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Wochenbericht 19. - 25. März 2021

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Altschnee- und Triebschneeproblem: viele Lawinenunfälle

In dieser Wochenberichtsperiode waren viele Lawinenunfälle zu beklagen. Sechs Personen starben in Lawinen. Inneralpin brachen die Lawinen meist im Altschnee an. Teilweise war aber auch der Triebschnee, welcher mit der Bise entstand, das Hauptproblem. Am Alpennord- und am Alpensüdhang und allgemein an Sonnenhängen entwickelte sich die Situation aber im Wochenverlauf günstig.

 
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Die beiden zentralen Lawinenprobleme dieser Woche waren Triebschnee und Altschnee. Das Schneebrett löste sich bei Ettria auf ca. 2200 m auf der Nordseite des Ärnergale (2483 m, Ernen, VS) (Foto: P. Darbellay, 19.3.2021).
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Erneut war die Schneedecke vielerorts instabil. Dieser Riss im Val Prüna (La Punt Chamues-ch, GR) weist auf die Gefahr von Schneebrettlawinen hin. Glücklicherweise vermochte das Schneebrett nicht abzugleiten (Foto: A. Schuler, 19.3.2021).
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Dieses Schneebrett am Mittelgrat bei Pischa (Davos, GR) wurde durch den Sturz eines Snowboarders ausgelöst. Glücklicherweise kam niemand zu schaden. Das Schneebrett mit einer Mächtigkeit von ca. 50 cm glitt im Bereich der Saharastaubschicht ab (Foto: L. Meier, 20.3.2021).
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Am Freitagabend kam eine starke Bise auf, welche bis Montag anhielt. An Gipfeln und Kämmen wie hier an der Cima die Toroi (2666 m, Blenio, TI) konnten vielerorts Windfahnen beobachtet werden, während sich im Tal der Schnee schon verabschiedet hat (Foto: S. Binda, 20.3.2021).
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Diese Schneefahne konnte am Dachberg (2851 m, Vals, GR) beobachtet werden (Foto: U. Berni, 20.3.2021).
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Die starke Bise gestaltete die Schneeoberfläche kunstvoll wie hier am Breithornpass (3334, Simplon, VS) … (Foto: SLF/A. Beilstein, 21.3.2021)
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… oder führte zu kunstvollen Dünen, Wächten und Verwehungen wie hier am Wannenhorn (1942 m, BE) (Foto: U. Grundisch, 19.3.2021).
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Aus der ganzen Schweiz trafen Fotos von Schneebrettlawinen ein. Viele davon sind auf ein Altschnee- bzw. Triebschneeproblem zurückzuführen. Das Schneebrett auf dem Bild ging am Bella Lui (2548 m, Crans-Montana, VS) ab (Foto: V. Bettler, 20.3.2021).
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Am Fil da Rueun (2349 m, Ilanz/Glion, GR) ging am Samstag dieses Schneebrett ab (Foto: P. Cavigelli, 21.3.2021).
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Im Val Casinello (Bedretto, TI) ging ein Schneebrett unterhalb einer felsdurchsetzten Flanke ab (Foto: S. Bernhard, 21.3.2021).
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Am Piz Viroula (3061 m, Zuoz, GR) führte eine Mischung aus Triebschnee und einer schwachen Altschneeschicht ebenfalls zu einem Lawinenabgang mit beachtlicher Grösse. Im Hintergrund ist der Piz Kesch (3418 m, Bergün Filisur, GR) zu sehen (Foto: R. Rieder, 24.3.2021).
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Auch zur Entstehung von Raueis trägt der Wind bei: Unterkühlte Wassertröpfchen werden an kalte Gegenstände geblasen und gefrieren dort an. Dies führt zu den typischen Eisbärten, welche gegen den Wind wachsen wie sie hier an einem Hag am Leist (2223 m, Flums, SG) (Foto: R. Bärtsch, 23.3.2021).
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120 m langer, natürlicher Eistunnel unter dem Arollagletscher (VS). Der Tunnel wurde mit Triebschnee gefüllt, so dass man sgar mit Ski durchfahren konnte (Foto: S. Lugon, 25.03.2021).
 

Wetterentwicklung

 

Freitag, 19. bis Montag, 22. März: Im Nordosten noch etwas Schnee, Bise, im Westen und Süden bereits viel Sonne

Nach dem Wintereinbruch der letzten Wochenberichtsperiode zeigte sich in dieser Periode wieder oft die Sonne. Im Nordosten wurde diese aber vorerst noch verdeckt. Anhaltende Feuchtezufuhr führte weiterhin zu einem schwachen Nordstau, welcher sich in einer zähen Bewölkung und etwas Neuschnee (Abbildung 1) zeigte.

 

Ein anderes Bild zeigte sich derweil im Westen und Süden: dort schien mehrheitlich die Sonne (Abbildung 2).

