AvaBlog 17. - 22. Januar 2026

Instabile Schneedecke und weiterhin Fernauslösungen

Ausgeprägte, langlebige Schwachschichten, überdeckt von einem etwa einen halben Meter dicken Schneebrett, und das Ganze flächig weit verbreitet. So sah das Rezept für Schneebrettlawinen letzte Woche aus (siehe letzter Blog) - und so präsentierte sich die Schneedecke diese Woche immer noch. Dazu kamen mässige bis starke Südwinde, welche den noch lockeren Schnee verfrachteten. Die Anzahl durch Personen ausgelöster Lawinen nahm zwar deutlich ab, gefährlich grosse Lawinen waren jedoch immer noch möglich.

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Vom Grat her fernausgelöste Lawine am Witihüreli (Davos/GR). Foto: A. Moser (17.01.2026)
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Spontan oder fernausgelöst? Am Brudelhorn (2600 m, Nufenen, VS) geben die Spuren oberhalb des Anrisses im Hintergrund den Hinweis auf Fernauslösung (Foto: C. Andres, 20.01.26).
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Fernauslösung auch hier? Nein, in der Umgebung sind keine Spuren vorhanden. Hier hat ein Wächtenbruch die mittelgrosse Schneebrettlawine ausgelöst hat. Ostflanke des Corn Suvretta, St. Moritz, GR (Foto: R. Meister, 20.01.26).
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Der Hang ist zwar klein, die Lawinenablagerung auf der geschlossenen Piste ist jedoch umso eindrücklicher. Aufgrund seines hohen Gewichts wurde bei der Pistenpräparation durch dieses Pistenfahrzeug auf der Engstligenalp (BE, 2350 m) eine mittelgrosse Lawine fernausgelöst ( Foto: R. Meier, 21.01.26).
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In der inneralpinen Tälern sind die Schwachschichten über grosse Flächen hinweg ausgeprägt. Grosse Lawinen sind weiterhin möglich. Hier in der Nordflanke der Pointes de Nava (Anniviers, VS) (Foto: T. Head, 21.01.26).
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Immer wieder Fernauslösungen – hier an der Nordostflanke des Rothora-Vorgipfels (2353 m, Prättigau, GR). Auf dem Kamm zu bleiben war hier eine geeignete defensive Entscheidung (Foto: H. Meier, 17.01.26).
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Zwei Hänge mit ähnlicher Neigung und Exposition. Und ähnlicher Schwachschicht: Auf jedem Hang wurde von einer Person eine Lawine ausgelöst (Foto: R. Troillet, 21.01.26).
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Ausrichtungsfrage: Dies ist ein Westhang am Mont Brûlé (Orsières, VS), doch die Seite eines kleinen Tälchens ist nach Norden ausgerichtet – und genau dort löste sich auf rund 2300 m eine mittelgrosse Lawine (Foto: A. Tissières, 21.01.26).

Wetter

Im Süden war es in den vergangenen sechs Tagen meist grau, zeitweise fiel etwas Schnee. Im westlichen Tessin und im südlichen Simplongebiet fielen rund 20 bis 40 cm Neuschnee (Abb. 1 und 2). Im Norden gab es einen Mix aus Sonne und hohen Wolken. Prägend war der oft mässige bis starke, am nördlichen Alpenkamm auch stürmische Südwind, der den lockeren Schnee verfrachtete.

Schneedecke und Lawinen

Der Aufbau der Schneedecke blieb besonders vom Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Nordbünden ungünstig: Der Neu- und Triebschnee, welcher vor knapp zwei Wochen gefallen war, lag auf ausgeprägten Schwachschichten. Lawinenauslösungen durch Personen waren in diesen Gebieten besonders an selten befahrenen, steilen Nord- und Osthängen weiterhin möglich. Allerdings nahm deren Anzahl ab (Abb. 3, blaue Balken). Ähnliches galt für Wummgeräusche: legte man in diesen Gebieten eine frische Spur an, dann waren Wummgeräusche immer noch häufig, sonst waren sie eher selten (Abb. 3, gelbe-rote Balken). 

Die Abbildung 4 zeigt anhand einer Auswertung aller trockenen Lawinen, wie sich die Gefahrenstellen im Verlauf der Woche veränderten.

Zu Beginn (Abb. 4a) wurden an allen Expositionen Lawinen gemeldet. Es handelte sich vor allem um spontane Abgänge. Ab dem 11. Januar (4b) standen durch Personen ausgelöste Lawinen im Vordergrund. In den darauffolgenden Tagen nahm die Anzahl kontinuierlich ab und beschränkte sich in den zunehmend auf die Expositionen Nord und Ost (4d, 4e). 

Unfalllawinen

In dieser Berichtsperiode wurden 10 Unfalllawinen gemeldet, bei denen 14 Personen erfasst wurden. Bei einer Lawine kam es zu einer Suchaktion, ohne dass jemand von der Lawine verschüttet wurden war.

Ausblick

Es bessert, aber weiterhin nur sehr langsam. Besonders in den Altschneegebieten vom Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Nordbünden ist weiterhin Geduld gefragt. Wir empfehlen ein defensives Verhalten, insbesondere an Nord- und Osthängen. Die Wahl von flacherem Gelände sowie ausreichend grossen Abständen bleibt sinnvoll.

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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