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Wochenbericht 14. - 20. Januar 2022

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Schwache Profile – günstige Lawinensituation

„Nach klarer Nacht ist es tagsüber sonnig“ – dieser Satz fand sich mehrfach in den letzten Lawinenbulletins. Die Woche war aber nicht nur geprägt von vielen Sonnenstunden, sondern auch von einer günstigen Lawinensituation.

 
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Die Lawinensituation entwickelte sich diese Woche äusserst günstig. So wurde vielerorts, wie auch hier im Gebiet rund um das Schwarzhoren (2927m, Grindelwald, BE), zunehmend steiles Gelände begangen… (Foto: SLF/Dürr; 14.01.2022).
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…und in schönen, platzsparenden Schwüngen Süd-Westflanken befahren (Foto: U. Tischhauser, 15.01.2022).
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Auch im Sarganserland (Bad Ragaz, SG) wurden steile Couloirs begangen (Foto: R. Grischott, 15.01.2022).
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Die steile Nordseite unterhalb der Bocchetta di Vespero (2614 m, Airolo, TI) war ebenfalls stabil genug für erste Schwünge. Auf der Alpensüdseite liegt jedoch deutlich weniger Schnee als im Norden (Foto: G. Valenti, 15.01.2022).
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Trotz breiter Hänge kein Platz mehr für neue Spuren: Die beliebten Skihänge der Stotzigen Firsten (2750-2800m) wurden diese Woche sehr stark «genutzt» (Realp, UR) (Foto: M. Casella, 14.01.2022).
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Die Abfahrt vom Poncione Val Piana (2659m, Bedretto, TI) liess so manches Skifahrer*innenherz höher schlagen. Auch bei allgemein günstigen Bedingungen ist es sinnvoll, steile Partien einzeln zu befahren (Foto: T. Schneidt, 13.01.2022).
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Auch am Chalbersäntis (Schwende, AI) waren die Bedingungen am 15.01.2022 gut. Die lockere Schneeoberfläche – von einem gebundenen Schneebrett war nur wenig spürbar – ermöglichte ein paar herrliche Schwünge (Foto: P. Diener, 15.01.2022).
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Der Regen von Ende Dezember hat seine Spuren hinterlassen. Dringt Wasser in die Schneedecke ein, bilden sich Abflusskanäle, welche dann bei einer Abkühlung wieder zu Eis gefrieren. Solche «Eiszapfen» innerhalb der Schneedecke waren nicht nur im Profil auf der Alp Flix – Tgeps (2480 m, Surses, GR) zu finden. Ob solch wiedergefrorene Abflusskanäle eine stabilisierende Wirkung auf die Schneedecke ausüben können, ist nicht bekannt (Foto: SLF/Stucki, 14.01.2022).
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Trotz der günstigen Bedingungen konnten ganz vereinzelt kleine Lawinen ausgelöst werden. Diese brachen meist in der Schwachschicht rund um die Regenkruste von Ende Dezember. Hier auf der Mäschenfurgga (2583 m, Bergün Filisur, GR) war die Schneedecke feucht und ermöglichte keine grossflächige Bruchausbreitung mehr (Foto: SLF/Estermann, 14.01.2022).
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Vier Skifahrer hatten bereits ihre Schwünge in den Hang gezeichnet, als der fünfte diese kleine Schneebrettlawine auslöste (Orsières, VS). Auch hier war die Schneedecke angefeuchtet, der Bruch breitete sich nur lokal aus und die Lawine kam noch innerhalb des Hangs zum Stillstand (Foto: T. Lainé, 16.01.2022).
 

Beständiges Hoch

Das bereits zum Ende des letzten Wochenberichtes erwähnte Hochdruckgebiet erwies sich als langlebig. In den Alpen zeigte sich dies mit wiederholt maximalen Sonnenstunden (Abb. 1).

 

Anfangs kletterten die Temperaturen nach oben. Am Samstag, 15.01. wurde es auf der Alpensüdseite mit Nordwind frühlingshafte 10 Grad warm. Am Sonntag, 16.01. begann das Hoch zu schwächeln und eine schwache Kaltfront konnte über die Schweiz ziehen. Diese führte zu einer deutlichen Abkühlung; die Nullgradgrenze sank von 3000 auf 1000 m (Abb. 2). Viel Niederschlag brachte diese Kaltfront aber nicht. Es blieb bei einigen Schneeflocken in der Nacht auf Montag im Osten. Dienstag und Mittwoch, 18./19.01. waren dann bereits wieder sehr sonnig. In der Nacht auf Donnerstag, 20.01. beendete eine weitere Kaltfront die ausgeprägte Schönwetterperiode. In den östlichsten Berner Alpen, am zentralen und östlichen Alpennordhang und in Nordbünden fielen 5 bis 15 cm Schnee.

