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Wochenbericht 25. - 31. Januar 2019

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Viel Neu- und Triebschnee auf schwacher Altschneeoberfläche

Viel Neu- und Triebschnee auf einer schwachen Altschneeoberfläche – dies waren die Zutaten, welche zu einer für Tourengeher und Freerider vielerorts recht heiklen Lawinensituation führten. Spontane Lawinen, aber auch Fernauslösungen und Wummgeräusche waren ein klares Indiz für die instabile Schneedecke. Trotz zahlreicher Lawinenauslösungen durch Personen gab es glücklicherweise bis Redaktionsschluss keine Verletzten oder Opfer.

 

 
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Harte, grosse Triebschneeschollen einer durch Personen ausgelösten Lawine an der Alpe di Cruina (Bedretto/TI; Foto: P. Lindner, 26.01.2019). Siehe dazu auch Abbildung 9 im Bericht.
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Dieser kleine Rutsch ging am Randbereich einer Mulde am Plaine Morte (Icogne, VS) ab. Gefahrenstellen lagen vor den Schneefällen dieser Wochenberichtsperiode oftmals an Geländeübergängen (Foto: V. Bettler, 25.01.2019).
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Diese Gleitschneelawine riss direkt unterhalb des Grates und ging auf etwa 2300 m am Mattjisch Horn (Arosa/GR) nieder (Foto: P. Recher, 25.01.2019).
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Ein grosser Gleitschneeanriss zeigte sich an der felsigen Westrippe des Färispitz (2177 m; Glarus Süd). Im Hintergrund sieht man den stark befahrenen Südosthang des Fanenstocks, 2234 m (GL; Foto: A. Schmidt, 25.01.2019).
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Vor dem Einsetzen der Schneefälle ab Samstag waren auch Aufstiege… (Foto: J.L. Lugon, 25.01.2019)
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… und Abfahrten in extrem steilem Gelände möglich – hier an der Pointe de la Fenive / Vieux Emosson, Finhaut/VS (Foto: J.L. Lugon, 25.01.2019).
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Wohin als Nächstes? Eine Gruppe angehender Bergführer bespricht am Gemschberg (2658 m, Grindelwald/BE) die Verhältnisse und ideale Spuranlage. Im Hintergrund die Berner Alpen mit den Fiescherhörnern (Bildmitte) und dem Eiger (Foto: SLF/L. Dürr, 25.01.2019).
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So beginnt’s: Riss in der Schneedecke am Grossenegg (Grindelwald/BE; Foto: A. Melly, 27.01.2019).
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Bei einem Schneeprofil oberhalb von Madulain (GR) kam eine Schicht eingeschneiter Lärchennadeln zum Vorschein, vermutlich entstanden während der starken Schneefälle Anfang November 2018 (Foto: R. Tremp, 27.01.2019).
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Deutlich formte der Wind die Schneedecke hier auf der Alp Tscheurig im Safiental auf ca. 2300 m (GR; Foto: M. Schön, 27.01.2019).
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Die Mächtigkeit dieser Gleitschneerisse wird erst deutlich, wenn man sie sich in Relation zu den Gämsen (sprich, die kleinen Pünktchen rechts des oberen Risses) ansieht! (Foto: C. Blumenthal, 27.01.2019)
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Ein typisches Bild der vergangenen Woche: Schneebrettlawinen erreichten oft nur eine geringe Mächtigkeit. Sie brachen meist dort, wo sich Neu- und Triebschnee auf der oft ungünstigen Altschneeoberfläche ablagerten (La Videmanette, Rougemont/VD auf ca. 2000 m; Foto: L. Hofer, 29.01.2019).
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Diese Schneebrettlawinen am Fronalpstock sind vermutlich spontan abgegangen (GL; Foto: T. Strüby, 29.01.2019).
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Auch im Südosthang auf 2300 m am Uf Spitzen oberhalb von Grindelwald/BE waren kleine Schneebrettlawinen leicht auslösbar. Es wurde niemand erfasst (Foto. T. Kriwet, 29.01.2019).
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Die Anstrengung beim Spuren durch frischen Neuschnee bei Jeizinen / Gampel (VS)… (Foto: V. Bettler, 30.01.2019)
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… wurde mehr als wettgemacht durch eine sonnige und unverspurte Abfahrt in mässig steilem Gelände. (Foto: V. Bettler, 30.01.2019)
 

Wetter, Schnee, Lawinen

 

Freitag, 25. und Samstag, 26.01.: störanfällige Triebschneeansammlungen sind das Hauptproblem

Am Freitag war es meist sonnig und kalt. Am Alpenhauptkamm blies mässiger bis starker Nordwind.

