Waldbrand: FAQ und Dossier

Immer wieder erreichen WSL und SLF Anfragen zu Waldbränden, von den Folgen des Klimawandels bis zur Situation in der Schweiz. In dieser FAQ finden Interessierte die häufigsten Fragen sowie die Antworten unserer Expertinnen und Experten. 

Waldbrand: die Grundlagen

Was ist ein Waldbrand?

Alle Feuer, die ausser Kontrolle geraten und Waldfläche betreffen oder erfassen, sind ein Waldbrand. Das kann ein einzelner Baum sein, das können aber auch viele Bäume sein, bis hin zu grossen Waldgebieten. Ist kein Baum beteiligt, beispielsweise, falls ein Weizenfeld brennt, heisst das Feuer Flurbrand.

Die Bäume brennen nicht zwingend vollständig. Es existieren mehrere Haupttypen: Kronenfeuer betreffen die Baumkronen, bei Bodenfeuern brennt die Streuschicht nah am Boden und bei Stockfeuern und unterirdischen Feuern brennen Baum- beziehungsweise Wurzelstöcke sowie Humus und Wurzeln im Oberboden.

Was löst Waldbrände aus?

Der Mensch ist die Hauptursache im Mittelmeerraum und in der Schweiz. Das muss keine Brandstiftung sein. Häufiger ist unbewusstes Fehlverhalten während einer ohnehin angespannten Lage. Das kann ein Feuer am Boden sein oder Grillkohle, die nicht richtig gelöscht wurde. Eine wiederkehrende Ursache ist das Leeren von Asche auf den Komposthaufen beim Weggehen vom Rustico, Maiensäss oder Ferienhaus. Die darin enthaltene Kohlereste können noch für viele Stunden weiterglühen. Kommt dann Wind auf, können sie einen Waldbrand auslösen. Auch ein Arbeitsgerät wie eine Fräse, bei dem Funkenflug auftritt, kann gefährlich werden. Herrscht hohe Waldbrandgefahr, können wenige Funken ein Feuer entzünden.

In der Schweiz existiert darüber hinaus nur eine natürliche Ursache, der Blitzschlag. Dieses Phänomen tritt lediglich in der Sommersaison auf, kann aber ein bedeutendes Phänomen sein und in trockenen Sommern die Hälfte der Brände verursachen.

Was braucht es für einen Waldbrand?

Waldbrände entstehen selten durch ein einzelnes Extremereignis. In der Regel spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die nacheinander oder gleichzeitig auftreten: Verfügbarkeit von genügend brennbarem Material wie Bäume, Sträucher oder andere Pflanzen; trockene Bedingungen; und ein Auslösefaktor wie eine fallengelassene Zigarette, ein Funkenflug oder ein Blitzschlag.

Solche Situationen entstehen unter bestimmten Bedingungen: Kommt es im Spätwinter und Frühjahr zu starken Niederschlägen, können Pflanzen gut austreiben und wachsen. Folgt auf so eine Periode mit starkem Vegetationswachstum eine Hitzewelle, trocknet die Vegetation aus, und die Waldbrandgefahr steigt. Wichtig: Es ist nicht die Hitze selbst sondern die daraus resultierende fehlende Feuchtigkeit im Boden und in der Luft, die Brände fördert.

Im Frühjahr und Winter besteht zudem ein direkter Zusammenhang mit der Schneelage. Lang anhaltende Dürreperioden führen in Nordeuropa, Osteuropa und den Alpen zu einer niedrigen Schneedecke. Kombiniert mit starkem Wind bilden sich schneefreie Flächen. Die Vegetation darauf ruht zu dieser Jahreszeit und ist trocken und leicht entflammbar. Das gilt besonders für Wälder mit Laubbäumen, da die Sonne direkt durch die entblätterten Kronen auf die Streuschicht am Boden scheinen kann. Dadurch können sich Waldbrände entwickeln und dank des Windes schnell ausbreiten. 

Waldbrände im Klimawandel

Welchen Effekt hat der Klimawandel auf die Waldbrandgefahr in den kommenden Jahrzehnten?

Fast jedes Jahr in diesem Jahrzehnt brechen Waldbrände in Europa Rekorde. Klimaprojektionen zeigen deutlich, dass die Extremereignisse Trockenheit und Hitzewellen mit der Erderwärmung zunehmen. In Folge steigt die Waldbrandgefahr. 

