28‘000 historische Fotos zur Wald- und Lawinenforschung veröffentlicht

Ein bedeutender Teil der Bildarchive der Forschungsanstalt WSL ist ab sofort auf der Bildplattform E-Pics der ETH Zürich frei zugänglich. Die rund 28'000 digitalisierten Glasplatten, Filmnegative und Dias geben Einblick in über ein Jahrhundert Forschung, Technik und Alltag.

  • Rund 28’000 historische Fotos der WSL und des SLF wurden erschlossen und digitalisiert. Sie zeigen vorwiegend Motive aus den Themenbereichen Wald, Lawinen, Schnee und Landschaften.
  • Die digitalisierten Glasplatten, Filmnegative und Dias besitzen grossen kulturhistorischen Wert und dokumentieren Forschung und Alltag seit 1902.
  • Die Fotos sind auf der Bildplattform E-Pics der ETH Zürich verfügbar. Die allermeisten können frei verwendet werden (Creative-Commons-Lizenz).

Die Rodung für den Bau des Flughafens in Kloten, Räumungsaktionen verschütteter Gleise durch Männer in Anzug und Hut, die Konstruktion hölzerner Versuchsterrassen für Messungen im Hochgebirge, Pferdeschlitten für den Holztransport im Winter oder Tests von innovativen Bügel-Motorsägen – die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und das dazugehörige WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF machen mit einem neu veröffentlichten Bildkatalog den ältesten Teil ihres visuellen Erbes frei zugänglich. 

Verschiedene Foto-Sammlungen aus dem Archiv der WSL zeigen eine Vielzahl unterschiedlicher Motive aus der Arbeit und dem Alltag der Forschenden. Darunter befinden sich zudem die umfangreiche Sammlung des eidgenössischen Forstinspektors Frank Fankhauser (1849 – 1932) oder Fotos von Ernst Eugster (1903 – 1977), eines Pioniers in der Lawinenforschung. «Die Fotos haben grossen kulturhistorischen Wert, unter anderem weil sie einen bedeutenden Teil der Schweizer Wald- und Lawinenforschung bildlich dokumentieren», sagt Projektkoordinator Thomas Reich. Die älteste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1902.

Herkunft der Fotos

Die veröffentlichten Fotos stammen grösstenteils aus der Zeit vor der Gründung der heutigen WSL. Sie gehen auf zwei eigenständige Forschungsanstalten des Bundes zurück:

  • Die Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen (EAFV), ehemals Centralanstalt für das forstliche Versuchswesen, wurde 1885 gegründet. 1958 verlegte sie ihren Standort vom Eidgenössischen Polytechnikum (heute: ETH Zürich) in Zürich nach Birmensdorf. In der Anfangsphase lag ihr Forschungsschwerpunkt vor allem auf Fragen der Waldbewirtschaftung.
  • Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (EISLF) entstand aus der «Schnee- und Lawinenkommission», die 1931 als «Schweizerische Lawinenkommission» gegründet wurde.

Im Verlauf der Jahrzehnte erweiterten sich die Themen und Forschungsbereiche der beiden Anstalten zunehmend. 1989 wurden EAFV und EISLF als Teil des ETH-Bereichs zur Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zusammengeschlossen. Das ehemalige EISLF wurde innerhalb der neuen Institution in «WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF» umbenannt. Weitere Informationen zur Geschichte der WSL und des SLF.

Rettungsaktion mit viel Handarbeit

Die Sammlungen lagerten jahrzehntelang an verschiedenen Standorten in Birmensdorf und Davos, teils unter suboptimalen Bedingungen. Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Staub setzten den wertvollen Originalen zu und griffen die empfindlichen chemischen Fotoschichten an. Das hat Spuren hinterlassen. 

«Es war höchste Zeit, die Bilder vor weiterer Zersetzung zu bewahren und künftig besser zu lagern», betont Reich. Das sah auch die Direktion der WSL so und sprach die dafür nötigen Mittel. In mehreren tausend Stunden Handarbeit galt es, die Bestände zu sichten und die vielen tausend Fotos zu sortieren sowie zu digitalisieren. Die Fotos wurden anschliessend nach neuesten Anforderungen licht- und staubgeschützt in spezielle Archiv-Schachteln verpackt und lagern seitdem unter kontrollierten Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. «Dies gewährleistet, dass die einzigartigen Bildbestände möglichst lange erhalten bleiben», erklärt Reich.

Nach dem Digitalisieren bearbeiteten Reich und sein Team die Bilddateien am Computer nach, allerdings absichtlich sehr zurückhaltend, und erfassten fortlaufend die vorhandenen Metadaten. Zu diesen gehören beispielsweise die ursprüngliche Bildnummer, der Name des Fotografen, Datum und Ort der Aufnahme, die Abmessungen und Art des Bildträgers sowie die originale Bildbeschreibung.

Bildplattform der ETH mit über 1,5 Millionen Fotos

Die wertvollen Bilder sollen jedoch nicht nur feinsäuberlich archiviert, sondern auch öffentlich zugänglich sein. «Bilder sind da, um angeschaut zu werden. Als bloss auf der Festplatte gespeicherte Daten nützen sie niemandem», sagt Reich. Um die Fotos im Internet zu präsentieren, bot sich die etablierte Bildplattform E-Pics der ETH-Bibliothek an. Dort sind bereits über eineinhalb Millionen Fotos veröffentlicht, darunter das Bildarchiv der ETH-Bibliothek, das Baugeschichtliche Fotoarchiv der Stadt Zürich oder Bildbestände zu Thomas Mann und Max Frisch.

