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Wochenbericht 18. - 25. April 2019

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An Ostern schön, dann der Föhn…

Für einmal zeigten sich die Ostertage mit einem freundlichen Wettercharakter. Abgesehen von teils hohen Wolkenfeldern war es meist sonnig und vielerorts herrschten schönste Tourenbedingungen bei einem für den Frühling typischen Tagesgang der Lawinengefahr. Ab Dienstag brachte eine Südstaulage am Alpensüdhang Schnee, insbesondere oberhalb von 2500 m, und einen damit verbundenen Anstieg der Lawinengefahr.

 
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Die gefrorene Schneedecke nach Strahlungsnächten trägt grundsätzlich zu sicheren Verhältnissen in den Morgenstunden bei. In diesem Falle sorgte die harte, gefrorene Ablagerung jedoch für einen etwas beschwerlichen Aufstieg zur Bergünerfurgga. Hier hatte (vermutlich am Vortag) eine Gleitschneelawine eine Schneebrettlawine ausgelöst und zu einer beachtlichen Ablagerung geführt (2740 m, Bergün, GR; Foto: SLF/S. Margreth, 21.04.2019).
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Die Gleitschneelawine oben aus den Felsen stürzte auf die Schneedecke darunter und löste eine weitere Lawine aus. Hier an der Toggeliflueh im Gebiet des Staldehores bei Gstaad auf 2200 m (Saanen, BE) an einem Nordosthang. Links davon gingen dann am 24.04. weitere, grossflächige Lawinen nieder (Abbildung 7 im Text) (Foto: U. Grundisch, 19.04.2019).
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Der punktförmige Anriss von oben rechts nahm immer mehr Schnee mit, bis die Last reichte, um die kleine Schneebrettlawine am Oberalppass (Gross Schijen, ca. 2600 m, Tujetsch, GR) auszulösen (Foto: N. Levy, 20.04.2019).
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So machen Skihochtouren Spass: Am Glacier du Mont Collon (2800 m, Evolène, VS) kamen Tourenfahrer voll auf ihre Kosten und konnten Spuren im weichen Sulz ziehen (Foto: C. Berthod, 19.04.2019).
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Auch an der Rosablanche waren Firnabfahrten bei toller Aussicht möglich (3000 m, Hérémence, VS; Foto: S. Lugon-Moulin, 23.04.2019).
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Sehr glatte Schneeoberflächen liessen das Skifahrerherz höher schlagen. Es galt, den richtigen Zeitpunkt der Auffirnung abzufangen – bei zeitweise ausgedehnter Bewölkung nicht immer ein einfaches Unterfangen. Hier waren die Bedingungen optimal. Chrachenhorn, Davos, GR, Osthang, 2600 m, 10 Uhr (Foto: SLF/B. Zweifel, 19.04.2019).
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Nicht immer waren die Bedingungen jedoch so ideal: Schlechte Sicht auf dem Zmuttgletscher auf dem Weg zur Schönbielhütte (2300 m, Zermatt, VS; Foto: L. Couturier, 24.04.2019).
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Achtung vor nassen Rutschen! Hier ein kleiner Abgang direkt zu Füssen eines Skitourengehers an der L’Arpitetta (2400 m, Anniviers, VS; Foto: B. Gallera, 23.04.2019).
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Mit der tageszeitlichen Erwärmung wurde die Schneedecke instabil. Dies resultierte in zahlreichen Nassschneelawinen, die meist spontan abgingen. Die Lawinen hier erreichten den Talboden im Sertig (1700 m, Davos, GR; Foto: V. Meier, 19.04.2019).
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In den frühen Morgenstunden ging diese Gleitschneelawine im Skigebiet Parsenn (2200 m, Davos, GR) nieder. Schäden entstanden aber nach bisherigen Informationen glücklicherweise keine (Foto: M. Markutt, 21.04.2019).
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Dieser Abgang ereignete sich im Val de Nendaz (Sion, VS). Dort gingen unterhalb von 2600 m nordseitig zahlreiche spontane Lawinen ab (Foto: S. Lugon-Moulin, 23.04.2019).
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Die Vorbereitungen für das Frühjahr laufen: Je nach Verhältnissen soll die Strasse am Oberalppass (2000 m, Tujetsch, GR) bald wieder geöffnet werden (Foto: N. Levy, 20.04.2019).
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Auch am Lukmanierpass war der Räumdienst fleissig im Einsatz und befreite die Strasse auf Höhe La Puzzetta wieder von den Ablagerungen einer Lawine (1800 m, Medel Lucmagn, GR; Foto: F. Genucchi, 25.04.2019).
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Mit der Ausaperung werden am Rotschtobel (2400, Davos, GR) die Schäden sichtbar, die durch die sehr grosse Lawine Mitte Januar verursacht wurden. Die Lawine hatte eine Länge von über 2000 Metern und ging durch einen Waldtobel sowie über Galerie und Strasse nieder (Foto: SLF/B. Zweifel, 21.04.2019).
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Die glatte Schmelzharschkruste spiegelt das Sonnenlicht am Glatscher da Medel (2800 m, Medel Lucmagn, GR; Foto: SLF/C. Lucas, 21.04.2019).
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Diese Lawine riss entlang des Gipfelgrats des Pala da Tgiern (2279 m, Lumnezia, GR) an und erstreckte sich flächig über den Nordwesthang (Foto: M. Werder, 25.04.2019).
 