Die Anzahl Tage, an denen die Waldbrandgefahr mindestens «hoch» ist, wird sich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mehr als verdoppeln. Forschende erwarten, dass sie bis 2100 sogar in Regionen «hoch» sein wird, in denen sie heute nur «sehr gering» ist. Die Prognosen zeigen, dass das Gefahrenpotenzial kontinuierlich zunehmen wird. Spätestens ab 2040 wird die meteorologische Waldbrandgefahr noch schneller steigen als heute. Wetterbedingungen, die Waldbrand auslösen können, die heute nur alle sechzig Jahre vorkommen, werden 2090 im Durchschnitt alle zehn Jahre auftreten (s. Grafik). Die Projektionen zeigen ebenfalls, dass günstige Wetterbedingungen für Waldbrände bereits früher im Jahr als heute auftreten werden.

Was kann der Mensch gegen die mit dem Klimawandel steigende Waldbrandgefahr tun?

Die effizienteste Methode ist, gegen den Klimawandel vorzugehen und die Erderwärmung soweit es geht zu beschränken, damit die Waldbrandgefahr nicht mehr von Jahr zu Jahr steigt.

Zusätzlich sind Präventionsmassnahmen unumgänglich. Selbst in Regionen mit gemässigtem Klima ist es künftig erforderlich, sich auf Waldbrände vorzubereiten. Das reicht von Wasserreservoiren für Löschwasser über das Sicherstellen der Verfügbarkeit von Löschhelikoptern bis hin zu Warntafeln und Informationskampagnen, um die Menschen vor Ort für die Gefahr zu sensibilisieren. Informationskampagnen helfen dabei, rund ums Jahr. Denn im Sommer ist das Bewusstsein für Waldbrände und die Vorsorge im Allgemeinen hoch. Im Winter ist das anders. Daher braucht es dringend mehr Aufklärung.

Auch die Forstwirtschaft hat Möglichkeiten. Denn Baumarten unterscheiden sich in ihren Brennstoffeigenschaften, was sich darauf auswirken kann, wie leicht Feuer entstehen, sich ausbreiten und brennen.

Eine wichtige Frage ist, wie viel Feuchtigkeit das Totholz enthält. Dicke Baumstämme oder Äste, womöglich teilweise von Erde bedeckt, bleiben lange feucht. Sie hemmen einen Brand eher, als dass sie ihn nähren. Doch dünne Äste, Rinde, Laub und Nadeln trocknen bei Wind und hohen Temperaturen rasch aus. Äste und Feinreisig am Boden können die Intensität von Bränden steigern, die Ausbreitung in den ersten Minuten beschleunigen, und letztendlich so den ersten und entscheidenden Einsatz der Feuerwehr erschweren oder gar zum Scheitern bringen.

Fortschrittlicher Waldbau berücksichtigt diese Faktoren. Wachsen in einem Wald viele verschiedene Baumarten, die ein strukturiertes und geschlossenes Kronendach bilden, schirmen sie den Boden gut vor dem Sonnenlicht ab. Das senkt die Temperatur und erhöht die Luftfeuchtigkeit. Dadurch trocknet Totholz nur langsam aus. Wälder, die auf diese Weise bewirtschaftet werden, sind für Brände weniger anfällig als etwa Monokulturen.

Welche nicht waldbaulichen Massnahmen gibt es, um das Risiko von Waldbränden zu reduzieren?

Die Landschaft spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Offene Landwirtschaftsflächen zwischen Wald und Dörfern stoppen das Feuer, bevor es Siedlungen erreicht. Werden diese Flächen aufgegeben und verbuschen sie, rückt die Gefahr direkt an die Wohnhäuser heran. Ähnliches gilt, wenn Gebäude direkt am Waldrand oder im Wald gebaut werden.

Wichtig ist daher ein Konzept, das Jahrzehnte im Voraus greift und das Management und die Planung der Landschaft einbettet. So ein integrales Waldbrandmanagement bedeutet, Waldbrände ganzheitlich zu behandeln – von der Vorbeugung über die Bekämpfung bis zur Wiederherstellung der betroffenen Gebiete und der Schutzfunktion des Waldes.

