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Wochenbericht 22. - 28. März 2019

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Noch viel Schnee in den Bergen, aber zeitweise fast schon sommerlich warm im Mittelland – der Frühling naht mit grossen Gegensätzen

Bei zunächst besten Wetterverhältnissen war die Tourenaktivität hoch. Selbst extrem steiles Gelände wurde befahren. Trotzdem wurden nur sehr wenige Lawinenauslösungen gemeldet – ein Indiz für die verbreitet günstige Lawinensituation. Obwohl die Nullgradgrenze vier Tage lang bei rund 3000 m lag, und Ost- und Westhänge bis auf Höhen von rund 2200 m zunehmend durchfeuchtet wurden, lösten sich nur wenige Nass- und Gleitschneelawinen.  Ein schwerer Lawinenunfall, bei welchem eine Person ums Leben kam, überschattete den Wochenbericht.

 
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Am Älplihorn bei Davos (GR) wurde an einem sehr steilen Nordwesthang auf 2700 m Höhe diese Schneebrettlawine durch Skifahrer fernausgelöst. Weitere Infos dazu s. „Altschneeproblem“ unten im Bericht (Foto: SLF/F. Techel, 23.03.2019).
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Wie so früh im Jahr üblich, waren windausgesetzte Kuppen und Eiswände noch blank. Sonst herrschten auch im Hochgebirge perfekte Bedingungen. Blick von L'Epaule du Rothorn (4016 m; Anniviers, VS) zu Matterhorn (4478 m), Ober Gabelhorn (4064 m) und Dent Blanche (4357 m) (Foto: SLF/K. Winkler, 22.03.2019).
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Auch vom Val Bedretto (TI) aus zeigte sich ein prächtiges Panorama: Hinten in der Bildmitte Cima di Lago (2833 m), rechts daneben Poncione di Valleggia (2873 m) und Poncione Cavagnolo (2321 m) (Foto: G. Valenti, 22.03.2019).
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Am Nordosthang des Schopfenspitz (2104 m; Val-de-Charmey, FR) löste eine Person diesen Rutsch im frischen Triebschnee aus. Erfasst wurde niemand (Foto: F. Thalmann, 22.03.2019).
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Eine weitere Personenauslösung, jedoch mit unbekanntem Abgangsdatum, gab es am Geissweidengrat bei Davos (GR) an einem NE-Hang auf 2500 m Höhe. Auch hier wurde vermutlich niemand erfasst (Foto: SLF/F. Techel, 23.03.2019).
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Dem verspurten Nordosthang zufolge war das Büelenhorn (2806 m; Davos, GR) ein beliebtes Tourenziel am Wochenende (Foto: SLF/C. Pielmeier, 23.03.2019).
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Die südost-exponierten steilen Hänge des Schäfler (1925 m; Schwende, AI) im Alpsteingebiet sind prädestiniert für nasse Lawinen. Diese hier ging am Samstag vermutlich als Gleitschneelawine nieder und brachte viel Erdmaterial mit sich (Foto: D. Schmitz, 23.03.2019).
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Während der stabilen Verhältnisse konnten Lawinen lediglich durch die grosse Zusatzbelastung herabstürzender Séracs ausgelöst werden – hier auf der Nordwestseite des Aletschhorn (4193 m; Fieschertal, VS). Sonst wurden kaum Lawinen beobachtet (Foto: G. Cheseaux, 23.03.2019).
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Am Wochenende herrschten vielerorts gute Tourenbedingungen wie hier auf dem Weg zum Piz Ravetsch (3007 m; Tujetsch, GR). Die unverspurten Hänge lassen das Tourengeher-Herz höher schlagen (Foto: R. Imsand, 23.03.2019).
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Diese Gleitschneelawine ging an einem Westhang nahe Rüti bei St. Antönien (GR) auf etwa 1600 m nieder. Die Ablagerung ging bis in den Schanielabach (Foto: SLF/V. Feicht, 23.03.2019).
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Die Abendsonne taucht das Jakobshorn (2589 m) in warmes Licht und lässt Ruhe ins Skigebiet einkehren. In der Bildmitte sieht man eine nasse Schneebrettlawine, die von Skifahrern am Samstag ausgelöst wurde (Davos, GR; Foto: V. Meier, 24.03.2019).
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Im Val Giuv war am Mittag die Schneedecke süd- und ostseitig schon sehr durchfeuchtet. Diese Gleitschneelawine ging an einem steilen Osthang des Crispalt Pign (Tujetsch, GR) auf etwa 2200 m ab (Foto: SLF/C. Lucas, 24.03.2019).
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Dieser Gleitschneerutsch ging am Sonntagmittag im Bereich der Alp Fursch (Flums, SG) auf etwa 1850 m Höhe ab. Daneben sind noch überschneite ältere Gleitschneerisse sichtbar (Foto: J. Heusser, 25.03.2019).
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Die Windfahnen am Piz Languard (3263 m, links) und Piz Albris (3165 m, rechts) liessen schon aus der Ferne erkennen, dass stellenweise Schnee transportiert und im Lee als Triebschnee wieder abgelagert wurde (Pontresina, GR; Foto: J. A. Bisaz, 26.03.2019).
 

