AvaBlog 19. - 23. Februar 2026

1001 Lawinenmeldungen - Ende der Grossniederschlagsperiode

In dieser Berichtsperiode schneite es erneut anhaltend. Dies war die dritte Starkniederschlagsperiode in Folge. Es gingen zahlreiche Lawinen ab, sowohl spontan als auch von Personen ausgelöst. Lawinen wurden oft sehr gross und vereinzelt auch extrem gross. Bei zwei Lawinenunfällen verstarb je eine Person. 

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Ablagerung der extrem gross abgegangenen Rosszügji Lawine (Randa / St. Niklaus, VS), (Foto: 20.02.2026).
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Ablagerung der extrem gross abgegangenen Rosszügji Lawine (Randa / St. Niklaus, VS), (Foto: 20.02.2026).
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Auch im Tessin war die Schneedecke ausgesprochen schwach. Grosse, im schwachen Altschnee abgegangene Schneebrettlawine östlich der Capanna Adula, Blenio, TI (Foto: F. Vanza, 19.02.2023).
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Richtig Winter im westlichsten Unterwallis auf 1800 m in La Creusaz (Salvan, VS). An der benachbarten Messstation hat der Beobachter 2.60m Schnee gemessen (Foto: A. Agrusti, 20.02.2026).
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Durch einen Gleitschirmflieger bei einem Touch-and-go (kurzzeitiges Berühren der Schneedecke) an der Westflanke der Corne de Sorebois (Anniviers, VS) ausgelöste, grosse Schneebrettlawine. Gut, wenn man der Lawine davonfliegen kann! (Foto: F. Salamin, 20.02.2026).
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Ein Südhang und eher wenig Schnee. Trotzdem reichte es am Pizzo di Campello (Faido, TI) für eine sehr grosse Lawine mit fast 1 km Länge (Foto: L. Silvanti, 20.02.2026).
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Vom Grat aus fernausgelöste Lawine an der Pointe de Mandelon (Saint-Martin, VS). (Foto: M. Schupbach, 20.02.2026).
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Nicht mal im aperen Wald war man vor Lawinen sicher… Vermutlich handelte es sich um eine Gleitschneelawine, die in Oberried am Brienzersee (BE) bis auf 670 m hinunter vorstiess (Foto: N. Hildebrand, 20.02.2026).
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Nur dichter Wald schützt komplett vor Lawinen. Fernauslösung einer Schneebrettlawine am Alteingrat, Davos, GR (Foto: P. Friess, 21.02.2026).
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Unterhalb des Breitchamm (2086 m, Oberseetal, GL) wurde diese grosse Lawine im Altschnee fernausgelöst. Auch wenn das Problem des Altschnees nördlich der Linie Rhône-Rhein weniger ausgeprägt ist, sind grosse Lawinen immer noch möglich (Foto: D. Alpert, 22.02.2026).
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Dieses Triebschneebrett am Nordhang des Färistocks (2016m, Glarus, GL) wurde von Personen ausgelöst. Die Anrisshöhe beträgt 1,80 m (Foto: D. Raymann, 22.02.2026).
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Niemals genug: diese Hänge entlang dem Bälgrat (3177 m, Blatten b. Naters, VS) werden regelmässig vorsorglich gesprengt. Nach jedem starken Schneefall können grosse bis sehr grosse Lawinen erneut gesprengt werden. Die Lawine rechts unterhalb des Grisighorns ging spontan ab (Foto: P. Schwitter, 22.01.2026).
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Auf der Bachalp (1937m, Leuk, VS) sind die Mazots fast vollständig bedeckt, was Erinnerungen an den Winter 1999 weckt. Die Schneemengen dieses Jahr sind jedoch nicht so hoch (Foto: G. Voide, 22.02.2026).

Wetter

Im Anschluss an die letzte Berichtsperiode, während der bereits sehr viel Neuschnee gefallen war, schneite es weiter, zeitweise auch wieder intensiv. Zu Beginn der Periode lag der Niederschlagsschwerpunkt eher im Westen und im Oberengadin ([CL1] Abbildung 1). Dann verlagerte er sich an den nördlichen Alpenkamm vom Aletschgebiet bis ins Alpsteingebiet, nach Nordbünden und ins Unterengadin. Am intensivsten war der Niederschlag am Samstag, 21. Februar. Über vier Tage aufsummiert, von Mittwochabend, 18. Februar bis Sonntagabend, 22. Februar, waren die Neuschneemengen wieder beachtlich: ganz im Westen, am östlichen Alpennordhang sowie ganz im Osten in den Gebieten Prättigau, Silvretta und Samnaun fiel insgesamt nochmal 80 bis 100 cm Neuschnee. Am übrigen Alpennordhang und in grossen Teilen Graubündens fielen auch nochmal 50 bis 80 cm. Die Schneefallgrenze lag zunächst bei rund 1000 m und stieg am Samstag, 21. Februar gegen 1500 m.  

