AvaBlog 3. - 7. April 2026

Osterwochenende: Vom Winter in den Frühling

Nachdem es die letzten Wochen winterlich kühl war, wurde es über die Ostertage sonnig und sehr mild. Die markante Erwärmung führte zu vielen nassen Lawinen. In den inneralpinen Gebieten gingen aufgrund der Erwärmung auch zahlreiche trockene oder leicht feuchte Schneebrettlawinen spontan ab.  
In der Berichtsperiode ereigneten sich drei tödliche Lawinenunfälle.

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Nasse Lockerschneelawine neben trockener Schneebrettlawine: In dieser Berichtsperiode vermischten sich oft unterschiedliche Lawinentypen. Am Sandhubel auf 2700 m (Arosa, GR) sieht man an den Bildrändern die oberflächennahen, nassen Lockerschneelawinen, während zentral im Bild eine grosse, personenausgelöste Schneebrettlawine zu sehen ist. (Foto: R. Tiri, 06.04.26)
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Frühlingstemperaturen und Sonnenschein gab es über das Osterwochenende verbreitet. Damit ging aber auch ein Anstieg der Nassschneeaktivität einher. Diese Schneebrettlawine am Nordhang des Flüela Wisshorn (3085 m, Klosters, GR) ist jedoch vermutlich noch vor dem Wochenende trocken abgegangen. (Foto: SLF/A. Haberkorn, 03.04.2026)
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Auch am Chummerhüreli (2600 m, Davos, GR) sind Lockerschneelawinen neben einer Schneebrettlawine zu sehen.. Ob diese Schneebrettlawine als trocken oder nass zu betrachten ist, nicht so einfach zu beantworten. Mehr dazu im Blogtext. (Foto: SLF/C. Hänni, 05.04.26)
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Zumindest in diesem Fall ist die Schneefeuchte aber ziemlich klar. Diese nasse Schneebrettlawine löste sich am 05.04. auf 1900 m am Westhang des Chäserrugg (2249 m, Wildhaus-Alt St. Johann, SG) aus. (Foto: L. Moser)
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Warmer Schnee kann aber auch schön sein: Durch die tageszeitliche Erwärmung, und teilweise auch durch den Regen am Samstag, 04.04. bildeten sich mancherorts, wie hier im Val Natons (Surses, GR) regelrechte Gemälde durch das abfliessende Wasser. (Foto: H. Blatter, 06.04.26)
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Obwohl in dieser Lawine Spuren erkennbar sind, ist sie spontan abgegangen. Die Lawine am Sé Rouge (2700m, Ayent, VS) löste sich erst etwa eine halbe Stunde nach der Durchfahrt der zwei Wintersportlerinnen. (Foto: Y. Degoumois, 06.04.26)
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Auch Fernauslösungen, wie hier in der Nähe des Pischahorns (Davos, GR) waren weiterhin möglich. Die auslösende Person stand oben am Grat und ahnte nach einem Wumm-Geräusch zunächst nichts. Erst im Nachhinein konnten die Lawine und das gemeldete Wummgeräusch miteinander in Verbindung gebracht werden. (Foto: D. Bühlmann, 03.04.26)
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Richtungswechsel: Diese Schneebrettlawine im Val d’Es-cha (2800 m, Zuoz, GR) legte eine scharfe Rechtskurve hin, bevor sie im Talboden zum Stehen kam. (Foto: H. Lozza, 07.04.26)

Wetter

Das Osterwochenende startete am Karfreitag noch recht kühl, aber meist sonnig. Am Samstag war es nach einer bedeckten Nacht mit etwas Regen bis gegen 2000 m zunächst ebenfalls bewölkt. Im Tagesverlauf wurde es dann aus Westen sonnig und zunehmend sehr mild. Die Nullgradgrenze stieg am Samstag von rund 2000 m gegen 3000 m. Am Sonntag und am Ostermontag war es meist sonnig, allerdings war die Nacht auf Montag teils bedeckt und mit durchziehenden Schauern war es im Westen und Norden zeitweise nass.