Waldbrände und deren Auswirkungen machen nicht an Landesgrenzen halt. Internationale Zusammenarbeit und Kooperationen über diese Grenzen hinweg spielen daher eine wichtige Rolle. Das gilt nicht nur für internationale Hilfe, wenn die Wälder bereits brennen, sondern bereits früher, wenn es darum geht, die Feuer zu verhindern.

Und was tut die Natur selbst gegen Waldbrände?

Länger anhaltende Niederschläge können Boden und Vegetation ausreichend mit Feuchtigkeit versorgen, um das Waldbrandrisiko deutlich zu senken. Ein Schauer oder ein Gewitter reichen aber nicht.

Sind heute andere Gebiete als früher von Waldbränden betroffen?

Bislang lag der europäische Schwerpunkt von Waldbränden in Südeuropa. In den vergangenen Jahren, vor allem in 2022 und 2026, haben starke Dürren auch in Mittel- und Nordeuropa zu grossen Waldbränden geführt. Das deutet darauf hin, dass mittlerweile auch in Regionen feuergünstige Bedingungen herrschen, die bisher wegen genügend Feuchtigkeit weniger betroffen waren. Dies zeigt, dass eine europaweite Perspektive in Bezug auf Waldbrandforschung und -anpassung dringend nötig ist. 

Gibt es bestimmte Höhenlagen, die besonders durch Waldbrand gefährdet sind?

Im Zuge des Klimawandels ist davon auszugehen, dass Waldbrände zukünftig auch in höheren Höhenlagen auftreten, die bisher weniger stark betroffen waren. Die Baumgrenze setzt dieser Entwicklung jedoch eine natürliche Grenze. In der Schweiz waren allerdings auch schon früher Brände nach Blitzschlag typisch für höhere Lagen.

Welche Auswirkungen haben Waldbrände auf Schutzwälder?

Waldbrände können je nach Schweregrad die Schutzfunktion von Wäldern beeinträchtigen. Durch Waldbrand geschädigte Bestände können Steinschläge und Lawinen weniger gut zurückhalten. Zusätzlich sind stark verbrannte Flächen bei Starkniederschlägen anfälliger für Erosion und Murgänge, solange sich der Bestand nicht erholt hat. Verbrennt ein Schutzwald, ist die darunter liegende Siedlung oder Infrastruktur jahre-, wenn nicht gar jahrzehntelang diesen Naturgefahren ausgesetzt.

Wie kann man Waldbrände besser vorhersagen?

Ein Ansatz ist, den Zeitpunkt, ab dem sich das Wetter von der üblichen, saisonalen Lage unterscheidet, frühzeitig zu erkennen. So werden verschiedene Waldbrandtreiber sichtbar, die schon ausserhalb der Norm sind, bevor es zu einem Feuer kommt.  Auf dieser Basis ist es möglich, die Gefahrenlage frühzeitig besser einzuschätzen.

Waldbrände in der Schweiz

Hat sich die Zahl der Waldbrände in der Schweiz verändert?

Für die gesamte Schweiz liegen keine umfassenden, historischen Daten vor, aber für die Alpen, das Wallis und Graubünden zumindest zum Teil. Und für das Tessin. Dort zeigt eine 120-jährige Statistik, dass nach dem Zweiten Weltkrieg in der Periode zwischen 1955 und 1980 die Waldbrände sowohl in der Zahl als auch in der Fläche stark zugenommen haben. Damals gingen herkömmliche landwirtschaftliche Aktivitäten auf steilen Berghängen zurück. Diese Brachflächen waren dann hoch brennbar. Erst in den 1990er Jahren hat die Anzahl der Waldbrände im Tessin wieder abgenommen. Grund war das Verbot, Gartenabfälle im Freien zu verbrennen.

Was ist das Besondere am Waldbrandgeschehen in der Schweiz?

Einzelne Waldflächen sind in der Schweiz gemessen an europäischen Standards oft vergleichsweise klein. Insbesondere das Mittelland ist durch sein zerstückeltes Waldareal kaum von grossflächigen Bränden bedroht. Anders sieht es in den Alpen und im Jura aus. Dort hat es auch grössere, zusammenhängende Waldflächen.

