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Wochenbericht 22. - 28. April 2022

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Endlich Niederschlag im Süden

Nach einer langen Durststrecke gab es im Süden endlich Niederschlag. Vom Simplongebiet über das südliche Goms bis ins westliche Tessin wurde teilweise bis zu einem Meter Neuschnee gemessen. Die Lawinengefahr erreichte dort Stufe 4 (gross), wobei die spontane Lawinenaktivität klein blieb. Anschliessend gab es auch im Norden mit Neuschnee nochmals winterliche Verhältnisse und vor allem in der Höhe auch einige Personenlawinen.

 
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Der Winter hat es doch noch ins Tessin geschafft: Ganze 50 cm Neuschnee gab es hier auf 1600 m in All’ Acqua (Bedretto, TI) (Foto: C. Giudici, 24.04.2022).
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Typisch diese Woche: Unterhalb des Piz Campasc (2599 m, Poschiavo, GR) lösten sich mehrere lockere Nassschneelawinen (Foto: J.-A. Bisaz, 27.04.2022).
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Wie eine achtspurige Autobahn schlängelten sich diese Spuren durch die Lawinenlandschaft am Sentischhorn (2826 m, Davos, GR) (Foto: P. Degonda, 26.04.2022).
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Bei einem Böschungstest versucht man in harmlosem Gelände kleine Schneebrettlawinen auszulösen. Dieser Stabilitätstest ist vor allem bei Neu- und Triebschneeproblemen sehr gut geeignet. Ein erfolgreicher Böschungstest wurde diese Woche im frischen Triebschnee unterhalb des Sustenpasses (2654 m, Wassen, UR) durchgeführt (Foto: A. Schuler, 26.04.2022).
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Auf den schnellen Blick wirkt sie wie eine Lockerschneelawine, doch wer genau hinschaut erkennt am oberen Ende der Rinne den mächtigen Anriss dieser nassen Schneebrettlawine am Flüelapass unterhalb des Piz Murtaröl (2880 m, Zernez, GR) (Foto: 25.04.2022).
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Die frühlingshaften Temperaturen setzten der Schneedecke vor allem in den Tallagen stark zu und verwandelten die hartgefrorene Schneeoberfläche der Nordosthänge der Schwarzhornfurgga (2879 m, Zernez, GR) in eine nur teilweise tragende Kruste. Die Südhänge hingegen erlaubten traumhafte, wenn auch etwas feuchte, Pulverabfahrten (Foto: P. Degonda, 25.04.2022).
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Das Lawinenbulletin warnte diese Woche vor Lawinen, die bis ins Grüne vorstossen können. Diese Lawine (Ritzingen, 1318 m, Goms, VS) hat es auch fast geschafft (Foto: R. Imsand, 24.04.2022).
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Diese bizarren Pyramiden aus Schnee entstanden durch das Ausapern einer alten Lawinenablagerung auf dem Saharastaub vom März (Parsenn, Davos, GR) (Foto: SLF/L. Stephan, 23.04.2022).
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Offene Gletscherspalten waren diesen Winter immer wieder Thema: nicht nur wegen des wenigen Schnees, sondern auch aufgrund der bis auf die Oberfläche kantig aufgebauten und somit nicht tragenden Schneedecke (südliches Eigerjoch, Grindelwald, BE) (Foto: R. Imsand, 22.04.2022).
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Glück gehabt: Ein Skifahrer löste unterhalb des Lauteraarsattels (3124 m, Guttannen, Grindelwald, BE) eine kleine Schneebrettlawine in der Schwachschicht um den Saharastaub, konnte allerdings über den Schrund dem Schneebrett entkommen (Foto: B. Tschümperlin, 22.04.2022).
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Die Galenstock Nordflanke (Gotthardgebiet, VS) war das perfekte Ziel für den Leistungstest des Aspirantenkurses. Oberhalb 3200 m traf man hier durchaus auf eine noch lockere Schneeoberfläche (Foto: A. Schuler, 22.04.2022).
 

Freitag, 22. bis Sonntag, 24. April: Neuschnee im Süden, grosse Lawinengefahr

Am Freitag setzte eine Südstaulage ein, die bis Montag anhielt. Die Schneefallgrenze lag anfänglich bei 2000 m, sank am Samstag auf rund 1400 m und stieg am Sonntag wieder auf 1600 bis 1800 m. Der Schwerpunkt des Niederschlags lag im südlichen Simplongebiet, im Goms an der Grenze zu Italien, im Bedrettotal und in den Maggiatälern. Dort fielen oberhalb von etwa 2200 m stellenweise bis zu 100 cm Schnee (siehe Abbildung 1). In der Nacht von Samstag auf Sonntag war der Niederschlag sehr intensiv, es wurden in 12 Stunden bis zu 50 cm Schnee registriert.

