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Wochenbericht 15.-21. Dezember 2017

Hauptinhalt

 

Viel Neuschnee im Westen und Norden, viele Schneebrett- und Gleitschneelawinen

Zu Beginn dieser Wochenberichtsperiode fiel vor allem im Westen und im Norden viel Schnee, meist bis in tiefe Lagen. Der Winter hatte die Schweiz fest im Griff. Viele spontane (vgl. Bildstrecke, Foto 1), aber auch künstlich ausgelöste (vgl. Abbildung 1) Schneebrettlawinen gingen ab. Im Verlauf der Berichtsperiode wurden vor allem im Westen und im Norden zunehmend Gleitschneelawinen beobachtet (vgl. Abbildung 10). Dort lag auch überdurchschnittlich viel Schnee. Die Schneehöhen waren im Norden und im Westen auch in mittleren Lagen etwa doppelt so gross wie um diese Jahreszeit üblich. In den übrigen Gebieten waren die Schneehöhen verbreitet durchschnittlich.

 
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Bildstrecke, Foto 1: Spontane Schneebrettlawine am Südhang des Arpelistocks (3036 m, Savièse, VS). Dass sie auf diesem Bild von Conthey, VS aus deutlich sichtbar ist, weist auf eine mächtige Anrisshöhe hin. Vermutlich ist sie am Wochenende vom 16./17.12. niedergegangen (Foto: V. Debons, 20.12.2017).
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Sprengerfolg im Skigebiet Belalp, VS. Zur Sicherung der Piste wurde diese Schneebrettlawine künstlich ausgelöst (Foto: A. Oggier, 16.12.2017).
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Steiler Saisonstart für die Schneefräse. In Wildhaus, SG wurden am Freitagmorgen 73 cm Neuschnee innerhalb von knapp 24h gemessen (Foto: P. Diener, 15.12.2017).
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Böschungstest zur Beurteilung der Auslösefreudigkeit des Neuschnees. Damit eine Lawine abgehen kann, muss nicht nur ein Bruch in der Schneedecke entstehen, sondern sich auch ausbreiten. Am Gamserrugg (2074 m, Grabs, SG) waren am Samstag beide Bedingungen erfüllt (Foto: P. Diener, 16.12.2017).
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Anstrengende Spurarbeit in Richtung Col du Bel Oiseau (2559 m, Finhaut, VS)(Foto: J.L. Lugon, 17.12.2017).
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Eindrückliche Neuschneemenge auf der Südostwand der Les Perrons (2671 m, Finhaut, VS). Das westliche Unterwallis gehörte Ende Woche zu den Regionen mit dem meisten Niederschlag (Foto: J.L. Lugon, 17.12.2017).
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Frühlingsszenario mit Nassschneelawine?! Nein. Nahe des Skigebiets Felskinn in Saas-Fee, VS ist auf 2850 m ein Gletschersee ausgebrochen. Der Stausee für die Beschneiungsanlage befindet sich direkt unterhalb und wurde so auf natürliche Weise nachgefüllt (Foto: P. Schneiter, 17.12.2017).
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Gleitschneelawinen wurden nicht nur in den schneereichen Gebieten des Westens und Nordens, sondern vereinzelt auch im Süden beobachtet. Bei einer Gleitschneelawine rutscht die gesamte Schneedecke auf dem Boden ab. Sie entstehen bevorzugt an glatten Grashängen. Hier ein schönes Beispiel an einem Sonnenhang im Skigebiet in Campo Blenio, TI (Foto: F. Vanza, 17.12.2017).
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Gleitschneeriss im Skigebiet von Ovronnaz (ca. 2000 m, Leytron, VS). Da ein Teil dieses sogenannten ,Fischmauls‘ schon eingeschneit ist, kann die Gleitbewegung seit dem letzten Schneefall sehr gut nachvollzogen werden (Foto: G. Cheseaux, 19.12.2017).
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Die stabilen Schneeverhältnisse in den schneereichen Gebieten haben vor allem in mittleren Höhenlagen steile Talabfahrten ermöglicht. Hier ein Couloir unterhalb der Pointe du Van (2277 m, Trient, VS) mit Blick zum Col de la Forclaz. Im Hintergrund erkennt man das verschneite Rhonetal (Foto: J.L. Lugon, 20.12.2017).
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Eine Gleitschneetafel hat in Alt St. Johann, SG an einem Südosthang auf rund 1000 m eine Nebenstrasse komplett blockiert (Foto: P. Diener, 20.12.2017).
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Aufgrund unterschiedlicher Setzungsraten entstanden im Valle de la Sionne (VS) interessante Muster. Im unmittelbaren Bereich der Büsche setzt sich die Schneedecke nur langsam, wodurch die ‚Hügel‘ entstehen (Foto: SLF/M. Hiller, 20.12.2017).
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Gut konservierter Weihnachtsbaum? Auf dem Säntis (2502 m, AR, AI, SG) bildete sich aufgrund der hochnebelartigen Bewölkung sehr eindrückliches Rauheis. Auch die Wetterstation im Hintergrund blieb nicht verschont davon (Foto: P. Diener, 20.12.2017).
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Auch im Zürcher Oberland gab es genug Schnee für beeindruckende Gleitschneelawinen. Eine hohe Gleitschneeaktivität zeigt dieses Bild aus Wald, ZH (Foto: T. Wälti, 20.12.2017).
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Magisch! Blick vom Grand Chavalard (2899 m, Fully, VS) auf das tiefverschneite Rhonetal (Foto: S. Léchaire, 21.12.2017).
 
