AvaBlog 25. - 28. März 2026

Der Winter ist noch nicht vorbei

Während einer ausgeprägten Nordstaulage fiel im Norden bis zu einem Meter Neuschnee. Es wurde vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Die Lawinenaktivität blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.

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Eindrückliche Fernauslösung im Westhang des Giraspitz (2368 m, Schiers, GR). (Foto: N. Ruckdeschel, 28.03.2026)
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Der schöne Pulverschnee überdeckt stellenweise Schwachschichten, die von Personen ausgelöst werden konnten; so auch in der Region Davos (GR) bei der Abfahrt vom Rossboda (2613 m). (Foto: L. Wilhelm, 28.03.2026)
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Starker Wind, Schnee und eingeschränkte Sicht. Am Donnerstag, dem 26. März, herrschten in der Region Wildhaus (SG, 1100 m) blizzardähnliche Wetterbedingungen – eine Situation, die jenseits des Atlantiks typisch ist, in der Schweiz jedoch seltener vorkommt. (Foto: P. Diener, 26.03.2026)
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Auch in tiefen Lagen hinterliess der Wind zum Teil eindrückliche Spuren. Für diese mächtige Triebschneeansammlung am Rand der Strasse Richtung Les Pléiades (1348 m, Blonay – St. Légier, VD) war wohl die Bise zuständig, die am Freitag, 27.03. im Westen kräftig blies. (Foto: J. Wagnières)
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Spuren vom Wind am Boden und in der Luft auf dem Weg zum Grossen Schinhorn (2983 m, Binntal, VS). (Foto: A. Furrer, 28.03.2026)
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Im Val d’Agnel (Bivio, GR), auf etwa 2600 m Höhe, waren die Triebschneebrette mächtig und sehr störanfällig, wie diese Rissausbreitung zeigt. (Foto: M. Poltera, 27.03.2026)
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Die Wechten der Pointe du Van (2278 m, Trient, VS) sind in dieser windreichen Periode deutlich gewachsen. (Foto: J.L. Lugon, 27.03.2026)
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Neuschnee und Wind täuschen. Unter einer scheinbar regelmässigen Oberfläche verbergen sich grosse Unterschiede in der Schneeverfrachtungsmächtigkeit, auch über einige Meter hinweg. Zum Beispiel im Turtmanntal (Turtmann-Unterems, VS) auf 2800 m Höhe, in der Nähe vom Gämsschwart. (Foto: S. Hofstetter, 27.03.2026)
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Aufgrund der Belastung des Neuschnees ist mit Gleitschneelawinen zu rechnen, wie diese kleine Lawine auf 1450 m am Südhang des Wildhuser Schofbergs (Wildhaus-Alt St. Johann, SG). (Foto: M. Lechner, 27.03.2026)
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Während der Alpennordhang noch unter Wolken lag, genossen das Mattertal und das Saastal (hier: Schönbielhütte, 2700 m, Zermatt, VS) am Freitag, 27.03. bereits reichlich Sonnenschein. Die Nordströmung wurde von den hohen Gipfeln des Berner Oberlands abgehalten und konnte nicht bis in den Süden des Oberwallis vordringen. Die Folge: wenig Neuschnee. (Foto: J. Svoboda)

Rückblick auf die Periode seit dem letzten AvaBlog

Seit dem letzten AvaBlog vor knapp 2 Wochen war es in den Bergen oft sonnig, unterbrochen von kurzen, aber teils intensiven Schneefallereignissen. Erwähnenswert ist der Schneefall vom Sonntag, 22. März, während dem im Wallis und Süden verbreitet 15 bis 30 cm Schnee fielen. Im Wallis wurden daraufhin einige Lawinen in oberflächennahen Schichten von Personen ausgelöst.  

In Graubünden waren Wummgeräusche während dieser Phase nach wie vor ein regelmässiger Begleiter beim Spuren. Im bodennahen Altschnee wurden Lawinen nur noch vereinzelt ausgelöst (Abbildung 1). Etwas häufiger waren Auslösungen in oberflächennahen Schwachschichten (Abbildung 2). Oft war hier wohl ein eingeschneiter Oberflächenreif (s. Blog letzte Woche) der Übeltäter. Insgesamt waren Lawinenauslösungen aber eher selten, weshalb für Mittwoch, 25. März die Lawinengefahr auf mässig (Stufe 2) zurückgestuft wurde. 

