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Wochenbericht 01. - 30. Juni 2020

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Viel Neuschnee vor allem im Hochgebirge, Ende Monat dann rasche Schneeschmelze

Nach einem warmen Monatsstart war das Wetter bis zum 20. Juni meist tiefdruckbestimmt. Es fiel häufig Niederschlag, vor allem im Hochgebirge als Schnee. Die Verhältnisse waren dort vor allem in den ersten zwei Monatsdritteln winterlich. Es wurden einige Lawinen gemeldet, auch trockene. Mit der Hitze Ende Monat aperten vor allem die mittleren Lagen weiter aus.

 
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Lawinenaktivität im Berninagebiet nach dem vielen Neuschnee. Nebst unzähligen Lockerschneelawinen wurden auch einige grössere Schneebrettlawinen beobachtet. Diese grosse Schneebrettlawine wurde auf der Nordseite des Piz Roseg (Samedan, GR) gesichtet. Der Anriss lag auf rund 3200 m. Am Gipfel ist ein weiterer Anriss sichtbar (Foto: P. Duerolf, 12.06.2020).
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Überbleibsel einer Gleitschneelawine mitten in der grünen Wiese. Die Blöcke waren bis zu 140 cm hoch. Gesichtet auf rund 1800 m bei Euzanne (Bex, VD; Foto: J. P. Wagnières, 01.06.2020).
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Wie ein glitzerndes Band schlängelt sich die Skispur unterhalb der Grünhornlücke auf den Fieschergletscher (Fieschertal, VS) hinunter (Foto: SLF/S. Mayer, 01.06.2020).
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Eine vom Wintereinbruch mässig beeindruckte Gams geniesst die Aussicht von der nördlichen Seitenmoräne des Findelgletschers (2500 m, Zermatt, VS; Foto: M. Schön, 05.06.2020).
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Durch Personen ausgelöste, kleine Lockerschneelawinen an einem Nordosthang auf rund 2800 m unterhalb der Schwarzhonrnfurgga (Flüelapass, Zernez, GR). Auf dieser Höhe lag nur wenig feuchter Neuschnee. Dieser konnte aber sehr leicht als Lockerschneelawine in Bewegung gesetzt werden (Foto: SLF/M. Buchmann, 06.06.2020).
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Lockerschneelawine aus den Felsen am Älplihorn (3005 m, Davos, GR). Diese Lawine löste sich spontan aus der dünnen Neuschneeschicht. Die Sturzbahn der Lawine war bereits wieder aper, während daneben noch Schnee lag (Foto: SLF/C. Pielmeier, 13.06.2020).
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Installation einer automatischen Messstation zur Überwachung eines Blockgletschers bei Liapeys de Grône (2500 m, Martigny-Combe, VS). Auf den flachen, aber eher nordexponierten Geländeteile im Hintergrund lag noch eine ziemlich geschlossene Schneedecke (Foto: J.-L. Lugon, 19.06.2020).
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Grossflächige Schneebrettlawinen an der Südflanke des Breithorns (Zermatt, VS/Italien). Die Lawinen lösten sich spontan, vermutlich unter dem Einfluss von Sonneneinstrahlung und Erwärmung (Foto: B. Jelk, 23.06.2020).
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Ein Hotel macht Sommerpause. Das Igludorf unterhalb des Weissfluhjochs (2685 m, Davos, GR) verwandelt sich von einer behaglichen Unterkunft in Schmelzwasser (Foto: L. Dürr, 30.06.2020).
 

Wetter, Verhältnisse und Lawinen

Montag, 01. bis Mittwoch, 03. Juni: Viel Sonne und gute Tourenverhältnisse im Hochgebirge

Der Juni startete mit drei meist sonnigen und milden Tagen. Vor allem im Hochgebirge waren die Verhältnisse für Touren günstig. Allerdings waren die Schneegrenzen teils schon sehr hoch.

 

04. bis 20. Juni: Viel Niederschlag, Schnee teils bis in mittlere Lagen

Am Donnerstag, 04.06. begann eine längere tiefdruckbestimmte und kühle (vgl. Abb. 2) Periode mit wiederholten Niederschlägen.

 

Bis Samstag, 06.06. fielen vor allem im Hochgebirge bereits gebietsweise 20 bis 40 cm Schnee, am Sonntag, 07.06. schneite es dann intensiv (vgl. Abb. 3). Die Schneefallgrenze sank bis auf 2200 m, in Graubünden mit besonders hoher Niederschlagsintensität vorübergehend sogar bis 1200 m (vgl. Abb. 4).

 

Nach einem kurzen Unterbruch fiel bis Donnerstag, 11.06. erneut viel Niederschlag (vgl. Abb. 5). Die Schneefallgrenze pendelte zwischen 2200 und 2700 m.

 

Am Freitag, 12.06. und Samstag, 13.06. war es in den Alpen recht sonnig und mild. Der viele Neuschnee im Hochgebirge und die rasche Erwärmung nach den Schneefällen verursachten viele Lawinen. Es wurden sowohl Schneebrettlawinen als auch Lockerschneelawinen beobachtet (vgl. Bildstrecke oben – Bild 1 sowieAbb. 6 und Abb. 7).

