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Wochenbericht 21. - 27. Januar 2022

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Kurzer Unterbruch der allgemein recht günstigen Lawinensituation in der zweiten Januarhälfte

Mit etwas Neuschnee im Nordosten und verbreitet starkem Nordwind entstanden störanfällige  Triebschneeansammlungen. Sie waren die Hauptgefahr zu Beginn der Berichtswoche und die Lawinengefahr war verbreitet «mässig». Einige kleine und mittlere Lawinen wurden durch Personen ausgelöst. Im Wallis ereignete sich am Freitag ein tödlicher Lawinenunfall. Im weiteren Verlauf nahm die Lawinengefahr ab. Die Schneehöhen waren verbreitet unterdurchschnittlich. Am zentralen Alpensüdhang war die Schneearmut weiterhin ausserordentlich.

 
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Besonders anfangs der Berichtswoche hat der starke Nordwind die Schneeoberfläche an windausgesetzten Rücken und Kämmen erodiert. So bildeten sich diese Zastrugi (Lauterbrunnen, BE), als der Wind (im Bild von links nach rechts) über den Schnee fegte (Foto: SLF/E. Hafner, 25.01.2022).
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Fast schon wie ein patagonischer «rime mushroom» wirkt dieser verreifte Felsvorsprung am Gipfel des Gletscherducans (3019 m, Davos, GR): Solche Verreifungen entstehen, wenn unterkühlte Wassertröpfchen auf sehr kalte Oberflächen geblasen werden und dort rapide anfrieren (Foto: L. Brouet, 23.01.2022) …
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… so hat der starke Wind in Kombination mit der feuchten Warmfront am Wochenende nicht nur Felswände mit Reif «angezuckert», sondern auch an der Schneeoberfläche seine Spuren hinterlassen (Piz Laviner, 3137 m, Bever, GR) (Foto: U. Fliri, 23.01.2022).
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Auch dieser Stacheldraht wurde während des schwachen Warmfrontniederschlags im Osten am Samstag, 22.01., kunstvoll verreift (Piet, 1965 m, Unteriberg, SZ) (Foto: P. Fähndrich, 23.01.2022).
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Am Rossfirngletscher (3078 m) in Wassen (UR) bearbeitete der Wind ebenfalls die anfangs weiche Schneeoberfläche und hinterliess dabei bizarre Strukturen (Foto: T. Schneidt, 26.01.2022).
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In windgeschützten Stellen hingegen (Surrein, Tujetsch, GR) bildete sich vielerorts Oberflächenreif (Foto: A. Schuler, 26.01.2022). Dieser entsteht, wenn in klaren Nächten mit guter Abstrahlung die Luftfeuchte an der kalten Schneeoberfläche resublimiert.
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Nach den schwachen Schneefällen im Norden und Osten wurden vereinzelt Lawinen aus dem Steilgelände gemeldet. An den schattigen Nordhängen unterhalb des Glatten bzw. Rau Stöckli (Unterschächen, UR) wurde diese kleine Schneebrettlawine ausgelöst. Oben rechts im Bild ist ein weiterer Lawinenanriss zu erkennen (Foto: A. Huber, 21.01.2022).
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Am Nordhang des Wuosthorns (2681 m, Davos, GR) löste eine Person eine Schneebrettlawine aus. Sie riss am Übergang des Triebschnees zur alten Schneeoberfläche an (Anrissmächtigkeit ca. 35 cm) und wurde mittelgross. Glücklicherweise wurde die Person nur teilverschüttet und konnte sich selbst (unverletzt) aus der Lawine befreien (Foto: L. Bernet, 23.01.2022).
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In dieser Berichtswoche wurden nur zwei Gleitschneelawinen gemeldet. Diese löste sich am Osthang unterhalb der Mättlenstöck (2807 m, Glarus Süd, GL) und war recht gross. Sie brach nachmittags auf rund 2400 m an (Foto: D. Hauser, 24.01.2022), und …
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… und stiess bis auf 2080 m vor (Foto: D. Hauser, 24.01.2022).
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Die für den Hochwinter günstige Lawinensituation lockte viele Skifahrer in steiles Gelände, in welches man sich oft erst im Frühling wagt. Die steilen Hänge des Piz Dado (2698 m, Breil/Brigels, GR) waren mit frischen Skispuren übersät (Foto: L. Bapst, 23.01.2022).
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Im Süden lag für die Jahreszeit ausserordentlich wenig Schnee, Sonnenhänge waren weitgehend aper (Cima dell'Uomo, Bellinzona, TI). Vermutlich führte eine Inversionswetterlage zu der Dunstglocke über dem Lago Maggiore (links im Bild) (Foto: G. Valenti, 23.01.2022).
 

Wetter

Zu Beginn dieser Berichtswoche war es winterlich kalt, mit der Nullgradgrenze verbreitet unter 1000 m. Schnee fiel bis in tiefe Lagen. Bereits am Sonntag stieg bei viel Sonnenschein in den Bergen die Nullgradgrenze dann wieder deutlich an, im Westen zeitweise bis auf 2700 m, sonst lag  sie zwischen 2000 und 2500 m (Abbildung 1).