 

Der Schneefall war grösstenteils von starkem Wind aus westlichen Richtungen begleitet. 

In der Nacht auf Sonntag, 22. Februar endete der Niederschlag und tagsüber war es sonnig und sehr mild. Am Montag war es oft bewölkt mit wenig Niederschlag.

Lawinengefahr und Lawinenaktivität

Bis und mit Sonntag, 22. Februar wurde verbreitet vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Nach insgesamt sieben aufeinanderfolgenden Tagen, an denen in vielen Gebieten vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt wurde (und zeitweise sogar vor sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5) am Dienstag, 17. Februar) wurde für Montag, 23. Februar erstmals wieder “nur” noch verbreitet vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt. Für Schneesport abseits gesicherter Gebiete blieb die Lawinensituation verbreitet kritisch.

Spontane Lawinen

Während der gesamten Berichtsperiode war die Lawinenaktivität hoch (Abbildung 5). Es gingen viele spontane Lawinen ab. Oft waren diese gross und sehr gross, teilweise sogar extrem gross. Eindrücklich waren zum Beispiel die Lawinenabgänge am Samstag, 21. Februar im Haslital (BE). Während dem starken Schneefall gingen dort in den Lawinenzügen Golperlouwi und Gschnitzlouwi westlich von Guttannen (Guttannen, BE) je eine sehr grosse bis extrem grosse Staublawine ab. Der Lawinenschnee staute sich anschliessend meterhoch in der Aare. Der Staub erreichte die Häuser auf der anderen Talseite, richtete aber keine Schäden an. 
Am Sonntag, 22. Februar gingen noch zahlreiche Lawinen spontan ab, auch sehr grosse - ein Teil davon noch in der Nacht, während dem ausklingenden Niederschlag, ein Teil aber auch erst tagsüber, möglicherweise beeinflusst durch die markante Erwärmung. Das Alter von Lawinen zu beurteilen ist häufig schwierig und unsicher, so dass im Nachhinein nicht immer klar ist, wann genau sie abgegangen sind (Abbildung 3, Abbildung 4). 

Sicherheitssprengungen

Auch während Sicherungssprengungen konnten während der Berichtsperiode zahlreiche sehr grosse und einzelne extrem grosse Lawinen ausgelöst werden (Abbildung 6, Abbildung 7). Eindrücklich war zum Beispiel die Rückmeldung von Sicherheitssprengungen am Freitag, 20. Februar in der Region Zermatt: “70 Sprengungen, davon 55 Abgänge gross bis sehr gross, 3 extrem gross”. 

Solche Sicherheitssprengungen nach sehr grossen Schneefällen bergen immer ein gewisses Risiko, dass Lawinen so gross werden, dass sie Schäden an Wald oder Infrastruktur anrichten. Andererseits erlauben es genau diese Sicherheitssprengen, Verkehrswege nach Ende der Niederschläge rasch wieder zu öffnen und zu vermeiden, dass die Lawinen zu einem späteren Zeitpunkt unerwartet spontan in ähnlicher Grösse abgehen. 

Personenlawinen

Es wurden während dieser Berichtsperiode erneut viele Lawinen von Personen ausgelöst (Abbildung 8). Am meisten Personenauslösungen gab es am Sonntag, 22. Februar. Dies hatte wohl weniger mit veränderten Schneedeckeneigenschaften als vielmehr damit zu tun, dass der Sonntag in allen Gebieten recht sonnig war und deutlich mehr Leute im freien Gelände unterwegs waren als an den Tagen davor. Auch die von Personen ausgelösten Lawinen erreichten oft eindrückliche Grössen. Südlich einer Linie Rhone-Rhein wurden Personenlawinen oft gross und vereinzelt sehr gross. Fernauslösungen waren weiterhin an der Tagesordnung (Abbildung 9) und nicht selten löste eine Lawine eine ganze Serie von weiteren Lawinen aus. Nördlich der Linie Rhone-Rhein wurden etwas weniger Lawinen ausgelöst und sie wurden meist nicht ganz so gross – meistens waren sie mittelgross, vereinzelt gross. 

Es wurden auch zahlreiche Lawinen im Wald oder im Waldgrenzbereich ausgelöst (s. Bildgalerie).

