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Wochenbericht 27. Dezember 2019 - 02. Januar 2020

Hauptinhalt

 

In den Bergen sonniger und sehr milder Jahreswechsel, langsame Abnahme der Lawinengefahr, weiterhin Gleitschneelawinen

Zu Beginn der Berichtswoche fiel im Westen und Norden Schnee, der mit Bise und Nordwind verfrachtet wurde. Ab dem Wochenende stellte sich beständiges Hochdruckwetter ein. Mit viel Sonnenschein in den Bergen stiegen die Temperaturen dort auf frühlingshafte Werte. Die Lawinengefahr ging vom Triebschnee und inneralpin in der Höhe auch von schwachem Altschnee aus. Das Schneegleiten war aktiv und es lösten sich vermehrt Gleitschneelawinen.

 
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Am Piz Calderas (Surses, GR) löste am 29.12.2019 eine Tourengruppe im Aufstieg an einem Übergang von wenig zu viel Schnee eine grosse Lawine im Altschnee aus. Mit etwas Glück blieb es bei Materialverlust (Foto: M. Rohner).
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Während der ganzen Wochenberichtsperiode konnten zahlreiche Fischmäuler und Gleitschneelawinen beobachtet werden. Mit der Erwärmung in der Wochenberichts Periode erhöhte sich die Aktivität in vielen Gebieten. Auf dem Bild ist eine kürzlich abgegangene Gleitschneelawine und einige überschneite Fischmäuler und alte Gleitschneelawinen im Gebiet Piz Gendusas (Disentis GR) zu sehen (Foto: P. Degonda, 28.12.2019).
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Grosser Lawinenkegel einer Gleitschneelawine unterhalb eines Waldstücks in der Nähe von Disentis (GR; Foto: P. Degonda, 28.12.2019).
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Mit mässigem bis starkem Wind bildeten sich in hohen Lagen gut erkennbare Dünen auf der Schneeoberfläche des Tiefengletschers (Urserental, UR). In der Bildmitte ist der Gipfel des Galenstocks 3586 m zu sehen (Foto: SLF/ S. Ziegler, 28.12.2019).
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Wind und Feuchtigkeit prägten die Schneeoberfläche in der Nähe des Winterhorns 2662 m (Realp, UR; Foto: SLF/ S. Ziegler, 28.12.2019).
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Wind verfrachtete nach den Weihnachtsfeiertagen Schnee und führte zur Bildung von neuen Triebschneeschichten. Im Aufstieg zum Col d’Emaney (Salvan, VS) war eine Schneebrettlawine, die in einer oberflächennahen Triebschneeschicht angebrochen war, sichtbar (Foto: J.-L. Lugon, 29.12.2019).
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Winderosion legte diese Tierspuren in der Nähe des Canusapasses (Mathon, GR) frei. Ob hier wohl ein Fuchs durch den Schnee spazierte? (Foto: P. Diener, 29.12.2019)
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Erfolgreiche Lawinensprengung in der Region des Skigebiets Scuol, Unterengadin (GR; Foto: C. Egler, 30.12.2019).
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Windgeprägte Schneeoberfläche unterhalb der Tête Séri, Fully (VS; Foto: V. Berret, 30.12.2019).
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Oberflächenreif auf der Schneeoberfläche in der Nähe des Davosersees 1558 m, Davos (GR). Die Bildung von Oberflächenreif wird durch kalte (klare) Nächte und Feuchtigkeit begünstigt (Foto: C. Sommer, 31.12.2019).
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Das Abgleiten einer Gleitschneelawine führte zur Verformung der Schneedecke auf der Büschalp, Davos (GR; Foto: SLF/ L. Dürr, 31.12.2019).
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Mächtiger Anriss einer schon etwas älteren Schneebrettlawine (vermutlich vom 23.12.2019) an der Ostseite des Rheinwaldhorns, Rheinwald (GR; Foto: T. Ponti, 31.12.2019).
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Mit starkem Südwind entstanden am 02.01.2020 lokal leicht auslösbare Triebschneeansammlungen, wie hier am Gross Chalchhorn, GL (Foto: F. Enderle).
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Das ganze Lawinenwarnteam wünscht Euch ein herzliches und erfolgreiches neues Jahr, mit diesem besonderen Bild einer Gleitschneelawine in der Nähe von Münster, Goms (VS; Foto: R. Imsand).
 

Wetter, Lawinensituation, Lawinenaktivität

 

Freitag, 27. und Samstag, 28.12.2019: Neuschnee im Westen und Norden

Nachdem in der Vorwoche fast ununterbrochen Schnee gefallen war, schneite es erneut von Donnerstag, 26.12. bis am Samstagmorgen, 28.12. vor allem im Westen und Norden (Abbildung 2). Die Schneefallgrenze lag bei 1200 m.

