GR) war die Wetterstation vom Schneetreiben eingefroren worden (Foto: SLF, J. Trachsel, 31.01.26).
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Unübliche Höhenlage für Schneebrettlawinen im April! Diese Schneebrettlawine wurde vermutlich durch eine Person auf an einem Nordwesthang auf 1450 m unterhalb der Oberst Hütti (Wolfenschiessen, NW) in einer Waldlichtung ausgelöst. (Foto: N. Zala, 01.04.2026).
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Über 1300 Höhenmeter legte diese Lawine an der Südflanke vom Chli Windgällen (Silenen, UR) zurück, bevor sie kurz vor der Strasse und dem Chärstelenbach auf 800m zum stehen kam (Foto: P. Kröpfli, 31.03.2026).
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Da in tiefen Lagen der Neuschnee zumeist auf bereits aperen und aufgewärmten Boden fiel, wurde verbreitet Gleitschneeaktivität gemeldet. Auf 900m am Ennetberg oberhalb Glarus (GL) kann man sogar 12 Anrisse auf einem Hang erkennen (Foto: U. Aerne, 31.03.26).
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In Wildhaus (SG) rutschte diese Gleitschneelawine in wenig steilem Gelände (23°) langsam, aber kontinuierlich ab. Die Ablagerung fiel über die Mauer auf die Strasse, welche bergseitig mehrmals geräumt werden musste (Foto: P. Diener, 29.03.26).
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Im südlichen Wallis hat es in den letzten Tagen nur wenig geschneit. Mit starkem Nordwind haben sich aber zahlreiche Triebschneeansammlungen gebildet. Diese waren teils störanfällig. Brüche in der Altschneedecke wurden weniger häufig gemeldet, stellenweise konnten aber noch immer Lawinen in tiefen Schichten der Schneedecke ausgelöst werden (Foto: B. Jelk, Zermatt, VS, 02.04.2026).

Rückblick auf das Wochenende 28./29. März

Nach der Publikation des letzten AvaBlogs wurden vom Samstag, 28. März im Nachhinein noch einige Lawinenauslösungen durch Personen gemeldet. Insgesamt wurden am Wochenende 39 durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet, mit 8 erfassten Personen. Am Parpaner Schwarzhorn (Chur, GR) wurde eine Person ganz verschüttet und verletzt.

Die Lawinen waren meist klein oder mittelgross. Sie brachen oft am Übergang vom Neuschnee zur Altschneeoberfläche, oder aber auch in einer wenig darunter liegenden Schwachschicht im oberen Bereich der Altschneedecke an. Dies war vielerorts eingeschneiter Oberflächenreif oder eine dünne, kantig aufgebaute Schicht. Lawinenanrisse tief in der Schneedecke oder in bodennahen Schichten wurden seltener (vgl. Bildstrecke). Das Altschneeproblem bestand zu diesem Zeitpunkt meist vor allem noch im oberen Bereich der Altschneedecke.

Zweite Nordstaulage in kurzer Folge

Von Montagmittag bis Dienstagmorgen schneite es intensiv. Nur ganz im Süden blieb es trocken. Der Schnee fiel bis in tiefe Lagen. 

Abbildung 1 zeigt die 3-Tages-Neuschneemengen vom Sonntagmorgen, 29. März bis zum Mittwochmorgen, 1. April. Am nördlichen Alpenkamm fielen 80 bis 100 cm Schnee, teils auch mehr.

Die Neuschneemengen waren auch in mittleren Lagen beachtlich. So wurden in 6 Tagen an den Messfeldern in Stoos (1280 m, SZ) 141 cm, in Tierfehd (810 m, GL) 136 cm und in Adelboden (1325 m, BE) 98 cm Neuschnee gemessen. Dennoch ist ein solches Schneefallereignis nicht besonders selten. Solche Schneefälle in mittleren Lagen wiederholen sich statistisch alle paar Jahre.

