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Wochenbericht 28. Februar - 05. März 2020

Hauptinhalt

 

Winter-Comeback! – Wiederholt Schneefall und Sturm

Die aktuelle Berichtsperiode ging so weiter wie die letzte aufgehört hatte. Es schneite wiederholt und teils intensiv. Die Schneefälle waren begleitet von stürmischen Winden aus wechselnden Richtungen. Ganz im Westen fiel so viel Schnee, dass zeitweise vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt wurde. Der Dienstag, 03.03. war einer der lawinenaktivsten Tage des bisherigen Winters.

 
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In der Nacht auf den Dienstag, 03.03. fiel auf der Alpensüdseite viel Neuschnee. Dieser wurde intensiv durch den Wind verfrachtet. Auf dem Bild sind die grossen Windfahnen am Gazzirola 2115 m (Lugano, TI) zu sehen (Foto: L. Silvanti, 03.03.2020).
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Am Donnerstag, 27.02. und in der Nacht auf den Freitag, 28.02. gab der Winter definitiv sein Comeback oder besser gesagt zeigte er sich gebietsweise zum ersten Mal in diesem Winter auch im Flachland. Blick in das auch im Talboden leicht angezuckerte Rhônetal, aufgenommen unweit des Horlini 2457 m (Guttet-Feschel, VS; Foto: V. Bettler, 28.02.2020).
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Aufgrund des Winter-Comebacks herrschten am Freitag, 28.02. vielerorts schöne Abfahrtsbedingungen. Dies nutzten auch die Skitourengeher auf dem Bild in der Nähe der Tête des Etablons 2415 m (Bagnes, VS; Foto: T. Schneidt, 28.02.2020).
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Was die Huskies hier wohl gerade beobachten? Vielleicht amüsieren sich die zwei gerade an einem Sturz eines Wintersportlers, jedenfalls scheinen auch sie am Winter-Comeback im Flüelatal (Davos, GR) Freude zu haben (Foto: SLF/C. Lucas, 28.02.2020).
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Der Neuschnee bedeutete für die Pisten- und Rettungsdienste umfassende Sicherungsarbeiten von Pisten und Anlagen durch gezielte Lawinensprengungen. Trotz des Windes und den teilweise beachtlichen Neuschneemengen waren die Sprengerfolge meist oberflächlich. Auf dem Bild ist die Südostflanke des Pas de Maimbre 2380 m (Arbaz, VS) im Skigebiet Anzère zu sehen (Foto: E. Morard, 28.02.2020).
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Auf den Wind war in der ganzen Wochenberichtsperiode Verlass – leider. Am Samstag 29.02. wurde der teilweise noch lockere Neuschnee in der Nähe des Gamserrugg 2074 m (Grabs, SG) stark verfrachtet (Foto: P. Diener).
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Ein trauriges Bild – blank gefegte Rücken und Kämme waren beim Anblick des Grand Combin Massivs (Bagnes, VS) zu sehen (Foto: SLF/ M. Marty, 29.02.2020).
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Während dem Aufstieg im Gipfelhang zum Oberalpstock 3328 m (Silenen, UR) sah es zum Glück um einiges winterlicher aus. Aussicht auf den Brunnifirn und die Bündner Berge (Foto: T. Good, 01.03.2020).
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Ein weiterer Prachtstag mit schönem Neuschnee und teilweise guter Sicht gab es am Dienstag, 03.03. (Val de Bagnes, VS; Foto: SLF/ M. Marty).
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Auch in Graubünden sah es nach dem Neuschnee winterlich aus, die Lichterverhältnisse waren im Gegensatz zum Val de Bagnes noch diffus. Der Neuschnee bzw. der frische Triebschnee liess sich bereits mit geringer Zusatzlast auslösen. Dies zeigten zahlreiche durch Personen ausgelöste Rutsche und auch die Sprengerfolge der Sicherungsdienste (Foto: SLF/ C. Lucas, 03.03.2020).
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Oberhalb des Couloir Pesseux (Trient, VS) wurde diese grosse Schneebrettlawine mit einer Helikoptersprengung künstlich ausgelöst. Die Mächtigkeit des Anrisses wird durch den Vergleich des Skistocks (links im Bild) eindrücklich gezeigt. Die Position des Skistocks befindet sich beim roten Pfeil. Eine weitere Lawine ist rechts des Pfeiles zu sehen (Foto: J.-L. Lugon, 03.03.2020).
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Die Herzform dieser von Personen ausgelöste Schneebrettlawine am Gipfelhang des Piz Turettas 2962 m (Val Müstair, GR) ist eine schöne Nebenerscheinung. Bei genauerem Betrachten fällt auf, dass die Lawine wahrscheinlich durch die zweitletzte, abfahrende Person ausgelöst wurde. Vorhanden Spuren in einem Hang führen oftmals zu einem falschen Sicherheitsgefühl (Foto: A. Brun, 04.03.2020).
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Ob wohl die Gleiteigenschaften der Steigfelle auf dem gefrorenen Lai Verd 2703 m (Medel, GR) besser sind als auf der windgeprägten Schneeoberfläche an der im Hintergrund zu sehenden Ostflanke des Piz Vatgira 2982 m (Foto: T. Good, 04.03.2020)?
 

