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Einfluss von Waldbränden auf die Schutzfunktion von Buchenwäldern gegen Steinschlag

 

Buchenwälder schützen unsere Siedlungen und Strassen oft vor Steinschlag. Doch können die Buchen die Steine auch noch aufhalten, wenn ein Waldbrand gewütet hat?

In einem vom Bundesamt für Umwelt BAFU finanzierten Forschungsprojekt untersuchten Mitarbeitende des WSL-Standorts Cadenazzo und des SLF Davos, zusammen mit Kollegen der Universität Turin, der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL und der Universität Stuttgart, wie sich die Schutzwirkung von Buchenwäldern nach Waldbränden verändert. Sie wählten im Tessin und Piemont (Italien) über 30 Waldflächen aus, die innerhalb der letzten 40 Jahre einmalig brannten. Aufgrund der seit dem Feuer vergangenen Zeit und der Schwere des Brandes analysierten sie, wie sich die Vegetation auf den unterschiedlichen Flächen entwickelte. Innerhalb dieser Flächen charakterisierten und vermassen sie alle Bäume ab einem Durchmesser von 8 cm und einer Grösse von 2 m. Auch das Totholz wurde aufgenommen. Mithilfe der Software Rockfor.Net, die die Schutzwirkung eines Waldes gegen Steinschlag analysiert, berechneten die Forschenden anschliessend, wie gut jeder dieser Waldbestände vor Steinschlägen schützt.

Die Resultate zeigen: Die Buchenwälder wachsen nach periodischem Waldbrand wieder zu einem stabilen Bestand heran. Wann und wie stark sich der Wald erholt und welche Struktur er nach dem Brand aufweist, hängt jedoch sehr davon ab, wie stark das Feuer wütete. Schwache Waldbrände scheinen die Schutzwirkung der Buchenwälder kaum zu beeinträchtigen. Die Waldstruktur ist nach solchen Feuern mit geringen Brandschäden immer noch vergleichbar mit derjenigen von unversehrten Wäldern, sodass kaum weitere Massnahmen oder forstliche Eingriffe zum Schutz vor Steinschlag nötig sind.

Bis zu 50 Prozent weniger Schutz nach starken Bränden

Im Gegensatz dazu verändert sich die Waldstruktur nach mittleren bis sehr heftigen Bränden in der Regel stark. Bei mittleren Bränden sterben v. a. kleine und mittelgrosse Buchen, bei starken Bränden trifft es auch grosse Bäume. Das liegengebliebene Totholz und die überlebenden Buchen können jedoch weiterhin einen Teil der hinunterstürzenden Steine aufhalten. Die erwachsenen und überlebenden Buchen sorgen mit ihren Samen ausserdem dafür, dass sich der Wald selber verjüngt. Nach einer gewissen Zeit ist das Totholz jedoch zersetzt und die neuen Bäume brauchen ihre Zeit, bis sie wieder die volle Schutzfunktion übernehmen können. Entsprechend beobachteten die Forschenden bei den untersuchten Flächen 10 bis 30 Jahre nach dem Brand eine verminderte Schutzwirkung von bis zu 50 %, abhängig von der Stärke des Feuers, der Struktur des betroffenen Bestandes, der Grösse der Steine sowie der Länge und Neigung des bewaldeten Hanges. In solchen Fällen empfehlen sie, Steinschlagnetze aufzustellen oder punktuell stehende, dickere (oder stärkere) tote Bäume zu fällen und sie als Steinschlagbarrieren an geeigneten Stellen quer zum Hang zu legen. Diese müssen jedoch periodisch auf ihre Schutzwirkung kontrolliert werden (insbesondere bei Ansammlungen loser Steine).

Als wichtige Errungenschaft dieses Projekts entwickelten die Forschenden einen methodischen Ansatz für die Praxis. Dieser ermöglicht den Förstern, bereits zwei bis drei Jahre nach einem Brand aufgrund der Brandschwere, der vermuteten Steingrössen und den herrschenden Hangcharakteristika abzuschätzen, wie sich die Steinschlagschutzfunktion des Buchenbestands entwickeln könnte. Diese Prognose erlaubt den Sicherheitsverantwortlichen, rechtzeitig entsprechende Schutzmassnahmen einzuleiten.