Begleitet waren die Schneefälle von anhaltend starkem Nordwind, der den Neuschnee intensiv verfrachtete. In den Hauptniederschlagsgebieten entstanden verbreitet umfangreiche Triebschneeansammlungen, dies auch in mittleren Lagen (Abbildung 2).
 

Lawinengefahr und Lawinenaktivität

Der viele Neuschnee dieser Woche, ähnlich viel Neuschnee der Vorwoche und Schwachschichten im oberen Bereich der Schneedecke waren die Zutaten für eine kritische Lawinensituation. Im Norden stieg die Lawinengefahr ab Montagabend markant an, im Norden gebietsweise auf die Stufe 4 (gross) (vgl. Gefahrenentwicklung am Ende der Seite). In den Hauptniederschlagsgebieten lösten sich die meisten spontanen Lawinen zwischen Montagnachmittag und Dienstagmittag. In den Staugebieten am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis in die Glarner Alpen wurden grosse, teils auch sehr grosse spontane Lawinen gemeldet (Abbildung 3). Sie stiessen teils bis in die Täler vor, teils mit Staubanteil und teils auch mit nassen Ablagerungen (Abbildung 4, sowie Bildstrecke).

In den Hauptniederschlagsgebieten im Norden war die Stufe 4 (gross) durch Lawinenmeldungen und weitere Rückmeldungen am Dienstag, 31. März weitgehend bestätigt. Im Gebiet Leukerbad-Lötschental wurde vermutlich ebenfalls die Stufe 4 erreicht. Besonders an der automatischen Detektionsanlage Leukerbad wurden einige, teils auch grosse spontane Lawinen registriert.

Schadenlawinen und Lawinenunfälle

Während dieser Berichtsperiode wurde bislang bei zwei Lawinenabgängen ein Sachschaden verzeichnet, wobei es sich um eine Kontrollsuche und Räumarbeiten (Abbildung 4) handelt. Eine abschliessende Schadenbilanz ist aber nicht möglich. Diese wird im Rahmen des jährlichen Winterberichtes gemacht, der gegen Ende 2026 erscheint.

In dieser Berichtsperiode wurden bis zum Redaktionsschluss am 2. April 26 Lawinen gemeldet, die durch Personen ausgelöst wurden. Dabei wurden 8 Personen erfasst (und eine Person ganz verschüttet). Am Alpennordhang wurden einige Lawinen auch im Bereich der Waldgrenze auf rund 1600 m ausgelöst (vgl. Bildstrecke). 
 

Ausblick auf das Osterwochenende

Nach dem eher winterlichen Start in den April wird es an Ostern deutlich wärmer in den Bergen. Die Nullgradgrenze steigt am Karsamstag im Westen, am Ostersonntag dann verbreitet gegen 3000 m.

Die Gefahr von trockenen Lawinen nimmt weiter ab, sollte aber an steilen Schattenhängen in den hohen Lagen und im Hochgebirge weiterhin beachtet werden.
Insbesondere in Schwachschichten im mittleren Teil der Schneedecke wurden zuletzt noch Lawinen durch Personen ausgelöst (Abbildung 5).
 

Lawinenauslösungen in tiefen Schichten der Schneedecke sind in den letzten Tagen seltener geworden. Dies auch in den Gebieten südlich einer Linie Rhone-Rhein, in denen das Altschneeproblem während des Winters sehr ausgeprägt war. Vereinzelt sind solche Lawinen aber weiterhin möglich. 
Mit der Erwärmung und Sonneneinstrahlung sind vermehrt Nass- und Gleitschneelawinen im Tagesverlauf zu erwarten. Touren und Hüttenzustiege sollten früh gestartet und rechtzeitig beendet werden.

Neu: Lawinenbilder auf Whiterisk

Damit möglichst viele Personen von den lawinenmeldungen an das SLF profitieren können, werden Fotos und Videos zu Lawinenmeldungen auf www.whiterisk.ch und demnächst auch in der WhiteRisk-App und öffentlich geteilt (Abbildung 6). Es freut uns und alle Nutzer sehr, wenn ihr euere Lawinenmeldungen mit möglichst guten Bildern illustriert!

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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