Navigation mit Access Keys

Wochenbericht 01. - 12. Dezember 2019

Hauptinhalt

 

Gestern noch pulvrige Schneeoberfläche, heute relevante Schwachschicht

Eine einwöchige Schönwetterphase führte nicht nur zu einer mehrheitlich günstigen Lawinensituation. Gleichzeitig bildete sich vielerorts an windgeschützten Hängen eine ungünstige Oberfläche. Dann folgte der Schnee. Die alte Oberfläche wurde zur relevanten Schwachschicht für Lawinenauslösungen.

Besonders im Süden, wo bereits im November viel Schnee fiel, lösten sich einzelne Gleitschneelawinen (Bildgalerie).

 
Bild 1 von 12
Bildstrecke/Foto 1: Anrisse von leicht eingeschneiten Gleitschneelawinen an der Westflanke des Il Madone (2756 m, Bedretto, TI) (Foto: L. Silvanti, 07.12.2019).
Bild 2 von 12
Gute Tourenbedingungen herrschten in weiten Teilen der Schweiz vom 3. bis 8. Dezember, hier im westlichen Wallis auf dem Plan des Marais (1900 m, Salvan, VS). Im Hintergrund mit Blick Richtung Col de Fenestral (2450 m) sind einige feuchte Lockerschneerutsche vom Vortag zu sehen (Foto: J.-L. Lugon, 04.12.2019).
Bild 3 von 12
Auch im Osten waren Touren trotz etwas weniger Schnee möglich, wie hier im Haupter Tälli (2200 m, Davos, GR). Zu sehen ist die Nordseite des Strela (2636 m) (Foto: SLF/S. Ziegler, 03.12.2019).
Bild 4 von 12
Stellenweise war die Schneedecke allerdings noch recht dünn. Die obersten 10 cm waren durch die längere Strahlungsperiode pulvrig aufgebaut, wie hier im Aufstieg zum Gfroren Horn auf 2400 m im Sertigtal (Davos, GR) (Foto: SLF/E. Hafner, 07.12.2019).
Bild 5 von 12
Die Teilnehmer des diesjährigen Kurses für SLF-Beobachter und Lawinendienste konnten einen Ausbildungstag bei strahlend schönem Wetter im Skigebiet Torrent (Leukerbad, VS) verbringen (Foto: SLF/L. Dürr, 10.12.2019).
Bild 6 von 12
Dabei fehlte auch der kritische Blick in die Schneedecke mit einem Schneeprofil nicht (Foto: SLF/L. Dürr, 10.12.2019).
Bild 7 von 12
Der Rutschblock verlangte vollen Einsatz des Klassenlehrers (Foto: J.-L. Lugon, 10.12.2019).
Bild 8 von 12
SLF-Beobachter machen zwei Mal pro Monat ein Schneeprofil. Diese fliessen ins Lawinenbulletin ein und eine Auswahl ist auf der SLF-Homepage einsehbar. Links oben im Bild wird gerade ein Schneeprofil erstellt (Foggenhorn, 2500 m, Blatten, VS). Daneben ist eine frische Gleitschneelawine zu sehen (Foto: P. Schwitter, 05.12.2019).
Bild 9 von 12
Gleitschneelawinen gab es auch im Val Ferret (VS) auf der Südwestseite des Tals (Foto: E. Berclaz, 03.12.2019).
Bild 10 von 12
Mit Neuschnee und Wind entstanden am Montag, 09. Dezember, in der Höhe leicht auslösbare Triebschneeansammlungen. Diese gingen teils auch spontan ab, wie hier auf der Gandegg (2717 m, Wiler, VS) (Foto: B. Riederer, 10.12.2019).
Bild 11 von 12
Der frische Triebschnee konnte teils leicht ausgelöst werden, wie hier durch einen Tourenfahrer am Marscholhorn (GR). Die Person wurde nicht erfasst. Die Abfahrtsspur ist links der Lawine sichtbar (2500 m, E) (Foto: H. Bannwart, 10.12.2019).
Bild 12 von 12
Der Oberflächenreif nahm im Jura besonders schöne Formen an (Amburnex, VD) (Foto: J.-P. Wagnières, 06.12.2019).
 

Wetter und Lawinen

 

Sonntag, 1. und Montag, 2. Dezember: Schneefall im Westen und Süden

Ganz im Westen, am Alpensüdhang und in Graubünden schneite es zeitweise. Die Neuschneemengen blieben aber mit 10 bis 20 cm auch in diesen Gebieten eher gering (Abb. 1). Nur ganz im Westen fiel bis 30 cm Schnee. Im Norden blies der Südföhn stark und es blieb trocken. In der Höhe wurde teils noch lockerer Schnee verfrachtet. In den Föhngebieten war der Einfluss des starken Windes nicht übersehbar: windausgesetzte Stellen waren abgeblasen (Abb. 2), Triebschnee lag vor allem in Rinnen und Mulden, und war teils leicht auslösbar (Abb. 3).

 
 
 

Dienstag, 3. bis Sonntag, 8. Dezember: Mehrheitlich günstige Lawinensituation

Es war meist sonnig. Der Wind wechselte mehrfach Richtung und Stärke. Er blies am Dienstag, 3. Dezember stark aus Nordost, am Donnerstag, 5. Dezember stark aus Süd und drehte am Freitag auf West. Mit Temperaturen zwischen 0°C und +6 °C auf 2000 m war es recht mild.

