Winterrückblick 2025/26

Stichtag 30. März 2026

In vielen Regionen prägte ein ungünstiger Schneedeckenaufbau den Winter 2025/26. Dies führte zu überdurchschnittlich vielen Lawinen mit erfassten Personen. Trotzdem lag die Anzahl der Todesopfer per Ende März mit 15 Personen im Durchschnitt. Grossschneefälle Mitte Februar führten zu einer kritischen Lawinensituation im Westen und gebietsweise zur höchsten Lawinengefahrenstufe (Stufe 5), wobei nur wenige Schadensereignisse bekannt sind.

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Erste sehr grosse Lawinen gab es mit den Schneefällen Ende November, jedoch nur in hohen Lagen, wo davor schon flächig Altschnee lag. Nordhang des Mutthorns (Lauterbrunnen, BE) auf 2950m (Foto: N. Haehlen, Kanton Bern, 27.11.2025).
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Die Gleitschneeaktivität war im Winter 2025/26 insgesamt klein. Am meisten Gleitschneelawinen gingen Anfang Dezember ab, als auch in tieferen Lagen mehr Schnee fiel, anschliessend nochmals in der zweiten Februarhälfte nach dem Grossschneefall. Pic Chaussy, Ormont-Dessous, VD (Foto: P. Gonnet, 06.12.2025).
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Bereits Anfang Dezember war das Altschneeproblem präsent. Es fiel zwar nur mit 20 bis 30 cm nur wenig Schnee, dieser lagerte sich aber auf bereits ausgebildete Schwachschichten ab. Diese Schneebrettlawinen wurden zur Pistensicherung am Oberrothorn (Zermatt, VS) gesprengt (Foto: J-P. Imboden, 08.12.2025).
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Von Mitte Dezember bis Anfang Januar folgte eine sehr niederschlagsarme Periode. Vielerorts bildeten sich ausgeprägte Schwachschichten, mit grossen kantigen Kristallen, oder Oberflächenreif (Schicht in der Mitte) wie hier im Bild auf 2800 m am Chlei Schwarzhora in Davos (GR). Bisher fehlte jedoch das Schneebrett für Lawinen oder war wie in diesem Bild nur sehr dünn (Foto: M. Senn, 20.12.2025).
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Das änderte sich jedoch schlagartig mit dem ersten Grossschneefall. 50 bis 100 cm Neuschnee auf ausgeprägten Schwachschichten führte in allen Gebieten der Schweizer Alpen zu einer sehr instabilen Situation mit zahlreichen Schneebrettlawinen. Diese extrem grosse Lawine löste sich bei Sprengungen am Sex Rouge in Les Diablerets, VD und stürzte über etwa 2 km talwärts (Foto: P.L. Petrone, 11.01.2026).
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Besonders im Osten der Schweizer Alpen war die Schneedecke sehr instabil. Vielerorts wurden Wummgeräusche und Risse in der Schneedecke gemeldet, die sich über weite Distanzen fortpflanzten (Foto: B. Richter, 11.01.2026, Pischagrat, Davos, GR).
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Nicht nur Setzungsgeräusche und Risse, sondern auch Lawinen wurden in dieser Zeit beobachtet. Einen hohen Anteil der Rückmeldungen machten Fernauslösungen aus, wie diese beiden am 2532 m hohen Hochwang in Furna (GR). Das Altschneeproblem mit häufigen Fernauslösungen hielt über mehr als einen Monat an (Foto: J. Ermuth, 15.01.2026).
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So sah die Schneedecke vielerorts aus: wenig Schnee, hohe Temperaturgradienten und vor allem eine sehr schwache Altschneebasis, bestehend aus kantigen Körnern (□-Symbol) und häufig sogar aus grossen Becherkristallen (Ʌ-Symbol). Dieses Schneeprofil wurde von einem SLF-Beobachter am 8. Februar im Oberengadin aufgenommen (Val Arpiglia, GR, Nordhang, 2375 m).
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Sehr ähnlich sah es im durchscheinenden Schneeprofil im Unterengadin aus: Ein rund 20 cm dünnes Schneebrett lag auf sehr schwachem Altschnee (hellere Schichten im Profil). Viele Lawinen brachen in diesen Schwachschichten an (Foto: F. Vonlanthen, 08.02.2026, Val Laver, Scuol, GR).
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Mitte Februar führte ein Grossschneefall zu einer sehr kritischen Lawinensituation. Es wurde verbreitet grosse (Stufe 4), im westlichen und nördlichen Wallis sogar sehr grosse Lawinengefahr (Stufe 5) prognostiziert. Etliche Lawinen stiessen bis in den Talboden vor, wie diese sehr grosse Lawine an der Oberwalderblase (Foto: R. Imsand, 15.02.2026, Obergoms, VS).
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Mit den anhaltenden Niederschlägen blieb auch die Lawinenaktivität für mehr als eine Woche sehr hoch. An der Tête de Ferret (2713m, Orsières, VS) ging diese Schneebrettlawine mit beeindruckender Anrisshöhe ab (Foto: A. Tissières, 22.02.2026).
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Vor allem in Graubünden, wo Mitte Februar weniger Schnee fiel und die Überlagerung der Schwachschichten weniger mächtig war, blieb das Altschneeproblem erhalten. Fernauslösungen waren weiterhin möglich (Foto: A. Wünsch, 15.03.2026, Piz Corvatsch, Silvaplana, GR).

