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Wochenbericht 22. - 28. Januar 2021

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Weitere ergiebige Schneefälle, grosse und sehr grosse Lawinengefahr (Stufe 4 und 5)

Wie schon in der Woche zuvor, war die Lawinensituation auch in dieser Berichtswoche für Schneesport abseits der Pisten in vielen Gebieten kritisch, dies auch im Süden. Es wurden erneut sehr viele Lawinen durch Personen ausgelöst. Mit intensiven Niederschlägen, Sturm in der Höhe und einem markanten Anstieg der Schneefallgrenze betraf die Gefährdung am Ende dieser Berichtswoche im Westen und Norden zunehmend auch exponierte Verkehrswege und Gebäude. Die Lawinengefahr erreichte am Donnerstag, 28. Januar verbreitet die Stufe 4 (gross) und gebietsweise die Stufe 5 (sehr gross).

 
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Intensiver Schneefall und Anstieg der Schneefallgrenze auf 1500 bis 2000 m führten zu einer akuten Lawinensituation am Ende dieser Berichtswoche. Rekordschneehöhen wurden auch im Goms registriert (Geschinen, VS. Foto: R. Imsand, 28.01.2021). Doch nun der Reihe nach durch eine sehr dynamische Woche…
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Während es im Süden der Schweiz am Freitag (22. Januar) schon schneite, lagen die vom Wind bearbeiteten Churfirsten, hier Chäserrugg und Gamserrugg (Wildhaus, SG) noch in der Sonne (Foto: P. Diener, 22.01.2021).
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Im Wallis blies am Samstag meist mässiger Wind aus westlichen Richtungen, der den lockeren Schnee über die Kämme in die Osthänge verfrachtete. (Foto: D. Wicki, 23.01.2021).
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Die frischen Triebschneeansammlungen waren zum Teil leicht auslösbar, wie hier auf knapp 2500 m am Col de Brinta im Val d’Anniviers, VS (Foto: D. Wicki, 23.01.2021).
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Mit dem Ende des Niederschlages im Süden zog es am Samstag viele Wintersportler in die Berge. Es wurden viele spontane und durch Personen ausgelöste Lawinenabgänge verzeichnet, beispielsweise hier in im Tessin Richtung Sella di Ör Languosa (Faido) (Foto: L. Silvanti, 23.01.2021).
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Während der Niederschlagspause am Sonntag war vor allem im Wallis und in Graubünden das hartnäckige Altschneeproblem deutlich erkennbar. Diese Schneebrettlawine wurde im Gebiet Le Tsaté, (Evolène, VS) aufgenommen. (Foto: A. Gnaegi, 24.01.2021).
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Auch im Engadin waren Schwachschichten im Altschnee nach wie vor störanfällig. Lawinen, wie hier die Schneebrettlawine bei der Alp Secha oberhalb des Lej Suot (Silvaplana, GR) rissen bis in tiefe Schichten an (Foto: M. Graf, 24.01.2021).
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Derweil folgte auf den Niederschlag im Süden dann der Nordwind: vor allem am Sonntag blies er kräftig und sorgte für Windfahnen an den Bergkämmen, wie hier im Tessin am Grat des Pizzo di Cadrèigh (2510 m, Blenio) (Foto: F. Vanza, 24.01.2021).
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So wurde der Neuschnee der letzten Niederschlagsperiode bald wieder verfrachtet und die Schneeoberfläche war von Windspuren gezeichnet, wie hier am Monte Bar (1816 m, Capriasca, TI) (Foto: M. Müller, 24.01.2021).
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Kein leichter Winter für die Gämsen: viel Schnee erschwert den Wildtieren die Nahrungssuche sowie die Fortbewegung. Ohne Rückzugsmöglichkeiten in ungestörte Ruhezonen wird jeder Tag von Neuem zum Überlebenskampf (Foto: SLF/Th. Stucki, 24.01.2021).
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Spontane Lawinen, die im Triebschnee anrissen, wie im Gebiet Piz Curvér (2730m, Surses, GR) waren in den inneralpinen Gebieten häufig zu beobachten (Foto: SLF/Th. Stucki, 24.01.2021).
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Nach dem zweiten Niederschlagsereignis dieser Berichtswoche waren oberflächennahe Schneebrettlawinen wieder häufiger: auch in kleinen Hängen konnten Wintersportler Lawinen auslösen, zum Beispiel auf der Lauchernalp (Wiler, VS) (Foto: M. Marty, 26.01.2021).
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Feuchte Ablagerung einer sehr grossen Lawine im Unterwallis, die am Grand Chavalard (Fully) in der Nacht auf Donnerstag, 28. Januar anriss und bis ins Tal vorstiess (Foto: M. Derivaz, 28.01.2021).
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Diese Lawine im Trient (VS) löste sich spontan unterhalb der Waldgrenze in der vom Regen durchfeuchteten Schneedecke und floss bis in den Talboden (Foto: J.-L. Lugon, 28.01.2021).
 