Wetterentwicklung, Schneedecke und Lawinensituation

Eine sturmreiche Woche

Gemäss Meteoschweiz war der Februar regional der stürmischste seit rund 40 Jahren. Ein Bild, das sich auch in dieser Berichtsperiode zeigte. Nur am Dienstag, 02.03. und Mittwoch, 03.03. war es zwischenzeitlich für wenige Stunden meist schwachwindig. Sonst folgte ein Sturm auf den anderen aus wechselnden Richtungen: West, Süd, West, Süd, Nord, kurze Pause, Nord, kurze Pause, West, Südwest.

 

Freitag, 28. Februar: Ende des Schneefalls

Sturmtief Bianca fegte in der Nacht auf Freitag mit stürmischem Westwind über die Schweiz und brachte verbreitet noch 10 bis 20 cm Schnee. In der Nacht liess der Schneefall aus Westen nach und so endete die dreitägige Niederschlagsperiode, die am Dienstag, 25.02. begonnen hatte und nur am Donnerstag, 27.02. kurz pausiert hatte (vgl. letzter Wochenbericht). Während dieser Periode fiel im Westen und Norden verbreitet mehr als 50 cm Neuschnee (Abbildung 1). Tagsüber war es dann recht sonnig, mit nachlassendem Wind. Am Nachmittag zogen aus Westen aber bereits wieder neue Wolken auf.

 

Der Neu- und Triebschnee lag vielerorts auf einer recht günstigen Altschneeoberfläche, die durch Wärme und Wind geprägt und deshalb häufig kompakt war. Insgesamt stabilisierte sich der Neuschnee rasch. Trotz teils beachtlicher Neuschneemengen war die gemeldete spontane Lawinenaktivität verhältnismässig tief und die Sprengerfolge vielerorts dürftig.

 

Samstag, 29. Februar und Sonntag, 01. März: Viel Wind, wenig Neuschnee

Am Samstag, 29.02. war es mit zunehmendem Südwind im Osten und Süden stark bewölkt, im Westen teilweise sonnig. Im Norden war es mit dem Föhn deutlich milder als am Vortag.  Die Nullgradgrenze stieg vorübergehend auf über 2000 m an (Abbildung 2). Mit dem Durchzug einer Kaltfront, fiel in der Nacht auf Sonntag, 01.03. erneut Schnee. Am meisten Neuschnee erhielt wiederum der Westen (Abbildung 3). Dabei blies starker bis stürmischer Westwind.  Tagsüber war es meist sonnig und der Wind liess deutlich nach.

 
 

Am Samstag, 29.02. blieb die Lawinengefahr erheblich. Mit dem Föhn entstanden frische Triebschneeansammlungen. Diese waren aber wenig auslösefreudig oder sie stabilisierten sich sehr schnell und für den Sonntag, 01.03. wurde deshalb verbreitet nur noch vor mässiger Lawinengefahr gewarnt. Ganz anders jedoch die Triebschneeansammlungen, die in der Nacht auf Sonntag, 01.03. mit Neuschnee und Westwind entstanden. Diese waren teilweise sehr störanfällig und es wurden zahlreiche Lawinen von Personen ausgelöst. Lawinen waren aufgrund der eher geringen Neuschneemenge jedoch meist klein. Die Störanfälligkeit dieser Triebschneeansammlungen war der Grund, dass im Morgenbulletin am Sonntagmorgen, die Gefahrenstufe 3 gegen Osten ausgebreitet wurde. Auch diese Triebschneeansammlungen stabilisierten sich in der Folge rasch.