Eine schwache Schneedecke prägte den Winter 2025/26

Der Winter 2025/26 war lange Zeit von einem ungünstigen Schneedeckenaufbau geprägt. Nach einem frühen Winterstart Ende November und Anfang Dezember dominierte anschliessend bis in den Januar hinein trockenes und sonniges Wetter. Es gab kaum Niederschlag und zum Jahreswechsel lag verbreitet sehr wenig Schnee. In dieser Zeit wurde die Schneedecke stark aufbauend umgewandelt und dadurch sehr schwach (siehe dazu Infobox «Entstehung des Lawinenproblems Altschnee»). Ab der zweiten Januarwoche bis Mitte Februar gab es einige, meist kleinere Schneefälle, die diese schwache Basis der Schneedecke überdeckten. Damit war das Lawinenproblem «Altschnee» im Januar und Februar sehr ausgeprägt, und zwar im ganzen Alpenraum. 

Am stärksten betroffen waren die Regionen südlich einer Linie Rhone-Rhein, also vor allem das Wallis, das Tessin und Graubünden. In Graubünden und im Engadin wurde von Januar bis März gebietsweise sechs Wochen lang vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt.

Statements von Benjamin Zweifel, Lawinenwarner, zum Winter 2025/26: Allgemeiner Rückblick, Unfallzahlen, weitere Aussichten

Entstehung des Lawinenproblems «Altschnee»

Wie wird die Schneedecke aufbauend umgewandelt und warum kann daraus eine kritische Lawinensituation, ein Lawinenproblem «Altschnee», entstehen? Kaum hat sich der Schnee abgelagert, beginnt er sich aufgrund der Temperaturunterschiede in der Schneedecke umzuwandeln. Am Boden liegt die Schneetemperatur durch die Bodenwärme meist bei 0 °C, während an der Schneeoberfläche je nach Witterung Werte von ‑5 bis -20 °C typisch sind. Es besteht also ein Temperaturunterschied innerhalb der Schneedecke. Je grösser dieser Temperaturunterschied ist, desto stärker ist die aufbauende Schneeumwandlung. Dabei bilden sich grosse, kantige Körner. Diese sind untereinander nur wenig verbunden und bilden eine Struktur mit nur wenig Zusammenhalt. Zur Veranschaulichung wird solcher Schnee als «Griess», «Zucker» oder «Schwimmschnee» bezeichnet. Wenn solche Schneeschichten eingeschneit werden, sind sie langlebige Schwachschichten, in denen Lawinen anbrechen können. Eine solche Lawinensituation mit ausgeprägten schwachen Schichten in der Schneedecke, die sich nur langsam verfestigen, wird als ein Lawinenproblem «Altschnee» bezeichnet.