Wetter

Freitag, 22.01. bis Samstag, 23.01.: Neuschnee im Süden und Westen, Südwind im Norden
In der Nacht auf Freitag fiel im Westen und Süden Schnee. Tagsüber war es kurzzeitig aufgehellt, aber bereits am Nachmittag setzte am Alpensüdhang und im Jura erneut Schneefall ein, der sich in der Nacht auf Samstag intensivierte. Die Schneefallgrenze lag zunächst zwischen 1000 und 1500 m und sank in der Nacht auf Samstag in tiefe Lagen. Insgesamt fielen von Mittwochnachmittag, 20.01. bis Samstagmorgen, 23.01. in hohen Lagen am Alpensüdhang sowie am Alpenhauptkamm vom San Bernardino bis zum Berninapass verbreitet 40 bis 70 cm, lokal bis 90 cm Schnee. In den Freiburger und Waadtländer Alpen sowie im nördlichen  und westlichsten Unterwallis fielen 20 bis 40 cm Schnee, sonst weniger (Abbildung 2).

 

Am Samstag war es im Westen teils sonnig, sonst meist bewölkt. Am Nachmittag setzte von Westen erneut Schneefall ein. Zunächst blies der Südwind im Norden noch mässig bis stark, in der Nacht auf Samstag drehte er auf Nordwesten, im Süden endete der Niederschlag und der Nordwestwind frischte in der Höhe auf und blies mässig bis stark, im Norden aus West (Abbildung 3).

 

Sonntag, 24.01. bis Dienstag, 26.01.: Neuschnee im Westen und Norden, Nordwind und Sonne im Süden
In der Nacht auf Sonntag fiel noch etwas Schnee, besonders im Westen. Tagsüber war es verbreitet sonnig, im Osten teils bewölkt. Nach dieser Niederschlagspause setzte am Sonntagabend im Westen und Norden wieder Schneefall bis in tiefe Lagen ein. Das führte am Montagmorgen zu einigen Verkehrsbehinderungen im Mittelland. Am Montag war der Niederschlag tagsüber schauerartig und es gab auch einzelne  Aufhellungen. In der Nacht auf Dienstag fiel vor allem von den östlichen Berner Alpen bis Nordbünden Schnee bis in tiefe Lagen. Die Niederschlagsmengen im Norden waren sehr variabel. Insgesamt fielen verbreitet fielen 20 bis 40 cm, gebietsweise 40 bis 60 cm und lokal bis zu 80 cm Schnee (Abbildung 4). Am Alpensüdhang blieb es weitgehend trocken und sonnig. Der Wind blies in der Höhe zeitweise mässig bis stark aus West bis Nordwest.

 

Am Dienstag war es im Westen und Süden meist sonnig. Im Osten war es meist bewölkt mit letzten Schneeflocken am Vormittag und zögerlichen Aufhellungen gegen Abend.