 

Montag, 02. März und Dienstag, 03. März: Schneefall in der ganzen Schweiz

Mit starkem bis stürmischem Wind aus wechselnden Richtungen schneite es in der Nacht auf Montag, 02.03. zunächst vor allem im Westen, tagsüber dann auch am Alpensüdhang. In der Nacht auf Dienstag, 03.03. schneite es auch im Norden intensiv. Tagsüber nahmen Wind und Niederschlag deutlich ab. Insgesamt fiel im Westen und Süden verbreitet rund ein halber Meter Schnee, lokal bis zu 80 cm (Abbildung 4).

 

Wegen dem Neuschnee und dem Wind wurde für den Dienstag, 03.03. in den gesamten Schweizer Alpen und auch im westlichen Jura zunächst vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) und teilweise vor spontanen Lawinen gewarnt. Vor allem im Gebiet Trient fiel mit 60 bis 80 cm über Nacht deutlich mehr Schnee als erwartet. Deshalb wurde im Morgenbulletin von Dienstag, 03.03. für dieses Gebiet die Gefahrenstufe auf Stufe 4, grosse Lawinengefahr, erhöht (Abbildung 5).

 

Mit den unerwartet heftigen Schneefällen war die Gefahrenstufe 4 bereits in der Nacht erreicht worden und der Höhepunkt der Lawinenaktivität zum Zeitpunkt der Bulletinausgabe um 8 Uhr bereits überschritten. Davon zeugten zahlreiche grosse Lawinen die in der Nacht spontan abgegangen und teilweise bis ins Grüne vorgestossen waren. Im Tagesverlauf wurde zudem erfolgreich gesprengt (Abbildung 6 und 7). Auch in den übrigen Regionen wurden zahlreiche Lawinenabgänge gemeldet. Der 03. März war der fünftaktivste Lawinentag des Winters (Abbildung 8). Sogar im Jura wurde eine Lawine von Personen ausgelöst. Ob die Person verschüttet wurde ist nicht bekannt (Abbildung 9).

 
 
 
 

Obwohl sich tief in der Schneedecke vor allem in den inneralpinen Gebieten schwache Altschneeschichten befanden, ereigneten sich die Brüche vorwiegend im Neu- und Triebschnee. Wann und ob der nun vielerorts relativ mächtig überdeckte Altschnee diesen Winter nochmals zum Problem wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Ein Grossschneefall könnte die Überlast auf die schwachen Schichten so stark erhöhen, dass diese wieder störanfällig werden. Spätestens aber mit der ersten Anfeuchtung der schwachen Schichten im Frühling werden diese zusätzlich geschwächt, so dass es voraussichtlich wieder Auslösungen im Altschnee geben wird.

Mittwoch, 04.03.: Ruhe zwischen den Stürmen

Am Mittwoch, 04.03. gab es eine Pause im sonst turbulenten Wetter dieser Berichtsperiode. In der Nacht schneite es am Alpennordhang wenige Zentimeter, sonst war es recht sonnig. Der Neuschnee der vergangenen Tage stabilisierte sich zunehmend.

 Donnerstag, 05.03.: Erneuter Sturm mit intensivem Niederschlag

Die Ruhe war am Donnerstag, 05.03. bereits wieder vorbei. Im Einfluss eines kräftigen Weststurms schneite es verbreitet, im Westen intensiv. Die Schneefallgrenze stieg am Nachmittag auf rund 2000 m. Am Morgen prognostizierten die Meteomodelle deutlich mehr Niederschlag als noch am Vorabend. Deshalb wurde im Morgenbulletin neu ein Anstieg im Tagesverlauf auf die Gefahrenstufe 4 prognostiziert (Abbildung 10).

 

 

Unfälle

In dieser Wochenberichtsperiode ereigneten sich 6 Lawinenunfälle bei denen je eine Person mitgerissen wurde. Es wurden 3 Personen verschüttet. Todesopfer waren glücklicherweise keine zu beklagen.

Schneehöhen

Nach den Schneefällen der vergangenen 2 Wochen sind die Schneehöhen im Vergleich zum langjährigen Mittel im Westen überdurchschnittlich. Sonst sind sie verbreitet durchschnittlich oder leicht unterdurchschnittlich. Am Mittwoch, 04.03. wurde an der IMIS Schneestation L’Ecreuleuse (Salvan, VS) auf 2252 m ü.M. mit 440 cm die maximal an diesem Datum gemessene Schneehöhe egalisiert (Abbildung 11). Dies ist auf die zahlreichen aufeinanderfolgenden Weststürme, die seit Ende Januar über die Schweiz zogen, zurückzuführen. Während solchen Wetterlagen, fällt im westlichsten Unterwallis oft viel Schnee. 

 

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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