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Wochenbericht 01. - 07. März 2019

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Zeitweise stürmisch und etwas Neuschnee im Norden und Westen, dann Schnee im Süden

Zwei kleinere Schneefälle im Norden und Westen, dazu starker bis stürmischer Wind. Zwar mussten Triebschneeansammlungen beachtet werden (siehe Bild 1 in der Bildgalerie), aber vielerorts blieben die Lawinenverhältnisse  vorerst noch mehrheitlich günstig (siehe zweite Bildgalerie weiter unten). Lawinenauslösungen waren zunächst noch selten, Lawinen meist klein. Mit einem erneuten Sturm fiel am Donnerstag auch am Alpensüdhang seit über fünf Wochen erstmals wieder nennenswert Niederschlag und die Lawinengefahr stieg verbreitet an

 
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Mit Neuschnee und starkem bis stürmischem Wind zu Beginn der Wochenberichtsperiode bildeten sich kleine, teils von Wintersportler*innen auslösbare Triebschneeansammlungen. Bei der Abfahrt von der 2705 m hohen Mederger Flue Richtung Davos (GR) löste sich am Samstag, 02.03. diese kleine Schneebrettlawine, erfasst wurde aber niemand (Foto: SLF/L.A. Eberhard).
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Die gleiche Schneebrettlawine aus einer anderen Perspektive. Bei der Einfahrt vom Rücken in den Hang löste sich der eingeblasene Triebschnee (Foto: SLF/L.A. Eberhard, 02.03.2019).
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Ein ähnliches Bild bot sich in der Westschweiz auch noch am Dienstag, 05.03.: Die Schneebrettlawine auf der Nordseite des 2729 m hohen Bonhomme de Tsalevey über dem Val d'Entremont (VS) löste sich allerdings im Altschnee und war etwas mächtiger. Die abgehenden Schneemassen erfassten einen Hund, der sich glücklicherweise selbst befreien konnte (Foto: E. Rossillon).
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Trotz des Neuschnees gingen in einigen Regionen auch am Wochenende noch nasse Lawinen ab: Am Sonntag, 03.03. löste sich am 2549 m hohen Ruederstock eine Gleitschneelawine in Richtung Seewenalp (UR). Dabei wurde ein Skitourengänger erfasst, aber nicht komplett verschüttet (Foto: D. Lohri).
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Der Sturm sorgte aber nicht nur für Triebschnee: Die Liftanlagen am Chäserrugg (2260 m) im Toggenburg (SG) waren am Samstagmorgen, 02.03. komplett mit Rauheis gepanzert (Foto: P. Diener).
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An hochgelegenen, nordexponierten Hängen, fanden sich stellenweise noch stark aufbauend umgewandelte Schneeschichten. An der Nordwestflanke des 2709 m hohen Gross Schiahorn zwischen Landwassertal und Schanfigg (GR) liessen sich die Becherkristalle gut von Auge erkennen (Foto: SLF/T. Widmer, 03.03.2019).
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Am Bel Oiseau (2630 m) über dem Vallon du Barberine (VS) wurden am Dienstag, 05.03. hingegen Graupelkörner wie aus dem Lehrbuch gefunden (Foto: J.-L. Lugon).
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Wie schlecht verbunden eine solche Graupelschicht sein kann, zeigt dieses Schneeprofil, ebenfalls vom Bel Oiseau, eindrücklich. Die "Kügelchen" scheinen beim Graben einfach weggerieselt zu sein (Foto: J.-L. Lugon, 03.03.2019).
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Der Föhnsturm vom Mittwoch, 05.03. beendete mit seinen garstigen Böen eine lange Phase mit guten Tourenbedingungen. Dies scheint einige Motivierte im Gebiet des Grand Muveran (3051 m, VD) nicht abgehalten zu haben (Foto: J.-D. Schoop).
 

Wetter

Freitag, 1. März: erster Schneefall seit über zwei Wochen

Nach über zwei Wochen milden und trockenen Wetters, schneite es am Freitag im Norden oberhalb von 1200 m erstmals wieder. Bis zum Niederschlagsende in der Nacht auf Samstag fiel nördlich einer Linie Rhone – Rhein sowie in Nordbünden bis zu 20 cm, am östlichen Alpennordhang bis zu 30 cm Schnee (Abb. 1). In der Höhe blies mässiger, im Norden und Westen starker Westwind. Es entstanden meist kleine Triebschneeansammlungen. Neu- und Triebschnee wurde auf eine meist harte, raue Schmelzharschkruste abgelagert. Nur an steilen, windgeschützten Nordhängen war die Schneeoberfläche vor dem Schneefall teils locker und aufbauend umgewandelt.

 

Samstag, 2. und Sonntag, 3. März: trotz Triebschnee mehrheitlich günstige Lawinensituation

Am Wochenende war es trotz hoher Wolken recht sonnig. Die Tourenverhältnisse waren dank dem Neuschnee vielerorts günstig (siehe Bildstrecke 2). Triebschnee war zwar vorhanden und auch gut erkennbar, aber kaum durch Personen auslösbar.

