Navigation mit Access Keys

Hauptinhalt

 
 

Schneepilze limitieren Arvenausbreitung an der Waldgrenze

 

Waldgrenzen gehören zu den deutlichsten Vegetationsgrenzen weltweit. Wie weit hinauf die Bäume in unbewirtschafteten alpinen Gebieten noch wachsen können, ist in erster Linie durch das Wärmeangebot während der Sommermonate begrenzt. Deshalb können wir mit der Klimaerwärmung einen deutlichen Anstieg der Waldgrenzen erwarten. Nebst der Temperatur gibt es aber noch eine Reihe von anderen Faktoren, die das Wachstum von Bäumen an der Waldgrenze limitieren. Dazu gehören auch Schneepilze, die die Bäume unter günstigen Bedingungen ganz zum Absterben bringen können. An der Waldgrenze in Davos untersuchten Forschende des SLF, basierend auf einer langfristigen Datenreihe, wie sich solche Schneepilze auf die Waldgrenzenbaumart Arve auswirken.

 

Kleine Arven sind besonders betroffen

Auf der Stillbergfläche (NW-Seite des Dischmatals, 2000-2230 m ü.M) wurden im Jahr 1975 in einem systematischen Muster 92'000 Lärchen, Arven und Bergföhren gepflanzt. Gleichzeitig wurde auf der gegenüberliegenden, SW-exponierten Seite die Vergleichsaufforstung Lucksalp nach demselben Muster bepflanzt (Abb. 1). Die Bestandesaufnahme nach 30 Jahren zeigt: Nur ungefähr 5% der Arven haben in beiden Aufforstungen überlebt. Verantwortlich für das Absterben waren in erster Linie die Schneepilze „Triebsterben“ (Gremmeniella abietina, Abb. 2) und "Schneeschütte" (Phacidium infestans, Abb. 3). Der Pilzbefall war vor allem für 10 bis 20-jährige Bäumchen (Abb. 4) kritisch, die mit ihrer Krone im Schwankungsbereich der Schneeoberfläche liegen. Der Befall trat oft grossflächig über die an Arven spärlich vorhandenen Nadeln auf. Die in diesem Alter an der Waldgrenze noch kleinen Bäume starben meistens schon nach 2-3 Jahren nach einer ersten Infektion durch die Schneepilze.

 

Wichtige Rolle der Schneebedeckungsdauer

Die Arven wurden vor allem dort vom Schneepilz „Triebsterben“ infiziert, wo der Schnee im Frühling lange liegen bleibt. In niederschlagsreichen Sommern mit relativ tiefen Temperaturen war die Infektionsrate besonders hoch. Im Gegensatz dazu breitete sich der „Schneeschüttepilz“ vor allem an Standorten aus, wo der Schnee relativ früh schmolz und wo viele grössere Bäume wuchsen, die den Pilz auf kleinere Bäume übertragen konnten. Die Studie bestätigt somit, dass das Gefüge von Einflussfaktoren auf das Wachstum von Bäumen an der Waldgrenze sehr komplex sein kann. Sie deutet ausserdem darauf hin, dass Schneepilze die Ausbreitung von Arven an der oberen Waldgrenze bereits heute und auch in der Zukunft wesentlich limitieren können.