 

Freitag, 21. bis Samstag, 22. Januar: Neuschnee im Nordosten und verbreitet starker Nordwind

Von Donnerstag, 20. Januar bis Samstag, 22. Januar war es im Norden und Osten bewölkt und es fiel etwas Schnee bis in tiefe Lagen. Mit bis rund 30 cm kam am meisten Schnee in den Glarner Alpen zusammen (Abbildung 2). Der Wind blies in der Höhe stark, zeitweise auch stürmisch aus Nord. Im Jura und an den Voralpen blies eine starke Bise und im Süden starker Nordföhn. Es wurde Neu- und Altschnee verfrachtet (Abbildung 3).

 

Sonntag, 23. bis Donnerstag, 27. Januar: In den Bergen sonnig und mild

Ab Sonntag war wieder «oben blau, unten grau» angesagt, mit milden Temperaturen in den Bergen und meist sehr guter Fernsicht (Abbildung 8 und Bildstrecke). Der Wind wehte meist schwach bis mässig aus nördlichen Richtungen.

 

Schneedecke, Lawinen und Lawinengefahr

Bereits ab Donnerstag, 20. Januar und bis in die Nacht auf Sonntag verfrachtete der starke Nordwind den Neuschnee. Zudem wurde in allen Gebieten auch der lockere Altschnee, der besonders an Schattenhängen vorhanden war, verfrachtet (Abbildung 3). Der frische Triebschnee lag an windgeschützten West-, Nord- und Osthängen auf einer kantig aufgebauten Schicht oder, in winderodierten Kammlagen, teils auch direkt auf der Regenkruste von Ende Dezember. Die Triebschneeansammlungen waren stellenweise leicht auslösbar (Abbildung 4 und Bildstrecke). Die Lawinen wurden innerhalb des Neu- und Triebschnees oder am Übergang zur Altschneeoberfläche ausgelöst und waren klein bis mittelgross (Abbildung 9). Die Lawinengefahr war verbreitet «mässig» (Stufe 2), Triebschnee war die Hauptgefahr.

 

Im Laufe der Berichtswoche nahm die Lawinengefahr ab und war von Dienstag bis Donnerstag in allen Gebieten «gering», Stufe 1. Einerseits stabilisierten sich die Triebschneeansammlungen vom Wochenende, andererseits war die Altschneedecke seit dem Regen und der Wärme von Ende Dezember 2021 bis anhin kaum störanfällig (Abbildungen 5 und 6). Somit war in dieser Phase kein Lawinenproblem massgeblich. Solche Situationen werden im Lawinenbulletin mit «kein ausgeprägtes Lawinenproblem» bezeichnet.

Die allgemein günstige Lawinensituation herrschte am Ende dieser Berichtswoche nicht nur in der Schweiz, sondern auch in fast allen angrenzenden Regionen der Nachbarländer (Abbildung 7). Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass solch günstige Lawinensituationen im Hochwinter gar nicht so selten sind: in der Schweiz war dies zuletzt in den Wintern 2007/08, 2008/09, und 2010/11 der Fall (vgl. Winterberichte).

 

Die Schneeoberfläche war am Donnerstag, 27. Januar an Schattenhängen kantig aufgebaut und locker und es bildete sich zudem Oberflächenreif (Bildstrecke). Diese Schneeoberfläche war eine ungünstige Unterlage für die kommenden Schneefälle. An Südhängen war die Schneeoberfläche vielerorts verkrustet und rau.

Zudem gab es auch Schwachschichten innerhalb der Schneedecke. Wie in Abbildung 6 exemplarisch gezeigt, waren in der Altschneedecke allerlei sehr weiche, stark aufgebaute Schichten oder Tiefenreif im Wechsel mit Schmelzharschkrusten vorhanden. Die aufbauende Umwandlung schritt auch in dieser Woche weiter voran. In den schneeärmeren Gebieten und allgemein an schneearmen Stellen musste davon ausgegangen werden, dass bei Schneefällen Lawinen auch Teile der Altschneedecke mitreissen könnten.

 

Unterdurchschnittliche Schneehöhen in allen Gebieten

Die Schneehöhen waren am 27. Januar in allen Regionen und Höhenlagen der Schweizer Alpen für die Jahreszeit unterdurchschnittlich. Im Süden waren sie stark unterdurchschnittlich und am zentralen Alpensüdhang war die Schneearmut nach wie vor ausserordentlich (Abbildung 8, Bericht Vorwoche).

 

Lawinenunfälle

In dieser Berichtswoche wurden elf Lawinen gemeldet, die durch Personen ausgelöst wurden (Abbildung 9). Darunter waren drei Unfälle mit jeweils einer erfassten Person. Eine Person war ganz verschüttet und erlag ihren schweren Verletzungen.

 

Es war der zweite Lawinenunfall mit Todesfolge in diesem Winter. Im 20-jährigen Durchschnitt sind die Unfall- und Opferzahlen um diese Jahreszeit deutlich höher als diesen Winter (durchschnittlich 74 erfasste Personen vs. 35 erfasste Personen bisher in diesem Winter; durchschnittlich 8 Lawinenopfer vs. 2 Lawinenopfer bisher in diesem Winter).

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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