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Wochenbericht 01. - 31. Juli 2019

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Mit markanten Hitzewellen geht es im Juli den Schneeresten an den Kragen

Der Juli war der sechstwärmste seit Messbeginn. Die Temperatur auf 3000 m fiel nur an einem Tag kurz in den negativen Bereich. Sonst lag sie meist zwischen 5 und 10 °C, zeitweise sogar bei 15 °C. Die milden Temperaturen trieben die Schneeschmelze weiter voran. Lawinenunfälle wurden keine gemeldet.

 
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Die sommerlichen Temperaturen machten dem Schnee im Juli den Garaus. Im Jörital (2500 m, Klosters, GR) kamen langsam aber sicher wieder die Jöriseen zum Vorschein (Foto: SLF/C. Seupel, 14.07.2019).
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Im Mönchalptal (ca. 1900 m, Klosters, GR) kippte eine grosse Schneescholle als Ganzes. Sie stellte sich hochkant und erinnert nun an die Form eines Eisbergs (Foto: J. Rocco, 21.07.2019).
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Die Schneeoberfläche auf dem Glacier du Mont Collon (3100 m, Evolène, VS) ist stark von der Schneeschmelze geprägt. Die konkav gefurchte Oberfläche entsteht weil der Schnee in den Vertiefungen schneller schmilzt als an den Spitzen. So werden die Vertiefungen immer markanter und bilden einen mühsamen Untergrund für Begehungen. (Foto: P. Kadelbach, 14.07.2019).
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Dort wo genügend Material den Schnee vor Wärme isoliert, waren auch in mittleren Lagen im Schatten noch Ablagerungen von grossen Lawinen aus dem Winter zu sehen. Hier in der Zügenschlucht (1200 m, Bergün, GR; Foto: SLF/C. Seupel, 15.07.2019).
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Nachwirkungen aus dem Winter: Auch im Juli kommen immer noch weitere Schäden zum Vorschein, welche die teils sehr grossen Lawinen aus dem Winter angerichtet haben. Hier ein Waldschaden im Tobel Bova Gronda bei Lenzerheide (1600 m, Lantsch, GR; Foto: J.J. Lucas, 15.01.2019).
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Roter Schnee: Die Schneealge (Chlamydomonas nivalis) ist die Alge des Jahres 2019. Sie schützt sich durch den blutroten Farbstoff vor zu intensiver Sonneneinstrahlung und gehört ironischerweise zu den Grünalgen (Foto: N. Levy, 09.07.2019).
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In der Höhe herrschten im Juli häufig gute Hochtourenbedingungen. Der Westgrat am Gross Fusshorn (3627 m, Naters, VS) war zeitweise mit frischem Schnee bedeckt. Im Tal verzweigen sich Oberaletsch- und Beichgletscher (Foto: SLF/L. Eberhard, 08.07.2019).
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Blick vom Breithorn (4164 m, Zermatt, VS) gen Westen. Man sieht der Trittspur an, dass der schneebedeckte Grat im Juli das Ziel zahlreicher Alpinisten war (Foto: M. Siefke, 11.07.2019).
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Der Steigletscher (ca. 2600 m, Innertkirchen, BE) war gegen Monatsende noch recht gut eingeschneit. Der bräunliche Ton an der Schneeoberfläche stammt von abgelagertem Saharastaub. Dieser ist auch auf den nachfolgenden Bildern gut sichtbar (Foto: H. Winter, 22.07.2019).
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Vorsicht vor Eisstürzen am Gletscherabbruch! Diese Ablagerung aus Eis und Schnee war am Hobärggletscher unterhalb des Doms (4545 m, Randa, VS) zu sehen (Foto: M.I. Schmidt, 14.07.2019).
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Früh am Tag noch nicht aufgeweicht, bot der feste Trittschnee gute Bedingungen zur Besteigung des Weissmies (4017 m, Saas-Grund, VS). Die Normalroute über den zerklüfteten Triftgletscher ist nach einer vorangegangenen Sperrung früher im Jahr nun wieder geöffnet (Foto: M. Huber, 26.07.2019).
 

Wetter – und Lawinensituation

Die rekordträchtige Hitzewelle, welche die Schweiz Ende Juni fest im Griff hatte, dauerte bis am Montag, 1. Juli weiter an. Erst in der Nacht auf den 2. Juli wurde diese durch kräftige Gewitter beendet.

In der Folge war der Juli von Tagesgangwetter geprägt. Dabei war es oft sonnig und mild. Die Nullgradgrenze lag im Hochgebirge. Auf 3000 m lag die Tageshöchsttemperatur  meist zwischen 5 und 10 °C (Abbildung 1). Am Abend gab es häufig Schauer oder Gewitter. Vereinzelt brachten die Gewitter auf den höchsten Gipfeln des Hochgebirges etwas Neuschnee.

