Navigation mit Access Keys

Winterbericht 2018/19

Hauptinhalt

  

Winterflash (Ausgabe 7. Mai 2019)

 

Zusammenfassung

Der Winter 2018/19 war im Norden der Schweizer Alpen einer der schneereichsten der letzten 20 Jahre und bot dort alles was das Wintersportlerherz höher schlagen lässt: viel Schnee und Sonne, und oft gute Tourenbedingungen. Er war geprägt von zahlreichen Starkschneefällen und kurzen, aber intensiven Phasen grosser Lawinenaktivität. Im Süden hingegen war der Winter schneearm und mild.

Im Januar wurde wegen anhaltender Schneefälle das zweite Jahr in Folge grossflächig die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) prognostiziert, und zwar vom östlichen Berner Oberland bis ins Unterengadin. Tiefe Temperaturen während der Schneefälle führten dazu, dass viele Staublawinen niedergingen, die zum Teil aussergewöhnlich weit vorstiessen. Nach dem Grossschneefall verfestigte sich die mächtige Schneedecke gut. Somit waren die Wintersportbedingungen anschliessend traumhaft und erinnerten während des sonnigen, milden Februars häufig bereits an ideale Frühlingsverhältnisse. Nur in den schneeärmeren Regionen des Westens und in den Voralpen waren noch verbreitet Schwachschichten im Altschnee störanfällig. Vor allem im Westen ereigneten sich im Januar und Februar dadurch zahlreiche Lawinenunfälle.

Nach einem ausgesprochen trockenen Februar kehrte der Winter Mitte März und im April noch ein paar Mal mit aller Kraft zurück. Diese teils sehr intensiven Niederschlagsperioden führten verbreitet zu grosser Lawinengefahr und –aktivität.

Bis Ende April wurden 299 Schadenlawinen (Personen- und Sachschäden) gemeldet. Insgesamt starben 19 Personen in Lawinen. Dies entspricht in etwa dem langjährigen Mittel von 21 Opfern bis Ende April. 18 Personen kamen im ungesicherten Gelände ums Leben. Zwei Patrouilleur starben im Dienst, einer davon auf einer geöffneten Skipiste.

 
Bild 1 von 7
Bei einer Lawinensprengung in der Region Zermatt (VS) wurde diese eindrückliche Staublawine im Schusslaui-Lawinenzug ausgelöst. (Foto: B. Jelk, 11.12.2018)
Bild 2 von 7
Viel Glück in Gurtnellen (UR): Die Geissberglawine löste sich spontan und floss nur knapp an einigen Gebäuden vorbei. (Foto: SLF/S. Margreth, 16.01.2019)
Bild 3 von 7
Gleitfläche einer nassen Lawine auf der Belalp (VS). (Foto: P. Schwitter, 25.12.2018)
Bild 4 von 7
In der ersten Januarhälfte schneite es sehr intensiv zum Teil bis in tiefe Lagen, wie hier oberhalb von Schiers (GR, 660 m ü. M.). Die anhaltenden Starkschneefälle führten verbreitet zu «sehr grosser» Lawinengefahr (Stufe 5). (Foto: SLF/L. Dürr, 14.01.2019)
Bild 5 von 7
Alp Schlafbielen (BE) im Winterkleid. Die bereits tiefverschneite Alp wurde im Januar zusätzlich noch von der Laubwanglaui mit Schnee eingedeckt. (Foto: Abteilung Naturgefahren Bern, 16.01.2019)
Bild 6 von 7
Auf den grossen Schneefall folgten die Gleitschneelawinen, so zum Beispiel am Gufelchopf in Glarus Süd (GL) an einem Südwesthang auf 1700 m ü. M. (Foto: SLF/L. Dürr, 16.01.2019)
Bild 7 von 7
Schneebrettlawine am Sisiger Spitz im Muotathal (SZ). Eine für diesen Winter besonders am westlichen Alpennordhang typische Lawinenauslösung: Altschneebruch im Waldgrenzbereich. (Foto: T. Strüby, 07.01.2019)
 

Typische Aspekte des Winters 2018/19

 

Winterbeginn

Der goldene Herbst wurde Ende Oktober im Süden von einer kräftigen Südstaulage mit grossen Schneefällen und Sturm beendet. Während es im November im Süden immer wieder ergiebig schneite, musste man sich im Norden bis Anfang Dezember gedulden, um den Winter zu begrüssen.

 

Regen an Weihnachten

In den Tagen vor Weihnachten regnete es im Norden und im Westen bis in hohe Lagen teils ergiebig. Die Schneefallgrenze sank erst an Heiligabend im Tagesverlauf ab. Mit dem Schneefall und Regen wurde am 24. Dezember einer der Tage mit der höchsten beobachteten Lawinenaktivität des Winters registriert. Zahlreiche spontane Lawinen rissen den nassen Schnee in mittleren und tiefen Lagen mit und stiessen zum Teil bis in Tallagen vor.

