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Wochenbericht 24. - 30. April 2020

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Ende der Trockenheit und vorübergehend Schnee bis in mittlere Lagen

Seit 40 Tagen gab es kaum Niederschlag in der Schweiz, so berichtete MeteoSchweiz am Ende der vergangenen Berichtsperiode. Diese lange Trockenphase ging in dieser Woche zu Ende. Zunächst gab es immer wieder Schauer und Gewitter. Zwischen Montag, 27.04.  und Mittwoch, 29.04. gab es dann erstmals wieder flächigen Niederschlag und es schneite sogar zeitweise bis in mittlere Lagen. Bis zu der Abkühlung am Dienstagabend schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke weiter fort. Lawinen wurden in dieser Berichtsperiode nur vereinzelt gemeldet. Ob dies auf fehlende Lawinenaktivität oder fehlende Beobachter im Gelände zurückzuführen ist, bleibt offen.

 
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Nach einem Kälteeinbruch waren die Bergspitzen im Glögglital (1980 m, Frutigen, BE) am 29.04. frisch angezuckert und in der Nordflanke gingen einige Lockerschneelawinen ab (Foto: F. Baumgartner, 29.04.2020).
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Lockerschneelawinen waren am Freitag, 24.04. auch in der Nordflanke der Pizzas d’Anarosa (3002 m, Casti-Wergenstein, GR) zu sehen. Abgerutscht war nur die oberflächliche Schneeschicht, welche zu Beginn der Vorwoche gefallen war (Foto: M. Dischl).
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Nach Schneefall bis auf 1800 m hinunter, besserte sich das Wetter am Mittwoch, 29.04. von Westen her. Damit kam bei Zermatt (VS) eine mittlere Gleitschneelawine an einem Osthang neben dem Sessellift Furi - Schwarzsee zum Vorschein (Foto: M. Diop).
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Am Samstag, 25.04. kam es beim Steingletscher erneut zu einem Fels- und Eisabbruch mit einem Volumen von rund 1000 Kubikmeter. Dies war das dritte Mal seit letztem November. Von einem Begehen der Route über den Steingletscher wird bis auf Weiteres abgeraten. Für mehr Informationen siehe: www.tierbergli.ch/huette/aktuell.php#Eisabbruch (Foto: Tierberglihütte).
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Am Wochenende war das Wetter wechselhaft mit sonnigen und wolkenverhangenen Abschnitten, wie der Blick vom Avers (GR) Richtung Bergell zeigte. In der Bildmitte sind die Zacken der Sciora-Gruppe zu sehen (Foto: M Guerrier, 25.04.2020).
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Der Blick zum Tomülpass (2411 m, Vals, GR) zeigte die beinahe schneefreien Südhänge, während nordseitig noch deutlich mehr Schnee lag (Foto: U. Berni, 26.04.2020).
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Weiter oben sah es winterlicher aus, wie hier bei der Messstation am Piz Grialetsch (3130 m, Davos / Zernez, GR). Wenn eine Messstation verreift, kann dies zu Unterbrüchen in der Messung führen. Da hilft nur warten, bis das Eis wieder schmilzt (Foto: SLF/M. Lehning, 29.04.2020).
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Achtung Gefahr von oben. Beim Anblick von grünen Wiesen denken die Wenigsten noch an die Lawinengefahr. Jedoch können in gewissen Lawinenzügen Lawinen aus hochgelegenen Einzugsgebieten bis ins Grüne vorstossen. Auf dem Bild ist eine temporäre Wegsperrung bei Trient (VS) zu sehen (Foto: J.L. Lugon, 29.04.2020).
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Den Frühling verspürten auch die Blumen, wie hier ein Enzian (Gentiana clusii). Das Foto wurde bei Nivagl (Vaz/Obervaz, GR) auf 1050 m aufgenommen. Blühende Enziane wurden vom Fotografen bis auf der Höhe von 1700 m gesichtet (Foto: SLF / T. Stucki, 25.04.2020).
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Die reguläre Messperiode der SLF-Beobachter/-innen ist Ende April fertig, sofern das Messfeld schneefrei ist. Hier in Vals (GR) auf 1260 m kann sich der Beobachter in die wohlverdiente Sommerpause begeben. Vielen Dank an alle fleissigen Schneehöhenmesser-/innen für die zuverlässige Arbeit diesen Winter (Foto: U. Berni, 30.04.2020).
 

Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr

Auch diese Berichtsperiode begann mild (vgl. Abbildung 1). Die Nullgradgrenze lag bis Sonntag, 27.04. zwischen 2500 und 3300 m. Ab Montag, 28.04. sank sie auf 2000 bis 2500 m ab.

 

Freitag, 24.04.: Ein typischer Frühlingstag

Der Freitag war ein typischer Frühlingstag mit einem Tagesgang der Lawinengefahr. Nach einer meist klaren Nacht, war die Schneeoberfläche gefroren und die Lawinengefahr am Vormittag somit gering (Stufe 1). Während dem recht sonnigen Tag stieg die Gefahr von nassen Lawinen im Tagesverlauf etwas an.

 

Samstag, 25.04. bis Montag, 27.04.: Wechselhaftes Wetter

In den folgenden Tagen war das Wetter wechselhaft. Die Nächte waren häufig bedeckt, die Tage ein Gemisch aus Sonne, Wolken und wiederholten Schauern. Mit der nächtlichen Bewölkung gefror die Schneeoberfläche meist nur schlecht (Abbildung 2). Die Schauer mit hoher Schneefallgrenze lieferten zusätzliche Feuchtigkeit in die Schneedecke.

 

Am Sonntagabend und in der Nacht auf Montag fiel verbreitet Niederschlag, in der Nacht vor allem noch im Osten. Die Wettermodelle sagten für den Montag einen recht sonnigen Tag voraus. Im Osten wäre dies eine denkbar ungünstige Kombination gewesen: keine Abstrahlung und sogar Regen in der Nacht, maximale Einstrahlung während des Tages. So wurde am Dienstag im Engadin vor erheblicher Gefahr (Stufe 3) von nassen Lawinen gewarnt. Die Sonne liess dort jedoch den ganzen Tag auf sich warten. So wurde die Gefahrenstufe 3 (erheblich) dort wohl nicht erreicht.

Im Hochgebirge fielen während diesem Niederschlag 5 bis 10 cm Schnee (Abbildung 3), lokal in Schauern und Gewittern auch mal 20 cm. Da es unmöglich ist die Niederschlagsverteilung bei solchen Schauerniederschlägen genau vorauszusagen und auch im Nachhinein korrekt zu messen, wurde weiterhin vor geringer Gefahr (Stufe 1) von trockenen Lawinen gewarnt, jedoch mit dem Hinweis, dass lokal bei mehr als 20 cm Neuschnee die Gefahrenstufe 2 (mässig) erreicht wurde.

 

Während dieser Periode mit wechselhaftem Wetter und milden Temperaturen schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke weiter fort. Ausser an hochgelegenen Nordhängen war die Schneedecke bereits länger bis ins Hochgebirge durchnässt. In dieser Woche stieg die Durchfeuchtung auch an Nordhängen bis auf fast 3000 m. Vor allem am Montag, 27.04. stieg der LWC-Index (LWC = liquid water content), welcher die Durchfeuchtung der Schneedecke quantifiziert, auf 2750 m nochmals markant an (vgl. Abbildung 4).

 

Dienstag, 28.04 bis Mittwoch 29.04: Intensiver Niederschlag und markante Abkühlung

Am Montagabend setzte Niederschlag ein, der bis am Mittwochvormittag andauerte. Zunächst lag das Niederschlagszentrum im Westen und Süden. In der Nacht auf Mittwoch verlagerte sich der Schwerpunkt dann in den Osten. Die Schneefallgrenze lag bei rund 2400 m und sank ab Dienstagnachmittag immer weiter ab bis auf 1600 bis 1800 m. In Abbildung 5 ist die 2-Tagessumme des Flüssigniederschlages dargestellt. Im Hochgebirge fielen diese Mengen als Schnee.

