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Wochenbericht 12. - 17. April 2019

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Mehrheitlich günstige Lawinensituation

Nachdem die letzte Wochenberichtsperiode zunächst noch viel Neuschnee und zahlreiche, auch sehr grosse Lawinen gebracht hatte, so war es diesmal schnee- und lawinenmässig sehr ruhig. Mit etwas Sonne, zeitweise schwachem Schneefall, meist schwachem Wind und vergleichsweise kühlen Temperaturen blieb die Lawinensituation mehrheitlich günstig. Es gab nur wenige Lawinenabgänge. Es ereigneten sich keine Lawinenunfälle mit Personen.

 
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Die Natur hat das Rad wohl schon vor dem Menschen erfunden... In der Nähe der Geltenhütte (Lauenen, BE), auf etwa 2050 m Höhe formte der feuchte Schnee dieses Kunstwerk (Bild: U. Grundisch, 13.04.2019).
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Am Freitag, 12.04. lag die Nebelgrenze im Berner Oberland bei etwa 2400 m. Darüber erhob sich majestätisch das vergletscherte Dreigestirn von Eiger (links, 3970 m), Mönch (Mitte, 4107 m) und Jungfrau (rechts, 4158 m; Foto: E. Sommer).
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Auch ohne Pulverschnee kann es schön sein... Trotz des oft bewölkten Wetters wurde am Samstag, 13.04. an der 2685 m hohen Zenjiflue (Arosa, GR) an allen Expositionen eine tragfähige Kruste vorgefunden (Bild: SLF/C. Lucas).
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Auch im Gotthardmassiv, hier am Gemsstock (2962 m, Andermatt, UR) traf man am Samstag, 13.04. in den Nordhängen auf eine tragfähige Kruste, welche teilweise mit Reif bedeckt war (Foto: P. Degonda).
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In der Westschweiz präsentierte sich der Sonntag, 14.4. einiges freundlicher als erwartet. Kombiniert mit der günstigen Lawinensituation erfreute dieser Umstand das Herz so manchen Tourengängers. Blick zurück auf den Nordwestgrat des 3590 m hohen Wyssnollen inmitten des Aletschgebietes (Bild: C. Morgenthaler).
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Während in den Tälern der Frühling Einzug hielt, konnten Wintersportler in höheren Lagen noch super Bedingungen geniessen: Auf dem Persgletscher an der Nordseite des Piz Palü (3900 m, Pontresina, GR) lag am Montag, 15.04. teilweise noch hüfttiefer Pulverschnee (Bild: M. Benz).
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Dünenlandschaft im Bündnerland. Wo noch etwas lockerer Schnee lag, konnte der Wind diese Kunstwerke zaubern. Bei solchen Rippen, beobachtet zwischen Isentällispitz (2985 m) und Gorihorn (2904 m) über dem Flüelatal, muss der Wind von der Seite geblasen haben. Deswegen erinnert die Schneeoberfläche etwas an ein gefrorenes Meer (Foto: S. Fröhlich, 15.04.2019).
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“Snowfarming” in der Natur: Ein schon etwas älterer Lawinenkegel an der Südabdachung des Brienzergrates auf ca. 700 m. Die mitgerissenen Vegetationsteile schützten den Schnee an der Oberfläche vor direkter Sonneneinstrahlung und verlangsamten so das Abschmelzen. (Bild: U. Mosimann, 15.04.2019).
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Wird bei einem Schneeprofil sorgfältig eine dünne Wand freigeschaufelt, lassen sich signifikante Unterschiede in den Schneeschichten von Auge erkennen. In diesem Fall, am Südwesthang der 2926 m hohen Pointe de la Plaine Morte (Crans-Montana, VS) liess die Eislamelle im unteren Profilbereich deutlich mehr Licht durchscheinen als die anderen Schneeschichten. Siehe auch Abbildung 8 (Foto: V. Bettler, 15.04.2019).
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Die Ausmasse der Lawinen vom Monatsbeginn waren teils beachtlich: Diese Nassschneelawine löste sich am 05.04. an der Nordseite des Spitzigrates (Göschenen, UR) und stiess bis auf den Boden des Göschenertals vor (Foto: C. Mattli, 13.04.2019).
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Lawinenschnee ist typischerweise dicht gepresst und schmilzt somit langsamer als die umliegende Schneedecke. Fast schon künstlich mutete dieser Effekt am Samstag, 13.04. in Guttannen (BE) an: Einzelne Zungen der grossen "Spreitlouwi" stiessen in geschwungenen Bahnen über Felder und Wege vor... (Bild: © Grimselfoto, Daniel Bürki, Guttannen)
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... und pflügten sich dabei regelrecht durch die Schneedecke, wodurch in der "Sturzbahn" deutlich weniger Schnee übrig blieb als rundherum (Bild: © Grimselfoto, Daniel Bürki, Guttannen, 13.04.2019).
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In den darauffolgenden milden Tagen aperten diese Lawinenbahnen rascher aus als ihre Umgebung, was solche ästhetische Aufnahmen ermöglichte (Bild: © Grimselfoto, Daniel Bürki, Guttannen, 13.04.2019).
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Mit den wärmeren Temperaturen drang flüssiges Wasser immer tiefer in die Schneedecke ein. Am Umbrailpass (Val Müstair, GR), einem der östlichsten Punkte der Schweiz, traf dieses Wasser vor allem im Waldgrenzbereich auf grobkörnigere Schneeschichten, was die Auslösung von feuchten Schneebrettlawinen begünstigte (Bild: P. Caviezel, 17.04.2019).
 

