Neuschnee auf schwacher Altschneedecke – vor allem im Süden kritische Lawinensituation ¶
Am Wochenende und erneut zur Wochenmitte fiel vor allem im Süden Schnee. Der Neuschnee lagerte sich auf eine schwache Altschneedecke ab. Dadurch stieg die Lawinengefahr insbesondere in den südlichen Regionen deutlich an. Insgesamt waren die Neuschneemengen jedoch zu gering, um das bestehende Schneehöhendefizit auszugleichen.
Wetter ¶
In zwei Schüben fiel zunächst am Wochenende vom 24. und 25.1. und dann am Mittwoch, 28.1. Schnee mit Schwerpunkt im Süden und im Jura. Auf Donnerstag, 29.1. fiel auch im Norden etwas Schnee, am meisten am westlichen Alpennordhang und im nördlichen Wallis (vgl. Abbildung 1). Die Schneefallgrenze pendelte zwischen 500 und 1500 m. Begleitet wurde der Niederschlag von Wind aus südlichen Richtungen, welcher am Samstag und in der Nacht auf Mittwoch stark bis stürmisch blies und Neuschnee sowie lockeren Altschnee verfrachtete. Auf Donnerstag drehte der Wind auf Nordwest und blies meist mässig.
Schneedecke und Lawinen ¶
Im letzten Avablog war zu lesen: «Der Aufbau der Schneedecke blieb besonders vom Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Nordbünden ungünstig….». Das Tessin und der Rest Graubündens konnte hier auch dazugezählt werden.
Auf diese Schneedecke fielen in dieser Berichtsperiode am Alpenhauptkamm und südlich davon verbreitet 40 bis 70 cm Schnee (vgl. Abbildung 1). Neuschnee auf eine schwache Schneedecke ist ein Garant für Lawinengefahr. In den inneralpinen Gebieten des Wallis und in Graubünden reichte auch weniger Neuschnee gepaart mit zeitweise starkem Südwind, um die Lawinensituation wieder zu befeuern. Die Neu- und Triebschneeschneeschichten dienten dabei als Schneebrett und die bestehenden Schneeoberflächen bzw. die bestehende schwache Altschneedecke bildeten die Schwachschicht. Damit waren erneut die Zutaten für Schneebrettlawinen gegeben. Wummgeräusche, Risse und Lawinenauslösungen durch Personen waren die Folge davon (vgl. Abbildung 3 und 4).
Die durch Personen ausgelösten Lawinen erreichten oft mittlere Grösse (vgl. Abbildung 5), vereinzelt gab es aber auch grosse Lawinen.
Nebst den Auslösungen durch Personen gab es vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten im Bergell und im Oberengadin zahlreiche spontane Lawinen. Ein eindrückliches Bild der hohen Auslösebereitschaft lieferte am Donnerstagmorgen die Webcam auf der Albigna-Staumauer (Bregaglia GR, vgl. Abbildung 5). Auch am zentralen Alpensüdhang wurden einige spontane Lawinen beobachtet.
Nördlich einer Linie Rhone-Rhein wurden deutlich weniger Lawinen gemeldet. Zum einen fiel weniger Neuschnee, zum anderen waren die Schwachschichten in der Altschneedecke weniger störanfällig und weniger verbreitet. Dennoch gab es einzelne Lawinenauslösungen in tieferen Schichten der Schneedecke (vgl. Abbildung 6).
Lawinengefahr ¶
Während dieser Berichtsperiode wurde die Lawinengefahr am Alpenhauptkamm und südlich davon sowie im zentralen Wallis meist als erheblich (Stufe 3) eingestuft. Auf Donnerstag wurde die Gefahrenstufe erheblich (Stufe 3) auch auf ganz Graubünden und Teile des nördlichen Alpenkamms ausgeweitet.
Die zahlreichen Lawinen, die am Donnerstag auf den Webcams im Oberengadin und im Bergell zu sehen waren, zeugen von einer hohen Auslösebereitschaft und vielen Gefahrenstellen. Rückblickend wurde die Gefahr daher für den 28.1. in Teilen des Oberengadins und des Bergells als gross (4-) eingestuft. Zu Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, ob dies auch für den zentralen Alpensüdhang galt. Die Gefährdung betraf aber in allen Gebieten das alpine Schneesportgelände. Sehr grosse Lawinen, die bis in Tallagen vorstiessen, wurden nicht beobachtet.
Lawinenunfälle ¶
In dieser Berichtsperiode wurden bis zum Redaktionsschluss 6 Lawinen mit erfassten Personen gemeldet. Dabei wurden 6 Personen erfasst und eine davon ganz verschüttet.
Eine weitere Person, welche am 21.1. im Simplongebiet von einer Lawine erfasst und verschüttet worden war, verstarb leider an den Folgen des Unfalls.
Schneearmut ¶
Der Neuschnee der letzten Tage hat die schweizweite Schneearmut höchstens im Süden etwas gelindert. Besonders unterdurchschnittlich sind die Schneehöhen in der Zentralschweiz und im nordöstlichen Teil der Schweiz (vgl. Abbildung 7 oder Karte Schneehöhe relativ).
Diese grosse Schneearmut war durch ein markantes Niederschlagsdefizit, d.h. wenig Schneefall seit Anfangs Winter verursacht. Dies zeigt z.B. die von 1.11. bis 29.1. aufsummierte Neuschneesumme an der Station Andermatt (UR, 1450 m) eindrücklich (vgl. Abbildung 8).
An wenigen langjährigen, manuellen Messfeldern in der Zentral- und Ostchweiz gab es zuvor nur 1- 2 Winter (häufig 1990 oder 2017), an denen Ende Januar noch weniger Schnee lag. Ausgeprägter war die Schneearmut an den höher gelegenen automatischen IMIS-Stationen (Messreihen 25-30 Jahre), wo 7 Stationen (vor allem in der Zentral- und Ostschweiz) rekordtiefe Schneehöhen für Ende Januar aufwiesen. Die Rekorde wurden meist nur um einige Zentimeter unterboten. Dies zeigt auch die Tatsache, dass eine Woche zuvor noch 14 Stationen neue Minima registriert hatten.
Das Beispiel der Station Seewli (UR, 2032m) oberhalb Erstfeld zeigte mit 23 cm eine rekordtiefe Schneehöhe für Ende Januar. Normal wäre eine Schneehöhe von 106 cm, es lagen um diese Jahreszeit aber auch schon 260 cm (vgl. Abbildung 9). Dass dies eine schlechte Ausgangslage für den Rest des Winter war, zeigt die Tatsache dass keiner der 4 zu dieser Zeit schneeärmsten Winter schlussendlich zu einer späteren Ausaperung als normal geführt hat.