AvaBlog 10. - 13. Februar 2026

Sehr viel Neuschnee und sehr grosse Lawinen im Westen

Nachdem die Lawinensituation in den letzten Wochen vor allem von einem ausgeprägten Altschneeproblem dominiert war (Blogs vom 11. Januar bis 8. Februar), fiel in der aktuellen Berichtsperiode gebietsweise sehr viel Neuschnee. Vor allem im Wallis gingen viele spontane Lawinen ab. Aber auch das Altschneeproblem blieb weiterhin aktuell.

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Diese gesprengte Lawine stürzte über die Ostflanke des Wisshorns (2937 m, Zermatt, VS) ab und bildete dabei eine grosse Staubwolke (Foto: B. Jelk, 13.02.2026).
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Im Tessin, im Valle Santa Maria, unterhalb des Paré di Scut (2540 m), lösten zwei Tourenfahrer in der Abfahrt diese Lawine aus der Ferne im bodennahen Altschnee aus. Die Anrisshöhe erreichte stellenweise 1.2 m (Foto: M. Vonesch, 11.02.2026).
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Am ersten Tag mit schönem Wetter nach dem Schneefall wurden im Skigebiet Grimentz, Val d'Anniviers (VS), mehrere grosse Lawinen mit Sprengungen ausgelöst (Foto: M. Burgi, 13.02.2026).
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Im Safiental (GR) hat es deutlich weniger geschneit als im Westen. Aber auf dieser ungünstigen Altschneeoberfläche brauchte es auch nicht viel Neuschnee, dass sich am Osthang des Piz Gün (2851 m) eine grossflächige (jedoch mit geringem Volumen) Lawine spontan löste (Foto: J-M. Buchli, 13.02.2026).
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Auf diesem Foto ist (noch) keine Lawine zu sehen. Der starke Westwind verfrachtet den Neuschnee intensiv unterhalb des Six Blanc (2445 m, Le Châble, VS) (Foto: J. Ruoss, 11.02.2026).
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Dies ist die Rotloiwina, die am Donnerstag, 12. 02. zwei Mal kurz hintereinander abging. Am Ende der Strassengallerie bedeckte sie einen kleinen Teil der Strasse ins Lötschental (Foto: J. Schärer, 12.02.2026).
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Mehrere grosse Lawinen lösten sich spontan auf etwa 3700 m Höhe in der Westwand des Lagginhorns (4010 m, Saas, VS). Der starke Westwind hat den Schnee transportiert, der sich am Fuss der Felswand abgelagert hat (Foto: Roundshot/Hohsaas, 13.02.2026).
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Trotz ihres manchmal harmlosen Aussehens sind auch die Voralpen und der Jura lawinengefährdet, wie diese vorsorglich mittels Sprengung ausgelöste Lawine am Osthang des Moléson (2002 m, FR) zeigt (Foto: J. Testaz, 13.02.2026).
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Der Anriss genau auf dem Grat. Diese mittelgrosse spontane Lawine ging in der Nacht auf Freitag am Südosthang des Rotstocks (2637 m, Engstligenalp, BE) ab, auf der Seite, wo der Wind den Schnee abgelagert hat (Foto: R. Meier, 13.02.2026).
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Zu Beginn des Schneefalls lag die Schneefallgrenze hoch und die Schneedecke wurde feucht, wie hier am Nordwesthang der Dent de Lys (2014 m, VS). Es gingen kleine, spontane Lockerschneelawinen ab (Foto: S. Genoud, 12.02.2026).
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Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse sahen die Beobachter nicht in die Anrissgebiete. Dafür waren die Lawinen so gross, dass sie zu den Beobachtern in mittlere Höhenlagen vorstiessen. Diese sehr grosse Lawine ging spontan vom Seya-Gipfel (2182 m, Ovronnaz, VS) ab und legte 1000 Höhenmeter zurück (Foto: G. Cheseaux, 12.02.2026).

Wetter: Viel Neuschnee und Sturm

Von Dienstag, 10. Februar bis in die Nacht auf Freitag, 13.Februar fiel vor allem im Westen sehr viel Niederschlag. Zum Niederschlagsende breitete sich der Niederschlag auch nach Osten aus (Abbildung 1). Die Schneefallgrenze stiegt am Alpennordhang zeitweise gegen 2000 m. Am Donnerstag sank sie dann bis gegen 1000 m (Abbildung 2). 
In den Hauptniederschlagsgebieten im westlichsten und nördlichen Unterwallis fielen in 4 Tagen 100 bis 150 cm Neuschnee. Im übrigen Wallis vielerorts 60 bis 100 cm. Etwas unerwartet fiel auch im westlichen Tessin recht viel Neuschnee. 