Alle auf E-Pics veröffentlichten Fotos der WSL und des SLF lassen sich kostenlos herunterladen. Die meisten Bilder stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz zur freien Verfügung.

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Der Glaziologe Robert Haefeli untersucht die Schneedecke mit einem Schichtscher-Apparat. Davos (GR). Filmnegativ 4,5 × 7 cm. Foto: Edwin Bucher, Winter 1937/1938.
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Transport von Steinen auf eigens angelegten Schienen für den Bau einer Trockenmauer in Obergoms (VS). Im Hintergrund Rhonegletscher und Galenstock. Filmnegativ, 9 x 12 cm. Foto: Ernst Eugster, 1931.
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Verwendung eines «Xylometers» zur Vermessung des Volumens von Ästen, Sonvico (TI). Glasplatte 13 x 18 cm. Foto: Hans Burger, 1919.
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Rodung für den Bau des Flughafens in Kloten (ZH), Dezember 1946. Filmnegativ 6 x 6 cm. Foto: Jakob Zehnder, 1946.
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Zur Berechnung des Arbeitsaufwands wird bei Filisur (GR) die Sägezeit mit einer Zweimann-Handsäge erhoben. Filmnegativ 6 x 6 cm. Foto: Jakob Zehnder, 1945.
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Rettungsübung zur Ausbildung von Lawinenhunden beim Hauptertäli in Davos (GR). Filmnegativ 6 x 9 cm. Foto: Schmutz, 1942.
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Kohlenmeiler im Risoux bei Vallorbe (VD) zur Herstellung von Holzkohle. Glasplatte 10 x 15 cm. Foto: Werner Nägeli, 1935.
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Ein Baumstamm wird zum Abtransport an den Seilkran «Wyssen» gehängt. Ober Stockbann am Nordhang der Rigi (SZ). Filmnegativ 6 x 6 cm. Foto: Erich Soom, 1948.
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Test der Bügel-Motorsäge der Marke «McCulloch». Dia 2,4 x 3,6 cm. Foto: unbekannt, 1955.
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Rettungsarbeiten nach einem Lawinenunglück in Beckenried (NW) am 1. Februar 1948. Bei der Lawine kamen sieben Personen ums Leben. Filmnegativ 8 x 11 cm. Foto: Georges Tièche, 1948.
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Der noch ungebändigte Rhein bei Laufenburg (AG) im Jahr 1904 mit hölzernen Einrichtungen zum Lachsfang. Die Stromschnellen wurden «Kleiner Laufen» genannt, im Gegensatz zum «Grossen Laufen», dem Rheinfall. Filmnegativ 9 × 12 cm. Foto: Franz Fankhauser, 1904.
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Schon vor 120 Jahren untersuchten Forstwissenschaftler, wie Bäume verschiedener Herkunft in unterschiedlichen Böden wachsen. Heute werden ähnliche Versuche im Hinblick auf den Klimawandel fortgeführt. Das Foto zeigt vierjährige Kastanien aus dem Versuchsgarten auf dem Adlisberg bei Zürich. Glasplatte 13 × 18 cm. Foto: Robert Glutz, 09.02.1906.
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Schneemauer auf dem Grimselpass nach der Eröffnung der Passstrasse im Juni 1936. Glasplatte 8.5 x 10 cm. Foto: Emil Müller, 22.06.1936.
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Der Mittelwald ist eine alte Waldbewirtschaftungsform mit einzelnen «Überhältern» (meist Eichen) und einer periodisch geschlagenen Unterschicht. Heute wird er aus Naturschutzgründen wieder genutzt, um licht- und wärmebedürftige Tier-und Pflanzenarten zu fördern. Abgebildet ist ein Mittelwald in Güttingen (TG), 20 Jahre nach dem letzten Schlag der Unterschicht. Glasplatte 8,5 × 10 cm. Foto: Hans Burger, 02.04.1925.
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Präsentation einer 2,15 m hohen «Fastigiata-Föhre» mit flachgründiger Bewurzelung in Bonaduz (GR). Filmnegativ 13 × 18 cm. Foto: Robert Glutz, 14.8.1907.
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Wochenmarkt auf dem Bundesplatz in Bern, Anfang September 1902. Filmnegativ 9 x 12 cm. Foto: Franz Fankhauser, 1902.
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Zahlreiche Erosionshänge in den Schweizer Alpen wurden in kaum vorstellbarer Handarbeit mit Trockenmauern und Holzpfählen verbaut. Einige dieser Mauern sind heute, weit über 100 Jahre nach deren Bau, immer noch im Gelände zu finden. Im Bild das Gebiet «Ätsch» am Kilchenstock bei Linthal (GL). Glasplatte 9 × 12 cm. Foto: Franz Fankhauser, 05.10.1914.
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Montage einer mehrteiligen Leiter zum Aufasten von Bäumen. Dabei werden Äste zur Wertsteigerung direkt am Stamm entfernt. Niort, Region Nouvelle-Aquitaine, Frankreich. Filmnegativ 4,5 × 6 cm. Foto: Hansjürg Steinlin, 1953.
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Durch einen Sturm am 19. November 1939 umgeworfene Nadelbäume in der Versuchsfläche «Fichte 282» bei Gränichen (AG). Glasplatte 8,5 × 10 cm. Foto: Werner Nägeli, 30.11.1939.

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