Sehr viel Neuschnee und sehr grosse Lawinen im Westen ¶
Nachdem die Lawinensituation in den letzten Wochen vor allem von einem ausgeprägten Altschneeproblem dominiert war (Blogs vom 11. Januar bis 8. Februar), fiel in der aktuellen Berichtsperiode gebietsweise sehr viel Neuschnee. Vor allem im Wallis gingen viele spontane Lawinen ab. Aber auch das Altschneeproblem blieb weiterhin aktuell.
Wetter: Viel Neuschnee und Sturm ¶
Von Dienstag, 10. Februar bis in die Nacht auf Freitag, 13.Februar fiel vor allem im Westen sehr viel Niederschlag. Zum Niederschlagsende breitete sich der Niederschlag auch nach Osten aus (Abbildung 1). Die Schneefallgrenze stiegt am Alpennordhang zeitweise gegen 2000 m. Am Donnerstag sank sie dann bis gegen 1000 m (Abbildung 2).
In den Hauptniederschlagsgebieten im westlichsten und nördlichen Unterwallis fielen in 4 Tagen 100 bis 150 cm Neuschnee. Im übrigen Wallis vielerorts 60 bis 100 cm. Etwas unerwartet fiel auch im westlichen Tessin recht viel Neuschnee.
Schneedecke ¶
Vor dem Schneefall war die Schneedecke verbreitet schwach (s. auch letzter Blog). In fast allen Gebieten waren ausgeprägte Schwachschichten in der Schneedecke vorhanden. Südlich einer Linie Rhone - Rhein, war der Schneedeckenaufbau besonders schwach. Die Altschneedecke bestand dort vielerorts aus grossen kantigen Kristallen und war locker.
Viel Neuschnee und viele spontane Lawinen ¶
Wenn viel Neuschnee auf eine derart schwache Altschneedecke abgelagert wird, steigt die Lawinengefahr rasch und markant an. So wurde bereits ab Dienstagabend, 10. Februar im Wallis verbreitet vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt und es gingen bereits in der Nacht auf Mittwoch viele spontane Lawinen ab. Dank zahlreichen Lawinendetektionssystemen konnte die spontane Lawinenaktivität über die gesamte Niederschlagsperiode gut verfolgt werden (Abbildung 3).
Während der Niederschlagsperiode gingen im Wallis viele grosse und sehr grosse spontane Lawinen ab. Diese stiessen teilweise bis weit in die Täler vor, erreichten aber keine aussergewöhnlichen Ausmasse. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Schneehöhe vor den Schneefällen noch deutlich unterdurchschnittlich war für die Jahreszeit. Zudem waren die Ablagerungsgebiete der typischen Lawinenzüge vor dem Niederschlag meistens noch nicht mit Lawinenschnee aus vorherigen Lawinenperioden gefüllt, so dass auch sehr grosse Lawinen meistens innerhalb der zu erwartenden Bahnen blieben.
Mit dem Ende des Niederschlages in der Nacht auf Freitag liess die spontane Lawinenaktivität deutlich nach. Es wurde im Westen trotzdem auch für Freitag noch verbreitet vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Einerseits war es nicht auszuschliessen, dass tagsüber noch die eine oder andere sehr grosse spontane Lawine abgehen würde. Andererseits war die Situation für Schneesport abseits gesicherter Pisten gefährlich. Es wurden vielerorts sehr erfolgreich Sicherheitssprengungen durchgeführt, so zum Beispiel im Skigebiet Glacier 3000 (vgl. Abbildung 5).
In den östlichen Randgebieten des Grossschneefalls (Bedretto, obere Leventina, Urseren) wurde während dem Schneefall nur zeitweise vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt, da für diese Gebiete deutlich weniger Neuschnee vorhergesagt war. Die Altschneedecke war aber auch hier sehr ungünstig aufgebaut. Am Freitag zeigte sich dann rasch, dass auch in diesen Gebieten grossflächige spontane Lawinen abgegangen waren (z.B. Abbildung 6) und die Gefahrenstufe 4 (gross) während dem ganzen Niederschlagsereignis gerechtfertigt gewesen wäre.
Wenig Neuschnee aber anhaltendes Altschneeproblem ¶
Weiter Richtung Osten fiel deutlich weniger Neuschnee (Abbildung 1). Auch die kleineren Mengen reichten aber oft aus, um das bereits bestehende und sehr ausgeprägte Altschneeproblem zu reaktivieren. So wurden zum Beispiel im Skigebiet Flims-Laax am Freitagmorgen viele Lawinen erfolgreich gesprengt und teilweise auch durch Personen ausgelöst. Die Auslösewahrscheinlichkeit und die Anzahl Lawinen deuteten eher auf eine Stufe 4 (gross) hin.
Auch weiter südlich, wo die Neuschneemengen nochmals deutlich geringer ausfielen, wurden erneut zahlreiche Wummgeräusche registriert und Lawinen fernausgelöst (Abbildung 7). Vereinzelt gingen am Freitag, 13. Februar auch kleine und mittlere spontane Lawinen ab.
Lawinenunfälle ¶
Tödliche Lawinenunfälle waren in dieser Periode bis zum Redaktionsschluss keine zu beklagen.