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Wochenbericht 07. - 13. Januar 2022

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Pulverfreuden im Norden, wandern im Süden

Während sich Schneesportler im Norden über Neuschnee freuen durften, blieb es im Süden meist trocken und schneearm. Die Lawinengefahr ging vor allem vom Neu- und Triebschnee aus. Auf der Regenkruste von Ende Dezember hatte sich zudem eine Schwachschicht gebildet, die für einige Lawinenauslösungen verantwortlich war.

 
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Vielerorts hatte sich zwischen der Regenkruste von letzter Woche und dem Neuschnee eine dünne Schwachschicht gebildet. In dieser Schwachschicht ist hier, am Fulenberg (2336 m, Hasliberg, BE), eine Schneebrettlawine ausgelöst worden (Foto: M. Zobrist/SOS Hasliberg, 11.01.2022).
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Windfahnen am Chummerhubbel verdeckten am 08.01.2022 den Blick auf die Amselflue (2768 m, Davos, GR) (Foto: M. Marty).
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Wie ein rauchender Vulkan ragte das Bietschhorn (3934 m, Raron, VS) in den Himmel empor: Allerdings handelte es sich hier nicht um eine Rauchfahne, sondern um vom Wind verfrachteten Schnee (Foto: A. Kehl, 12.01.2022).
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Wieder einmal zeigt sich die Natur von ihrer künstlerischen Seite. Geradezu perfekt fügte sich diese zarte Schneewechte am Camaner Grat (Safiental, GR) in die Landschaft (Foto: P. Spreiter, 11.01.2022).
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Zwischen dem 08. und 10.01.2022 riss am Gross Bielenhorn (im Bild links) diese Schneebrettlawine im vergletscherten Gelände auf 3100 m an (Realp, UR). Ihre Ablagerung reichte bis zum darunter liegenden Gletschersee auf 2500 m (Foto: E. Probst, 11.01.2022).
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Auch hier, unterhalb des Becca Miedzo (2785 m, Val de Bagnes, VS), löste sich in der Schwachschicht zwischen Neuschnee und Regenkruste eine Schneebrettlawine. Der Abgangszeitpunkt lag zwischen dem 10. und 11.01.2022 (Foto: L. Troillet, 11.01.2022).
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Während eines Böschungstests löste sich auf etwa 2600 m diese Triebschneeansammlung in Bellwald, VS. Das Schneebrett wies dabei eine Mächtigkeit von 35-40 cm auf (Foto: M. Stephan, 12.01.2022).
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Oberhalb vom Skigebiet Rothwald (Ried-Brig, VS) wurde diese Schneebrettlawine auf 2350 m aus einer Distanz von ca. 60 m fernausgelöst. Auch hier hatte sich zwischen der Regenkruste der Altjahreswoche und dem Neuschnee eine ausgeprägte Schwachschicht gebildet (Foto: F. Umbricht, 11.01.2022).
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Diese malerische Winterlandschaft findet man im Berner Jura (La Cornette,1494 m, Villeret, BE), wo Wind aus Osten den Schnee in wind-abgewandte Lee-Hänge verfrachtete (Foto: V. Berret, 11.01.2022).
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Der Schneefall dieser Woche brachte innerhalb von zwei Tagen fast 50 cm Schnee und schmückte die Bäume in Breil/Brigels, GR (Foto: L. Bapst, 10.01.2022). Der winterliche Wald stand ganz im Kontrast zu…
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…den unterdurchschnittlichen Schneehöhen an den Südhängen oberhalb von Airolo, TI (Foto: A. Rocchi, 07.01.2022).
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Während diese Woche grosse Teile der Schweiz ein winterliches Kleid bekamen, blieb dem Süden neuerlich der Neuschnee verwehrt. Südhänge des Pizzo Molare (2585 m, Acquarossa, TI) (Foto: F. Vanza).
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Wenig Schnee ist allerdings nicht gleichzusetzen mit einem günstigen Schneedeckenaufbau. Die Schneedecke im Süden ist aufbauend umgewandelt und besteht zum Teil aus kantigen Körnern und Becherkristallen, wie hier im Bild (Campo, Acquarossa, TI; Foto: F. Vanza, 08.01.2022).
 

Wetter

 

Temperatur:

Nach dem sehr milden Jahresende und -anfang, war es in der ersten Hälfte der Berichtsperiode fast schon ungewohnt kalt. Die Nullgradgrenze (Abb. 1) lag grösstenteils unter 1000 m. Doch bereits ab Dienstag, 11. Januar stieg die Temperatur wieder an und die Nullgradgrenze kletterte bis am Donnerstag wieder auf über 2000 m.

 

Freitag, 7. Januar – Montag, 10. Januar: Schneefall im Norden

Am Freitag und Samstag war das Wetter wechselhaft mit teils starkem Westwind. Es fiel aber erst wenig Schnee. In der Nacht auf Sonntag setzte im Norden verbreitet Schneefall ein, der bis am Montagmorgen anhielt. Dabei blies erneut ein starker bis stürmischer Westwind. Im Osten gab es auch tagsüber noch Schneeschauer, während der Himmel im Wallis bereits strahlend blau war. Im Westen und im Norden fielen in dieser Phase verbreitet 30 bis 50 cm Schnee, lokal gab es bis zu 70 cm. (Abb. 2). Auch im Jura kehrte der Winter zurück (Abb. 3), nachdem dort während der vergangenen Wärmeperiode beinahe der gesamte Schnee geschmolzen war. In Nordbünden fiel nur wenig Schnee, während es im mittleren und südlichen Tessin, sowie im Engadin meist ganz trocken blieb.