Schneedecke und Lawinen

Inneralpine Gebiete: Wärme trifft auf schwache Schneedecke

Zwei Schwachschichten waren in dieser Berichtsperiode relevant: Einerseits der altbekannte schwache Altschnee in bodennahen Schichten. Er war auch in den vergangenen Wochen immer noch für einzelne Lawinenauslösungen zuständig, obwohl diese zuletzt seltener geworden waren. Häufiger waren Lawinenauslösungen in einer eher oberflächennahen Schwachschicht, die vermutlich aus einem eingeschneiten Oberflächenreif bestand. 

Am Freitag wurden in Graubünden und im südlichen Wallis einige Lawinen in den beschriebenen Schwachschichten von Personen ausgelöst. Die Lawinen waren oft mittelgross (Grösse 2), vereinzelt auch gross (Grösse 3).

Die Auslösungen am Freitag zeigten, dass die Schwachschichten nach wie vor störanfällig waren.
Während der teils bedeckten Nacht auf Samstag war die Abstrahlung reduziert. In Kombination mit der markanten Erwärmung und viel diffuser Strahlung aufgrund der Bewölkung tagsüber führte dies zu einem markanten Wärmeeintrag in die Schneedecke. Dadurch wurde die Schneeoberfläche in allen Expositionen bis in hohe Lagen angefeuchtet. Diese Veränderung der Eigenschaften des “Schneebretts”, also der Schneeschichten oberhalb der Schwachschichten, führte augenscheinlich zu einer sehr ungünstigen Kombination von Schwachschicht und Schneebrett. Vor allem am Samstagnachmittag, aber etwas weniger ausgeprägt auch noch an den folgenden Tagen, gingen zahlreiche Schneebrettlawinen spontan ab. Die meisten Lawinen dieser Art lösten sich an Nordwesthängen in den inneralpinen Gebieten Graubündens von Vals über Arosa bis ins nördliche Ober- und Unterengadin. Im südlichen Wallis wurden ebenfalls einige spontane Schneebrettlawinen gemeldet, die Anzahl war aber deutlich geringer als in Graubünden. 

Zwar hingen die Lawinenauslösungen mit der tageszeitlichen Erwärmung zusammen – und der Anfeuchtung der Schneeoberfläche; gleichzeitig war die Schneedecke in diesen Hängen vermutlich erst oberflächlich feucht, die Schwachschicht noch trocken. Es handelt sich also um (fast) trockene Lawinen, deren Auslösewahrscheinlichkeit mit der Erwärmung im Tagesverlauf anstieg. Sie können spontan abgehen oder auch von Personen ausgelöst werden. Speziell an diesen Lawinen ist, dass sie weder eindeutig als trocken noch als nass klassifiziert werden können. Als nass klassiert wird eine Lawine gemäss Definition, wenn der Schnee im Anrissgebiet nass ist. Entsprechend schwierig ist es auch, diese Gefahr im Lawinenbulletin zu kommunizieren. In den letzten Tagen wurde sie in der trockenen Gefahreneinschätzung des Lawinenbulletins beschrieben. 

Alpennordhang: Nur vereinzelte Gefahrenstellen, aber teils grosse Lawinen

Dem Lawinenwarndienst war bekannt, dass die oben beschriebenen Schwachschichten auch in den Gebieten nördlich einer Linie Rhone-Rhein teilweise vorhanden waren. Lawinenauslösungen in diesen Schichten waren in den letzten Wochen aber sehr selten, die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Personen in diesen Schichten Lawinen auslösen konnten, also sehr gering. Dass dies tatsächlich noch möglich war, zeigten einige Lawinenauslösungen am Osterwochenende (Abbildung 4).

Lawinenauslösungen im Altschnee gab es vereinzelt noch an eher schneearmen Stellen oder auch im extremen Gelände, das diesen Winter erst selten oder noch gar nicht befahren worden war. Brachen Lawinen im Altschnee an, dann wurden sie teils gross (Grösse 3) bis sehr gross (Grösse 4, Abbildung 4, Abbildung 5).