Wetter- und Lawinensituation

 

Freitag, 22. bis Sonntag, 24.03.: Mehrheitlich günstige Lawinensituation mit leichtem Tagesgang der Lawinengefahr

Es herrschte sonniges und ausgesprochen mildes Frühlingswetter. Die Nullgradgrenze lag bei rund 3000 m (siehe Abb. 1). In den Niederungen nördlich und südlich der Alpen wurden maximale Lufttemperaturen von bis zu 20 bzw. 23 Grad gemessen. Das ruhige Frühlingswetter führte zu einer zunehmend günstigen Lawinensituation. An windgeschützten Nordhängen war die Schneeoberfläche oberhalb von 1800 m teils noch pulvrig (Abb. 2). Dort lagen auch noch vereinzelte Gefahrenstellen für trockene Lawinen. Brüche im Altschnee waren äusserst selten, konnten aber nicht ganz ausgeschlossen werden (mehr dazu unten).

 
 

Trotz der markanten Erwärmung gab es nur sehr wenige Nass- und Gleitschneelawinen (Abb. 3; siehe dazu auch unten). Einzelne grössere Lawinenabgänge wurden vor allem am Sonntag beobachtet.

 
 

Montag, 25.03.: Gebietsweise Schneefall mit Sturm

In der Nacht auf Montag erreichte eine Kaltfront die Alpen. Die Temperaturen sanken markant und lagen mittags rund 10 Grad tiefer als noch am Sonntag (siehe auch Abbildung 1). Tagsüber war es bedeckt, im Norden und Osten schneite es zeitweise. In der Höhe blies teils starker, am Alpensüdhang zeitweise stürmischer Wind aus nördlichen Richtungen. Bis zum Schneefallende am Dienstagmorgen fielen oberhalb von 1500 m am Alpennordhang vom Haslital bis in die Glarner Alpen 15 bis 30 cm Schnee (Abb. 4). Neu- und teils auch etwas Altschnee wurden verfrachtet. Im Norden und Osten stieg die Lawinengefahr in der Höhe an, im Westen und Süden änderte sie kaum. Das Hauptproblem waren die teils störanfälligen Neu- und Triebschneeschichten.

 

Dienstag, 26. bis Donnerstag, 28.03.: Zunehmend günstige Lawinensituation

Erneut dominierte meist sonniges, aber etwas kühleres Wetter. Die Lawinensituation entwickelte sich zunehmend günstig. In den Gebieten mit Neuschnee konnten bei Lawinensprengungen am Dienstag teils kleine, vereinzelt auch mittelgrosse Lawinen ausgelöst werden. Teils rutschte der meist nur geringmächtige Neuschnee spontan ab. Rückmeldungen von Nass- und Gleitschneelawinen waren selten.

 

Lawinenprobleme

 

Nass – und Gleitschneelawinen

Während die Schneedecke an Südhängen bereits in der zweiten Februarhälfte bis auf rund 3000 m durchfeuchtet wurde, waren Ost- und Westhänge in hohen Lagen zu Beginn dieser Wochenberichtsperiode zunächst noch weitgehend trocken. Mit der starken Sonneneinstrahlung und der hohen Nullgradgrenze erreichte die Durchfeuchtung der Schneedecke in diesen Expositionen Höhenlagen von 2000 bis 2200 m. Erst am Sonntag wurden auch einzelne grosse Lawinen (Grösse 3) an Osthängen in Höhenlagen bis ca. 2400 m gemeldet. Allgemein blieb die Nass- und Gleitschneelawinenaktivität aber gering.

 

Altschneeproblem

Ende März präsentierte sich der Schneedeckenaufbau verbreitet günstig. Lawinenauslösungen im Altschnee waren äusserst selten, aber besonders an schneearmen und sehr steilen Nordhängen vereinzelt möglich. Stellvertretend dafür gehen wir hier auf eine Lawinenauslösung am Freitag, 22. März ein:

Tourenfahrer lösten in der Abfahrt an einem sehr steilen Nordwesthang in der Region Davos auf rund 2700 m eine mittelgrosse bis grosse Schneebrettlawine fern aus (Abb. 5a). Glücklicherweise wurde niemand erfasst. Ein Schneeprofil, aufgenommen am nächsten Tag, zeigte, dass die Lawine rund 60 cm tief in einer sehr schwachen, aufbauend umgewandelten Schicht angebrochen war (Abb. 5b). Die Schneehöhe in diesem Hang war mit nur etwas mehr als einem Meter stark unterdurchschnittlich, verglichen mit der sonst auf dieser Höhenlage beobachteten Schneehöhe (auf dem 13 km entfernten Messfeld am Weissfluhjoch auf 2536 m lag zu diesem Zeitpunkt 287 cm Schnee). Rückmeldungen aus dem Gelände deuteten darauf hin, dass diese Gefahrenstellen äusserst selten waren.

 
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Abb. 5a: Schneebrettlawine, fernausgelöst durch Tourenfahrer in der Abfahrt am Freitag, 22.03 an einem Nordwesthang auf 2740 m zwischen Leidbachfurgga und Älplihorn (Davos/GR). Die Tourenfahrer waren einzeln abgefahren. Es wurde niemand erfasst. Die mittelgrosse bis grosse Lawine war 70 m breit und 350 m lang (Foto: SLF/F. Techel, 23.03.2019).
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Abb. 5b: Wie das Schneeprofil, aufgenommen am Lawinenanriss am darauffolgenden Tag, zeigte, war die Lawine in einer sehr schwachen, aufbauend umgewandelten Schicht angebrochen.
  

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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