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Langjährige Schneewasseräquivalent-Messungen

 

Die Schneebedeckung ist nicht nur ein relevanter Wirtschaftsfaktor für Berggebiete, sondern auch ein wichtiger Klimafaktor. Buchstäblich über Nacht kann sie der Erde ein komplett anderes Gesicht verleihen und ihr Wettersystem entscheidend beeinflussen. Die Schneebedeckung ist deshalb eine essentielle GCOS-Klimavariable, die es langfristig zu überwachen gilt.

Das SLF betreut seit Jahrzehnten verschiedenste klimatologische Messreihen zur Schneedecke, die mittlerweile von grossem Wert für zahlreiche Anwendungen sind. Weil aus verschiedenen Gründen weiterhin grösstenteils von Hand gemessen wird, ist es zunehmend schwierig, diese langjährigen Schneemessreihen zu erhalten (z. B. schwindende Bereitschaft, sieben Tage die Woche frühmorgens zu messen). Dies gilt insbesondere für die aufwendigen Schneewasser­äquivalent (SWE)-Messungen. SWE-Daten werden benötigt, um die in der Schneedecke gebundene Wasser­menge oder das Gewicht des Schnees zu kennen. Das Wasservolumen (mm) entspricht dabei der Schneelast (kg/m2). Für die eigentliche Messung wird in die Schneedecke ein Schacht bis zum Boden gegraben und mit Hilfe eines Aluminium-Rohrs (Länge 55 cm, Grundfläche 70 cm2) das Gewicht und Volumen der Schnee­abstiche bestimmt. Das SWE ist dabei natürlich abhängig von der Höhe und Dichte der Schneedecke.

Schneemessreihen langfristig gesichert

Basierend auf dem Bundesratsentscheid vom 6. Juni 2008 unterstützt MeteoSchweiz seit Winter 2016/2017 die 11 wertvollsten (längsten) Schneewasseräquivalent (SWE)-Reihen finanziell. Dieser Beitrag im Rahmen von GCOS Schweiz ermöglicht es, die SWE-Messreihen langfristig zu sichern. Sie befinden sich zwischen 1200 und 2600 m ü. M. (Tab. 1) und decken einen grossen Teil des Schweizer Alpenraums ab (Abb. 1). Damit ergänzen sie die einmal jährlich durch­geführten SWE-Messungen im Einzugsgebiet Wägital (SZ) und die Wintermassenbilanzmessungen an einigen Gletschern des GLAMOS-Messnetzes. SLF-Beobachter führen die SWE-Messungen seit mehreren Jahrzehnten zweimal monatlich (Mitte und Ende Monat) durch. Täglich messen sie zudem die Neu- und Gesamtschneehöhe. Zusammen mit den von MeteoSchweiz und SLF bestimmten Schneestationen von klimatologischer Wichtigkeit ergibt sich eine bezüglich Qualität, Länge und Abdeckung einzigartige Datenquelle zur räumlich-zeitlichen Variabilität der Schneedecke im alpinen Gelände. Die SWE-Daten werden zudem seit einigen Jahren vom Operationellen Schneehydrologischen Dienst OSHD operationell benutzt, um mit laufenden Analysen der Schneewasserressourcen zu einer verbesserten hydrologischen Vorhersage beizutragen.

Tabelle 1: Liste der 11 SLF-Schneestationen mit SWE-Messungen, die von MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz finanziell unterstützt werden. Zusätzlich ist auch eingetragen, seit wann an diesen Stationen die Neu- (HN) und Gesamtschneehöhe (HS) gemessen wird.
StationHöhe
(m ü.M.)
SWE
seit
HN
seit
HS
seit
Klosters1200194819491948
Ulrichen1350195119421942
St. Maria1420196819311951
Andermatt1440194719411941
Davos1560194818961893
Zermatt1600194719461946
San Bernardino1640197319521952
Mürren1650194919481948
Zuoz1710195119441944
Trübsee1770194919401940
Weissfluhjoch2540193719361936

Solche Datenreihen sind von grossem Nutzen, um die vergangene Entwicklung zu verstehen, den Einfluss der zukünftigen Änderungen abschätzen oder um den Fortschritt neuster Satellitentechnik im Gebirge zu testen. Das SWE in Gebirgen ist nämlich global gesehen von grosser Bedeutung, weil die Wasserversorgung von Millionen von Menschen flussabwärts davon abhängt. In den meisten Gebirgsregionen kann das Monitoring der Schneeressourcen aber nur mit Hilfe modernster Satellitentechnologie erfolgen, die aber leider bis jetzt gerade in solcher Topographie grosse Unsicherheiten aufweist. Die SWE-Messungen im Schweizer Alpenraum werden daher in Zukunft unter anderem auch wertvolle Dienste zur Validierung der Satellitenmessungen leisten können.

Die Daten werden über Envidat zur Verfügung gestellt werden.