«Die Hitze ist weg, die Trockenheit bleibt.»

Zu wenig Regen und Schnee, zu wenig Wasser in den Flüssen: Interview mit SLF-Hydrologin Manuela Brunner über die Ursachen der anhaltenden Trockenheit in der Schweiz.

  • Trotz Regen: Viele Schweizer Flüsse und Seen bleiben auf Tiefstand 
  • Zu wenig Schnee im Winter: In der Folge liefert die Schneeschmelze deutlich weniger Wasser als üblich 
  • Klimawandel: Das Risiko für Trockenheit und Wasserknappheit steigt

Frau Brunner, endlich hat es in der Schweiz geregnet. Ist nach Wochen niedriger Pegelstände wieder mehr Wasser in Flüssen, Bächen und Seen?

Kurzfristig sind die Pegelstände etwas gestiegen. Nun sind die Pegelstände vieler Flüsse und Seen im Mittelland wie Rhein und Aare wieder auf rekordverdächtigem tiefen Niveau, ebenso der Bodensee. Ihre Pegel sind so tief wie fast nie. In den Alpenflüssen sieht es leicht besser aus als im Mittelland, aber auch dort liegen die Pegel unter dem langfristigen Mittel.

Trotz der Niederschläge?

Die waren nur ein Tropfen auf den heissen Stein …

… oder Fluss.

Ja. Der Regen hat für niedrigere Temperaturen gesorgt. Die Hitze ist weg, aber die Trockenheit bleibt.

Warum?

Eigentlich befinden wir uns in der jährlichen Hochwasserphase. Zu dieser Jahreszeit fallen normalerweise viele Niederschläge. Gleichzeitig erreicht die Schneeschmelze ihren Höhepunkt. Aber dieses Jahr ist das anders. April und Mai waren extrem trocken, und die Schneedecke ist sehr dünn. Im Dischmatal bei Davos liegt derzeit beispielsweise äusserst wenig Schnee. Das ist maximal die Hälfte von dem, was im langjährigen Mittel üblich ist. In noch höheren Lagen sieht es ähnlich aus.


Müssen Gesellschaft und Wirtschaft reagieren?

Das tun sie bereits. Es gibt viele Massnahmen, beispielsweise, wann wo wie viel Wasser für die Bewässerung entnommen werden darf. Die Landwirtschaft macht was. Auch die Füllstände in den Speicherseen sind noch nicht dramatisch niedrig. Wie trocken der Sommer tatsächlich wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Im vergangenen Jahr haben sich die Pegelstände bei ähnlicher Ausgangslage im Spätsommer dank grosszügiger Regenfälle auch erholt. Für die Landwirtschaft war das allerdings etwas spät. Im Grunde genommen kam das Wasser, als man es dort nicht mehr gebraucht hat. Erst ab Ende Juli war es feucht und die Pegelstände lagen sogar etwas über dem Durchschnitt für die Jahreszeit.

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