 
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Abb. 7/1: Abgang einer spontanen Lawine, angebrochen auf rund 3200 m an der Nordflanke des Piz Ela (Bergün Filisur). Die Frage nach der Lawinenart lässt sich mit einer näheren Betrachtung des Anrissgebietes beantworten (Foto: C. Bofinger, 13.06.2020).
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Abb. 7/2: Im Anrissgebiet ist der linienförmige Anriss einer Schneebrettlawine zu erkennen. Ein solcher lässt sich auch weiter links im Bild im felsdurchsetzten Gelände erahnen. Es muss also eine grossflächige Schwachschicht in der Schneedecke vorhanden gewesen sein. Das Schneebrett, welches auf dieser lag wurde vermutlich durch die starke Erwärmung ausgelöst (Foto: C. Bofinger, 13.06.2020).
 

Von Sonntag, 14.06. bis am Samstag, 20.06. war es oft bewölkt. Sonnige Abschnitte gab es vor allem im Westen und im Süden. Immer wieder gab es Niederschläge, teils auch in Form lokaler Schauer oder Gewitter. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag aber nördlich der Alpen und fiel damit nicht als Schnee.

Sonntag, 21.06. bis Dienstag, 30.06.: Viel Sonne, warm und teils gewittrig

Am Sonntag, 21.06. und am Montag, 22.06. hielt sich der Sommer im Osten noch zurück. Dort war es meist bewölkt, während es im Westen und Süden viel Sonne gab. Danach folgen drei meist sonnige, warme Tage. Insbesondere im Wallis wurden mehrere Schneebrettlawinen beobachtet. Diese waren wahrscheinlich auf die Sonneneinstrahlung und die Erwärmung zurückzuführen (vgl. Abb. 8 und 9).

 

Von Freitag, 26.06. bis Sonntag, 28.06. war es schwülwarm und gewitterhaft. In lokalen Schauern fiel Niederschlag. Die Nullgradgrenze lag allerdings bei rund 4000 m (vgl. Abb. 2) womit nur im Hochgebirge lokal etwas Schnee fiel.

Eine Kaltfront brachte auf Montag, 29.06. am Alpennordhang bis 60 mm Niederschlag, allerdings nördlich der Alpen. In den betroffenen Gebieten der Alpen fielen verbreitet nur 20 mm Regen. Die Schneefallgrenze sank vorübergehend gegen 3000 m. Damit dürften auf den höchsten Gipfeln der Berner Alpen rund 20 cm Neuschnee gefallen sein.

Mit einem sommerlich warmen und sonnigen Tag verabschiedete sich der Juni.

 

Schneelage

Im Juni zog sich die zusammenhängende Schneedecke zunehmend ins Hochgebirge zurück. Die Schneeschmelze wurde durch die kühleren Tage in den ersten zwei Dritteln des Junis vorübergehend etwas verlangsamt, erreichte aber mit der Wärme zum Monatsende sehr hohe Werte. Das Messfeld am Weissfluhjoch (2536 m, Davos, GR) war am Montag, 29.06. schneefrei (vgl. Abb. 10). Dies ist rund eine Woche früher als das durchschnittliche Ausaperungsdatum (8. Juli).

 
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Abb. 10/1: Schneelage am Messfeld Weissfluhjoch Anfang Juni. Die Schneehöhe betrug 81 cm (Foto: SLF/Webcam, 01.06.2020).
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Abb. 10/2: Schneelage am Messfeld Weissfluhjoch gegen Mitte Juni. Die Schneehöhe betrug 88 cm und hatte gegenüber dem Monatsanfang sogar noch zugenommen. Ebenfalls waren die Hänge im Hintergrund durch die Schneefälle wieder vorübergehend schneebedeckt (Foto: SLF/Webcam, 12.06.2020).
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Abb. 10/3: Gegen Ende Juni war das Messfeld aper. Der erste schneefreie Tag war der Montag, 29.06. (Foto: SLF/Webcam).
 

Öffnet man den Fokus und betrachtet schweizweit alle automatischen IMIS-Stationen zwischen 2000 und 3000 m, dann präsentiert sich ein ähnliches Bild. Anfang Mai waren gerade mal 9% der 102 betrachteten Stationen schneefrei. Anfang Juni waren bereits gut 50 % dieser Stationen ausgeapert und Ende Juni waren es 86 % (vgl. Abb. 11).

 

Lawinenbulletins und Lawinenunfälle

Im Juni wurden dem SLF keine Lawinenunfälle gemeldet.

Es erschienen 5 situationsbezogene Lawinenbulletins (03.06., 04.06., 06.06., 08.06., 11.06.).

Im Sommer erscheinen Lawinenbulletins nur bei grossen Schneefällen. Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte vor allem bei Neuschnee die Lawinensituation beachtet werden. Sie können sich per White Risk App, SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen.

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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