 

Nachdem sich die grossen Schneemengen der Vorwoche zunehmend setzten und verfestigten, ging die Lawinengefahr in den Niederschlagsgebieten vor allem von den neueren Schneeschichten aus. Der mässige bis starke Westwind verfrachtete den Neuschnee und bildete störanfällige Triebschneeansammlungen (Abbildung 3).

 

Sonntag, 29.12.2019 bis Donnerstag, 02.01.2020: traumhaftes Bergwetter, Abnahme der Lawinengefahr
Die Tage um den Jahreswechsel waren in den Bergen sonnig mit teils hohen Wolkenfeldern. Zeitweise lag an den Voralpen und auch im Sottoceneri Hochnebel mit einer Obergrenze zwischen 800 und 1200 m. In den Bergen war es ausgesprochen mild, die Nullgradgrenze stieg verbreitet auf 3000 m (Abbildung 1). Damit folgten auch die letzten Dezembertage dem Trend des Dezembers bis anhin: gemäss Klimabulletin MeteoSchweiz (Link) war es der drittwärmste Dezember seit Messbeginn. Zunächst blies der Wind noch mässig bis stark aus Ost bis Nordost. Auf den Jurahöhen erreichte die Bise zeitweise Sturmstärke. Am Montag liess der Wind aber überall nach und wehte noch schwach bis mässig, meist aus Ost. Am Donnerstag kam in der Höhe mässiger bis starker Südwind auf und es war etwas weniger mild.

Die Lawinengefahr ging vom Triebschnee aus, der mit dem Nordostwind, am Ende der Berichtswoche mit Südwind entstand sowie, in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens - auch vom schwachen Altschnee. Lawinenauslösungen im Altschnee gab es in letzteren Gebieten nur in Höhenlagen oberhalb von 2600 m, zum Teil auch an Südhängen. Besonders an Stellen mit wenig Schnee bzw. an Übergängen von wenig zu viel Schnee wurden in dieser Berichtswoche einzelne grosse Lawinen im schwachen Altschnee ausgelöst (Abbildung 4). Insgesamt wurden aber deutlich weniger Auslösungen im Altschnee gemeldet als in der Vorwoche.

 

Eine weitere Gefahr ging in dieser Berichtswoche von Gleitschneelawinen aus. Das Schneegleiten und die Aktivität von Gleitschneelawinen nahmen in allen Gebieten zu. An allen Expositionen gingen unterhalb von rund 2400 m, im Westen unterhalb von rund 2600 m vermehrt mittelgrosse Gleitschneelawinen nieder. Im schneereichen Westen wurden Gleitschneelawinen teils auch gross (Abbildung 5).

 

Weil Abgänge jederzeit möglich sind, der genaue Zeitpunkt aber nicht vorhersehbar ist, sollten auch weiterhin Hangbereiche mit Fischmäulern möglichst gemieden werden. Auf alle Fälle sollte man sich aber nie länger als unbedingt nötig im Bereich von Fischmäulern aufhalten. Weitere Informationen zu Gleitschneelawine sind hier.

 

Schneelage und Schneedecke zu Jahresbeginn

Anfang Januar lagen auf 2000 m in den Alpen verbreitet 80 bis 120 cm Schnee. Im Süden und gebietsweise im Westen lag bis zu 200 cm Schnee. Für die Jahreszeit waren die Schneehöhen am Alpennordhang verbreitet etwas unterdurchschnittlich. In Graubünden lagen sie im langjährigen Durchschnitt, im Wallis, am Alpensüdhang und im Unterengadin lag mehr Schnee als normal um diese Jahreszeit.

Die Schneeoberfläche war in Kamm- und Passlagen und allgemein an den Alpenkämmen vom Wind geprägt und unregelmässig. Sonst war sie vor allem in windgeschützten Lagen vielerorts noch pulvrig. An sehr steilen Sonnenhängen lag verbreitet eine brüchige Schmelzharschkruste an der Schneeoberfläche und unterhalb von rund 2000 m war die Schneedecke durchfeuchtet. Oberflächenreif bildete sich vor allem in Tallagen, wo die Temperaturen durch die Inversionslage deutlich tiefer waren als in der Höhe. Zudem war die Luft in der Höhe sehr trocken.

Der Schneedeckenaufbau war verbreitet günstig. Stellenweise waren oberflächennahe Schichten noch auslösbar. Tiefe Schichten der Schneedecke blieben in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens auch zu Jahresbeginn ein Thema.  Diese Gefahrenstellen waren selten, aber im Fall einer Auslösung konnten die Lawinen grosse Ausmasse erreichen (vgl. Bildstrecke oben).

 

Lawinenunfälle

Im Zeitraum dieser Berichtswoche wurden dem SLF fünf Lawinenabgänge mit erfassten Personen  gemeldet. Dabei wurden insgesamt sieben Personen erfasst. Bei einem Lawinenunfall im Gebiet der Lauchernalp, VS wurde eine Person am 28.12. ausserhalb des gesicherten Gebietes ganz verschüttet und verunglückte tödlich.
 

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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