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Vieles anders als geplant

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Die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wirken sich auch auf die MOSAiC-Expedition aus. Sie erschweren den Austausch von Teilnehmenden der verschiedenen Fahrtabschnitte. Ebenfalls eine grosse Herausforderung stellen die starken Bewegungen des Eises dar, welche die Forschenden permanent auf Trab halten.

 

Auf einer Expedition muss man immer auf Unerwartetes gefasst sein – das bekommen die Forschenden derzeit deutlich zu spüren, die auf der «Polarstern» in der Arktis unterwegs sind. Eigentlich sollten die Teilnehmer des zweiten Fahrtabschnitts bereits Mitte Februar abgelöst werden. Doch weil der Eisbrecher «Kapitän Dranitsyn» mit der neuen Besatzung wegen des dicken Eises nur langsam vorankam, verzögerte sich der Crewwechsel um mehr als zwei Wochen.

Die grösste Herausforderung für die Forschenden vor Ort stellen zurzeit die Bewegungen des Eises dar. Stürmisches Wetter sorgte dafür, dass sich immer wieder grosse Risse im Eis auftaten und die fast einen Quadratkilometer grosse Scholle mittlerweile in mehrere Teile zerbrochen ist. Die Forschenden sind oft damit beschäftigt, Ausrüstung zu retten, Strom- und Datenkabel neu zu verbinden und neue zugängliche Orte für ihre Messungen und Probenentnahmen zu finden. Die dynamischen Bedingungen haben aber nicht nur Nachteile: Sie lassen sich auch für spannende neue Untersuchungen nutzen, etwa die Bildung von neuem Eis in Rissen und Rinnen und die anschliessende Schneeakkumulation.

 
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Schneedünen: Seit Mitte Januar bilden sich immer wieder solche charakteristischen Erhebungen und Rillen im Schnee. Eine Analyse zeigte, dass sich in tieferen Schichten sogenannter Tiefenreif gebildet hat, ein spezieller Typus Schnee mit schönen Kristallformen.
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Tiefdruckgebiete mit Windgeschwindigkeiten bis 20 Meter pro Sekunde brachten Bewegung ins Eis: Anfang März bildete sich ein bis zu 10 Meter breiter Riss, der unter der «Polarstern» hindurchlief und Bereiche der Eisscholle unzugänglich machte. Mithilfe eines Helikopters konnten wichtige Messgeräte von der anderen Seite des Risses geborgen werden.
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Derweil brachte der Eisbrecher «Kapitän Dranitsyn» die Vorgängercrew von der «Polarstern» zurück nach Tromsø, immer noch bei eisigen Temperaturen. Immerhin sahen die Teilnehmenden nach Monaten der Dunkelheit die Sonne wieder.
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Unterwegs musste die «Kapitän Dranitsyn» von einem anderen Eisbrecher mit Treibstoff betankt werden, was mehrere Tage dauerte. Nach dreieinhalb Wochen Fahrt legte sie schliesslich am 1. April wieder in Tromsø an.
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Amy Macfarlane (vorne liegend) ist Doktorandin am SLF und eine der Teilnehmerinnen des dritten Fahrtabschnitts von MOSAiC, die seit Anfang März auf der «Polarstern» sind.
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Amy nimmt eine Schneeprobe von einem zugefrorenen Riss. Da Teile der Scholle abgebrochen und weggedriftet sind, müssen immer wieder neue Orte für Messungen gefunden werden.
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Das Eis ist in ständiger Bewegung, es hat sich ein ausgedehntes Rinnen- und Spaltensystem gebildet. Wird Eis zusammengedrückt, bilden sich Erhebungen, sogenannte Presseisrücken.
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Eine Mosaik-Expedition im wahrsten Sinne des Wortes: Die Scholle zerbricht in immer kleinere Stücke. Das hält die Forschenden in Atem: Wie wird die Umgebung am nächsten Tag aussehen? Welche Installationen müssen gesichert werden? Wo können wir auf dem Eis überhaupt noch arbeiten?
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8100 Eier, 1360 kg Kartoffeln und 86 Gläser Nutella haben die Expeditionsteilnehmer des zweiten Fahrtabschnitts in zweieinhalb Monaten verspeist. Das Küchenteam der «Polarstern» sorgt für drei Mahlzeiten am Tag sowie Kaffee und Kuchen. Gutes Essen hebt die Laune und ist auch nötig, denn beim Arbeiten draussen in Kälte und Sturm verbrennt man viele Kalorien.
 

Mittlerweile sind die Teilnehmenden von Abschnitt 2 endlich wieder zurück auf festem Boden. Dreieinhalb Wochen dauerte ihre Rückfahrt von der MOSAiC-Eisscholle, unterwegs wurde ihr Schiff von einem anderen Versorgungseisbrecher betankt, da sonst der Treibstoff nicht gereicht hätte. Am 1. April schliesslich legten sie in Tromsø in Norwegen an. Von dort sind die Expeditions-Rückkehrer per Charterflug nach Bremen geflogen und reisen nun in ihre Heimatländer weiter – abhängig davon, wie die Bestimmungen der jeweiligen Länder bezüglich Corona sind. Die SLF-Forschenden Martin Schneebeli und Matthias Jaggi, die seit letztem Dezember in der Arktis waren, sind inzwischen gut zuhause in der Schweiz angekommen.

Die Corona-Pandemie hatte zuvor bereits Änderungen im geplanten Ablauf der MOSAiC-Expedition notwendig gemacht. Erste Flugkampagnen im März zur Vermessung von Atmosphäre und Meereis, die vom norwegischen Spitzbergen aus durchgeführt werden sollten, konnten nicht stattfinden. Auch wird sich der nächste Crew-Austausch voraussichtlich um mehrere Wochen verzögern. Dieser war ursprünglich per Flugzeug von Spitzbergen aus geplant. Wegen der Corona-Pandemie lässt Norwegen jedoch keine Einreisen mehr zu, weshalb auch die Abfahrt per Schiff von Tromsø aus nicht in Frage kommt. Derzeit werden Alternativpläne für den nächsten Austausch erarbeitet. Bevor dieser stattfinden kann, müssen Quarantänevorschriften eingehalten und die neuen Teilnehmenden zweimal auf Covid-19 getestet werden. An Bord der «Polarstern» ist aktuell niemand von der Virusinfektion betroffen.

Medienmitteilung des AWI vom 24.04.2020: Alternativplan für Polarstern-Versorgung steht

 

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