AvaBlog 3. - 8. Februar 2026

64 fernausgelöste Lawinen in 5 Tagen – das Altschneeproblem dauert an

Das Altschneeproblem ist diesen Winter verbreitet und ausgeprägt. In vielen Gebieten dauert es nun seit über einem Monat an. Täglich werden Wummgeräusche und Rissbildungen gemeldet, Lawinen ausgelöst, oft aus der Ferne und die Schneedeckentests brechen oft schon beim Graben oder bei geringer Belastung. Südlich der Linie Rhône-Rhein ist die Schneedecke ausserordentlich schwach. Glücklicherweise wurden keine schweren Lawinenunfälle registriert.

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Sobald die Neigung 30 Grad erreichte, löste sich an der Ostflanke des Piz Chalderas (2794m, Val Müstair) eine Lawine (photo: P. Isenring, 05.02.2026).
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Fernausgelöste Lawinen am Piz Murtiröl, Zuoz, GR, Westhang, 2550 m (Foto: G. Möckli, 05.02.2026).
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Aus dem Bedretto erreichten uns sehr gemischte Meldungen. Auf der einen Seite meldeten etliche Tourenfahrer relativ günstige Verhältnisse ohne Gefahrenzeichen, auf der anderen Seite gab es auch solche furchteinflössenden Lawinenmeldungen wie hier am Pizzo Folcra, Nordwesthang auf rund 2150 m (Foto: M. Pagotto, 06.02.2026).
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Skifahrfreude und Lawinen auch im Westen nahe beisammen. Pulververgnügen im flachen Gelände und Lawinen, die schon etwas älter waren an der Tita da Terra Naire, Conthey-Fully, VS. Osthang ca. 2400 m (Foto: M. Vuadens, 07.02.2026).
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Eine weitere Fern-Ketten-Auslösung von Lawinen im südlichen Goms, VS in der Nähe vom Sädelhorn, Nordosthang auf 2550 m (Foto: M. Baumgartner, 07.02.2026).
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Glück hatten zwei Tourenfahrer im Aufstieg zum Pizzo Ucello, San Bernardino, GR. Sie wurden von einer Schneebrettlawine mitgerissen, blieben aber unversehrt (Foto: S. Devrel, 07.02.2026).
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Der Neuschnee im Westen führte zu Altschneebrüchen, wie hier in der Nordwestflanke (Anriss auf rund 2800 m) der Monts Telliers, Orsières, VS. Die Lawine wurde am 7. Februar beobachtet, dürfte aber früher abgegangen sein (Foto: M. Corthay, 07.02.2026).
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Auch im Norden gab es einzelne Lawinen, allerdings meist aus dem neueren Triebschnee und dementsprechend kleineren Ausmasses. Nordflanke vom Wildstrubel-Steghore, ca. 2700 m (Foto: N. Brügger, 07.02.2026).
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Ein winterliches Bild im mittleren Tessin auf dem Sassariente, 1768 m (Foto: S. Pometta, 08.02.2026).

Neuschnee im Süden und Westen

Der schwache Schneedeckenaufbau südlich der Flüsse Rhône und Rhein wurde bereits in der letzten Wochenberichtsperiode beschrieben und blieb auch in der hier beschriebenen Phase das dominierende Thema. Im Südosten wurde das Altschneeproblem von einem Schneefall nochmals verstärkt (vgl. Abbildung 1). 

Anschliessend fiel noch wenig Schnee im Westen (Abbildung 2). In der Prognose war unsicher, ob die erwarteten 15 bis 25 cm Neuschnee ausreichen würden, um auch in diesen Gebieten das Altschneeproblem vermehrt zu aktivieren. Im Nachhinein bestätigte sich das Altschneeproblem vor allem in den Gebieten von Ovronnaz über das Trient bis zum Grossen St. Bernhard. Dort rissen einige, teils grosse Lawinen im Altschnee an. (Abbildung 3).

Schneedecke

Nördlich der Linie Rhône-Rhein waren in der Schneedecke an Schattenhängen zwar auch verbreitet schwache Schichten vorhanden. Allerdings wurden kaum Lawinenauslösungen in diesen Schichten beobachtet. 

Ein anderes Bild zeigte sich weiter im Süden. Dort war die Schneedecke im Mittelteil oder teils auch im ganzen unteren Teil der Schneedecke verbreitet schwach verfestigt. Darüber lagen Neu- und Triebschneeschichten, die einfach ausgelöst werden konnten (Abbildung 5 bis 7).

WUMM

Wer in den Gebieten mit schwachem Altschnee auf Tour ging, musste in der Regel nicht lange warten, bis die Schneedecke mit Wummgeräuschen unmissverständlich zu verstehen gab, dass der Schneedeckenaufbau instabil ist (Abbildung 4). 