Wetter

Am Freitag, 12. April und Samstag, 13. April war es im Westen und Süden recht sonnig (Abbildung 1), im Osten meist bewölkt. Die Nullgradgrenze pendelte um 2000 m (Abbildung 2).

 
 

Mit dem Durchzug eines Kaltlufttropfen wurde es am Sonntag markant kälter. Besonders im Norden und Osten schneite es zeitweise, wobei die Schneefallgrenze vorübergehend bis in tiefe Lagen sank. Die Mengen blieben aber relativ gering. Nur im Engadin fiel bis zu 20 cm Neuschnee (Abbildung 3).

 

Montag, 15. bis Mittwoch, 17. April waren erneut teils sonnig, teils bewölkt. Die Nullgradgrenze stieg am Montag langsam wieder auf rund 2000 m an und erreichte am Mittwochnachmittag 2400 m.

Lawinenverhältnisse

Trockene Lawinen

Nur sehr vereinzelt konnten oberflächliche und meist kleine Lawinen ausgelöst werden. Dies besonders in den Regionen, in welchen es am Samstag und Sonntag etwas Neuschnee gegeben hatte (Abbildung 4).

 

Nass- und Gleitschneelawinen

Mit der kühlen und nur zeitweise sonnigen Witterung unterlag die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen nur einem leichten Tagesgang. Die Lawinenaktivität war – mit Ausnahmen (siehe Abbildung 5) - gering. Einzelne kleine und mittelgrosse Lawinen wurden gemeldet (Abbildung 6).

 
 

Schnee- und Lawinensituation vor Ostern 2019

Kurz vor Ostern, am Mittwoch, 17. April lag vielerorts in den Schweizer Alpen noch vergleichsweise viel Schnee (siehe auch Abbildung 7):

  • Die Schneegrenze lag an Nordhängen zwischen 1000 m am östlichen Alpennordhang und 1600 bis 1800 m im südlichen Oberwallis und im Münstertal. An Südhängen lag die Schneegrenze jeweils rund 400 m höher.
  • Auf 2000 m lag am zentralen und östlichen Alpennordhang verbreitet mehr als 200 cm Schnee, in den übrigen Regionen war es zwischen 100 und 200 cm Schnee. Nur im südlichen Wallis waren die Schneehöhen mit 50 bis 100 cm geringer. Diese Werte sind vielerorts leicht überdurchschnittlich, im Engadin entsprechen sie rund dem 1.5-fachen der um diese Jahreszeit gemessenen Schneehöhen.
  • Auf 2500 m lag in allen Regionen noch mehr als 200 cm Schnee.
 

Der Schneedeckenaufbau präsentierte sich günstig. Mit Stabilitätstests konnten nur vereinzelt Brüche in der Schneedecke ausgelöst werden (Abbildung 8).

 

Nordseitig war die Schneedecke oberhalb von 2000 m noch weitgehend trocken, an Ost- und Westhängen bis auf rund 2400 m hinauf durchfeuchtet. An Südhängen war die Schneedecke bereits seit einigen Wochen bis auf über 3000 m isotherm und feucht.

 

Unfälle

Es ereigneten sich keine Unfälle mit Personenbeteilung.

Am Freitag, 12. April löste sich am Nordhang des Petit Combin (VS) auf rund 3600 m eine sehr grosse Lawine. Diese wurde vermutlich von einem Serac-Abbruch ausgelöst. Es glitt die gesamte Schneedecke bis auf das Gletschereis ab. Die Air Glaciers führte einen Kontrollflug durch, um sicherzustellen, dass sich keine Personen im Bereich der Lawine befunden hatten.

 

 

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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