 

Schneedecke und Lawinensituation

 

Schwache Profile – wenige Lawinenauslösungen

Die Schneedecke änderte sich gegenüber der letzten Wochenberichtsperiode nur wenig. Nach wie vor waren Schwachschichten im Bereich der Regenkruste von Ende Dezember vorhanden. Stabilitätstests (Rutschblöcke und ECT's) brachen weiterhin in diesen Schichten, teils auch bei tiefer, zunehmend aber bei mittlerer bis hoher Belastung (Abb. 3). Zusätzlich zeigten die Schneeprofile vom zentralen Wallis über das nördliche Tessin bis nach Graubünden auch tiefer in der Schneedecke Schwachschichten. All das war keine klassische Ausgangslage für einen Rückgang auf Gefahrenstufe 1.

 

Ein ganz anderes, viel positiveres Bild zeigten die Lawinenauslösungen: Über die gesamte Wochenberichtsperiode wurden nur einzelne, durch Personen ausgelöste Lawinen registriert (Abb. 4). Kaum Lawinen in Kombination mit vielen günstigen Rückmeldungen aus dem Gelände führten dazu, dass von Sonntag, 16.01. bis Mittwoch 19.01. in der ganzen Schweiz die Lawinen Stufe 1 – gering prognostiziert wurde.

 

Vermutlich haben zwei Einflüsse massgeblich zur günstigen Situation beigetragen:

  • Die Schichten oberhalb der Kruste wurden zunehmend kantig aufgebaut und verloren damit an Fähigkeit, einen Bruch auszubreiten.
  • Die Regenkruste verteilte die Belastung eines Wintersportlers auf eine grössere Fläche. Damit wurde die Zusatzbelastung pro Fläche darunter so klein, dass sie kaum noch für einen Bruch unterhalb der Kruste reichte.
 

«Geringe» Lawinengefahr mitten im Winter

In der ganzen Schweiz geringe Lawinengefahr im Hochwinter und erst noch genügend Schnee für Skitouren – eine seltene Angelegenheit. Das letzte Mal herrschte eine vergleichbare Lawinensituation Mitte Januar 2020. Auch zum Jahreswechsel 2015/16 und 2016/17 war die Lawinengefahr verbreitet gering gewesen, damals lag aber so wenig Schnee, dass Skitouren kaum möglich waren. Im Februar 2011 war die Lawinengefahr ebenfalls über mehrere Tage in allen Gebieten gering. Damals war die Schneehöhenverteilung gerade umgekehrt; im Norden lag klar unterdurchschnittlich viel Schnee, während die Tourenverhältnisse im Süden sehr gut waren.

 

Schneeoberfläche und Triebschnee

Die Schneeoberfläche zeigte sich sehr variabel: Von windgeprägt und hart bis hin zu pulvrig war diese Woche alles vorhanden. Die Bildung von Triebschnee war trotz teils starkem Wind eingeschränkt, weil nach früheren Windperioden mittlerweile nur noch wenig verfrachtbarer Schnee vorhanden war. Durch die aufbauende Schneeumwandlung war zwar besonders in kammfernen Hängen zunehmend lockerer Schnee vorhanden, aber an diesen Stellen war der Wind meist wenig stark, so dass nur lokal Schnee verfrachtet werden konnte. Mit der Kaltfront und dem Neuschnee zum Berichtsende hin akzentuierte sich das Triebschneeproblem wieder. Der Triebschnee wurde auf eine lockere Schneeoberfläche abgelagert und war damit instabil.

 

Trotz der aktuell meist günstigen Situation bildet die Schneedecke keine gute Ausgangslage für den nächsten grossen Schneefall: Die aufgebaute Schneeoberfläche und vielerorts Oberflächenreif (Abb. 5) haben das Potential typische Schwachschichten zu werden.

 

Rekordwenig Schnee im Süden

Das Hochdruckwetter hatte auch Folgen auf die Schneehöhen: Das westliche Tessin und das Simplongebiet wiesen unterhalb 2000 m teilweise so wenig Schnee auf wie zu dieser Jahreszeit noch nie seit Messbeginn (Abb. 6).

 

Am 19. Januar zeigten die Stationen Bosco Gurin (1515 m, TI, seit 1951) mit 1 cm und Robièi (1890 m, TI, seit 1966) mit 5 cm neue Minima für Mitte Januar. An der Station Robièi liegen an diesem Tag im langjährigen Mittel 134 cm, im Maximum sogar 275 cm Schnee (Abb. 7).

 

Die Station Simplon Hospiz (2000 m, VS, seit 1956) egalisiert mit 29 cm das bisherige Minimum für Mitte Januar aus dem Jahre 1993. An den höher gelegenen automatischen Stationen dieser Region (Schneehöhen ca. 50 cm) waren Mitte Januar einige wenige Winter der letzten 25 Jahre noch schneeärmer.

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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