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Wochenbericht 16. - 23. Dezember 2021

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Schwacher Altschnee in den inneralpinen Gebieten

Oben blau, unten grau – und das fast zehn Tage lang. Mit dem ruhigen Wetter nahm die Lawinengefahr kontinuierlich ab. Am Alpennordhang ging die Gefahr vor allem noch von Gleitschneelawinen aus, in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens dominierte die schwache Altschneedecke die Lawinensituation. Besonders in diesen Gebieten wurden einige, teils grosse Lawinen durch Personen ausgelöst. Bei einem Lawinenunfall verstarb leider eine Person.

 
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Diese Lawine wurde bei der Abfahrt vom Ratoser Stei (Furna, GR) auf einer Höhe von 2435 m in mässig steilem Gelände fernausgelöst. Der Bruch erfolgte im bodennahen Altschnee und breitete sich über ca. 400 m dem Grat entlang aus. (Foto: U. Adank, 16.12.2021)
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Diese mehrere hundert Meter breite Lawine brach im Altschnee an. Das genaue Abgangsdatum der Lawine ist unbekannt, es war vermutlich in der Zeit zwischen dem 12. und 17.12.2021 (Chessi, 2500 m, Davos, GR). (Foto: SLF/K. Winkler, 20.12.2021)
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Anriss einer Schneebrettlawine an der Nordflanke des Ful Berg (2320 m, Trimmis, GR). Die Mächtigkeit des Lawinenanrisses betrug bis zu 1,20 m. (Foto: A. Senn, 19.12.2021)
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Fernausgelöste Lawine am Osthang des Wissgrätli (2720 m, Vals, GR). Der Anriss war 40 m breit und rund 30 cm mächtig. Auch diese Lawine war im Altschnee angebrochen. (Foto: R. Tschuor, 19.12.2021)
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Eine Skitouren-Gruppe unmittelbar unterhalb des Gipfels des Patraflon (1912 m, Val-de-Charmey, FR). Noch sieht man nichts von der Gleitschneelawine, welche am nächsten Tag im Bereich der roten Linie abging (Foto: F. Thalmann, 19.12.2021)…
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…gleiche Stelle, 30 Stunden später. Wo gestern noch Tourengeher aufgestiegen waren, hat sich eine "kalte" Gleitschneelawine gelöst. Das Bild wurde wenige Minuten nach dem Lawinenabgang gemacht (Foto: F. Thalmann, 20.12.2021).
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Besonders an sonnigen Hängen zeigten sich Gleitschneerisse, so auch hier unterhalb des Cape au Moine (1600 m, Haut-Intyamon, FR). (Foto: J. Heintz, 20.12.2021)
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Langsam kriecht die Schneedecke das Dach hinab… (1200 m, Grindelwald, BE). (Foto: A. Balmer, 17.12.2021)
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Während kalten, klaren Nächten bildete sich vielerorts Oberflächenreif in facettenreichen Formen. Hier ein Bild aus dem Oberwallis (Eischoll, VS)... (Foto: H. Amacker, 22.12.2021)
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…ähnlich grosse Oberflächenreif-Kristalle wurden im Rheinwaldgebiet (GR) beobachtet… (Foto: A. Stella, 18.12.2021)
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…und auch im Landwassertal (Davos, GR). Diese waren fast fünf cm gross. (Foto: SLF/D. Liechti, 22.12.2021)
 

Wetterrückblick

Das von einem Hochdruckgebiet bestimmte Wetter dieser Wochenberichtsperiode ist schnell zusammengefasst: in den Bergen war es nach klaren Nächten tagsüber jeweils sonnig. Der Wind blies zeitweise mässig bis stark aus verschiedenen Richtungen, wodurch kleine Triebschneeansammlungen entstanden. Markant - und ungewöhnlich für die Jahreszeit - war, dass die Nullgradgrenze während mehrerer Tage bei 3000 m lag (Abb. 1). An schattigen Hängen merkte man aber kaum etwas von den milden Temperaturen. Hier wurden selbst an diesen Tagen Temperaturen an der Schneeoberfläche von -10°C und kälter gemessen.

 

Entwicklung der Lawinensituation

Die Lawinensituation war geprägt von einem langsamen Rückgang der Lawinengefahr. Zwei Lawinenprobleme bestimmten die letzten acht Tage:

  • Gleitschneelawinen – vor allem am Alpennordhang
  • Schwacher Altschnee – vor allem im südlichen Wallis sowie in Graubünden

Gleitschnee war zunächst noch das hauptsächliche Lawinenproblem am Alpennordhang. Allerdings hatte die Aktivität von Gleitschneelawinen bereits während der sonnigen und sehr milden Tage (beschrieben im letzten Wochenbericht) ihre Spitze erreicht, als sich an Südhängen unterhalb von 2400 m zahlreiche kleine und mittlere, selten auch grosse Gleitschneelawinen gelöst hatten. Die Anzahl der gemeldeten Gleitschneelawinen nahm jeden Tag weiter ab. Zum einen weil viele Hänge bereits entladen waren – wie bspw. die Bilder der Webcam auf der Axalp ob Brienz (BE) zeigen (Abbildung 2), zum anderen auch weil die Temperaturen wieder etwas zurückgingen. Zuletzt wurden nur noch sehr vereinzelt Abgänge von Gleitschneelawinen gemeldet.