 

Wetter, Schnee und Lawinensituation

Freitag, 15.12. bis Sonntag, 17.12.: Viel Neuschnee im Norden und im Westen, zahlreiche und teils grosse Lawinen

 

In der Nacht auf Freitag, 15.12. schneite es im Westen und am östlichen Alpennordhang intensiv. Die Schneefallgrenze sank von 1500 m bis in tiefe Lagen. Zeitweise starker Westwind begleitete den Schneefall. Von Mittwochmittag, 13.12. bis Freitagmorgen, 15.12. kamen beträchtliche Neuschneemengen zusammen (vgl. Abbildung 2).

 

Aufgrund der gebietsweise unerwartet grossen Neuschneemengen wurde die Lawinengefahr am Freitagmorgen angepasst und die Gefahrenstufe 4 auf alle Hauptniederschlagsgebiete ausgedehnt. Tagsüber gab es eine Niederschlagspause und Aufhellungen. Diese wurden von den Sicherungsdiensten zur künstlichen Auslösung von Lawinen genutzt. Viele Sprengaktionen verliefen erfolgreich und es konnten auch mittlere (vgl. Abbildung 3) bis grosse Lawinen (vgl. Abbildung 1) ausgelöst werden.

 

Vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten des Westens wurden auch spontane mittlere bis grosse Lawinen beobachtet (vgl. Abbildung 4), welche vereinzelt auch Schäden verursachten (siehe Kapitel Lawinenunfälle und Schadenlawinen ganz unten).

 

Von Freitagabend, 15.12. bis Sonntagvormittag, 17.12. fiel im Westen und im Norden erneut Schnee bis in tiefe Lagen. Gebietsweise kamen weitere 50 bis 80 cm Neuschnee hinzu (vgl. Abbildung 5).Der Wind wehte schwach bis mässig aus Nordwest. Am Sonntag war es im Westen zunehmend sonnig, im Osten fiel noch wenig Schnee. Im Süden war es am Samstag und Sonntag oft sonnig.

 

Unmittelbar nach dem Neuschnee waren die teils mächtigen Neu- und Triebschneeschichten noch ungenügend miteinander verbunden. Dies zeigte sich am Sonntag, 17.12. in weiteren Lawinenabgängen und in Stabilitätstests (vgl. Abbildung 6 und Abbildung 7).

 
 
 

Montag, 18.12. bis Donnerstag, 21.12.: Wechselhaft, Abnahme der Lawinengefahr, viele Gleitschneelawinen

Am Montag, 18.12. fielen am nördlichen Alpenkamm und im Unterwallis nochmals 15 bis 25 cm, sonst 5 bis 10 cm Schnee bis in tiefe Lagen. Im Süden war es teils sonnig. Der Wind blies im Norden und im Simplongebiet zeitweise mässig bis stark aus West bis Nordwest, sonst schwach bis mässig. Am Dienstag, 19.12. fielen im Norden weitere 5 bis 10 cm Schnee bis in tiefe Lagen. Im Süden war es meist sonnig. In der Höhe blies ein mässiger Wind aus Nord.

