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Besuch bei den Pinguinen

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Matthias Jaggi verlässt die Dome C und fliegt zur Dumont-d’Urville Station an die antarktische Küste. Dort warten keine Verpflichtungen jedoch unzählige Pinguine auf ihn.

 
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Ankunft der l'Astrolabe in DDU.
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Admiral Dumont, französischer Seefahrer, Polarforscher und Gründer der Station in 1840. Im Hintergrund: Ein Schweizer reicht, damit die Schweizer Flagge hinzukommt.
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Eisberge leuchten im Abendlicht.
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Entladen des Schiffes. Wenn es zu stark stürmt, muss die Arbeit unterbrochen werden.
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Eine der vielen Pinguinkolonien wird erforscht. Sobald die Pinguine das Gatter verlassen, werden sie automatisch registriert und gewogen.
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Übergabe von Futter. Die Erwachsenen würgen die Nahrung, z.B. Quallen, hoch und das Jungtier frisst aus deren Schnabel.
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Viele der Jungtiere beginnen den grauen warmen Flaum zu verlieren. Hervor kommt ein Adeliepinguin in intensiv weiss-schwarzen Farben.
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Die Pinguine werden für knapp zehn Minuten eingefangen. Man entnimmt ihnen Blut und setzt einen „Sender“ ein. Anschliessend werden die Tiere mit einer ungiftigen grünen Lösung markiert. So weiss man, welche Tiere bereits behandelt wurden.
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Pinguine am Strand. Leider habe ich das organisierte Schwimmen verpasst.
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Die Pinguine bringen mich immer wieder zum Lachen.
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Shuttleflug: Mit dem Helikopter von der Landepiste zur Dumont d'Urville Station.
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Heisshungrige Teenager Pinguine. Die Elternpinguine werden immer wieder verfolgt.
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Täglich wird ein Wetterballon losgelassen, um die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und den Druck in der Atmosphäre zu messen. Freiwillige dürfen das Loslassen des Ballones übernehmen, wofür es dann ein Zertifikat gibt.
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Wintervorräte einlagern. Am besten funktioniert es mit einer Menschenschlange. So sind die Metallgitter im Nu geleert.
 

Eine offizielle Abflugzeit für den  Flug von Concordia nach Dumont d’Urville gab es nie, da der Flieger vor allem mit Fracht beladen wird. Beim Frühstück ertönt plötzlich aus dem Stationslautsprecher, dass der Start in fünfzehn Minuten geplant sei. Der Puls schnellt hoch. Noch schnell Zähneputzen, Blase entleeren, warm einpacken, Gepäck schnappen und zum Rollfeld marschieren. Letzte Fotos, verabschieden, da zwei Küsse, dort drei Küsse, manchmal links, manchmal rechts beginnend, ein ziemliches Durcheinander - und bevor man es realisiert, ist man in der Luft und dreht die letzte Schlaufe über der Station. Wehmut kommt auf. Der Blick aus dem Fenster wird schnell weiss und homogen. Mit Rückenwind erreichten wir die antarktische Küste in drei Stunden.

Eingepackt in dichten grauen Flaum

Ich bin gespannt, was mich an der Küste erwartet. Im Gegenlicht kann ich anfangs den Übergang von Gletscher zu Meer fast nicht ausmachen. Dank der Kurven beim Landeanflug werden das Dunkelblau des Meeres, die Eisberge, Felsen und Gletscherspalten immer besser sichtbar. Die Weitläufigkeit der Landschaft hat sich nicht geändert, aber trotzdem freue ich mich über das neue Relief und die Farben. Die Landepiste ist auf dem Gletscher, die Station Dumont d’Urville (DDU) liegt hingegen auf einer erhöhten kleinen Felsinsel. Nach dem gemeinsamen Ausladen des Fliegers werden wir per Helikopter nach DDU geflogen. Während des kurzen Shuttlefluges überlege ich mir, wo sich wohl die Adeliepinguine aufhalten und wie ich sie finden könnte. Die Frage klärt sich schnell. Der Helikopter landet gewissermassen im „Pinguin-Gehege“. Um die Station wimmelt es von Pinguinen und Jungtieren und es riecht wie Zoo!  Die Tiere sind aber extrem niedlich und bringen mich immer wieder zum Lachen. Die Jungtiere sind noch mehrheitlich in dichten grauen Flaum eingepackt, welchen sie jedoch zusehends verlieren und dann langsam weisse Bäuche kriegen.

Harter Überlebenskampf

Das Futter für die heranwachsenden Küken müssen die Eltern aus dem Meer herbeischaffen. Wenn sie beim Nachwuchs zurück sind, würgen sie die Nahrung hoch und die Jungen fressen ihnen aus den Schnäbeln. Der Heisshunger der Teenager treibt die Eltern aber immer wieder in die Flucht. Die Verfolgungsjagden im Watschelgang sind sehr amüsant.

In einem erfolgreichen Jahr überleben 30 Prozent der Jungtiere. Der Nachwuchs besteht meistens aus zwei Jungen, wovon das Schwächere oft nicht überlebt. Auch die Skuas, Raubmöwen,  jagen die kleinen schwachen Pinguine. Sobald die Jungtiere ein erstes Mal ins Wasser springen, wartet der nächste Feind – der Seeleopard. Ist es während des Sommers zu kalt und das Meereis schwindet nicht, müssen die Eltern viel mehr Distanz für die Nahrungsbeschaffung zurücklegen, was für den Nachwuchs weniger Nahrung bedeutet. Ist es hingegen zu warm und regnet es, verliert das graue Federkleid der Jungtiere sämtlichen Isolationswert und die Tiere sterben gewissermassen an Kälteerschöpfung.  

Die Pinguine sind nicht nur Fotosujets sondern auch Teil der Forschung in DDU. Jungtiere einer ausgewählten Kolonie werden mit winzigen „Sendern“ versehen, Blutproben werden analysiert, man studiert ihr Verhalten und die Veränderungen in gegebenem Ökosystem.

Linseneintopf und frisches Baguette

Wir aus Concordia haben in DDU keine wirklichen Verpflichtungen. So helfen wir beim Kochen und Putzen. Das feste Küchenteam bildet ein Koch und eine Bäcker-Konditorin. Beide sind überaus motiviert und entsprechend abwechslungsreich ist der Menüplan. Der Koch kennt nicht nur „Pasta“, sondern auch ein Linseneintopf mit viel Gemüse gehört zu seinem Repertoire. Zum Frühstück liegt frisches und warmes Baguette bereit, was sehr verführerisch ist.

Wind und Wellen

Vor ein paar Tagen ist die Astrolabe eingelaufen, doch das Entladen des Schiffes musste bereits zweimal wegen heftigem Schneesturm unterbrochen werden. Die Stationsmeteorologen prognostizieren Niederschlag und starken Wind für die nächsten Tage. Unsere Abreise wurde um einen Tag vorverlegt, damit man eine mögliche Verzögerung auf der Überfahrt wieder wettmachen kann. Ich bin gespannt, wie ich den Wellengang ertrage und was meine Reisetabletten hergeben.