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Epidemiologie der Goldenen Vergilbung in Tessiner Weinbergen

 

Forschungsgruppen der WSL und Agroscope am Campus Cadenazzo haben eine Untersuchung zur Epidemiologie der Goldenen Vergilbung  (GGV) in den Tessiner Weinbergen gestartet. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Pflanzenschutzsdienst und wird vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt. Die Forschenden erwarten dadurch, in den kommenden Jahren Erkenntnisse für das Management dieser meldepflichtigen Quarantänekrankheit zu gewinnen.

Die GGV wird durch das Phytoplasma Candidatus Phytoplasma vitis verursacht (Abb. 1). Die Krankheit hat ihren Ursprung in Europa. Erst mit der unbeabsichtigten Einschleppung aus Nordamerika der Zikade Scaphoideus titanus, die an die Rebe gebunden ist, hat sie einen epidemischen Charakter angenommen.

Jüngste Studien haben das Vorhandensein von GGV-Phytoplasma an Gehölzen wie der Schwarzerle (Alnus glutinosa), der Hasel (Corylus avellana), der Klematis (Clematis vitalba) und auch dem Götterbaum (Ailanthus altissima) aufgedeckt. Damit zeigt sich ein unerwartet komplexes epidemiologisches Bild der Krankheit. Neben Scaphoideus titanus können auch  andere Zikaden, die vor allem am Waldrand leben, als Träger des Phytoplasmas zwischen den Wirtspflanzen des Waldes und der Rebe fungieren und so deren Verbreitung im Weinberg fördern.

 

Ziele des Projekts

Im Jahr 2018 wurde eine Euphresco-Initiative gestart, die die Zusammenarbeit von Forschungsteams mit dem Ziel förderte, einen ganzheitlichen Ansatz für die GGV-Systemanalyse zu finden. Es geht darum, Instrumente und bewährte Verfahren für ein nachhaltiges Management der Traubenressourcen in Gebieten mit GVO-Risiko zu entwickeln. Das vorliegende Projekt ist Teil dieser Euphresco-Initiative und will die  Überwachungs- und Kontrollstrategien dieses Quarantäneorganismus verbessern. Seine Hauptziele sind:

  1. Verständnis der Ökologie (d.h. der Habitatpräferenzen) des wichtigsten GGV-Vektors S. titanus sowie von alternativen und vermeintlichen GGV-Vektoren gewinnen.
  2. Das Vorhandenseins und die Verteilung alternativer und vermeintlicher GGV-Vektoren in und um den Weinberg überwachen.
  3. Ein zielgerichte Protokolls für eine Kartierung möglicher spontaner GGV-bewirtender Pflanzenarten.
  4. Die Auswirkungen der Aussetzung der obligatorischen GGV-Kontrollmaßnahmen im Tessin überwachen.
 

Vorgehen und Methodik

Das Untersuchungsgebiet besteht aus der Weinbaulandschaft des Tessins (Südschweiz). Sechs Weinberge wurden ausgewählt: drei mit der toleranten Sorte Merlot und drei mit der empfindlichen Sorte Chardonnay.

Die Feldprobenahme erfolgt mit gelben Klebefallen (YST, Yellow Sticky Traps), die in Weinbergen und deren Umgebung aufgestellt werden. Die YST werden wöchentlich gewechselt.

Alle symptomatischen Reben sollen lokalisiert und symptomatische Triebe (oder Blätter) für genetische Analysen gesammelt werden. Darüber hinaus werden potenzielle alternative GGV-Pflanzenwirte und andere spontane Pflanzenarten von Interesse für genetische Analysen untersucht.

Anatomische Veränderungen, die durch das Vorhandensein von  GGV im Weinrebenholz und im Phloem verursacht werden, werden zusätzlich auf mikroskopischer Ebene untersucht.