Im Laufe des Sonntags drehte der Wind von West auf Südwest und wurde stark. Die Nullgradgrenze stieg bis gegen 2500 m. Besonders im Westen entstanden teils störanfällige, aber meist kleine Triebschneeansammlungen.

 
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Die guten Tourenbedingungen am Wochenende wurden vielerorts ausgiebig genutzt. Spuren an der Rot Flua (2253 m) oberhalb Tenna (Safiental, GR) zeugten am Sonntag, 03.03. davon (Foto: R. Meister).
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Wer die anstrengenden Anstiege auf sich nahm, wurde dafür mit unverspurten Hängen belohnt. Diese schönen Kurzschwünge wurden am Samstag, 02.03. in die Hänge des 2999 m hohen Pizzo Centrale Richtung Urserental (UR) in den frischen Neuschnee gelegt (Foto: R. Imsand).
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Während sich am Oberalppass (UR / GR) die Spuren teilweise kreuzten... (Foto: R. Imsand, 03.03.2019)
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...wurden sie am Grassen (2946 m) neben dem Titlis (OW / BE) schön gleichmässig aneinandergereiht (Foto: P. Degonda, 05.03.2019).
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Bei der Abfahrt vom Andermatter Rothorn (2885 m) via Guspis nach Hospental (UR) wurde am Sonntag, 03.03. auch eher "Spur-an-Spur" gefahren... (Foto: P. Degonda)
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...an der Dent Blanche / Gstellihore (2820 m) hoch über Gsteig bei Gstaad (BE) wurde diese Technik allerdings perfektioniert (Foto: L. Hofer, 02.03.2019).
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Andere Winterportler*innen bevorzugten weite "Big-Mountain-Turns", hier über dem Lac du Grand Désert (2642 m , Nendaz, VS). Beim Felszahn im Hintergrund handelt es sich um einen Vorgipfel des 3328 m hohen Mont Fort (Foto: S. Lugon-Moulin, 05.03.2019).
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An der Westflanke des 3079 m hohen Lochberg über dem Göschenertal (UR) zeugten Dienstag, 05.03. zwei Abfahrtspuren von brennenden Oberschenkeln (Foto: R. Schild).
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Entweder wurde jeder Abfahrtsmeter Schritt für Schritt verdient, wie hier in Richtung Uratstock (2911 m, Innertkirchen, BE) hoch über dem Gadmertal (BE)... (Foto: R. Schmid, 03.03.2019)
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...oder man bediente sich anderer Mittel, um die schönen Verhältnisse möglichst gut zu nutzen, hier am Gemsstock (2962 m) im Skigebiet Andermatt-Sedrun (UR / GR). Ein Genuss scheint es allemal gewesen zu sein (Foto: R. Imsand, 04.03.2019).
 

Montag, 4. März: milde Nacht, dann Kaltfront

Mit dem starken, zeitweise stürmischen Südwestwind – in den Alpentälern des Nordens blies teils starker Föhn – war die Nacht im Norden mit +6 °C  auf 2000 m sehr mild. Während des Tages überquerte eine Kaltfront die Schweiz. Diese brachte am Alpennordhang eine markante Abkühlung um fast 10 Grad innert weniger Stunden. Oberhalb von 1200 m fiel auch etwas Neuschnee, am meisten im westlichen Unterwallis mit bis zu 30 cm (Abb. 2).

 

Dienstag, 5. März: Ruhe zwischen den Stürmen

Der Dienstag war trocken und recht sonnig. Der Westwind blies schwach bis mässig. Vielerorts boten sich nochmals ideale Tourenverhältnisse (siehe Bildgalerie 2 oben).

 

Mittwoch, 6. und Donnerstag, 7. März: erste Südstaulage seit fast fünf Wochen

Im Laufe des Mittwochs intensivierte sich der Südwestwind wieder. In den Alpen blies er stark bis stürmisch, in den Alpentälern wurde es mit Föhn bis zu +15 °C warm. Am Mittwochnachmittag setzte im Süden Niederschlag ein. Dies war seit dem 2. Februar, also seit fast fünf Wochen, der erste nennenswerte Niederschlag am Alpensüdhang. Bis Donnerstagnachmittag fielen oberhalb von 1500 m 30 bis 50 cm Schnee (Abb. 3). Nach Zusammenbruch des Föhns im Norden fiel auch dort in Lagen oberhalb von 1500 m etwas Schnee. Die Lawinengefahr stieg mit dem starken Wind und den im Süden ergiebigen Schneefall verbreitet auf Stufe 3, „erheblich“ an.

 

Lawinenprobleme und Lawinenaktivität

Die Aktivität von Gleitschneelawinen war wesentlich niedriger als noch in den vergangenen zwei Wochen. Trotzdem blieben sie für Tourengeher eine nicht zu unterschätzende Gefahr, da sie gefährlich gross werden konnten (Abb. 4).