 

Dienstag, 11. Januar bis Donnerstag, 13. Januar: stabiles Hochdruckwetter

Ab Dienstag installierte sich ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über der Schweiz und brachte in den Bergen wolkenloses Traumwetter. Am Dienstag und Mittwoch blies eine starke, im Jura teils sogar stürmische Bise und auch in der Höhe gab es teils starken Nordostwind.

 

Schneedecke und Lawinengefahr

 

Neu- und Triebschnee

Die Berichtsperiode begann mit einer recht günstigen Lawinensituation und mässiger Lawinengefahr (Stufe 2). Regen und Wärme der Altjahreswoche hatten im Westen und Norden eine mächtige Kruste hinterlassen, welche die Altschneedecke in diesen Gebieten stabilisierte.

Mit dem Neuschnee und dem starken Westwind stieg am Wochenende die Lawinengefahr an. In den neuschneereichen Gebieten wurde vor erheblicher Gefahr (Stufe 3) gewarnt. Trotz der beachtlichen Neuschneemenge wurden dem Lawinenwarndienst verhältnismässig wenig Lawinen gemeldet. Zudem waren diese häufig nur klein bis mittelgross (Lawinengrösse 1 bis 2). Durch die tiefen Temperaturen war der Neuschnee trotz Wind häufig locker und relativ ungebunden geblieben.

Anfang der Woche wurde mit starker Bise und in der Höhe Nordostwind der immer noch lockere Neuschnee intensiv verfrachtet (Abb. 4).

 

Abb. 4: Video der Schneeverfrachtung durch starken Nordostwind am Dienstag, 11.01. auf 2552 m in der Nähe vom Col du Bel Oiseau (Salvan, VS). (Foto: J.L. Lugon)

 

Ab Mittwoch stabilisierten sich Neu- und Triebschnee zunehmend und die Lawinengefahr wurde nur noch als mässig (Stufe 2) eingeschätzt.

 

Schwachschichten im Bereich der Regenkruste von Dezember

Im Laufe der Woche begann sich der Schnee vielerorts direkt oberhalb der Dezemberregenkruste aufbauend umzuwandeln und es bildete sich teils eine Schwachschicht. Es wurden einige Personenauslösungen in dieser Schwachschicht gemeldet. Zum Teil wurden die Lawinen auch fern ausgelöst, was auf eine flächige Verbreitung der Schwachschicht hindeutet.

Es passiert immer wieder, dass sich rund um Krusten Schwachschichten bilden. Dieses Phänomen war auch letztes Jahr, als sich oberhalb einer Schmelzharschkruste mit Saharasand eine Schwachschicht gebildet hatte, gut zu beobachten (siehe auch Wochenbericht 26. - 31. März 2021). Lawinen, bei denen durch den Lawinenabgang eine gut erkennbare Kruste freigelegt wird, werden dem Lawinenwarndienst oft als Gleitschneelawinen gemeldet. Die Vorstellung ist, dass der Schnee auf der Kruste abgleitet. Dies ist jedoch ein Irrglaube. Lawinen, wie in Abb. 5, sind Schneebrettlawinen. Sie können entstehen, wenn eine Schneeschicht durch das Kollabieren einer darunterliegenden Schwachschicht in einem mehr als 30° steilen Hang abrutscht. Bei Gleitschneelawinen ist hingegen keine Schwachschicht im Spiel. Dort gleitet die gesamte Schneedecke auf dem Boden (Gras oder glatte Felsplatten) ab. Dieses Abrutschen passiert nicht auf einer Kruste, auch wenn diese sehr glatt ist.

 

Tiefes Altschneeproblem nur noch schwach ausgeprägt

Im zentralen Wallis und in Graubünden wurde während der gesamten Berichtsperiode weiterhin vor schwachem Altschnee tief in der Schneedecke gewarnt. Es wurden allerdings keine Lawinenauslösungen in diesen Schichten gemeldet. Der schwache Altschnee war also vermutlich deutlich weniger störanfällig als angenommen. Zudem war er bis in hohe Lagen von der Regenkruste überlagert, die ein Durchdringen bis in den schwachen Altschnee erschwerte. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass der frühwinterliche Altschnee im Laufe des Winters nochmals zum Thema wird.

 

Wenig Schnee im Süden

Während man nach dem Schneefall in den nördlichen Teilen der Schweiz wunderschöne Pulverabfahrten geniessen konnte, waren im Süden zum Teil Wanderschuhe das passendere Sportgerät (Abb. 6). Die Schneehöhen waren vom Simplongebiet über das Tessin bis in die Bündner Südtäler für die Jahreszeit stark unterdurchschnittlich (Abb. 7). Nennenswerten Niederschlag hatte es im mittleren und südlichen Tessin zuletzt am 12. Dezember gegeben.

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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