 

Dieser Schnee fiel im Süden vielerorts auf aperen Boden und war dadurch wenig kritisch für die Lawinengefahr. Insbesondere die Südhänge waren vor dem Schneefall bis ins Hochgebirge schneefrei. An Nordhängen lag noch Schnee oberhalb von rund 2000 m. In der Höhe wurde der Schneefall von mässigem Südwind begleitet und es bildeten sich mittlere Triebschneeansammlungen.

Die Lawinengefahr wurde am Sonntag in den Hauptniederschlagsgebieten im Süden mit gross (Stufe 4) eingeschätzt (Abb. 2).

 

Ob die Gefahrenstufe 4 erreicht worden war, war auch in der Retrospektive schwierig zu beurteilen. Eine grosse Lawine wurde am Sonntag im südlichen Goms (siehe Bildgalerie) beobachtet, welche als Bestätigung für die kritische Situation aufgefasst werden kann. Insgesamt war die Lawinenaktivität aber klein und es wurden vor allem feuchte Lockerschneelawinen beobachtet. Aus den Höhenlagen, wo trockene Schneebrettlawinen zu erwarten gewesen wären – nordseitig oberhalb von rund 2400 m – lagen dem SLF aber kaum Rückmeldungen vor.

 

Montag, 25. und Dienstag, 26. April: Schnee im Norden mit Anstieg der Lawinengefahr in der Höhe

Ab Sonntag drehte der Wind auf West bis Nordwest und im Norden setzte verbreitet Schneefall ein. Die Schneefallgrenze lag dabei zwischen 1400 und 1800 m. Im Westen endete der Schneefall am Dienstagvormittag, im Nordosten in der Nacht auf Mittwoch. In der Höhe blies ein mässiger bis starker West- bis Nordwestwind und verfrachtete den Schnee (Abb. 3 und 4).

 

Mittwoch, 27. und Donnerstag, 28. April: Sonne pur, Abnahme der Lawinengefahr, im Hochgebirge aber nur langsam

In der Nacht auf Mittwoch zogen die Wolken nach Osten ab und so gab es in der Folge zwei wolkenlose Tage. Die Gefahr von trockenen Lawinen nahm zwar langsam ab, aber vor allem an Nordhängen in der Höhe war noch Vorsicht geboten. Am Mittwoch gab es verschiedene Rückmeldungen vom nördlichen Alpenkamm, welche auf die Lawinengefahr hinwiesen:

«…heute im Gebiet Wildhorn beim Spuren ab 2900m mehrmalige Wummgeräusche…» (Rückmeldung einer Tourenfahrerin aus dem Gebiet Wildhorn, BE)

«Zwei spurende Bergsteiger haben in einer markanten Verwehung ein Brett ausgelöst, welches in der Sturzbahn weitere Triebschneeansammlungen mitgerissen hat. So wurde die Lawine gross und hat die Aufstiegsspur von der Winterlücke zum Skidepot auf dem NO Grat verschüttet.» (Rückmeldung eines Tourenfahrers vom Flüela Wisshorn, GR, vgl. Abbildung 5)

«Brett losgetreten bei Abfahrt. Sind auf ca. 3800 m umgekehrt auf der Aufstiegsroute wegen Triebschnee in Westflanke.» (Rückmeldung einer Tourenfahrerin aus dem Aletschgebiet, VS)

 

Andere Meldungen ebenfalls vom Mittwoch deuteten dagegen eher auf die günstige Entwicklung der Lawinensituation hin:

«Rückgang der Lawinengefahr, heute wurde erneut alles verfahren, bisher keine Auslösungen im frischen Triebschnee gesehen.» (SLF-Beobachter vom Titlis, OW)

«Frische TSA stabil. Keine Alarmzeichen. Am Morgen noch mässiger Westwind.» (Bergführer und SLF-Beobachter aus dem Sustengebiet, BE).

 

Lawinenunfälle

In der aktuellen Wochenberichtsperiode wurden sieben durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet (Abbildung 6). Sie waren alle an den Neuschnee gekoppelt, es gab keine Brüche tiefer in der Altschneedecke.

 

Am Mittwoch wurde bei einer Lawine am Gwächtenhorn (Sustengebiet, BE) eine Person erfasst und ganz verschüttet (Abbildung 7).

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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