 

Triebschneeansammlungen mussten beachtet werden. Allerdings waren sie zunächst meist klein und auch nur teilweise von Personen auslösbar. Dies änderte sich mit dem stürmischen Wind am Mittwoch (Abb. 5). Mit den Schneefällen am Donnerstag entstanden teils grosse Triebschneeansammlungen. Ob es Lawinen gab? Dazu mehr im nächsten Wochenbericht…

 

Es wurden nur sehr wenige Lawinenauslösungen – spontan oder durch Personen - gemeldet. Nur sehr vereinzelt gab es grössere Abgänge (Abb. 6).

 

Lawinenunfälle

Rückmeldungen von Lawinenunfällen – neue Webseite „gemeldete Lawinenunfälle“

Das SLF erfasst alle gemeldeten Lawinenunfälle mit Personen, das heisst alle Lawinen, bei welchen mindestens eine Person mitgerissen wurde. Diese Lawinenereignisse werden seit Anfang März auf der Webseite des SLF auf einer Karte und Tabelle auf dem Internet dargestellt (Abb. 7).

 

Die Lawinenereignisse werden von Beobachtern, der Polizei, den Rettungsdiensten, aber auch der Öffentlichkeit gemeldet. Diese Angaben werden von Mitarbeitern des SLF auf Plausibilität überprüft und gegebenenfalls korrigiert, können aber Ungenauigkeiten oder Lücken enthalten. Bei Unstimmigkeiten und Fehlern, oder falls eine Lawine fehlt, bitten wir um eine entsprechende Meldung mit entsprechenden Zusatzinformationen, möglichst mit Bildern der Lawine und einer kurzen Beschreibung des Unfallhergangs. Über das Rückmeldeformular oder per Mail an accidents@slf.ch. Wir behandeln alle Rückmeldungen vertraulich.

Aber nicht nur Lawinenunfälle interessieren die Lawinenwarnung des SLF. Ganz allgemein kann die Rückmeldung von Beobachtungen zur Lawinengefahr, wie bspw. von Lawinenabgängen, die Qualität des Lawinenbulletins verbessern. Rückmeldungen können am besten über das Rückmeldeformular oder direkt aus der WhiteRisk-App gemacht werden.

Gemeldete Lawinenunfälle im Touren- und Variantenbereich – der aktuelle Winter, verglichen mit den letzten zehn Jahren

Betrachtet man die räumliche Verteilung der gemeldeten Lawinenunfälle im freien Gelände – also auf Touren oder beim Variantenfahren - dieses Winters (Monate Dezember bis Februar, 96 Unfälle im freien Gelände), dann fällt auf, dass es vergleichsweise viele Unfalllawinen am westlichen Alpennordhang, im südlichen Unterwallis und in der Region um Davos gab (Abb. 8a). Während auch in anderen Jahren im südlichen Unterwallis und in Davos relativ viele Lawinenunfälle gemeldet wurden, so ist diesmal besonders die Häufung an Unfällen am westlichen Alpennordhang auffällig (Abb. 8b). Eine Erklärung für diese Häufung war sicher das in diesen Gebieten lange Zeit sehr ausgeprägte Altschneeproblem, welches in anderen Wintern eher typisch für die inneralpinen Gebiete des Wallis und Graubündens ist.

Von der Anzahl der gemeldeten Lawinenereignisse im freien Gelände – auf Tour oder beim Freeriden - liegen die drei Monate Dezember bis Februar des aktuellen Winters etwas über dem Schnitt der zehn Jahre davor (96 vs. 75 gemeldete Lawinenereignisse), was auch an der zunehmend häufigeren Rückmeldung von relativ glimpflich ausgegangenen Lawinenunfällen durch Tourengeher und Freerider liegen kann. Der Anteil und die Anzahl Lawinen, welcher Opfer forderte, war mit 12 Lawinen bzw. 13% der Rückmeldungen im aktuellen Winter relativ ähnlich den vergangenen zehn Jahren mit 11 Lawinenunfällen mit Todesfolge (14% der gemeldeten Lawinen).

 
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Abb. 8a: Gemeldete Lawinenunfälle im Touren- und Variantenbereich im aktuellen Winter, für die Monate Dezember bis Februar. Die Punkte stellen die einzelnen Unfälle dar, die Schattierung die Häufigkeit auf einer Fläche von 1000 km2, und die Polygone die Warngebietsgrenzen, welche im Lawinenbulletin verwendet werden.
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Abb. 8b: Gemeldete Lawinenunfälle im Touren- und Variantenbereich in den vergangenen zehn Jahren, für die Monate Dezember bis Februar. Die Punkte stellen die einzelnen Unfälle dar, die Schattierung die Häufigkeit auf einer Fläche von 1000 km2, und die Polygone die Warngebietsgrenzen, welche im Lawinenbulletin verwendet werden.
 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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