In der Schweiz prägt zudem die Topographie – die Form des Geländes - das Waldbrandgeschehen. An steilen Hängen entwickeln sich Brände extrem schnell, da die Hitze des Feuers an einem steilen, bewaldeten Hang ihre eigene Thermik entwickelt. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit kann dann bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreichen. Wegen dieser exponentiellen Dynamik kann ein Feuer, das eine gewisse Intensität erreicht, kaum gestoppt werden. Brennen die Kronen, ist der Kampf gegen das Feuer aussichtslos. 

Das Gefälle hat gegenüber flachen Regionen aber auch einen entscheidenden Vorteil: Feuer wandern nach oben - und damit weg von den Siedlungen, die in der Regel im Tal liegen. Menschen und Infrastruktur sind in den Bergen daher weniger gefährdet. 

Waldbrandjahr 1973

Wie verheerend Feuer auch in der Schweiz wüten können, zeigte sich 1973 im Tessin: Damals brannten übers Jahr verteilt rund 73 Quadratkilometer Wald - fast fünf Prozent des gesamten kantonalen Waldbestandes. Allein bei einem einzigen Grossbrand im Val Colla standen 1600 Hektar in Flammen.

Hat die Schweiz genügend vorgesorgt?

Die Kantone Wallis, Tessin und Graubünden, die seit jeher besonders stark von Waldbränden betroffen sind, befassen sich seit langem mit dem Thema. Im Tessin existiert eigens eine Bergfeuerwehr, die auf solche Brände spezialisiert ist. Zudem haben die Kantone in die Feuerbekämpfung investiert. Unter anderem haben sie Löschwasserbecken für Helikopter gebaut und die Ausbildung der Einsatzkräfte verbessert.

Wie sollten sich Menschen verhalten, wenn sie ein Feuer im Wald entdecken?

Zuerst an einen sicheren Ort gehen, und dann die Feuerwehr anrufen. Selbst löschen könnte gefährlich sein. Wenn ein Brand ausser Kontrolle ist, kann man mit normalen Mitteln nichts mehr dagegen tun.

Feuer breiten sich in Wäldern oft schneller aus, als Menschen rennen können. In den Bergen ist es sinnvoll, Richtung Tal zu fliehen und dabei enge Täler zu meiden, in denen ein Kamineffekt für starke Rauchentwicklung sorgen kann.

Folgen von Waldbränden für die Natur

Haben Waldbrände auch einen Nutzen?

Waldbrände haben wichtige ökologische Funktionen: Sie vernichten tote Biomasse. Der Boden wird gewissermassen desinfiziert. Gleichzeitig liefert ein Brand wichtige Nährstoffe für junge Pflanzen. Weil zudem nach einem Feuer mehr Licht auf den Boden fällt, können sich neue Arten ansiedeln. Manche Baum- und Insektenarten haben sich im Laufe der Evolution an Waldbrände angepasst und können sich erst im Anschluss an ein Feuer ausbreiten und vermehren. Kleine Brände sind daher auch ein wichtiger Treiber für mehr Biodiversität.

Was bedeuten Waldbrände für Borkenkäfer?

In den stark verbrannten Flächen finden Buchdrucker zwar meist keine geeigneten Brutbäume mehr. An den Rändern der Brandflächen überleben jedoch oft Bäume, die durch Hitze, Trockenheit und Wurzelschäden geschwächt sind. Sie sind anfälliger für einen Befall durch Schädlinge. Im Falle der Fichte können sie geeignetes Brutmaterial für den Buchdrucker (Borkenkäfer) bieten.

Ob sich daraus tatsächlich ein Ausbruch entwickelt, hängt von weiteren Bedingungen ab: Die Käfer müssen nicht nur Bäume besiedeln, solange deren Abwehrkräfte noch reduziert sind, sondern die Bäume müssen gleichzeitig auch noch genügend intaktes Bastgewebe unter der Rinde besitzen, damit sich Larven entwickeln können. Darüber hinaus dürfen natürliche Feinde die Zahl der Borkenkäfer nicht stark begrenzen. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren kann eine starke Zunahme der Population begünstigen. Es ist daher wichtig, die Waldränder nach einem Brand aufmerksam zu beobachten und geschwächte oder neu befallene Bäume rechtzeitig zu entfernen, bevor sich die Käfer massenhaft vermehren.

Weiterführende Informationen

Hitze und Trockenheit: FAQ und Dossier

Alles über die Folgen von Hitze und Trockenheit, für Wälder und mehr, lesen Sie in dieser FAQ.

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