Wumm-Geräusche sind Setzungsgeräusche die durch den Kollaps einer Schwachschicht entstehen können. Sie weisen uns darauf hin, dass eine Schwachschicht gebrochen ist. Der Bruch in der Schwachschicht breitet sich manchmal nur wenige Meter, manchmal auch quer durch einen ganzen Hang aus. Auf WhiteRisk (Alarmzeichen) ist eine Nachbildung von einem Wummgeräusch zu hören. Bisher ist es noch nicht gelungen, ein Wummgeräusch in Realität aufzunehmen. Die Bedingungen dafür wären im Moment gut. Also an alle tontechnisch begabten Skitourenfahrer – schaltet eure Mikrophone ein. Bitte aber schön im flachen Gelände bleiben.

Aussergewöhnlich war auch, wie lange dieses ausgeprägte Altschneeproblem bereits anhielt.

7 auf einen Streich

Eindrücklich erlebten auch die Lawinenwarner selber ihren Feldtag im Münstertal. Auf der Suche nach einem geeigneten Profilstandort im Skigebiet Minschuns, östlich des Ofenpasses (GR), lösten sie aus der Fläche verbunden mit einem flächigen Wummgeräusch gleich sieben Lawinen aus (Abbildung 8).

Wenig Schnee

Die Schneearmut ist seit Erscheinen des letzten Avablogs noch ein bisschen ausgeprägter geworden. D.h. an 15 langjährigen Beobachterstationen in der Zentral- und Ostschweiz gibt es aktuell nur noch 1-2 Winter, die Anfangs Februar jemals noch weniger Schnee registriert haben. An den höhergelegenen automatischen IMIS-Stationen (Reihenlänge 25-30 Jahre) zeigen aktuell 16 Stationen in der Zentral- und Ostschweiz) minimale Schneehöhen für Anfangs Februar. Im Vergleich zu den langjährigen Beobachterstationen treten an den IMIS-Stationen im Moment eher Rekorde auf, weil die bisherigen Anfangs-Februar Minima (häufig 1990, 1964, 1972) bereits vor der Installation der IMIS-Stationen auftraten.
Zur Ergänzung der täglich produzierten Karte der relativen Schneehöhen in Prozent zeigen wir hier für einmal die Karte der absoluten Differenzen am heutigen Tag (Abb. 9) . Diese Karte zeigt, dass das Schneehöhendefizit in den den zentralen und östliche Alpen aktuell 50 bis 100 cm, in den westlichen Alpen 25-50 cm beträgt, dies im Vergleich zum klimatologischen Mittel 1991-2020.

Personenlawinen, Lawinenunfälle

Vom 3. bis 8. Februar wurden 147 durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet. Bei 8 Lawinen wurden erfasste Personen registriert. Dabei wurden 10 Personen erfasst, glücklicherweise aber niemand ganz verschüttet oder verletzt. 

Diesen Winter kamen bis dato neun Personen in Lawinen ums Leben, 114 Personen wurden von Lawinen erfasst, 23 dabei ganz verschüttet. Zum Vergleich: Im Mittel der letzten 20 Jahre waren es zum selben Datum 9 Todesopfer, 98 erfasste Personen und 19 Ganzverschüttete.

Wann wird eine Lawine als Schadenlawine registriert?

Am SLF erhalten wir oft mehrere Dutzend Lawinenmeldungen täglich, an manchen Tagen auch 100 oder mehr Meldungen (vgl. auch Abbildung 5). Dabei wird unterschieden nach Lawinen mit und ohne Schaden. Folgende Lawinen werden als Schadenlawinen gewertet:

  • Lawinen mit erfassten Personen (Definition erfasste Person, siehe Abbildung 10)
  • Lawinen mit Sachschäden (Schäden an Gebäuden, Wald oder Infrastruktur; hier werden auch Lawinen gezählt, die über geöffnete Verkehrswege (Bahn, Strasse, Skipisten, Winterwanderwege) gehen
  • Lawinen mit Suchaktion (auch wenn niemand verschüttet worden war)

Während die Lawinen, die keinen Schaden verursachen, meist nur sehr grob auf Plausibilität überprüft werden (vor allem Filtern der mehrfach gemeldeten Lawinen und überprüfen der Lawinengrösse), werden Lawinen mit Schäden etwas genauer angeschaut. Bei Lawinen mit der Angabe «Person erfasst» fragen wir oft für mehr Details nach und ergänzen und präzisieren wenn möglich die Angaben. Die Erkenntnisse aus den Daten von Lawinenunfällen fliessen in die Forschung oder auch Entwicklung von Lawinen-Notfall-Geräten ein. Die wichtigsten Kennzahlen werden auch auf «Unfälle und Lawinen» und in den Winterberichten publiziert.

Danke für alle Meldungen

Die zahlreichen Meldungen von BeobachterInnen, SkitourenfahrerInnen, WintersportlerInnen, Rettungsorganisationen und anderen Schneefans sind für die Erstellung vom Lawinenbulletin und wie oben erwähnt auch für langjährige Statistiken sehr wertvoll. An dieser Stelle…

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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