 

Detaillierte Aussagen über Neuschneemengen sind bei sehr hoher Schneefallgrenze jeweils schwierig, da die meisten Messstationen zu tief liegen und somit nicht die gesamte Schneemenge messen. Einen guten Überblick geben die in Abbildung 6 dargestellten, berechneten Neuschneemengen. Am meisten Schnee fiel im nördlichen Tessin sowie am nördlichen Alpenkamm westlich vom Wildstrubel.

 

Mit dem teils intensiven Niederschlag stieg die Gefahr von trockenen und nassen Lawinen deutlich an. Unterhalb der Schneefallgrenze durchnässte der Regen die bereits feuchte Schneedecke komplett, so dass nasse Lawinen zu erwarten waren. Während in tiefen und mittleren Lagen der langersehnte Regen Schnee und Boden durchnässte, wurde es im Hochgebirge zunehmend winterlich. So wurde in den Hauptniederschlagsgebieten vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) für nasse und trockene Lawinen gewarnt.

Nach dem Ende des Niederschlages am Mittwoch gingen zahlreiche Lockerschneelawinen im Neuschnee ab (vgl. Abbildung 7).

 

Donnerstag, 30.04.: Nach kurzer Pause: erneuter Niederschlag

Am Donnerstagvormittag setzte aus Westen erneut Niederschlag ein. Bis am Nachmittag fielen die in Abbildung 8 dargestellten Neuschneemengen. Am meisten Schnee viel im westlichsten Unterwallis  und im Bedretto mit 20 bis 30 cm. Mit den kühleren Temperaturen und den Schneefällen der vergangenen Tage wurden die Verhältnisse zunehmend winterlich, mit verschiedenen Neu- und Triebschneeschichten. So stieg mit dem erneuten Schneefall die Gefahr von trockenen Lawinen weiter an und erreichte in den Hauptniederschlagsgebieten die Gefahrenstufe 3 (erheblich).

 

Lawinenaktivität

Dem Lawinenwarndienst wurden in dieser Berichtsperiode nur wenig Lawinen gemeldet. Dies hat wohl mehrere Gründe. Einerseits war die Lawinenaktivität in der ersten Hälfte der Berichtsperiode vermutlich tatsächlich kleiner als in der Vorwoche, da die meisten Höhenlagen und Expositionen bereits vorher durchfeuchtet waren. Damit waren die grösseren Nassschneelawinenperioden vorbei. Andererseits waren kaum mehr Leute in der Höhe unterwegs, so dass viele Lawinenabgänge nicht gesehen wurden. Und wenn sich mal jemand in die Höhe verirrte, herrschte dort oft ein regelrechtes Lawinenchaos, wo es ohne täglichen Einblick schwierig war die frischen Lawinen von den älteren zu unterscheiden (Abbildung 9).

 

Mit so wenig Rückmeldungen aus dem Gelände ist es sehr schwierig die prognostizierte Gefahrenstufe zu validieren. Damit ist auch die Grundlage der Prognose für den kommenden Tag unsicher. Nachdem am 30. April die Messperiode für die SLF-Beobachter endete und generell nur wenig Informationen aus dem Gelände vorhanden sind, ist es bald Zeit, dass der Bulletinbetrieb in den Sommermodus übergeht. Ob und wann genau dies geschieht, hängt natürlich, wie immer, von Frau Holle ab. Sicher jedoch ist das Ausgabedatum des nächsten Wochenberichtes, nämlich in 2 Wochen am 14. Mai.

Unfälle

Lawinenunfälle wurden in dieser Berichtswoche keine gemeldet. Damit liegt die Zahl der Lawinenopfer weiterhin bei 5 Opfern. Dies liegt sehr deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 21 Todesopfern bis Ende April. Mögliche Gründe für die tiefen Opferzahlen können im diesjährigen Winterflash nachgelesen werden.

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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