 

Das Tagesgangwetter wurde am Sonntag, 14. Juli vom Durchzug eines Kaltlufttropfens für zwei Tage unterbrochen. Dieser brachte eine kurzfristige Abkühlung und Niederschläge mit sich. So fiel oberhalb von 2500 bis 3000 m im südlichen Wallis 20 bis 40 cm, im Aletschgebiet und im Engadin 10 bis 20 cm Schnee (Abbildung 2).

 

Vom 20. bis am 26. Juli lag die Schweiz erneut im Einfluss einer Hitzewelle. Die Nullgradgrenze stieg dabei am Höhepunkt der Hitzewelle auf knapp 5000 m an. Die Tageshöchsttemperatur auf 3000 m erreichte, wie bereits während der Hitzewelle Ende Juni, bemerkenswerte 15 °C (Abbildung 1). Im Westen war die Juli-Hitzewelle noch markanter als jene im Juni, im Osten hingegen war die Junihitze intensiver (Klimabulletin Juli Meteoschweiz).

Der Aufzug einer Kaltfront beendete in der Nacht auf Samstag, 27. Juli die Hitzewelle. Die Kaltfront brachte kräftige gewittrige Niederschläge mit sich. Die intensivsten Niederschläge fielen am Alpennordhang, im Prättigau und im Tessin mit 50 bis 70 mm Regen. Die Schneefallgrenze lag zwischen 3000 und 3500 m. Nur auf den höchsten Gipfeln im Wallis und im Berner Oberland blieb etwas Schnee liegen.

 

Das Monatsende war wechselhaft.

 

Schneelage

Trotz der Rekordschneeschmelze im Juni lag Anfang Juli in der Höhe immer noch viel Schnee. Das einzige langjährige Messfeld in hohen Lagen auf dem Weissfluhjoch (2536 m, Davos, GR) aperte am 8. Juli 2019 aus. Obwohl Anfang Juni dort noch Rekordschneehöhen gemessen worden waren, war dies nur 2 Tage später als im 30-jährigen Durchschnitt.

Dank des vielen Schnees im Hochgebirge waren die Verhältnisse für Hochtouren zunächst meist günstig. Mit den anhaltend milden Temperaturen schritt die Schneeschmelze jedoch weiter fort. So wurden Spaltenzonen zunehmend freigelegt und an steilen Flanken kam vermehrt Blankeis zum Vorschein. Die Juli Schneeschmelze wird anhand eines Bildvergleichs eindrücklich illustriert (Abbildung 4).

 
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Abbildung 4a: Blick aus dem Weltall auf die Bündner Berge am 28. Juni 2019. Das Bild ist ein Komposit aus verschiedenen Frequenzbändern. Wolken und Schnee erscheinen weiss, Eis in blauen, Fels in braunen und Vegetation in roten Farben. In der Höhe liegt noch viel Schnee (Aufnahme Sentinel 2 L1C, Quelle: Sentinel Hub).
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Abbildung 4b: Blick aus dem Weltall auf die Bündner Berge am 23. Juli 2019. Das Bild ist ein Komposit aus verschiedenen Frequenzbändern. Wolken und Schnee erscheinen weiss, Eis in blauen, Felsen in braunen und Vegetation in roten Farben. Schneereste liegen nur noch auf den hohen Gipfel. Die grösseren weissen Flächen sind die schneebedeckten Gletscher der Silvrettagruppe und rund um den Piz Grialetsch und den Piz Kesch (Aufnahme Sentinel 2 L1C, Quelle: Sentinel Hub).
 

Nachdem Anfang Juli noch rund ein Viertel der Messfelder an den automatischen Messstationen zwischen 2000 und 3000 m schneebedeckt waren, waren Ende Juli alle Messfelder schneefrei (Abbildung 5).

 

Nichtsdestotrotz waren in der Höhe an Schattenhängen und in Mulden auch Ende Juli immer noch zahlreiche Schneefelder zu sehen (Abbildung 6).

 

Lawinenunfälle

Im Juli wurde dem SLF kein Lawinenunfall gemeldet.

 

Lawinenbulletin

Im Juli wurde kein situationsbezogenes Lawinenbulletin publiziert. Im Sommer und im Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen Lawinenbulletins. Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte die Lawinensituation auch im Sommer beachtet werden. Sie können sich via Push-Alert, SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen.

Der nächste Monatsbericht erscheint Anfang September.

 

 

 

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