Wetter- und Lawinenverhältnisse

Gründonnerstag, 18.04. bis Ostermontag, 22.04.

An Ostern war das Wetter meist sonnig, teils auch wolkenlos und mit Temperaturen von +4 °C bis +9°C auf 2000 m mild. Zeitweise dichter war die Bewölkung besonders im Westen und Süden, wobei auch dort der freundliche Wettercharakter überwog. Es herrschten vielerorts optimale Tourenverhältnisse (Abbildung 1).

 
Die Lawinensituation unterlag dem für den Frühling typischen Tagesgang mit geringer Lawinengefahr am Morgen und mässiger bis erheblicher Gefahr für Nassschneelawinen im Tagesverlauf (Abbildung 2).

Abb. 2: Frühlingsskitouren heisst Zeitmanagment: während nach klaren Nächten die Lawinenverhältnisse am Morgen günstig sind, steigt je nach Höhenlage, Exposition, Temperatur und Sonneneinstrahlung die Gefahr von nassen Lawinen im Tagesverlauf rasch an. Osthang am Chrachenhorn, 2800 m um 12 Uhr und um 12.45 Uhr (Foto: SLF/E. Hafner, 19.04.2019).
 

Feuchte oder nasse Lawinen wurden vor allem in den Expositionen und Höhelagen beobachtet, die zum ersten Mal (oder zumindest zum ersten Mal seit den grösseren Schneefällen von Anfangs April) angefeuchtet wurden. Insbesondere Nordost und Nordwesthänge schienen heikel (Abbildung 3 und 4).

 

 

 

 

Trockene Lawinen wurden in dieser Phase kaum beobachtet.

Dienstag, 23.04. bis Donnerstag, 25.04.

In der Nacht auf Dienstag, 23.04. setzte im Süden Niederschlag ein, der bis zum Ende dieser Wochenberichtsperiode andauerte. Die Schneefallgrenze lag dabei zwischen 1800 und 2200 m. Bis Donnerstagnachmittag, 25.04. fielen oberhalb von 2500 m am Alpensüdhang bis zu 120 cm Schnee (Abbildung 5).

 

Damit stieg die Gefahr von trockenen Lawinen oberhalb von 2400 m am Alpenhauptkamm von Saas Fee bis ins südliche Goms, im Bedretto sowie in den oberen Maggiatälern auf Stufe 4 (gross) an. Beobachtungen in diesem Gebiet waren kaum möglich, weil vor allem in den höheren Lagen kaum Sicht herrschte. Im südlichen Goms wurden einige Lawinen aus Nordhängen beobachtet, die bis in den Talboden vordrangen. Auch in Vals wurden grossflächige Abgänge verzeichnet. Etliche Lawinen in einem Höhenband von etewa 2000 bis 2400 m gingen auch nass ab, ausgelöst durch den teils intensiven Regen (Video Lawine Realp, UR, 24.04.).

Im Norden dominierte derweil der Föhn das Geschehen. Es war teils aufgehellt und mit Temperaturen von rund +8 °C auf 2000 m weiterhin mild. In der Höhe und in den Föhntälern des Nordens kam der Föhn immer mehr in die Gänge und blies am Mittwoch und Donnerstag stürmisch (Abbildung 6). Da die Schneedecke aber nur noch in Nordhängen oberhalb von rund 2600 m trocken war, hielt die Verfrachtung in den Gebieten ohne Neuschnee in engen Grenzen.

 

Mit dem Föhn und den milden Temperaturen blieben im Norden Nass- und Gleitschneelawinen die dominierende Gefahr (Abbildung 7). Mit teils bewölkten Nächten waren zudem die Abstrahlungsverhältnisse nicht optimal und die Schneedecke gefror vor allem in mittleren Lagen kaum.

 

Schneelage

Der Föhn und die milden Temperaturen gingen dem Schnee vor allem im Norden an den Kragen. In mittleren Lagen reduzierten sich die Schneehöhen vom Karfreitag, 19.04. bis am Donnerstag, 25.04. bis hin zu 50 cm (Abbildung 8). Viele SLF-Messfelder aperten aus und somit wurde auch die Schneekarte, die den Vergleich zum langjährigen Mittel darstellt, nicht mehr publiziert, weil diese auf den Messdaten der Messfelder beruht.

 

Unfälle

Bei einer Lawinenauslösung unterhalb der Alp Rossboden, Andermatt, UR, wurde eine Person erfasst und mitgerissen, blieb aber unverletzt (Abbildung 9).

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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