Die kalten Temperaturen und klaren Nächte der vergangenen Tage (siehe letzter Wochenbericht) hatten ihre Spuren in der Schneedecke hinterlassen: oberflächennahe Schichten waren vielerorts aufbauend umgewandelt, teils hatte sich grosser Oberflächenreif gebildet (siehe Abbildungen 1 und 2).

 

 

 

AufSamstag stieg die Lufttemperatur um etwa 9 °C an und lag mittags bei rund -3 °C im Norden und +1 °C im Süden. Im Westen schneite es oberhalb von rund 1200 m ein paar Zentimeter. Mit mässigem bis starkem Nordwestwind entstanden besonders am Alpennordhang frische, meist aber noch kleine Triebschneeansammlungen. Dort, wo diese auf der ungünstigen Oberfläche zu liegen kamen, waren sie leicht auslösbar (siehe Abbildungen 3 und 4). Wo die Triebschneeansammlungen fehlten, blieb die Lawinensituation mehrheitlich günstig.

 

 

 

 

Sonntag, 27. bis Dienstag, 29.01.: Neuschnee auf schwacher Altschneeoberfläche – für Schneesport abseits der Pisten heikle Verhältnisse

Am Sonntagmorgen setzte im Westen und Norden Schneefall ein, welcher bis Montagmorgen anhielt. Innert 24 Stunden fiel im westlichsten Unterwallis und in der Region um die Diablerets (VD/VS) 40 bis 70 cm Schnee. Nachdem es am Montag trocken blieb, schneite es in der Nacht auf Dienstag nochmals. Am Alpennordhang fiel 20 bis 40 cm kalter, lockerer Schnee. Gesamthaft fiel am westlichen Alpennordhang und im Unterwallis bis zu 80 cm Schnee (Abb. 5). Mit starkem Westwind entstanden heikle Triebschneeansammlungen.

 

Die Kombination von viel Neuschnee und schwacher Altschneeoberfläche führte zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr. Besonders kritisch war die Lawinensituation für Schneesportler abseits der gesicherten Pisten am Alpennordhang und im Unterwallis. Spontane Lawinen, aber auch zahlreiche Lawinenauslösungen durch Schneesportler, waren ein klares Indiz für die Störanfälligkeit der Neuschneeschichten (siehe Abbildung 6, sowie Bildgalerie oben).

 

Mittwoch, 30. und Donnerstag, 31.01.: Triebschnee mit Föhn und starkem Südwestwind – für Schneesport weiterhin heikel

Am nördlichen Alpenkamm vom Chablais bis zum Wildhorn fiel bis Mittwochnachmittag nochmals 20 bis 30 cm Schnee (siehe Abbildung 7). Damit war in diesen Gebieten innert drei Tagen rund ein Meter Schnee gefallen. In der Nacht auf Mittwoch blies in den Alpen zunächst starker Südföhn, tagsüber drehte der Wind auf Südwest, blieb aber stark, im Jura sogar stürmisch. Es entstanden gefährliche Triebschneeansammlungen.

 

Mit der Winddrehung auf Südwest und der Anströmung feuchter Luft setzte am Donnerstag im Süden schwacher Schneefall ein. Damit kündigte sich seit längerem wieder einmal ein grösserer Schneefall am Alpensüdhang an. Dort war es im Dezember und Januar ausserordentlich trocken und im Januar auch sehr mild gewesen (siehe auch Monatsbericht Januar der MeteoSchweiz), so dass Ende Monat in mittleren Lagen nur sehr wenig oder gar kein Schnee lag (siehe Abbildung 8). Dies ganz im Gegensatz zum zentralen und östlichen Alpennordhang sowie Graubünden, wo teils mehr als das Doppelte des normalen Januarniederschlags registriert wurde. Damit ging in Berglagen auch der kälteste Januar der letzten 30 Jahre zu Ende.

 

Lawinenunfälle

Dem SLF wurden vier Lawinen gemeldet, bei welchen sechs Personen erfasst wurden (siehe Abbildung 9). Glücklicherweise ohne, dass es ernsthaftere Schäden gab. Bei zwei Ereignissen mussten grössere Suchaktionen durchgeführt werden (siehe Abbildungen 9 und 10).

 

 

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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