 

Grossschneefälle und sehr grosse Lawinengefahr

In der ersten Januarhälfte schneite es im Norden anhaltend und ergiebig. Die Zehntagesneuschneesumme vom 14. Januar 2019 brach vor allem im Osten einige Rekorde. Von Liechtenstein bis ins nördliche Prättigau entsprach die Niederschlagsmenge einem Ereignis mit einer 150- bis 300-jährigen, in den übrigen östlichen Gebieten einer ca. 30-jährigen Wiederkehrdauer. Vom 12. bis am 14. Januar fiel am Alpennordhang verbreitet mehr als 1 m, von den Urner bis in die St. Galler Alpen und im nördlichen Prättigau zum Teil mehr als 1.5 m Schnee. Aufgrund der grossen Neuschneemengen, begleitet von Sturm, wurde vom östlichen Berner Oberland bis ins Unterengadin verbreitet vor sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5) gewarnt. Die tiefen Temperaturen führten dazu, dass viele Lawinen im Staub niedergingen und sehr gross wurden. Wie bereits im Winter 2017/18 bewährten sich bauliche, raumplanerische und organisatorische Schutzmassnahmen. Es entstanden in dieser Periode zwar Sach- nicht aber Personenschäden.

 

Lawinenauslösungen im Altschnee

Im Januar und Februar waren zwei prominente Schwachschichten im Altschnee wichtig für die Lawinenbildung.  Zahlreiche Lawinenunfälle waren auf diese zwei Schichten zurückzuführen.

Im Bereich der Schmelzharschkruste, die durch den Regen an Weihnachten entstanden war, hatte sich eine störanfällige Schwachschicht gebildet. Diese war vor allem im Westen nur dünn überdeckt und blieb lange Zeit störanfällig.

Zudem hatten sich die oberflächennahen Schichten der Schneedecke wegen der anhaltend tiefen Temperaturen in der zweiten Januarhälfte aufbauend umgewandelt. Diese bildeten eine schwache Unterlage für den Neuschnee anfangs Februar, was verbreitet zu Lawinenauslösungen durch Personen führte. Die Schwachschicht blieb vor allem im Westen im Waldgrenzbereich sowie in den Voralpen ein anhaltendes Problem.

 

Wintereinbrüche im Frühling

Nach einer Trockenphase im Süden von über fünf Wochen kehrte der Winter Anfang März dort zurück. Darauf folgten sowohl im Norden wie auch im Süden einige grosse Schneefälle, die kritische Lawinensituationen zur Folge hatten. Anfang April führten rekordgrosse Schneefälle am Alpensüdhang und in der Zentralschweiz zu grosser Lawinengefahr (Stufe 4) und vielen sehr grossen spontanen Lawinenabgängen.

 

Nass- und Gleitschneelawinen

Vor allem während des warmen und trockenen Februars waren Gleitschneelawinen die Hauptgefahr. Die Aktivität war zwar nie besonders ausgeprägt, wegen der mächtigen Schneedecke wurden die Gleitschneelawinen aber oft gross.

Auch die Aktivität von Nassschneelawinen war bis Mitte April eher bescheiden. Dies war vermutlich weitgehend auf die insgesamt stabile Schneedecke nach den grossen Januarschneefällen zurückzuführen. Ende April wurde die Schneedecke durch intensiven Regen bis in hohe Lagen durchfeuchtet und geschwächt. Infolgedessen gingen vor allem an Nordhängen am Alpenhauptkamm viele grosse und sehr grosse Nassschneelawinen ab.

 

Klimatologische Einordnung

Das Winterhalbjahr 2018/19 war durch grosse Unterschiede zwischen dem Norden und Süden geprägt. Im Süden war es mehrheitlich extrem trocken und mild. Der Norden der Schweizer Alpen erlebte zwar insgesamt auch einen eher warmen Winter, aber laut MeteoSchweiz gleichzeitig in den Berglagen auch die kältesten Januar Temperaturen seit mehr als 30 Jahren. Der Norden war durch die intensiven Schneefälle in der ersten Januarhälfte geprägt. Insbesondere im Osten fielen rekordmässige Neuschneemengen. Von Liechtenstein über das Prättigau bis nach Arosa und Davos waren es verbreitet die höchsten oder zweithöchsten Neuschneesummen (2 bis 3 m), die je in zehn aufeinander folgenden Tagen gemessen wurden. In Nordbünden, in Teilen Mittelbündens und im nördlichen Engadin wurde Mitte Januar an allen Stationen mehr Schnee gemessen als je zuvor zu diesem Zeitpunkt. Von Mitte Januar bis Ende Februar herrschte in den Alpen mit kurzen Unterbrüchen Sonne pur, wobei der Februar zudem von frühlingshaften Temperaturen geprägt war. Ende Februar waren die Schneehöhen nur am Alpenhauptkamm und im Osten überdurchschnittlich, im Süden klar unterdurchschnittlich. Trotz einiger Schneefälle im März änderte sich nichts an dieser Situation. Anfangs April sorgten intensive Schneefälle  bis in tiefe Lagen im Gotthardgebiet für teilweise rekordgrosse Zweitagesneuschneesummen (1 bis 1.5 m). Betrachtet man die gesamte Zeitperiode von November bis Anfang April gehört der Winter 2018/19 auf der Alpennordseite oberhalb von 1500 m basierend auf der mittleren Schneehöhe zu den sechs schneereichsten Wintern der letzten 20 Jahre. Der letztjährige Winter 2017/18 war aber aufgrund des frühen Winterstarts und der grösseren Neuschneesummen viel schneereicher.

