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Wochenbericht 10. - 16. Januar 2020

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Günstige Lawinensituation

Nachdem die Gefahr von trockenen Lawinen schon am Ende der letzten Wochenberichtsperiode in allen Gebieten «gering» war, nahm in dieser Periode auch die Aktivität der Gleitschneelawinen ab. Damit herrschte in allen Gebieten und für alle Lawinenprobleme eine geringe Lawinengefahr. Die Lawinenaktivität war sehr klein und beschränkte sich hauptsächlich auf Gleitschnee.

 
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Blick vom Gridone, 2186 m auf den Lago Maggiore mit dem Maggiadelta und die Berge des mittleren und südlichen Tessins. Seit Weihnachten fiel hier kein Schnee mehr. Unterhalb von 1600 bis 1800 m mussten die Ski getragen werden. Die Tessiner Skitourenfahrer «bestellten» beim SLF Schnee-Nachschub, der Liefertermin bleibt ungewiss (Foto: L. Silvanti, 12.01.2020).
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Die Aktivität der Gleitschneelawinen ging zwar leicht zurück, doch vielerorts konnten Abgänge beobachtet werden wie hier in der Nähe des Gargällerchöpf (Klosters, GR). Der Anriss dieser Gleitschneelawine befindet sich etwa auf 2250 m an einem nach Westen ausgerichteten Hang (Foto: M. Ruggli, 10.01.2020).
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Hochnebel, Feuchtigkeit und eine kalte Nacht sorgten für diese Morgenstimmung mit Oberflächenreif am 11.01. in der Nähe des Col de Balme 2190 m (Trient, VS; Foto: J.-L. Lugon).
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Ob sich hier wohl ein Hase vor dem Bären versteckte? Tierspuren am 11.01. im Bärentälli 2500 m, Davos (GR) in der ansonsten unberührten Winterlandschaft (Foto: SLF/ M. Marty).
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Langsam zogen aus dem Nordwesten Cirren (hohe Schleierwolken) auf. Ausblick vom Scalettahorn 3067 m (S-Chanf, GR) ins Dischma Richtung Davos, markant ist der nach Süden ausgerichtete Rücken des Flüela Schwarzhorns in der rechten Hälfte des Bildes zu sehen (Foto: C. Sommer, 12.01.2020).
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Abfahrtsspuren unterhalb des Giraffen Couloirs am Bettmergrat 2872 m im Aletschgebiet (VS; Foto: R. Wellig, 12.01.2020).
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Schön ausgerichteter Oberflächenreif, welcher sich auf einer Tischplatte in der Nacht auf den Sonntag 12.01. in der Combe des Amburnex (VD) bildete (Foto: J.-P. Wagnier).
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Die ersten Sonnenstrahlen erwärmten bereits die Felsen und östlichen Flanken des Piz Tiarms 2917 m und des Crispalt Pign 2787 m (Tujetsch, GR) während des frühen Aufstiegs Richtung Pazolastock (Foto: SLF/ S. Ziegler, 12.01.2020).
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Die Schneedecke im Wildstrubelgebiet (BE) wurde vom Wind geprägt, am linken Bildrand sind viele apere Stellen sichtbar. Blick vom unteren Gletscherende des Glacier de la Plaine Morte Richtung Westen zum Seehore und Rothorn (Foto: V. Bettler, 12.01.2020).
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Die Harscheisen erleichterten den südöstlichen Aufstieg auf den Rossbodenstock (Tujetsch, GR) auf der stark von Sonne und Wind geprägten Schneeoberfläche (Foto: SLF/ S. Ziegler 12.01.2020).
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Blick vom Piz Ursera auf den Berninapass 2328 m (GR) und das Berninagebiet mit Piz Palü, Piz Bernina, Piz Mortratsch und Piz Corvatsch. Weniger begeistert war der Beobachter von der Schneequalität: «meist pickelhart, oder ziemlich hart oder eher hart, oder recht hart - aber NIE weich» (Foto: J.-A. Bisaz, 14.01.2020).
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Vor allem kammfern wurde die Schneeoberfläche aufbauend umgewandelt und war somit locker wie hier in der Abfahrt vom Erezberg 2614 m oberhalb von Davos Monstein (GR; Foto: SLF/F. Techel, 16.01.2020).
 

Wetterentwicklung

Am Freitag, 10.01. fiel ganz im Westen oberhalb von rund 1200 m wenig Schnee. Im Westen und Norden war es wechselnd bewölkt. Am Samstag, 11.01. war es im Jura sowie in den zentralen und östlichen Voralpen bewölkt. Sonst war es in dieser Wochenberichtsperiode trocken überwiegend sonnig. Einige hohe Wolkenfelder vom Montag, 13.01 bis Mittwoch, 15.01. vermochten diesen Eindruck kaum zu trüben.

