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Entwicklung und Umsetzung Risikokonzept

 

Naturgefahren lassen sich im alpinen Lebensraum nicht vollständig vermeiden. Trotz bedeutender Investitionen in Lawinenverbauungen oder Wildbachsperren gefährden sie immer wieder Personen oder zerstören Gebäude und Verkehrswege. Sicherheitsfachleute haben deshalb begonnen umzudenken: Wollten sie früher Naturgefahren mit allen Mitteln verhindern, versuchen sie heute, deren Risiken zu senken. Als Risiko wird im technischen Sprachgebrauch die Wahrscheinlichkeit bezeichnet, dass in einem definierten Zeitintervall (z.B. ein Jahr) ein Schaden einer bestimmten Höhe auftritt (z.B. 100'000 Franken). Die Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT hat 2004 in ihrer Strategie festgehalten, dass dieses Konzept der Risikominimierung (Risikokonzept) das Kernelement im Umgang mit Naturgefahren sein soll. Auch in anderen Bereichen wie der zivilen Nutzung der Kernenergie wird dieses Risikokonzept schon länger praktiziert.

Aktionspläne PLANAT

Im Rahmen ihrer Aktionspläne 2005 - 2008 und 2009 - 2011 hat die PLANAT verschiedene Lücken zur Umsetzung des Risikokonzepts geschlossen. Als wichtige Grundlage liess sie unter der Leitung des SLF den Leitfaden Risikokonzept erarbeiten (Projekt A1.1 - RIKO). Dieser Leitfaden beschreibt das theoretische Fundament des Konzepts und zeigt in Beispielen auf, wie die Praxis die Risiken von Naturgefahren nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Grundsätzen (Prinzipien der Nachhaltigkeit) vermindern kann.

Im Projekt „Wirkung von Schutzmassnahmen“ (Projekt A3 - PROTECT) wurden zusammen mit externen Partnern allgemein gültige Grundlagen als auch prozess- und massnahmenspezifische Arbeitshilfen zur Berücksichtigung von Schutznahmen in der Gefahrenbeurteilung entwickelt.

Im Projekt „Verletzlichkeit bei Naturgefahren“ (Projekt B5 - Verletzlichkeit) wurden Grundlagen für eine Überprüfung vorhandener Funktionen der Schadenempfindlichkeit von Gebäuden für die Prozesse Lawinen, Murgang, Hochwasser und Sturz erarbeitet.

Alle Berichte der Aktionspläne der PLANAT können unter www.planat.ch heruntergeladen werden.

 

Neue Berechnungstools

Der Leitfaden Risikokonzept verdeutlicht: Der Umgang mit Risiken erfordert Massnahmen während (Intervention), nach (Wiederherstellung) und vor Naturgefahren-Ereignissen (Prävention). Dabei gilt es, eine optimale Kombination aus planerischen, technischen, biologischen und organisatorischen Massnahmen zu finden, die ein möglichst kleines Risiko (Nutzen) bei möglichst geringen Kosten gewährleistet. Um dieses Nutzen-Kosten-Verhältnis zu berechnen, hat das SLF zusammen mit anderen Institutionen in den letzten Jahren verschiedene Berechnungsinstrumente entwickelt (EconoMe-Tools). Diese unterstützen Fachstellen und Behörden bei der Priorisierung von Schutzmassnahmen. Ausserdem sensibilisieren sie die Anwender für das risikobasierte Denken und erleichtern es ihnen, betroffenen Personen ihre Entscheidungen für bestimmte Schutzmassnahmen zu kommunizieren. Die Risikokommunikation stellt ein zentrales Element des Risikomanagements dar. Nur wenn die Bevölkerung die Entscheide der Behörden mitträgt und bereit ist, selber zur Reduktion der Risiken durch Naturgefahren beizutragen, kann Risikomanagement erfolgreich umgesetzt werden. Auch wenn Naturgefahren gerade im Hinblick auf den Klimawandel eine grosse Herausforderung bleiben, können Sicherheitsfachleute mit Hilfe des Risikokonzepts heute verschiedene Szenarien und Handlungsoptionen besser evaluieren und diskutieren.

EU-Projekt IRASMOS

Im Projekt IRASMOS haben Wissenschaftler aus der Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich und Norwegen das existierende Fachwissen zum Naturgefahren-Management aus ihren Ländern zusammengetragen und unter dem Kriterium der besten „Anwendungspraktiken“ analysiert. Im Rahmen von IRASMOS wurde in der Dissertation „Ökonomische Bewertung von Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren“ von Christoph Rheinberger die individuelle Zahlungsbereitschaft verschiedener Personengruppen für den Schutz vor Naturgefahren ermittelt (Rheinberger, Ch. 2009: Preferences for Mitigating Natural Hazards on Alpine Roads: A Discrete Choice Approach, Diss ETH No. 18476).

Das Projekt IRASMOS wurde 2008 abgeschlossen. Informationen und Ergebnisse können unter: irasmos.slf.ch eingesehen werden.