Lawinenmeldungen

Insgesamt erreichten den Lawinenwarndienst von Donnerstag, 18. Februar bis zum Redaktionsschluss am Montag, 23. Februar unglaubliche 1609 Lawinenmeldungen, 995 davon am Wochenende. Diese Zahl beinhaltet alle Lawinen- und Auslösearten, die einerseits von automatischen Detektionssystemen und andererseits manuell, von SLF-Beobachtern und von der Öffentlichkeit, zurückgemeldet wurden. Lawinen wurden teilweise mehrfach gemeldet und gewisse Meldungen enthielten mehrere Lawinen. Die Zahl widerspiegelt also nicht 1:1 die Anzahl registrierter Lawinenabgänge (und schon gar nicht auf die Anzahl aller abgegangener Lawinen, die noch deutlich höher sein dürfte), gibt aber einen sehr deutlichen Hinweis auf die hohe Lawinenaktivität. 

Wenn Lawinenmeldungen im Minutentakt eintrudeln, ist es zwar nicht immer einfach den Überblick zu wahren, trotzdem sind diese Rückmeldungen die beste Möglichkeit die Lawinengefahr im Gelände zu überprüfen resp. zu bestätigen. Dies verbessert die Prognosequalität für den kommenden Tag. 

Ein grosses Dankeschön gilt deshalb allen, die sich die Zeit nehmen uns Informationen zeitnah zu schicken.

Gleitschneelawinen

Wie so oft nach grossen Schneefällen stieg die Aktivität von Gleitschneelawinen in den folgenden Tagen an. Vor allem ab Sonntag, 22. Februar gingen etliche Gleitschneelawinen ab, vor allem am Alpennordhang. Diese konnten aufgrund der grossen Schneemengen gross werden.

Schneedecke und weitere Entwicklung

Im Norden und ganz im Westen fielen während den anhaltenden Niederschlägen der vergangenen zwei Wochen 2 bis 3.5 m Neuschnee (Abbildung 10). 

Damit wurden Schwachschichten in der Altschneedecke gut überdeckt. Eine Person kann eine Schwachschicht noch stören, die bis zu etwa 1 m tief in der Schneedecke liegt. Auch wenn die grossen Neuschneemengen sich noch stark setzen werden, sollte es für Schneesportler damit in den neuschneereichen Gebieten kaum noch möglich sein, Lawinen im tiefen Altschnee auszulösen. Demzufolge sollte sich die Lawinensituation dort in den nächsten Tagen deutlich verbessern. Es ist aber zu beachten, dass der Neuschnee nicht gleichmässig abgelagert wird. Es kann also auch weiterhin einzelne Stellen geben, an denen Schwachschichten im Altschnee weniger mächtig überdeckt und somit noch auslösbar sind: «Stellen an Übergängen von wenig zu viel Schnee».

Die Wärme am Dienstag, 24. Februar und Mittwoch, 25. Februar mit einer Nullgradgrenze auf rund 3000 m hat voraussichtlich einen eher moderaten Einfluss auf die Schneedecke. Es ist aber dennoch nicht auszuschliessen, dass sich in den nächsten Tagen, noch die eine oder andere erstaunlich grosse Lawinen lösen kann (vgl. Abbildung 11 und 12). Zudem dürfte die Aktivität von Gleitschneelawinen in den nächsten Tagen unterhalb von rund 2400 m weiter befeuert werden (vgl. Abbildung 12). 

Schneehöhen

Nachdem die Schneehöhen während einem Grossteil des bisherigen Winters stark unterdurchschnittlich waren, war die Schneehöhe im Vergleich zum langjährigen Mittel am Sonntag, 23. Februar in der Höhe im Westen leicht überdurchschnittlich. Entlang des Alpenhauptkammes, vom Saastal bis ins Münstertal und südlich davon, waren die Schneehöhen nach wie vor leicht unterdurchschnittlich. Sonst lagen sie in der Höhe in etwa im Durchschnitt. 

Lawinenunfälle

Am Sonntag, 22. Februar ereignete sich im Skigebiet Verbier im Variantengelände ein Lawinenunfall bei dem eine Person tödlich verunglückte. 
In der Nähe des Skigebietes Diavolezza (Pontresina, GR) wurde ebenfalls am Sonntag, 22. Februar eine Person tot aus einer Lawine geborgen. Sie galt seit Mittwoch, 18. Februar als vermisst. 

In weiteren Lawinenunfällen wurden insgesamt 19 Personen erfasst, 2 davon wurden ganz verschüttet. Fünf Personen wurden auf offenen Verkehrswegen (Strassen, Skipisten) von der Staubwolke einer Lawine erfasst, aber niemand wurde verletzt.

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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