Am Freitag, 10.01. war es auf 2000 m mit -2 bis -4 °C winterlich, danach stiegen die Temperaturen rasch in den Plusbereich an. Die Nullgradgrenze lag zeitweise bei 3000 m (vgl. Abbildung 1).

 

Zeitweise blies mässiger bis starker Wind, meist aus südwestlichen Richtungen, am Samstag, 11.01. auch aus Norden (vgl. Abbildung 2). Der Schnee war aber vor allem in den Kammlagen schon stark vom Wind bearbeitet und damit nur noch lokal verfrachtbar.

 

Schneedecke und Lawinensituation

Die Schneedecke änderte sich gegenüber der letzten Wochenberichtsperiode nur wenig. Nach wie vor war die Oberfläche meist windgeprägt. Durch die aufbauende Schneeumwandlung wurde sie aber an windgeschützten Stellen teils wieder locker. An steilen Südhängen lag unterhalb von rund 2500 m vielerorts eine tragfähige Schmelzharschkruste.

Durch die aufbauende Schneeumwandlung nahm die Fähigkeit des Schneebrettes zur Bruchausbreitung weiter ab. Es wurden in der ganzen Wochenberichtsperiode keine Lawinenauslösungen im Altschnee beobachtet. Einmal wurde ein Wummgeräusch und eine Rissbildung im Altschnee aus Mittelbünden gemeldet (vgl. Abbildung 3).

 

Die Bildung von Triebschnee war grundsätzlich eingeschränkt, weil die Schneeoberfläche schon stark vom Wind geprägt war. Durch die aufbauende Schneeumwandlung war zwar besonders in kammfernen Hängen zunehmend lockerer Schnee vorhanden. An diesen Stellen war der Wind aber meist zu schwach, so dass nur lokal Schnee verfrachtet werden konnte. Wo dies geschah, wurde der Triebschnee auf eine lockere Schneeoberfläche abgelagert und Lawinen konnten leicht ausgelöst werden (vgl. Abbildung 4).

 

Weiterhin ein Thema waren Gleitschneelawinen: Nach wie vor waren viele Gleitschneerisse offen und es gab einzelne eindrückliche Abgänge. Die Anzahl Lawinen nahm aber weiter ab und die Aktivität war zum Ende der Wochenberichtperiode sehr klein.  Nichtsdestotrotz war ein vorsichtiges Verhalten im Bereich von Gleitschneerissen angebracht (vgl. Abbildung 5).

 

«Geringe» Lawinengefahr mitten im Winter

Geringe Lawinengefahr im Hochwinter und in hohen Lagen genügend Schnee für Skitouren – eine seltene Lawinensituation. Zum Jahreswechsel 2015/16 und 2016/17 war die Lawinengefahr zwar auch verbreitet gering, da lag aber so wenig Schnee, dass Skitouren kaum möglich waren. Letztmals herrschte eine vergleichbare Situation im Februar 2011 (Wochenbericht), als die Lawinengefahr ebenfalls über mehrere Tage in allen Gebieten gering war. Damals waren die Schneeverhältnisse mit viel Schnee sogar noch besser.

Schwarzeis auf den Seen des Oberengadins

Die Seen im Oberengadin gefroren und bildeten phantastisches Schwarzeis. Zwar hat dies weder mit der Lawinengefahr zu tun, noch ist es ein Fachgebiet des SLF. Trotzdem konnten einige Parallelen zum Thema Lawinengefahr ausgemacht werden.

  • Wie für Skitourenfahrer oder Freerider ist es auch für «Schwarzeis»-Läufer das Höchste der Gefühle, wenn die ersten Spuren in unberührtes Eis gezogen werden können.
  • Das Betreten des Eises erfolgt auf eigene Gefahr und ist mit einem gewissen Risiko verbunden.
  • Die Eisläufer müssen eine lokale Beurteilung vornehmen, wichtig ist dabei ebenfalls die Routenwahl. Eislücken sollten grossräumig umfahren werden. Bei einer geschätzten Geschwindigkeit der Eisläufer von 20 km/h, ist dies gar nicht so einfach.

Da Schwarzeis ein relativ seltenes Phänomen ist, gibt es wenig Entscheidungshilfen zur Beurteilung des Eises. Den Eisläufern sei an dieser Stelle die Broschüre Tragverhalten von Eis empfohlen.

 
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Der Lej Suot, Silvaplana, GR ist relativ klein und wenig tief. Er fror somit als einer der ersten Seen zu (Foto: SLF/B. Zweifel, 10.01.2020)
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Schlittschuhlaufen bei Vollmond, im Hintergrund Nachtskifahren auf dem Piz Corvatsch, GR (Foto: SLF/B. Zweifel, 10.01.2020).
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An den vielen Rissen im Eis konnte die Dicke der Eisschicht abgeschätzt werden (Foto: SLF/J. Trachsel, 11.01.2020).
 

Lawinenunfälle

In dieser Wochenberichtsperiode ereigneten sich keine Lawinenunfälle.

 

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Gefahrenentwicklung

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