Kurz und heftig: 1 m Neuschnee und grosse Lawinengefahr im Süden ¶
In zwei Tagen schneite es am Oberwalliser Alpenhauptkamm und im westlichen Tessin einen Meter. Aber nicht nur dort stieg die Lawinengefahr auf Stufe 4 (gross), sondern auch in Richtung Engadin. Dort fiel zwar weniger Schnee, aber auf eine immer noch schwache Altschneedecke.
Was bisher geschah ¶
Irgendwann gab es selbst in den inneralpinen Gebieten Graubündens weniger Stellen, an denen Lawinen im schwachen Altschnee ausgelöst werden konnten. Deshalb musste am Sonntag, 7. März erstmals seit dem 8. Januar, also seit geschlagenen 2 Monaten, nirgendwo in den Schweizer Alpen mehr vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt werden. Mit dem Rückgang auf Stufe 2 war das Altschneeproblem natürlich nicht vom Tisch, einzelne Lawinen im Altschnee wurden trotzdem noch ausgelöst (Abbildung 1).
Im Norden und Westen dagegen wurden die Verhältnisse mehrheitlich günstig. Allerdings bildete sich an steilen Schattenhängen, dort wo kaum ein Sonnenstrahl hinkam, grosser Oberflächenreif (Abbildung 2).
Von Donnerstag, 12. auf Freitag, 13. März fielen im Norden 10 bis 20 cm Schnee, und mit mässigem Südwestwind entstanden meist kleine Triebschneeansammlungen. Dort, wo diese auf den Oberflächenreif abgelagert wurden, erwiesen sie sich als ausgesprochen störanfällig (Abbildung 3).
Wetter ¶
In der Nacht auf Samstag, 14. März setzte im Süden zunächst schwacher Niederschlag ein, der sich in der Folge intensivierte und nach Norden ausbreitete. Bis zum Niederschlagsende am Sonntag fielen am Oberwalliser Alpenhauptkamm und im westlichen Tessin 90 bis 120 cm Schnee, der Löwenanteil zwischen Samstag- und Sonntagmorgen (Abbildungen 4 bis 6). Begleitet wurden die Schneefälle von oft mässigem bis starkem Wind zuerst aus südlichen, dann aus nördlichen Richtungen (Abbildung 7).
Schneedecke und Lawinen ¶
Die Schneefälle waren sehr intensiv, und in der Schneedecke musste mit dreierlei Schwachschichten gerechnet werden (Abbildung 8):
• Schwachschichten innerhalb des Neu- und Triebschnees. Diese können sehr schwach (Rot, ganz oben in Abbildung 8 rechts) und weit verbreitet sein. Sie stabilisieren sich aber meist innerhalb kurzer Zeit, oft innerhalb von ein bis zwei Tagen (Wechsel auf Grün).
• Oberflächenreif, eine lang andauernde, prominente Schwachschicht. Diese war örtlich eingeschränkt vorhanden, und zwar an eher windgeschützten Nordhängen (Abbildung 2). In Abbildung 8 ist er ganz links auf 130 cm zu sehen (Rot in Abbildung 8 links), dann wurde er unmittelbar vor dem Einschneien zerstört.
• Prominente Schwachschichten aus kantig aufgebauten Kristallen (Hellblau in Abbildung 8 links) oder gar Becherkristallen (Dunkelblau) tief in der Schneedecke. Vor den Schneefällen waren diese kaum noch auslösbar (Grün in Abbildung 8 rechts). Mit der Belastung durch den vielen Neuschnee war es aber zumindest in der Höhe denkbar, dass diese vorübergehend wieder aktiviert wurden (Rot).
Für Sonntag, 15. März wurde von Zermatt über das Tessin bis ins Oberengadin vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Tatsächlich gingen dort während des Schneefalls, in der Nacht auf Sonntag viele Lawinen spontan ab. Bei Dunkelheit, Schneefall und Nebel sah das zwar kein Mensch, sehr wohl aber die radarbasierten Detektionssysteme, die zur Überwachung kritischer Infrastruktur Lawinen erfassen (Abbildung 9).
Am Oberwalliser Alpenhauptkamm ist die Gefahrenstufe 4 (gross) mit den grossen und vereinzelt sehr grossen, spontanen Lawinenabgängen bestätigt. Diese stiessen in den üblichen Lawinenzügen teils bis in die hoch gelegenen Täler vor. Aus dem Tessin dagegen lagen bis Redaktionsschluss kaum Lawinenmeldungen vor. Das deutet darauf hin, dass keine Lawinen gross genug wurden, um bis in die Täler vorzustossen. Dass während der Schneefälle sehr wohl Lawinen abgingen, zeigten auch hier dutzende Abgänge, die von zwei Radaranlagen im Bleniotal registriert wurden. Für eine Verifikation der Gefahrenstufe war die Datenlage aber vorerst noch ungenügend.
Auch nach dem Schneefall gingen am Sonntag, 15. März in gewissen Gebieten noch viele Lawinen spontan ab (Videos 1 und 2). In den meisten Fällen dürfte die Ursache im aufkommenden Südwind gelegen haben, welcher den noch lockeren Schnee intensiv verfrachtete. Nicht umsonst gilt der Wind als Baumeister der Lawinen.
Lawinenunfälle ¶
Nachdem bereits am Freitag, 13. März in 1 Lawine 1 Person erfasst worden war, kamen am Wochenende, 14./15. März 20 Personenauslösungen dazu, bei denen in 4 Lawinen insgesamt 10 Personen erfasst wurden. Zum Glück hat sich nach aktuellem Wissensstand dabei niemand verletzt.