Viele Lawinenunfälle, durchschnittliche Opferzahl

Winter mit einer sehr schwachen Schneedecke sind meist unfallträchtig. Das liegt einerseits daran, dass das Lawinenproblem Altschnee im Gelände nicht einfach erkennbar ist, selbst für Experten. Andererseits sind Lawinen, die in tiefen Schichten der Schneedecke anbrechen, meist gefährlich gross.  So ereigneten sich im Winter 2025/26 überdurchschnittlich viele Lawinenunfälle. Bei 171 Unfällen wurden 244 Personen erfasst. Zum Vergleich: In den letzten 10 Jahren wurden bis Ende März im Durchschnitt bei 127 Unfällen 182 Personen erfasst. 37 Personen wurden bei diesen Lawinenunfällen ganz verschüttet (Durchschnitt der letzten 10 Jahre: 31 Ganzverschüttete) und 15 Personen kamen bei 13 Unfällen ums Leben (Durchschnitt der letzten 10 Jahre bis Ende März: 14 Todesopfer). In der Mehrheit dieser tödlichen Unfälle löste sich die Lawine im schwachen Altschnee. Oft wurden dabei grosse Lawinen ausgelöst. 

Zwischen dem 10. Januar und dem 22. Februar wurden täglich Personenlawinen registriert (vgl. Abbildung 1), wobei es südlich einer Linie Rhone-Rhein deutlich mehr Unfälle gab als nördlich davon. 

Eine abschliessende Bilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2026) im Winterbericht gezogen. Die Unfallstatistik kann sich bis dann noch ändern.

Starkschneefälle Mitte Februar mit der höchsten Lawinengefahrenstufe

Mitte Februar fiel in mehreren Schüben viel Schnee. Vom 10. bis 13. Februar wurde mit 100 bis 150 cm am meisten Neuschnee im westlichsten und nördlichen Unterwallis registriert und vom 15. bis 18. Februar wurden wieder im westlichsten Unterwallis sowie am nördlichen Alpenkamm 90 bis 140 cm Neuschnee gemessen. Dies führte zu einer ausserordentlichen Lawinensituation, die am 17. Februar die höchste Lawinengefahrenstufe (Stufe 5 – sehr gross) erreichte. Ein dritter Schneefall vom 18. bis 22. Februar brachte im Norden einen weiteren Meter Neuschnee und beendete diese Periode mit Grossschneefällen. Letztmals wurde die Lawinengefahrenstufe 5 (sehr gross) am 28. Januar 2021 publiziert.

Solche kritischen Lawinensituationen sind immer auch eine Bewährungsprobe für die Lawinenschutzmassnahmen. Bauliche Schutzmassnahmen wie Verbauungen in Lawinenanrisszonen oder Lawinengalerien im Bereich von Verkehrswegen schützen die Infrastruktur zu einem grossen Teil. Zusätzlich leisten die Lawinendienste mit temporären Massnahmen wie Sperrungen, Evakuationen oder künstlichen Lawinenauslösungen einen wesentlichen Beitrag zur Lawinensicherheit. 

In der ausserordentlichen Lawinensituation im Februar 2026 waren bei drei Lawinenniedergängen Bahnlinien betroffen. Am 16. Februar fuhr ein Zug bei Goppenstein (VS) auf eine Lawine auf, die über eine Lawinengalerie bis auf das Gleis vorgestossen war. Fünf Personen wurden dabei verletzt. Bei zwei weiteren Ereignissen war die Bahnlinie im Mattertal (VS) betroffen, wobei keine Personen zu Schaden kamen. Ansonsten wurden keine grösseren Schäden im Bereich von Verkehrswegen oder Siedlungen registriert. Einige Lawinen verursachten kleinere Waldschäden. Auch diese Bilanz ist noch nicht abschliessend.

März: Schnee erst im Süden, später im Norden; Schwachschichten 2.0

Anfang März zeichnete sich vorerst eine Abnahme der Lawinengefahr ab. Die grossen Schneemengen vom Februar hatten sich gesetzt und überdeckten die schwachen Schichten meist so mächtig, dass Personen in diesen Schichten deutlich weniger Brüche initiierten. Am ehesten war dies noch in Graubünden möglich, wo die Überdeckung geringer war. Lawinenabgänge und zahlreiche Wummgeräusche bestätigten dies.

Mitte März meldete sich der Winter nochmals. Am meisten Schnee fiel am Alpensüdhang mit über einem Meter, im Norden gab es 40 bis 60 cm Neuschnee. Dieser fiel vielerorts auf eine filigrane Schicht aus Oberflächenreifkristallen und war an diesen Stellen leicht auslösbar. Somit entstand, nachdem das Altschneeproblem in den tiefen Schichten der Schneedecke etwas weniger gefährlich war, ein neues Lawinenproblem in den oberflächennahen Schneeschichten.

In der Folge wurden zahlreiche Lawinen durch Personen ausgelöst (Abbildung 1), vor allem im Wallis und in Graubünden. Glücklicherweise kamen dabei keine Personen ums Leben.