 

Lawinengefahr

Im Winter 2018/19 wurden die hohen Gefahrenstufen (4 und 5) häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel. Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.9% knapp dreimal so oft verwendet wie im Mittel der letzten zehn Jahre (1.4%). Die Stufe 5 (sehr gross) wurde an einem Tag herausgegeben. Es war seit dem Lawinenwinter 1999 der zweite Winter in Folge in dem grossflächig sehr grosse Lawinengefahr herrschte. Die Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde mit 33% etwas seltener prognostiziert als im langjährigen Mittel (36%). Die Häufigkeit von Situationen mit tiefen Gefahrenstufen (1 und 2) entsprach mit (21% und 43%) in etwa dem langjährigen Mittel (20% und 42%).

 
 

Lawinenunfälle und Sachschaden

Diesen Winter wurden dem SLF bis Ende April 299 Schadenlawinen gemeldet. Darunter waren 132 Personenlawinen mit insgesamt 202 erfassten Personen. Der Durchschnitt der letzten 20 Jahre liegt bei 270 Schadenlawinen und 212 erfassten Personen. Insgesamt starben 19 Personen bei Lawinenunfällen. 15 Unfälle forderten je ein Todesopfer. Bei einem Unfall kamen vier Personen ums Leben. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt bis zum 30. April bei 21 Todesopfern. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2019 dauert, liegt der Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei 23 Lawinentoten.

Bis auf zwei Lawinenopfer waren alle Opfer Wintersportler, die sich im ungesicherten Gelände aufhielten. Zwei Opfer waren Patrouilleure. Einer verstarb im Dienst auf einer offenen Skipiste, der andere bei Arbeiten zur Pistensicherung. 80% der Opfer (15) waren auf Touren unterwegs, zwei Personen auf Variantenabfahrten. Drei Personen verunglückten tödlich bei Gefahrenstufe 2 (mässig), 13 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und drei Personen bei Stufe 4 (gross). Das Wallis war mit fast der Hälfte der Todesopfer (neun) am stärksten betroffen, gefolgt von den Kantonen Freiburg mit drei, Bern und Graubünden mit jeweils zwei, Uri, St. Gallen und Waadt mit je einem Lawinentoten. Insgesamt sechs der tödlichen Unfälle ereigneten sich am westlichen Alpennordhang, was einer ungewöhnlichen Häufung in dieser Region entspricht und auf ein für dieses Gebiet eher atypisches Altschneeproblem zurückzuführen ist.

Die Jahresbilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2019) gezogen und bis dann kann sich die Unfallstatistik noch ändern.

 
 

Lawinenbulletins

Das Lawinenbulletin erschien vom 26. Oktober 2018 bis am 12. November 2018 sowie seit dem 23. November 2018 täglich um 17 Uhr. Vom 10. Dezember 2018 bis am 08. April 2019 wurde jeweils zusätzlich um 8 Uhr ein Morgenbulletin herausgegeben. Das Lawinenbulletin enthält eine Prognose der Lawinengefahr und allgemeine Informationen zur Schneesituation. Es deckt die Schweizer Alpen, den Schweizer Jura und Liechtenstein ab. Abgerufen werden kann es über www.slf.ch und die SLF-App „White Risk“.

Bis auf weiteres erscheint das Lawinenbulletin täglich um 17 Uhr. Auch im Sommer und im Herbst erscheinen bei grossen Schneefällen situationsbezogene Lawinenbulletins. Sie können sich darüber von der App „White Risk“ mit einer Push Meldung informieren lassen, oder eine SMS abonnieren. Senden Sie dazu eine SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234 (Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).

Informationen zum Bergwetter finden sich auf der App MeteoSwiss oder auf www.meteoschweiz.ch.

 

 

 

Nach oben