In der Nacht auf Mittwoch, 20.12. war es im Osten hochnebelartig bewölkt. Dabei kam es zu einem interessanten Niederschlagsphänomen. Am Mittwoch wurde an verschiedenen Orten am zentralen und östlichen Alpennordhang und in Nordbünden eine dünne Kruste an der Schneeoberfläche beobachtet. Diese war wenige Millimeter bis 1 cm dick und war an allen Expositionen teilweise bis auf eine Höhe von 2500 m vorhanden. Sehr wahrscheinlich gab es in der Nacht auf Mittwoch aus dem Hochnebel Niederschlag in Form von unterkühlten Wassertröpfchen, welche sich erst beim Auftreffen auf dem Boden bzw. der Schneeoberfläche in Eis umwandelten (vgl. Abbildung 8).

 

Am Mittwoch, 20.12. wurde es in den Bergen zunehmend sonnig. Im Süden war es ganztags sonnig. Im Hochgebirge blies gebietsweise starker, sonst schwacher bis mässiger Nordwind. Mit -3 bis -6 °C auf 2000 m war es vorerst noch kühl. Am Donnerstag, 21.12. war es zunächst oft sonnig. In der Höhe blies vor allem nachts noch zeitweise starker Nordwind. Tagsüber flaute er ab. Die Nullgradgrenze stieg gegen 2000 m.

In der zweiten Hälfte der Berichtsperiode entstanden mit dem Wind aus westlichen bis nördlichen Richtungen vor allem in der Höhe laufend kleinere, störanfällige Triebschneeansammlungen. Ansonsten setzten und verfestigten sich die mächtigen Neuschneeschichten der letzten Woche zunehmend. Dadurch nahm in den schneereichen Gebieten des Westens und Nordens die Gefahr einer Lawinenauslösung in bodennahen Schichten deutlich ab. Einzelne Brüche in tiefen Schichten der Schneedecke waren vor allem mit grosser Zusatzbelastung oder am Übergang von wenig zu viel Schnee möglich (vgl. Abb. 9).

 
 

In den schneeärmeren Gebieten des südlichen Wallis, Tessins, Mittelbündens, des Engadins und der Bündner Südtäler waren die bodennahen Schneeschichten noch deutlich weniger überdeckt. In diesen Gebieten wurden weiterhin Wummgeräusche aus tiefen Schichten der Schneedecke und sogar vereinzelt Fernauslösungen von Schneebrettlawinen beobachtet.

Im Laufe dieser Berichtsperiode nahmen auch die Gleitschneebewegungen zu und es gingen zahlreiche Gleitschneelawinen ab (vgl. Abbildung 10). Dabei handelt es sich um so genannte ‚Kalte Gleitschneelawinen‘. Bei diesen ist die Schneedecke nur am Übergang zum Boden 0 °C warm. Der Rest der Schneedecke ist kälter. Der Abgangszeitpunkt von kalten Gleitschneelawinen ist nicht wetterabhängig. Sie sind zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich wahrscheinlich. Aufgrund der grossen Schneehöhen gefährdeten die Gleitschneelawinen auch Strassenabschnitte, Leitungsmasten und vereinzelt Gebäude, auch in tiefen und mittleren Lagen. An Südhängen wurden Gleitschneelawinen bis in Höhenlagen von 2200 bis 2400 m, an Nordhängen bis in Höhenlagen von etwa 2000 m beobachtet.

 
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Abb. 10, Bild 1: Viele Gleitschneelawinen und Fischmäuler am Südwesthang der Pointe de Chemo (2626 m, Chamoson, VS). Die obersten Fischmäuler liegen auf etwa 2200 m (Foto: G. Cheseaux, 20.12.2017).
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Abb. 10, Bild 2: Gleitschneerutsche an einem Westhang auf rund 1200 m unterhalb der Haggenegg (Schwyz,SZ). Die Schneehöhe betrug rund 80 cm. Die gleitenden Schneemassen brachten die hölzernen Leitungsmasten in Schieflage. Durch Abtragen der Schneemassen wurde versucht, weitere Schäden zu verhindern (Foto: N. Schelbert, 20.12.2017).
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Abb. 10, Bild 3: Massive Gleitbewegungen wurden auch an den Südhängen auf rund 1000 m oberhalb von Alt St. Johann, SG beobachtet. Die lokale Lawinenkommission musste einige Nebenstrassen aus Sicherheitsgründen sperren (Foto: P. Diener, 20.12.2017).
 

