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Wochenbericht 17. - 23. Januar 2020

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Frau Holle kehrt zurück – leider nur auf einen kurzen Besuch

Trotz einem kurzen Intermezzo mit etwas Schneefall, war auch diese Wochenberichtsperiode von strahlendem Sonnenschein dominiert. Im Gegensatz zu der milden Vorberichtsperiode, waren aber die Temperaturen winterlich. Der Neuschnee wurde zuerst durch Bise, dann durch Föhn verfrachtet. Wegen Neuschnee und Wind wurde gebietsweise vor erheblicher Lawinengefahr – Stufe 3 gewarnt. Lawinenabgänge ereigneten sich aber nur wenige.

 
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Dank wenig Wind und kalten Temperaturen während dem Schneefall bildete sich vielenorts eine lockere Neuschneeoberfläche. Links im Bild ist der Brunnenstock (2887 m, Andermatt, UR) und im Hintergrund der Bächenstock (2943 m) zu sehen (Foto: P. Degonda, 20.01.2020).
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Vor dem Niederschlag war die Schneedecke verbreitet günstig aufgebaut. Dieser SLF-Beobachter konnte trotz tatkräftigem Einsatz den Rutschblock unterhalb der Silberplattenchöpf (2098 m, Wildhaus – Alt St. Johann, SG) nicht auslösen (Foto: P. Diener, 17.01.2020).
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Am Sonntag, 19.01. war es im Osten noch mehrheitlich bewölkt und es fielen letzte Schneeflocken, wie hier auf dem Stafler Berg auf 2460 m (Davos, GR; Foto: SLF/S. Ziegler, 19.01.2020).
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Rund 24 cm Neuschnee wurden vom 17. bis 18.01. an der IMIS-Station Fochsen (1707 m, Jaun, FR) gemessen. Im Hintergrund sind frische Lockerschneelawinen zu sehen (Foto: F. Thalmann, 18.01.2020).
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Der Neuschnee sorgte für eine stiebende Abfahrt auf dem Gletscher Grand Désert (3030 m, Nendaz, VS; Foto: T. Schneidt, 19.01.2020).
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Auch hier bei der Pointe de la Fenive (2838 m, Salvan, VS) gab es Pulverschnee zum Geniessen (Foto: J.-L. Lugon, 21.01.2020).
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Trotz teils starkem Föhn am 20. und 21.01. war am 22.01. an windgeschützten Hängen noch lockerer Schnee zu finden. Im Bild ist die Abfahrt von der Fuorcla Piz Nair (2829 m, Silenen, UR) zu sehen (Foto: R. Imsand).
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Hier im Aufstieg zum Sentisch Horn auf 2330 m (Davos, GR) hatte der Wind dagegen ganze Arbeit geleistet (Foto: SLF/J. Trachsel, 22.01.2020).
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Die entstandenen Triebschneeansammlungen waren eher klein, aber auslösefreudig. Diese kleine Schneebrettlawine wurde von einer Person ausgelöst, welche den Nordhang oberhalb des Blaktenbodens auf 2020 m (Klosters-Serneus, GR) als letzte und in der höchsten Spur traversiert (Foto: SLF/M. Marty, 22.01.2020).
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Diese kleine Lawine wurde ebenfalls im frischen Triebschnee nordseitig unterhalb des Brisi (2277 m, Wildhaus – Alt St. Johann, SG) auf rund 1820 m ausgelöst (Foto: A. Huser, 22.01.2020).
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In Zonen mit Gleitschneerissen sollte man sich nicht unnötig lange aufhalten. Diese Tourengänger beim Lac d’Emosson (1920 m, Salvan, VS) gaben sich wohl alle Mühe, die Hindernisse zügig hinter sich zu bringen (Foto: J.-L. Lugon, 20.01.2020).
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Mit klarem Wetter und hoher Luftfeuchtigkeit bildete sich schnell Oberflächenreif, wie hier beim Carraye auf 2100 m (Trient, VS; Foto: X. Fournier, 21.01.2020).
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Im Aufstieg zu den Le Pipe (2667 m, Blenio, TI) nahm der Reif schöne Formen an (Foto: M. Casella, 17.01.2020).
 

Wetterentwicklung

Freitag, 17.01. bis Sonntag, 19.01.: Schneefall und sinkende Temperaturen

Am Freitag, 17.01. zogen aus Westen Wolken auf, im Osten blieb es noch ganztags sonnig. Ab dem Nachmittag setzte dann im Westen Niederschlag ein. In der Nacht auf Samstag, 18.01. schneite es im Norden verbreitet, wobei der meiste Schnee am Alpennordhang fiel. Im Süden war es derweil recht sonnig und trocken. Die Schneefallgrenze lag zu Beginn des Niederschlags auf 1500 m und sank dann bis in tiefe Lagen.