 

Nach einer Phase mit wenig Wind, kam am Freitagabend eine starke Bise auf, welche bis Montag anhielt. Diese war in der Höhe markant, aber auch in den westlichen Voralpen und im Jura.

 

Dienstag, 23. bis Donnerstag, 25. März: Viel Sonne

Die Sonne schien meist fast ungetrübt vom Himmel. Auf 2000 m lagen die Temperaturen um 0 °C und der Wind blies schwach bis mässig aus nördlichen Richtungen.

 

Altschneeproblem

Während sich in der vergangen Wochenberichtsperiode eher wenig Anzeichen für Altschneebrüche zeigten, nahmen Brüche in tieferen Schichten der Schneedecke in dieser Wochenberichtsperiode deutlich zu. Verschiedene Schwachschichten spielten dabei eine Rolle:

  • Vor den erwähnten Schneefällen war die Schneeoberfläche teilweise aufbauend umgewandelt mit kantigen Körnern. Diese schwache Altschneeoberfläche dürfte vor allem an Nordhängen und an windgeschützteren Stellen verbreitet gewesen sein (siehe Video unten). Teils gab es an der Altschneeoberfläche auch Schwachschichten rund um Krusten.
  • Über der Kruste mit dem Saharastaub bildete sich eine Schwachschichten (Abbildung 3).
  • Vereinzelt brachen Lawinen auch bis in den bodennahen Altschnee, der bereits im Frühwinter aufbauend umgewandelt wurde, durch (Abbildung 4).
 

Video: Lawinenauslösung im oberen Leidbachtal (Nordwesthang, 2800 m, Davos, GR) am 23. März: Die Lawine brach am Übergang zum Altschnee an. Ein Schneeprofil, welches am Folgetag am Anriss erstellt wurde, zeigte aufbauend umgewandelte Schichten an der Altschneeoberfläche.

 

Im oberen Anrissbereich lag zudem Triebschnee, wie in der Nahaufnahme gut ersichtlich ist.

Der mitgerissene Snowboarder wurde ganz verschüttet. Er konnte aber von seinen Kameraden rasch geborgen werden und kam mit dem Schrecken davon.

 

Das Video oben zeigt den Rutschblock, welcher zum oben beschriebenen Profil gehört.

 

Einmal mehr zeigte sich leider auch, wie gefährlich Lawinenauslösungen im Altschnee sind. In dieser Wochenberichtsperiode kamen bei fünf Lawinenunfällen sechs Personen ums Leben. Soweit bis dahin bekannt, brachen die meisten dieser Lawinen im Altschnee an (Tabelle 1).

ZeitpunktKantonOrtHöheExpoAktivitätgestorbenSchwachschicht
20.03.2021VSHérémence2570NVariante1Altschnee, mitten in der Schneedecke
21.03.2021VSAyent2600SETour1unbekannt
21.03.2021VSMont-Noble2450NNWVariante1Kombination Triebschnee, Altschnee
23.03.2021VSAnniviers3460WTour1Altschnee, über der Kruste mit dem Saharastaub
23.03.2021URAndermatt2100NEVariante2Altschnee, an der Oberfläche vor dem Schneefall
 

Tab. 1: Tödliche Lawinenunfälle von dieser Wochenberichtsperiode und mutmassliche Schwachschichten.

 

Triebschneeproblem

Mit der Bise wurde ab dem Freitag Schnee verfrachtet. Ausgeprägt war dies einerseits in der Höhe, anderseits aber auch in den westlichen Voralpen und im Jura, wo noch viel lockerer und damit verfrachtbarer Schnee lag. Vor allem am Samstag und Sonntag wurden Lawinenauslösungen im frischen Triebschnee gemeldet (Abbildung 5).

 

In der Folge nahm die Auslösebereitschaft der Triebschneeansammlungen langsam ab.

 

Lawinengefahr

Am Freitag, 19. März war die Lawinengefahr noch verbreitet erheblich und dies verbreitet auch in allen Expositionen. In der Folge nahm die Lawinengefahr vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang und auch im Süden ab. Am zentralen und östlichen Alpennordhang war die Überdeckung des schwachen Altschneeoberfläche mit 1.5 bis 2 m Neuschnee so mächtig, dass kaum mehr Lawinen in dieser Schwachschicht ausgelöst werden konnten. Am westlichen Alpennordhang blieb die Lawinengefahr mit der Bise vorerst noch erheblich, nahm dann im Wochenverlauf aber auch ab. In den inneralpinen Gebieten blieb die Lawinengefahr im Zusammenhang mit Altschneeproblem bis zum Ende dieser Wochenberichtsperiode erheblich, wobei die Gefahrenstellen vor allem an Nordhängen oberhalb von 2000 bis 2400 m zu finden waren.

 

Personenlawinen und Unfälle

In dieser Wochenberichtsperiode wurden sehr viele Lawinen durch Personen ausgelöst (Abbildung 6).

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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