Die markante Erwärmung führte am Alpennordhang ab Samstag jeweils im Tagesverlauf zu vielen nassen Lawinen. Vor allem in den östlichen Gebieten, wo in der Nacht auf Samstag etwas Niederschlag gefallen war, gingen am Samstag zahlreiche Lawinen ab; die meisten davon als Gleitschnee- oder Lockerschneelawinen. Da nach dem Schneefall der letzten Woche in diesen Gebieten oft auch in mittleren Lagen noch Schnee lag, konnten solche Lawinen teilweise bis auf exponierte Verkehrswege vorstossen. Im Nachhinein hätte hier bereits am Samstagnachmittag vor erheblicher Gefahr von nassen Lawinen gewarnt werden müssen. Vereinzelt wurden auch in diesen Gebieten nasse oder feuchte Schneebrettlawinen beobachtet; sie waren aber deutlich seltener als in den inneralpinen Gebieten. Ein eindrückliches Beispiel einer nassen Schneebrettlawine ereignete sich am Ostermontag im Gebiet Engstligenalp an der Ostflanke des Fitzers (2464 m, Adelboden, BE, Abbildung 6).  

Ausblick: Personen können weiterhin nasse Schneebrettlawinen auslösen!

Wird vor nassen Lawinen im Tagesverlauf gewarnt, denken die meisten Skitourengänger wohl an spontane Lawinenabgänge: Lockerschneelawinen, Gleitschneelawinen, und vereinzelt mal eine spontane nasse Schneebrettlawine. Aufgrund der ausgeprägten Schwachschichten in der Schneedecke dürften nasse Schneebrettlawinen aber in den kommenden Tagen und Wochen eine grössere Rolle spielen als sonst im Frühling üblich, und dies nicht nur in den typischen Regionen mit einer schwachen Altschneedecke, sondern vermutlich auch am Alpennordhang. Wichtig ist, dass nasse Schneebrettlawinen genau wie trockene Schneebrettlawinen auch von Personen ausgelöst werden können (Abbildung 7). Bei einer gefrorenen Oberfläche sind solche Auslösungen sehr selten, aber nicht ausgeschlossen. Wie jedes Jahr im Frühling gilt also: Touren früh starten und rechtzeitig beenden.

Lawinenunfälle

In der Berichtsperiode ereigneten sich vier schwere Lawinenunfälle:

  • Schwarzbirg (2791 m, Lauterbrunngen, BE, Freitag, 04.04., s. Abbildung 5): Ein Variantenfahrer wurde ganz verschüttet und verstarb.
  • Bürgle (2165 m, Rüschegg, BE, Freitag, 04.04., s. Abbildung 6): Ein Snowboarder wurde ganz verschüttet und verstarb. 
  • Grosser Mythen (1898 m, Schwyz, SZ, Freitag, 04.04.): Gemäss der Medienmitteilung der Kantonspolizei Schwyz riss eine Gleitschneelawine eine Person, die auf den Sommerwanderweg unterwegs war, in den Tod. 
  • Fleckistock Ostflanke (3417 m, Wassen, UR, Samstag, 04.04.): Zwei Personen wurden mitgerissen und verletzt, eine davon schwer.

Alle übrigen Lawinenauslösungen verliefen glimpflich. Es wurden allerdings noch zwei weitere Personen ganz verschüttet, eine davon wurde verletzt. 

Neu: Aktuelle Lawinenbilder auf WhiteRisk

Nach Ostern neigt sich die Wintersaison in den Skigebieten und bei vielen Tourengehern dem Ende zu. Damit werden auch Rückmeldungen aus dem Gelände immer seltener. Für die Erstellung des Bulletins sind diese aber enorm wichtig. Bist du noch auf Skitour unterwegs? Dann hilf die Qualität des Lawinenbulletins zu verbessern und schicke uns deine Beobachtungen über die App WhiteRisk. Auch eine Rückmeldung von günstigen Verhältnissen ist hilfreich, gern mit Fotos! 

Übrigens werden neuerdings Bilder zu Lawinenmeldungen auf WhiteRisk veröffentlicht – sofern sich der Rückmelder damit bereit erklärt. Bereits sichtbar sind die Bilder auf der Webseite. In Kürze wird auch ein App-Update publiziert, um die Bilder in der App sichtbar zu machen.

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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