 

Von Sonntag, 19.01. bis Montagmorgen, 20.01. blies im Jura und in den Voralpen teils starke Bise. Im Osten fiel schauerartig noch etwas Schnee, sonst war es sonnig. Zwischen Freitagnachmittag, 17.01 und Sonntagabend, 19.01 fielen die in Abbildung 2 dargestellten Neuschneemengen.

 

Montag, 20.01. bis Donnerstag, 23.01.: Traumwetter und zunehmend milde Temperaturen

Ab Montag, 20.01. herrschte in den Bergen erneut ausnahmslos Traumwetter. Die Nullgradgrenze stieg wieder auf über 2000 m. Am Montag drehte der Wind auf Süd. In den Alpentälern des Nordens blies bis am Dienstag, 21.01. mässiger bis starker Föhn.

 

Schneedecke und Lawinensituation

Dem Schneefall ging eine Trockenphase von 3 Wochen voraus. Dadurch war die Oberfläche verbreitet kantig aufgebaut bildete eine schwache Unterlage für den Schneefall . Vor allem an windgeschützten Schattenhängen war die Oberfläche locker. Vielerorts war die Schneedecke in den Wochen zuvor allerdings stark vom Wind geprägt worden und recht hart. An steilen Südhängen hatte sich eine teils tragfähige Schmelzharschkruste gebildet. Dort, wo die Oberfläche hart war, war die Unterlage günstiger für den Neuschnee. So lagen die Gefahrenstellen nach dem Schneefall vor allem an windgeschützten Schattenhängen. Dort verband sich der Neu- und Triebschnee nur langsam mit der ungünstigen Altschneeoberfläche.

Die aufgebauten Schichten waren auch in zahlreichen Profilen gut erkennbar. Zwei typische Beispiele sind in Abbildung 3 und Abbildung 4 zu sehen.

 
 

Der Neuschnee fiel mit wenig Windeinfluss und bei tiefen Temperaturen und war deshalb oft sehr locker. Ungebundener Schnee kann trotz Schwachschicht nur schlecht als Schneebrettlawine ausgelöst werden. So wurden am Wochenende nur wenige, meist kleine Schneebrettlawinen gemeldet (Abbildung 5). Während und kurz nach dem Schneefall gingen jedoch vielerorts Lockerschneelawinen ab. Für die Auslösung von Lockerschneelawinen ist kein gebundener Schnee notwendig. Sie breiten sich von einem Auslösepunkt nach unten aus, indem der abrutschende Schnee immer mehr Schnee mitreisst. Erst mit dem mässigen bis starken Föhn und milderen Temperaturen bildeten sich von Montag, 20.01. bis Dienstag 21.01. harte Triebschneeansammlungen (Abbildung 6). Diese konnten an Schattenhängen leicht ausgelöst werden.

Mit dem Neuschnee und Wind wurde von Samstag, 18.01. bis Montag, 20.01. gebietsweise vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt. Da die Lawinen meist klein (Grösse 1) blieben, war die Gefahrenstufe aber wohl nur knapp erreicht worden.

 
 

Auch in dieser Berichtsperiode gingen vereinzelt Gleitschneelawinen ab (Abbildung 7). Im Westen waren diese teils gross. Insgesamt war die Aktivität aber gering.

 

Schneehöhen

Am 23.01. war die Schneehöhe für die Jahreszeit im Norden unterdurchschnittlich, vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang mit 30 bis 60 % der langjährig gemittelten Schneehöhe teils sogar stark unterdurchschnittlich. Im Süden und ganz im Westen war die Schneehöhe dank der intensiven Schneefälle im November und Dezember teilweise noch durchschnittlich (Abbildung 8).

 

Unfälle

In dieser Berichtsperiode wurden einige Lawinen von Personen ausgelöst (Abbildung 9). Diese waren meist klein und nur vereinzelt mittelgross. Bei einer Lawine am Silberplatten (Nesslau, SG) wurde am Samstag, 18.01. eine Person von einer Lawine mitgerissen. Sie wurde zur Kontrolle ins Spital geflogen.
Lawinen können über die SLF App WhiteRisk oder über die SLF Webseite an den Lawinenwarndienst gemeldet werden. Informationen über Lawinenabgänge sind wichtig für die Validierung der prognostizierten Lawinengefahr, sowie für die Unfallstatistik.

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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