Nordstaulage mit viel Neuschnee

Am Mittwoch, 25. März zog im Tagesverlauf eine Kaltfront von Nordwesten über die Schweiz. Die Nullgradgrenze sank in einem wahren Sturzflug innerhalb weniger Stunden von etwa 2400 m gegen 500 m (Abbildung 3). Begleitet war die Kaltfront von starkem bis stürmischem Westwind und Niederschlag. In der Folge drehte der Wind auf Nord und es stellte sich bis am Freitag, 27. März eine ausgeprägte Nordstaulage ein.

Von Mittwochnachmittag bis Freitagnachmittag fiel im Norden viel Schnee bis in tiefste Lagen, begleitet von starkem bis stürmischem Nordwind. Im Süden blieb es meist trocken und tagsüber recht sonnig. Aber auch dort blies der Nordwind stark bis stürmisch.  

Am nördlichen Alpenkamm fiel in der Höhe von Mittwochnachmittag bis Freitagnachmittag verbreitet etwa ein Meter Neuschnee (Abbildung 4). Weniger Schnee fiel in Teilen des westlichen Alpennordhangs, im südlichen Unterwallis und in Nordbünden mit etwa 30 bis 50 cm. Im südlichen Oberwallis, im Tessin und im Engadin südlich des Inns fielen nur wenige Zentimeter Neuschnee. Höhere Neuschneewerte an den automatischen Stationen sind in diesen Gebieten oft auf intensive Schneeverfrachtung durch den starken Nordwind zurückzuführen. Allgemein ist es in Phasen mit viel Wind jeweils recht schwierig die effektiven Niederschlagsmengen zu bestimmen, da der Neuschnee lokal sehr unterschiedlich abgelagert wird.  

Ein kritischer Blick auf die Lawinenaktivität und die prognostizierte Lawinengefahr

Mit dem intensiven Schneefall stieg die Lawinengefahr markant an. Ab der Nacht auf Donnerstag, 26. März wurde am nördlichen Alpenkamm und im nördlichen Prättigau verbreitet vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Am nördlichen Alpenkamm war diese Warnung vor allem auf die grossen Neuschneemengen zurückzuführen. In Nordbünden war es die Kombination ausgeprägter Schwachschichten im oberflächennahen Altschnee und etwa einem halben Meter Neuschnee, der die Lawinenwarner zu dieser Einschätzung bewog. In Nordbünden lag die Neuschneemenge bis am Donnerstagmorgen eher hinter den Erwartungen. Daraufhin wurde die prognostizierte Gefahr auf erheblich (Stufe 3) zurückgestuft.

Die Anzahl Rückmeldungen von Lawinen, die während dem Schneefall am Donnerstag oder Freitag abgegangen waren, fiel recht spärlich aus. Möglicherweise wurden viele Lawinenanrisse rasch wieder zugeschneit oder eingeblasen, so dass sie bei guter Sicht am Samstag, 28. März, nicht mehr sichtbar waren. Lawinen, die bis in die Täler vorstiessen waren dem Lawinenwarndienst bis zum Redaktionsschluss nur sehr vereinzelt bekannt.

Ob die Gefahrenstufe 4 (gross) während dem Schneefall erreicht wurde, kann, aufgrund der möglicherweise wieder eingeschneiten Lawinenanrisse, nicht abschliessend geklärt werden. Für Freitag, 27. März tagsüber war die Gefahr vermutlich überschätzt, denn diese Lawinen hätten am Samstag noch sichtbar sein müssen.  

Unfälle

Während der Berichtsperiode wurden einige Lawinen von Personen ausgelöst; die meisten davon am Samstag (z.B. Abbildung 5). Bis zum Redaktionsschluss wurden dem SLF 8 von Lawinen erfasste Personen gemeldet.

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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