 

Mittwoch, 27. bis Donnerstag, 28. Januar: Neuschnee im Westen und Norden, markanter Anstieg der Schneefallgrenze

Nach der Niederschlagspause am Dienstag setzte in der Nacht auf Mittwoch aus Westen wieder Schneefall ein. Dies war der Beginn einer intensiven viertägigen Nordwestlage. Die Niederschläge intensivierten sich in der Nacht auf Donnerstag und waren gebietsweise ergiebiger als erwartet. Die Schneefallgrenze lag am Mittwoch noch in tiefen Lagen und stieg am Donnerstag im Westen auf 2000 m, im Osten auf 1500 bis 1800 m, in den inneren Alpentälern und im Süden auf 1200 bis 1500 m an.  Der Wind blies im Norden mässig bis stark, im Süden schwach bis mässig aus westlichen Richtungen. Am Donnerstag blies er im Norden in der Höhe stark bis stürmisch aus West bis Nordwest.
Das Niederschlagsereignis hält voraussichtlich noch bis am Samstag, 30. Januar an. Eine Zwischenbilanz der Niederschlagsmengen von Dienstagabend bis Donnerstagmorgen ist in Abbildung 5 dargestellt.

 

Schneedecke und Lawinensituation

Im Verlauf dieser dynamischen Berichtswoche kamen alle Lawinensituationen vor:
Mit Neuschnee und starkem Wind aus wechselnden Richtungen (Abbildung 3) entstanden über die ganze Woche hinweg verbreitet kleine bis mittlere, teils auch grosse Triebschneeansammlungen, Letzteres besonders in der Nacht auf Donnerstag, 28. Januar (Abbildung 6).

 

Der Altschnee war besonders am westlichen Alpennordhang, im Wallis und in Graubünden in hohen Lagen ungünstig. In diesen Regionen befand sich im unteren und mittleren Bereich der Schneedecke an allen Expositionen eine ausgeprägte Schwachschicht. Am zentralen und östlichen Alpennordhang war diese Schwachschicht ebenfalls stellenweise noch vorhanden, aber meist mächtig überlagert und damit durch Personen kaum noch auslösbar. Am Alpensüdhang war der Schneedeckenaufbau allgemein günstiger, hier waren vor allem die oberflächennahen Schneeschichten störanfällig. Mit der Durchfeuchtung der Schneedecke durch Regen am Ende dieser Berichtwoche gingen in tiefen und mittleren Lagen vermehrt Nass- und Gleitschneelawinen nieder.

Im Folgenden ist die Entwicklung der Lawinensituation in den drei Niederschlagsperioden beschrieben:
Im Süden wurde der Neuschnee der ersten Niederschlagsperiode dieser Woche (Abbildung 2) in der Höhe verfrachtet. In mittleren Lagen lagerte der Neu- und Triebschnee auf einer teils verkrusteten Altschneeoberfläche. Die Spitze der Lawinenaktivität wurde im Süden am Ende der Niederschläge, in der Nacht von Freitag auf Samstag, 23. Januar erreicht. Am Alpensüdhang (Abbildungen 7 und 8) sowie im Oberengadin und südlich davon gingen einige spontane Lawinen nieder, vereinzelt auch noch am Sonntag, 24. Januar.

 

Im Oberengadin und im Münstertal rissen Lawinen auch in tieferen Schichten der Altschneedecke an. Im Nachhinein betrachtet war die Gefahrenstufe 4 (gross) in Teilen des östlichen Alpenhauptkammes nicht nur in der Nacht auf Samstag, sondern auch tagsüber erreicht.

Der Neu- und Triebschnee der zweiten Niederschlagsperiode dieser Woche (Abbildung 4) waren im Westen und Norden störanfällig, besonders aber im Wallis und am westlichen Alpennordhang. Am Wochenende, 23./24. Januar wurden viele Lawinen durch Personen ausgelöst oder gingen teils spontan ab (Abbildung 9). Die Lawinen rissen teils auch im schwachen Altschnee an. Am Montag, 25. Januar wurden im nördlichen Wallis zwischen Ovronnaz und dem Lötschental auch einzelne, sehr grosse spontane Lawinen beobachtet.