Zum Monatsende kam der Schnee im Norden zurück, dabei fiel am Alpennordhang rund 1,5 m Neuschnee in einer Woche, zeitweise verbunden mit grosser Lawinengefahr.

Ein «Wumm»-Winter

Wer in den Gebieten mit schwacher Schneedecke auf Tour war, musste in der Regel nicht lange warten, bis die Schneedecke mit Wummgeräuschen unmissverständlich zu verstehen gab, dass der Schneedeckenaufbau kritisch war (siehe dazu Infobox Entstehung Wummgeräusche). In der Abbildung 1 ist zu sehen, dass ab dem 10. Januar sehr viele Wummgeräusche und Personenlawinen gemeldet wurden. Oft war die Schneedecke so schwach, dass Lawinen über grössere Distanzen (mehrere 100 m) fernausgelöst wurden. Eine solch langanhaltende Periode mit so vielen Gefahrenzeichen ist aussergewöhnlich. 

Wummgeräusche 

Wummgeräusche können entstehen, wenn eine Schwachschicht kollabiert. Sie weisen uns also darauf hin, dass eine Schwachschicht gebrochen ist. Der Bruch in der Schwachschicht breitet sich manchmal nur wenige Meter, manchmal auch quer über einen ganzen Hang aus. Wummgeräusche sind deshalb ein Alarmzeichen für eine kritische Lawinensituation. Unter den Lawinenkennern gibt es das Sprichwort «bei Wumm, kehr um».

Klimatische Einordnung des Winters 2025/26

Wie bereits der Vorwinter war der Winter 2025/26 durch stark unterdurchschnittliche Schneehöhen in allen Höhenstufen geprägt (Abbildung 2 und 3). Die Temperaturen waren überdurchschnittlich, aber das hauptverursachende Element für die Schneearmut waren die geringen Niederschläge in den Schweizer Alpen. Die an den Stationen gemessenen Neuschneesummen seit November betrugen schweizweit nur 50 bis 75 % des langjährigen Mittelwertes. Am grössten war das Schneedefizit – wie bereits im Vorwinter – im Osten der Schweiz, am kleinsten im Wallis. 

Abb. 2: Mittlere monatliche Schneehöhe im Winter 2025/26 gezeigt als relative Abweichung vom langjährigen Mittel (1991-2020). Die März-Karte berücksichtigt alle Tage bis zum 30. März. Die Daten basieren auf modellierten Schneehöhen im 1×1 km-Gitter für den Zeitraum 1962-2026 aus einem Gemeinschaftsprojekt von SLF und MeteoSchweiz.

Abb. 3: Schneehöhenverlauf (cm) auf 2000 m für die Schweiz nördlich des Alpenhauptkamms (links) und südlich des Alpenhauptkamms (rechts). In blau jeweils der Schneehöhenverlauf des Winters 2025/26 und in grün des letztjährigen Winters 2024/25 im Vergleich zur Verteilung der täglichen Schneehöhen aller Winter seit 1961/62 (schwarz und grau). Die Daten basieren auf modellierten Schneehöhen im 1×1 km-Gitter für den Zeitraum 1962-2026 aus einem Gemeinschaftsprojekt von SLF und MeteoSchweiz.

Da mit dem Klimawandel eher nässere als trockenere Winter zu erwarten sind, sind die geringen Schneehöhen hauptsächlich durch die natürliche Klimavariabilität erklärbar. Ähnlich trockene Winter gab es beispielsweise 1957 und 1964. Entsprechend ist auch das ausgeprägte Altschneeproblem im Winter 2025/26 keine Folge des Klimawandels.

Lawinenbulletin

Diesen Winter wurde das Lawinenbulletin ab dem 21. Oktober 2025 regelmässig und ab dem 15. November täglich herausgegeben.

Das Lawinenbulletin erscheint bis auf Weiteres täglich um 17 Uhr, je nach Lawinensituation auch um 8 Uhr. Der Lawinengefahr ist weiterhin die nötige Beachtung zu schenken.

Bei grossen Schneefällen erscheinen auch im Sommer und Herbst situationsbezogene Lawinenbulletins. Um auf diese aufmerksam zu werden, kann eine Push Meldung auf der App White Risk aktiviert werden (Push Mitteilungen: Sommerbulletin).

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