 

Schwacher Altschnee bestimmte die Lawinengefahr im südlichen Wallis und in grossen Teilen Graubündens, wo die Lawinengefahr bis zum 18.12. noch als Erheblich (Stufe 3) eingeschätzt wurde. Allerdings wurden Alarmzeichen – wie Wummgeräusche und Rissbildungen – auch in diesen Gebieten immer seltener beobachtet. Auch Stabilitätstests brachen zunehmend bei höheren Stufen, deuteten aber weiterhin auf eine sehr gute Bruchausbreitung in der fast überall existierenden, tief in der Schneedecke verborgenen Schwachschicht hin (Abbildung 3 und 4 [Video]). Diese Beobachtungen deuteten an, dass zwar die Stellen, an denen ein Bruch in einer Schwachschicht durch das Gewicht einer Person erzeugt werden konnte, abnahmen, dass sich aber Brüche weiterhin über grosse Distanzen ausbreiten konnten. Die Folge waren mittlere, vereinzelt sogar grosse Lawinenauslösungen, ohne dass vorher Alarmzeichen beobachtet wurden (Abbildungen 5 und 6). Auch Fernauslösungen wurden gemeldet. All dies sind Kennzeichen eines ausgeprägten Altschneeproblems.

 
 

Abb. 4 (Video): Schneeprofil und Rutschblock-Versuch, aufgenommen neben einer am Vortag durch eine Person ausgelösten Lawine in einem Westhang auf 2800 m. Der Rutschblock – eine Mini-Lawine – brach beim ersten Sprung, was bereits einer etwas höheren Belastung entspricht, dann aber als ganzer Block, was auf eine gute Bruchausbreitung schliessen lässt (Älplihorn, Davos; Video: SLF/L. Dürr, 20.12.2021).

 
 
 

Mehr als zehn Tage ohne Niederschlag, mit grosser Abstrahlung in schattigen Lagen, hinterliessen ihre Spuren: die Schneedecke gefror zunehmend aus, so dass sich grosse kantige Kristalle bildeten. Dies hatte zur Folge, dass man teils wieder tief in die Schneedecke einsank (Abbildung 7). Im Tessin, wo es zuletzt am 9. Dezember geschneit hatte, war  die Schneehöhe unterdurchschnittlich. Südhänge waren dort vielerorts wieder schneefrei (Abbildung 8).

 
 

Lawinenunfälle und Suchaktionen

In den acht Tagen zwischen dem 16. und 23.12. wurden 7 Lawinen gemeldet, bei welchen 8 Personen mitgerissen wurden; oberhalb von Zermatt verstarb ein Variantenfahrer infolge eines Lawinenabgangs (17.12.). Soweit dies bekannt war, handelte es sich ausschliesslich um Lawinen, welche im schwachen Altschnee angebrochen waren.

Am 21.12. ereignete sich am Galtiberg (ausserhalb des Skigebietes am Titlis, OW) auf 2700 m ein sehr grosser Lawinenabgang, ausgelöst vermutlich infolge einer Gletscherbewegung (Abbildung 9). Die Lawine war mehrere Hundert Meter breit und fast 3 km lang. Die gesamte Schneedecke löste sich. Da der Lawinenabgang in einem nach Schneefällen vielbefahrenen Variantengebiet geschah, wurde umgehend eine Kontrollsuche eingeleitet und von der Polizei abgeklärt, ob Personen vermisst wurden. Glücklicherweise hatte sich niemand im Einzugsgebiet dieser Lawine befunden.

 

Lawine beobachtet oder ausgelöst? Wummgeräusch wahrgenommen? Oder die Lawinensituation anders eingeschätzt als von uns prognostiziert?

Rückmeldungen zur Lawinensituation sind immer erwünscht. Am einfachsten geht dies über die SLF-App White Risk oder über unsere Webseite (Abbildung 10). Sehr gern mit Foto, damit wir uns ein besseres Bild der Situation vor Ort machen können. Diese Informationen fliessen in die tägliche Überprüfung unserer Prognose mit ein. Trifft die Rückmeldung noch vor 17 Uhr ein, so kann sie - zusammen mit anderen Rückmeldungen - für das aktuelle Lawinenbulletin mit in die Beurteilung einbezogen werden. Aber auch später sind die Informationen noch sehr wichtig. Bilder verwenden wir gern zur Illustration des Wochenberichtes, sofern diese nicht vertraulich sind.

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Gefahrenentwicklung

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