 

Mit dem Beginn der dritten Niederschlagsperiode dieser Woche (Abbildung 5) stieg die Lawinengefahr verbreitet markant an. Im Verlauf vom Mittwoch, 27. Januar wurde am nördlichen Alpenkamm sowie im südlichen Wallis die Stufe 4 (gross) erreicht. Für Donnerstag, 28. Januar wurde die Lawinengefahr im Westen und Norden verbreitet mit der Stufe 4 (gross) prognostiziert. In der Höhe entstanden umfangreiche Triebschneeansammlungen. Mit der grossen Überlast des Neu- und Triebschnees rissen Lawinen vermehrt im Altschnee an und wurden sehr gross. Zudem wurde mit dem Regen in tiefen und mittleren Lagen die Schneedecke geschwächt und es lösten sich auch vermehrt Nass- und Gleitschneelawinen.
Gebietsweise waren die Niederschläge in der Nacht auf Donnerstag ergiebiger als erwartet. In den östlichen Berner Alpen und im nördlichen Wallis wurden bis zum Donnerstagmorgen bereits sehr grosse und vereinzelt auch extrem grosse Lawinen beobachtet bzw. von den automatischen Detektionssystemen erfasst. Mit den am Donnerstag erwarteten, weiterhin teils sehr intensiven Niederschlägen und dem aufkommenden Sturm in der Höhe stieg die Lawinengefahr am Donnerstag weiter an. Am Donnerstagvormittag, 28. Januar wurde ein neues (unangekündigtes) Lawinenbulletin herausgegeben, in dem die Lawinengefahr in den Gebieten vom Lötschental über das Goms bis zu den Urner Alpen von der Stufe 4 (gross) auf die Stufe 5 (sehr gross) sowie gebietsweise im nördlichen Tessin von der Stufe 3 (erheblich) auf die Stufe 4 (gross) erhöht wurde (Abbildung 10).

 
 

Schneehöhen Ende Januar

Die Schneehöhen auf 2000 m betrugen am 28. Januar 2021 verbreitet 1 bis 2 m, in den östlichen Berner und Zentralschweizer Alpen sowie gebietsweise am östlichen Alpennordhang bis 3 m. Sie waren für die Jahreszeit verbreitet überdurchschnittlich bis stark überdurchschnittlich. An vielen langjährigen Stationen in mittleren Lagen (Messreihen länger als 50 Jahre) in Mittel- und Südbünden sowie an einzelnen Stationen im Gotthardgebiet und in der Zentralschweiz wurden Schneehöhenrekorde bzw. Fast-Schneehöhenrekorde für den 28. Januar registriert (Abbildung 11).

 

Lawinenunfälle und Lawinen mit Sachschäden

Vor allem zu Beginn dieser Berichtswoche wurden viele Lawinen durch Personen ausgelöst. Grosse und vereinzelt sehr grosse Lawinen, die im Altschnee anrissen, wurden vor allem im zentralen Unterwallis und im Engadin beobachtet (Abbildung 12).

 

Bei insgesamt 18 gemeldeten Lawinenunfällen  wurden 21 Personen erfasst und vier Personen waren ganz verschüttet. Am 23. Januar verunglückte an der Pointe de Champ Ferret (Nendaz, VS) eine Person tödlich.
Am Donnerstag, 28. Januar wurden bereits am Morgen einzelne Sachschäden durch sehr grosse Lawinen gemeldet. Im weiteren Tagesverlauf gingen weitere sehr grosse und einzelne extrem grosse Lawinen nieder. Ein Überblick über die Lawinenaktivität und das Schadensausmass ist erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

 

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Gefahrenentwicklung

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