In der Nacht auf Samstag, 7. Dezember, fielen im Norden ein paar Schneeflocken. Am Wochenende war es meist sonnig. Der Wind blies am Alpennordhang und in der Höhe stark aus Südwest bis West. Lokal entstanden erneut kleine Triebschneeansammlungen.

Während der Schönwetterphase wandelte sich die Schneeoberfläche um: bestand sie zu Monatsbeginn verbreitet aus lockerem Neuschnee (Abb. 4a), so war sie rund eine Woche später an windgeschützten West-, Nord- und Osthängen aufbauend umgewandelt, aber immer noch locker (Abb. 4b). In Tallagen wurde grosser Oberflächenreif beobachtet, an Südhängen hatte sich eine Schmelzharschkruste gebildet.  

 
Bild 1 von 2
Abb. 4a: Beschaffenheit der Schneeoberfläche, gemeldet von den SLF-Beobachtern. Am 30.11. war die Oberfläche locker (Neuschnee, hellblaue Sterne).
Bild 2 von 2
Abb. 4b: Sechs Tage später, am 6.12. , war die Schneeoberfläche in der Höhe an windgeschützten Hängen vielerorts locker, aber aufbauend umgewandelt (orange Vierecke). In Tallagen hatte sich teils grosser Oberflächenreif gebildet (rote Dreiecke).
 

Die Lawinensituation war mehrheitlich günstig. Lawinenauslösungen durch Personen waren äusserst selten, obwohl teils sehr steile Abfahrten gemacht wurden. Vereinzelt wurden unterhalb von rund 2400 m kleine bis mittlere Gleitschneelawinen gemeldet.

 

Montag, 9. und Dienstag, 10. Dezember: Neu- und Triebschnee werden auf ungünstige Oberfläche abgelagert – verbreitet Anstieg der Lawinengefahr

In der Nacht auf Montag, 9. Dezember setzte im Westen Schneefall ein. Die Schneefallgrenze lag zunächst bei 1500 bis 2000 m, sank am Montag aber bis gegen 1000 m. Bis Dienstagmorgen fiel am Alpennordhang und im Unterwallis 30 bis 50 cm Schnee, begleitet von starkem West- bis Nordwestwind (Abb. 5). Auch der Westen des Juras wurde oberhalb von 1000 m mit viel Schnee versorgt (Abb. 6). Nur ganz im Süden und in den Bündner Südtälern blieb es trocken. Am Dienstag war es recht sonnig.

 
 

War die aufbauend umgewandelte Schneeoberfläche am Sonntag noch ein Vergnügen für Pulverschneeabfahrten, so war sie nun die für Lawinenauslösungen relevante Schwachschicht. Am Dienstag wurden durch die Sicherheitsverantwortlichen in den Skigebieten mit Lawinensprengungen kleine und mittlere Lawinen ausgelöst. Auch einzelne spontane Lawinen und Lawinenauslösungen durch Personen wurden gemeldet (Abb. 7 und 8). Wummgeräusche waren ein klares Anzeichen, dass die Schneedecke instabil war.

 
 

Mittwoch, 11. und Donnerstag, 12. Dezember: Schwacher Schneefall

Am Mittwoch, 11. Dezember war es im Osten zunächst noch sonnig. Von Westen erreichte eine erneute Störung die Schweiz. Diese brachte bis Donnerstagmorgen, 12. Dezember verbreitet 5 bis 10 cm Schnee. Nur in Südbünden und am Alpensüdhang blieb es trocken. 

Die Lawinengefahr änderte kaum. Am Alpennordhang, im Wallis sowie in Nordbünden war sie verbreitet erheblich (Stufe 3), sonst mässig (Stufe 2) oder gering (Stufe 1).

 

Schneedeckenaufbau Mitte Dezember

Am 12. Dezember lag der drei Tage vorher gefallene Neu- und Triebschnee an windgeschützten West-, Nord- und Osthängen auf der aufbauend umgewandelten und lockeren Schwachschicht, welche sich in der einwöchigen, vorgängig beschriebenen Schönwetterphase gebildet hatte (Abb. 9). Darunter war die Schneedecke teils gut verfestigt, teils aber auch weich und aufbauend umgewandelt. Letzteres war besonders in den inneralpinen Gebieten des Wallis der Fall (Abb. 9, Region A). Entlang des Alpenhauptkamms vom Simplongebiet bis ins Berninagebiet, sowie südlich davon, war der Schneedeckenaufbau günstig (Abb. 9, Region B).

 

Lawinenbulletin

Auf den 9. Dezember wurde für den Jura das erste tägliche Lawinenbulletin des Winters 2018/19 publiziert. Am Morgen des 10. Dezember erschien ein unangekündigtes Lawinenbulletin, da es Teilen Nordbündens mehr Schnee gab als erwartet worden war.

 

Lawinenunfälle

Es wurden zwei Lawinen gemeldet, bei welchen Personen mitgerissen wurden: am 1.12. am Silberplatten (2070 m, N; Nesslau/SG) und am 7.12. oberhalb des Simplonpasses (VS; 2130 m, E).

Zudem löste sich in den ersten Dezembertagen eine kleinflächige, aber recht mächtige Triebschneeansammlung oberhalb einer Lawinenverbauung in Vals (GR). Trotz der kleinen Ausmasse und der geringen Sturzhöhe beschädigte die Lawine mehrere Elemente einer Werkreihe (Abb. 10).

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

den nächsten Wochenbericht öffnen