Schneelage

Die Schneehöhen waren am Donnerstag, 21.12. am ganzen Alpennordhang klar überdurchschnittlich. Zwischen 1000 und 2000 m lag vielfach rund doppelt so viel Schnee wie normal um diese Jahreszeit.  An vielen Stationen auf dieser Höhenlage hatte es letztmals kurz vor Weihnachten 2011 und 2012 ähnlich viel Schnee. Oberhalb von rund 2000 m lag am Alpennordhang etwa 1.5-mal mehr Schnee als normal.  Nur eine Station (Titlisboden 2150 m, Engelberg, OW, Messbeginn 1993) zeigte Rang 1 für die Schneehöhe an einen 21. Dezember, aber rund 50% aller Stationen mit mindestens 20 jähriger Messreihe lagen zwischen Rang 1 bis 5. Letztmals waren die Vorweihnachtstage der Jahre 2011, 2012 und 2002 in dieser Höhenlage ähnlich schneereich. Im Tessin und den Vispertälern waren die Schneehöhen in Lagen über 2000 dagegen leicht unterdurchschnittlich.

Im Gegensatz dazu ist der Schneereichtum in den Tallagen des Sottoceneri in den ersten 20 Dezembertagen erwähnenswert. Locarno und Bellinzona waren seit 11 Tagen schneebedeckt. Die durchschnittliche Schneehöhe war dort letztmals 1991 ähnlich gross.

 

Lawinenunfälle und Schadenlawinen

In dieser Berichtsperiode wurden vier Lawinen mit Personenbeteiligung und zwei Schadenlawinen gemeldet.

  • In der Nacht auf Freitag, 15.12. entluden sich oberhalb von La Fouly, VS aus dem Talkessel des Glacier de l’A Neuve einige grosse Lawinen. Mindestens eine davon verursachte einen Waldschaden oberhalb des Campingplatzes von La Fouly.
  • Am Samstag, 16.12. wurde im Jura am Nordhang der Hasenmatt (Selzach, SO) eine Person von einem Rutsch erfasst und mitgerissen.
  • Am Sonntag, 17.12. wurde an einem Südosthang auf 2500 m im Skigebiet Marguns (St. Moritz, GR) eine Person von einer Lawine erfasst. Sie blieb unverletzt.
  • Am Sonntag, 17.12. musste das Bahntrassee der Matterhorn-Gotthardbahn zwischen Nätschen und Oberalppass wegen einer Gleitschneelawine vorübergehend gesperrt werden.
  • Am Sonntag, 17.12. löste sich im Skigebiet Ratzi (Spiringen, UR) an einem Südhang auf rund 1700 m eine Gleitschneelawine (vgl. Abbildung 11), exakt zum Zeitpunkt, als sich ein Snowboarder im Anrissbereich befand. Da sich Gleitschneelawinen kaum künstlich auslösen lassen ist nicht ganz klar, ob der Snowboarder die Lawine ausgelöst hat, oder ob das Zusammentreffen des Schneesportlers und der Lawine ein seltener Zufall war. So oder so bestätigt das Beispiel die Richtigkeit der Empfehlung, sich nicht unnötig lange im Bereich von Gleitschneerissen aufzuhalten. Da unklar war, ob jemand verschüttet sein könnte, wurde die bis zu 3 m mächtige Ablagerung mit Sondierstangen abgesucht.
 
  • Am Donnerstag, 21.12. wurde eine Person an einem Südhang auf 3200 m im Skigebiet von Verbier von einer Lawine mitgerissen. Sie wurde nicht verschüttet, aber verletzt.
 

Suchaktionen werden als Schadenlawinen gewertet, da jede Suchaktion auch Kosten verursacht. Es ist daher wichtig, Lawinenabgänge, welche glimpflich verliefen zu melden. Für eine solche Meldung wendet man sich entweder an die Rega (1414) oder im Bereich von Skigebieten an den zuständigen Pistenrettungsdienst.

 
 

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