Schneedecke

Vor dem Schneefall war die Schneedecke verbreitet schwach (s. auch letzter Blog). In fast allen Gebieten waren ausgeprägte Schwachschichten in der Schneedecke vorhanden. Südlich einer Linie Rhone - Rhein, war der Schneedeckenaufbau besonders schwach. Die Altschneedecke bestand dort vielerorts aus grossen kantigen Kristallen und war locker.

Viel Neuschnee und viele spontane Lawinen

Wenn viel Neuschnee auf eine derart schwache Altschneedecke abgelagert wird, steigt die Lawinengefahr rasch und markant an. So wurde bereits ab Dienstagabend, 10. Februar im Wallis verbreitet vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt und es gingen bereits in der Nacht auf Mittwoch viele spontane Lawinen ab. Dank zahlreichen Lawinendetektionssystemen konnte die spontane Lawinenaktivität über die gesamte Niederschlagsperiode gut verfolgt werden (Abbildung 3).

Während der Niederschlagsperiode gingen im Wallis viele grosse und sehr grosse spontane Lawinen ab. Diese stiessen teilweise bis weit in die Täler vor, erreichten aber keine aussergewöhnlichen Ausmasse. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Schneehöhe vor den Schneefällen noch deutlich unterdurchschnittlich war für die Jahreszeit. Zudem waren die Ablagerungsgebiete der typischen Lawinenzüge vor dem Niederschlag meistens noch nicht mit Lawinenschnee aus vorherigen Lawinenperioden gefüllt, so dass auch sehr grosse Lawinen meistens innerhalb der zu erwartenden Bahnen blieben. 

Mit dem Ende des Niederschlages in der Nacht auf Freitag liess die spontane Lawinenaktivität deutlich nach. Es wurde im Westen trotzdem auch für Freitag noch verbreitet vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Einerseits war es nicht auszuschliessen, dass tagsüber noch die eine oder andere sehr grosse spontane Lawine abgehen würde. Andererseits war die Situation für Schneesport abseits gesicherter Pisten gefährlich. Es wurden vielerorts sehr erfolgreich Sicherheitssprengungen durchgeführt, so zum Beispiel im Skigebiet Glacier 3000 (vgl. Abbildung 5).

In den östlichen Randgebieten des Grossschneefalls (Bedretto, obere Leventina, Urseren) wurde während dem Schneefall nur zeitweise vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt, da für diese Gebiete deutlich weniger Neuschnee vorhergesagt war. Die Altschneedecke war aber auch hier sehr ungünstig aufgebaut. Am Freitag zeigte sich dann rasch, dass auch in diesen Gebieten grossflächige spontane Lawinen abgegangen waren (z.B. Abbildung 6) und die Gefahrenstufe 4 (gross) während dem ganzen Niederschlagsereignis gerechtfertigt gewesen wäre. 

Wenig Neuschnee aber anhaltendes Altschneeproblem

Weiter Richtung Osten fiel deutlich weniger Neuschnee (Abbildung 1). Auch die kleineren Mengen reichten aber oft aus, um das bereits bestehende und sehr ausgeprägte Altschneeproblem zu reaktivieren. So wurden zum Beispiel im Skigebiet Flims-Laax am Freitagmorgen viele Lawinen erfolgreich gesprengt und teilweise auch durch Personen ausgelöst. Die Auslösewahrscheinlichkeit und die Anzahl Lawinen deuteten eher auf eine Stufe 4 (gross) hin.

Auch weiter südlich, wo die Neuschneemengen nochmals deutlich geringer ausfielen, wurden erneut zahlreiche Wummgeräusche registriert und Lawinen fernausgelöst (Abbildung 7). Vereinzelt gingen am Freitag, 13. Februar auch kleine und mittlere spontane Lawinen ab. 

Lawinenunfälle

Tödliche Lawinenunfälle waren in dieser Periode bis zum Redaktionsschluss keine zu beklagen.

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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